Lamine Sane ist gerne bei Werder Bremen.
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Lamine Sane ist gerne bei Werder Bremen.

Werder-Innenverteidiger

Lamine Sane im Interview: „Die großen Brecher mag ich lieber“

Bremen - Werder-Verteidiger Lamine Sane spricht im Interview über seine Abwehrarbeit, Werders Aufschwung, das Vorbild Claudio Pizarro und seine Deutschkenntnisse.

Dass Werder in der Rückrunde erst acht Gegentore kassiert hat, ist eng verknüpft mit einem Namen: Lamine Sane. Der Innenverteidiger aus dem Senegal ist aus der Mannschaft längst nicht mehr wegzudenken, er sorgt für Stabilität und gibt den Teamkollegen Sicherheit. Erst vor wenigen Tagen hat Sane seinen 30. Geburtstag gefeiert, aber auch sonst gibt es für ihn in Bremen derzeit reichlich Grund zur Freude.

„Es gefällt mir super hier“, betont er im Interview. Außerdem hat Sane verraten, warum ihn Claudio Pizarro so beeindruckt, weshalb er seine Gelben Karten zählt – und wie es um seine Deutschkenntnisse bestellt ist. Noch musste Dolmetscherin Lina Beckmann Sanes Antworten zwar aus dem Französischen übersetzen, doch der 30-Jährige weiß: „Meine Schonfrist ist leider vorbei.“

Herr Sane, Sie sind vor einer Woche 30 Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch. In Deutschland wird das groß gefeiert, haben Sie das auch gemacht?

Sane: Nein, es gab keine große Party. Einen Tag nach meinem Geburtstag war ja auch Training. Am freien Wochenende danach war ich dann in Bordeaux mit ein paar Kumpels unterwegs. Das war aber nichts Großes.

Fühlen Sie sich mit 30 Jahren jetzt als alter Fußballer?

Sane: Das habe ich doch schon mit 28 gemacht (lacht). Nein im Ernst: Über mein Alter mache ich mir keine Gedanken. Ich spiele von Saison zu Saison und konzentriere mich auf das Hier und Jetzt.

Macht es Ihnen Mut, dass Sie in Claudio Pizarro einen Teamkollegen haben, der mit 38 Jahren noch spielt?

Sane: Claudio verstehe ich nicht (lacht). Bei jedem Training frage ich mich, wie er das macht. Claudio ist einfach ein tolles Beispiel. Ich habe aber inzwischen ohnehin das Gefühl, dass immer mehr Profis länger spielen. Früher war eine Karriere mit 30, 31 oder 32 Jahren definitiv zu Ende. Ich möchte so lange spielen, wie ich kann, weil es ein Glück ist, diesen Beruf zu haben. Aber so lange wie bei Claudio geht es bei mir ganz sicher nicht, das schaffe ich nicht.

Lamine Sane (l.) über Nebenmann Niklas Moisander: "Inzwischen verstehen wir uns fast blind."

Als Sie nach Bremen kamen, haben Sie von Ihren Knieproblemen berichtet und davon, dass bei Werder eine andere Behandlung vorgenommen wird. Hat sich das inzwischen ausgezahlt?

Sane: Auf jeden Fall. Ich kann immer trainieren, wenn auch nicht immer draußen, aber ich trainiere. Und ich habe wegen des Knies auch nur ein Spiel verpasst. Da klopfe ich doch auf Holz und bin für die Behandlung dankbar.

Wegen des Knies haben Sie Anfang des Jahres Ihre Teilnahme am Afrika-Cup abgesagt. Jetzt waren Sie auch nicht bei den Länderspielen des Senegals. Sind Sie noch Nationalspieler?

Sane: Ich bin so lange Nationalspieler, bis ich meine Karriere selbst beendet habe. Okay, diesmal hat mich der Trainer nicht nominiert. Das respektiere ich. Wenn er mich irgendwann anruft, dann schauen wir, was wir machen können.

Eigentlich muss er Sie anrufen, denn Werder bekommt so wenig Gegentore wie gefühlt eine halbe Ewigkeit nicht mehr. Und dafür sind ein Senegalese und ein Finne mitverantwortlich – wie passt das zusammen?

Sane: Man sollte die Außenverteidiger nicht vergessen, wir sind schließlich eine Mannschaft. Aber Niklas Moisander und ich passen wirklich gut zusammen. Gegensätze ziehen sich eben an (lacht). Nein, so unterschiedlich sind wir eigentlich gar nicht. Inzwischen verstehen wir uns fast blind. Natürlich gehört auch immer etwas Glück dazu.

Verteidigen Sie lieber gegen große Brecher oder gegen kleine Dribbler?

Sane: Eigentlich ist es mir egal. Aber ganz ehrlich: Diese großen Brecher mag ich schon lieber. Diese kleinen Wuseligen, die können dir schon mal irgendwie an der Seite vorbei entwischen.

Sie haben in 21 Bundesliga-Spielen nur zwei Gelbe Karten bekommen, das ist wenig für einen Innenverteidiger. Waren Sie schon immer so fair?

Sane: Ja. Ich habe in meiner ganzen Karriere nur zwei Rote Karten gesehen – und ich könnte Ihnen auch alle Gelben Karten aufzählen. Ich versuche, keine Karten zu bekommen, und bin deshalb auch immer sehr freundlich zum Schiedsrichter.

Viele Ihrer Kollegen schaffen das nicht.

Sane: Da hilft mir das Alter (lacht). Früher war ich auch aufbrausender. Aber ich kannte immer diese Grenze, die man nicht überschreiten darf. Man sollte sowieso alles mit einem Lächeln begleiten. Denn ist die Entscheidung getroffen, wird sie nicht mehr geändert.

Sie haben sich am Anfang der Saison mal gewünscht, einen echten, defensiven Sechser vor der Abwehr zu haben. Ist der in Thomas Delaney gefunden?

Sane: Ja! Aber auch Maximilian Eggestein hat das gut gemacht, als Thomas verletzt war. Dieser feste Sechser ist der erste Filter, der die Arbeit in der Abwehr erleichtert.

Hinter Ihnen steht Torwart Felix Wiedwald – wie sehr wirkt sich sein gestiegenes Selbstvertrauen auf die Abwehr aus?

Sane: Es geht ja vorne los. Ein Stürmer geht mehr Risiko, wenn er sich auf das Mittelfeld verlassen kann. Genauso ist es beim Mittelfeld, wenn die Abwehr funktioniert. Und für uns als Abwehr ist es einfach gut zu wissen, dass wir als letzten Wall hinten drin diesen Torwart haben. Und Felix hat wirklich großartige Spiele für uns abgeliefert.

Lamine Sane (r., gegen Dortmunds André Schürrle) hat großen Anteil, dass Werder zuletzt nur wenige Gegentore kassierte.

Was ist das Wichtigste, um nach der Länderspielpause die Erfolgsserie in Freiburg fortzusetzen?

Sane: Wir müssen es machen wie in Leverkusen. Da haben wir vorher auch gesagt, dass wir dort punkten wollen. Wir müssen in Freiburg angriffslustig sein. Ich gucke gar nicht mehr, was unter uns in der Tabelle ist, sondern was über uns los ist. Die Punkteabstände sind in beide Richtungen knapp. Wir können uns jetzt nach oben spielen.

Was ist für Werder noch drin?

Sane: Wir wollten in der ersten Tabellenhälfte landen, das ist noch möglich. Es ist jetzt Frühling, wir sind alle sehr motiviert und haben Lust zu spielen. Außerdem muss eine Mannschaft, in der so eine tolle Stimmung herrscht, die so tolle Charaktere hat, einfach erfolgreich sein. Es ist einfach toll hier!

Sie sind schon so lange Profi, haben viele Mannschaften erlebt, was macht denn diese so besonders?

Sane: Hier ist immer eine motivierende Stimmung. Wir waren ja mal Letzter – und ich hatte das Gefühl, wir wären Erster. Das ist einfach der ganze Verein mit seinen tollen Mitarbeitern. Ich weiß gar nicht, wo das genau herkommt, wer dieses Gefühl versprüht, aber es ist einfach schön. Das bringt einen dazu, immer weiterzumachen und sich verbessern zu wollen. So ein ähnliches Gefühl hatte ich zwar auch mal in Bordeaux, aber hier ist es noch mal etwas größer. Es fällt mir wirklich schwer, das richtig zu beschreiben.

War Bremen also im vergangenen Sommer die richtige Entscheidung?

Sane: Auf jeden Fall.

Sie haben gesagt, nur von Saison zu Saison zu denken. Werden Sie deshalb nach dieser Spielzeit nochmal mit Werder sprechen?

Sane: Wir müssen nicht über meinen Vertrag sprechen. Da steht doch drin, dass ich noch ein Jahr in Bremen bin – und es gefällt mir super hier.

Vermissen Sie nicht Ihre Familie?

Sane: So alleine bin ich hier doch gar nicht, auch wenn meine Tochter in Paris lebt. Aber mein Bruder spielt gleich nebenan in Hannover. Meine Freundin lebt mit mir in Bremen. Also habe ich ja eine kleine Familie in Deutschland (lacht).

Und wie läuft es mit der Sprache? Beim letzten Interview haben Sie sich mit einem „Lebenslang Grün-Weiß“ verabschiedet...

Sane: Das kann ich immer noch (lacht). Es wird besser, aber das Verstehen ist einfacher als das Sprechen. Meine Schonfrist ist leider vorbei, alle sprechen nur noch Deutsch mit mir, ich habe keine Wahl mehr.

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