Lars Lukas Mai, Neuzugang des SV Werder Bremen, schaut oft grimmig: „Der Gegner soll Angst vor mir haben“, sagt er bei seiner Vorstellung.
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Lars Lukas Mai, Neuzugang des SV Werder Bremen, schaut oft grimmig: „Der Gegner soll Angst vor mir haben“, sagt er bei seiner Vorstellung.

Vorstellung des Innenverteidiger

Werder-Neuzugang Lars Lukas Mai stellt sich vor: „Der Gegner soll Angst vor mir haben“

Zell am Ziller – Das Fahrrad, mit dem er den kurzen Weg vom Hotel zum Trainingsplatz zurückgelegt hatte, stellte Lars Lukas Mai am Freitagnachmittag ordnungsgemäß neben der Ersatzbank ab, ehe er sich quer über den Rasen auf den Weg zu seinem ersten Medientermin als Profi des SV Werder Bremen machte.

Sein Gesichtsausdruck – schmaler Mund, zusammengezogene Augenbrauen, grimmiger Blick – sprach dabei nicht unbedingt für Vorfreude, hatte aber nichts mit den wartenden Journalisten zu tun, wie der 21-Jährige später verriet. Einen Tag nach seinem Wechsel (per Leihe) vom FC Bayern München zu Werder Bremen präsentierte sich Mai auskunftsfreudig und schlagfertig und erklärte unter anderem, warum er nicht so gerne lacht, welches Lied er gerade einstudiert – und warum sein Bruder noch eine Rechnung mit ihm offen hat. Lars Lukas Mai über. . .

. . . seinen Wechsel zu Werder Bremen

Am Mittwoch schnell noch den Medizincheck absolviert, am Donnerstag dann schon Teil der grün-weißen Reisegruppe, die sich auf den Weg ins Trainingslager im Zillertal machte – hinter Werders neuem Innenverteidiger liegen aufregende Tage. „Es ging alles relativ fix, es war eine schnelle Entscheidung“, sagt Lars Lukas Mai, der nach dem Anruf von Werders Sportchef Frank Baumann schnell wusste, was er will: „Wenn Werder sich meldet, überlegt man nicht lange. Das ist ein riesen Traditionsverein, und ich liebe Traditionsvereine. Ich habe ja auch schon für Dynamo Dresden und Bayern München gespielt.“

. . . sein Aufnahmeritual

Gut möglich, dass sich Werders Ersatztorhüter Eduardo Dos Santos Haesler in den kommenden Tagen mit Ohrenschmerzen plagt, schließlich teilt er sich im Teamhotel ein Zimmer mit Lars Lukas Mai – und der wiederum bereitet sich gerade auf einen großen Auftritt vor. „Ich habe mich informiert. Als Neuzugang muss ich noch singen“, sagt Mai, der sich bei der Songauswahl schon festgelegt hat: „Ich singe ,Marmor, Stein und Eisen bricht‘, und hoffe, das Ding kommt gut an.“ Warum ausgerechnet den alten Drafi-Deutscher-Gassenhauer? Nun ja, weniger aus persönlicher Vorliebe für Schlager, sondern mehr aus pragmatischen Gründen. Mai erklärt: „Es ist einfach zu singen und nimmt alle mit.“

. . . den U21-EM-Titel

Es ist gerade einmal einen Monat her, da feierte Mai den größten Erfolg seiner noch jungen Laufbahn und wurde mit Deutschland U21-Europameister. „Ich bin unheimlich stolz, Teil dieser Mannschaft gewesen sein zu dürfen“, sagt der Mann, der im Viertelfinale gegen Dänemark 33 Minuten auf dem Platz stand, also sicher keine Hauptrolle im Team von Stefan Kuntz innehatte, aber dennoch einen wichtigen Beitrag leistete. „Ich hatte meinen Anteil daran, dass wir weitergekommen sind, und kann jetzt immer von mir sagen, dass ich U21-Europameister bin“, betont Mai, dessen ohnehin großes Selbstvertrauen (siehe den folgenden Punkt) durch den Titelgewinn noch einen zusätzlichen Schub bekommen hat. Für Deutschlands U21 hat Mai insgesamt fünf Spiele bestritten. Seit der U15 hat er beim DFB keine Altersstufe ausgelassen. Mit Manuel Mbom, dem neuen Teamkollegen bei Werder Bremen, stand er früher schon gemeinsam für Deutschland auf dem Platz.

. . . sein Selbstvertrauen

Wer Lars Lukas Mai noch nicht lange kennt und ihn über Fußball und seine Rolle in diesem Sport reden hört (so wie die Bremer Journalisten am Freitag im Zillertal), der kann schnell den Eindruck gewinnen, dass dort ein gestandener Profi, ein längst mit allen Wassern gewaschener, sagen wir, 36-Jähriger spricht. „Egal, wer da vorne drin steht, er wird es schwer haben“, sagt der Abwehrspieler etwa über die Stürmer der 2. Bundesliga. Oder, noch zwei äußerst prägnante Mai-Sätze: „Ich bin ein sehr verbissener Typ. Ich will jedes Spiel gewinnen, egal, ob es ein Brettspiel, ein Trainingsspiel oder ein Fußballspiel ist.“ Eine Einstellung, die er während seiner Ausbildung in der Nachwuchsabteilung des FC Bayern München eingeimpft bekommen haben dürfte.

. . . den FC Bayern

Sechs Jahre lang, von 2014 bis 2020, hat Mai für den Rekordmeister gespielt, von der U16 bis hoch zu den Profis, für die er in der Saison 2017/18 zweimal in der Bundesliga auf dem Platz stehen durfte. „Allein das Training dort bringt einen als jungen Spieler sehr weiter“, sagt Mai, der gemeinsam mit Größen wie Mats Hummels und Jerome Boateng auf dem Platz stand und sich viel von ihnen abgeschaut hat. Mais Ansprechpartner Nummer eins war allerdings ein anderer: Joshua Kimmich. „Er hat mir einiges mitgegeben und zum Beispiel gesagt, dass man als junger Spieler frech sein soll, natürlich mit einer gehörigen Portion Respekt.“

. . . seinen bösen Blick

Kein Lächeln, nicht einmal der Anflug davon – nachdem Werder Bremen am Donnerstag die erste kurze Video-Grußbotschaft von Lars Lukas Mai im Internet veröffentlicht hatte, fragten sich einige Fans, ob der 21-Jährige vom Club womöglich entführt worden sein könnte. Freiwillig, so schien es, konnte Mai jedenfalls nicht in dem Filmchen mitgewirkt haben – hatte er aber. Und sein Blick, nun ja, der ist (fast) immer so. „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ auf dem Feld. Der Gegner soll Angst vor mir haben. Deswegen schaue ich grimmig“, erklärt er. Nur bei seiner Familie, da zeige er auch mal seine andere Seite. „Da kann ich einfach abschalten, mal nicht über Fußball reden und komme ich auf andere Gedanken. Das bereitet mir viel Freude.“

. . . das Brüderduell

Mais älterer Bruder Sebastian ist in der vergangenen Saison mit Dynamo Dresden als Drittliga-Meister in die 2. Liga aufgestiegen, wird in der neuen Serie also als Gegner des SV Werder Bremen und seines Bruders auf dem Platz stehen. „Ich freue mich sehr darauf“, sagt Lars Lukas Mai – und blickt zurück: „Wir kennen die Situation ja von früher, als ich bei Bayern II gespielt habe und er in Halle. Da habe ich beide Spiele gewonnen. Er hat deswegen schon gesagt, dass er noch eine Rechnung mit mir offen hat, wenn wir aufeinandertreffen.“

. . . seinen Herzensclub

Die grün-weiße Werder-Raute trägt Lars Lukas Mai ab sofort auf der Brust, doch in ihm drin, da dominieren zwei ganz andere Farben. „Mein Herz ist schwarz-gelb. Ich verfolge jede Saison von Dynamo Dresden“, sagt Mai, der im März des Jahres 2000 in der sächsischen Hauptstadt geboren wurde und bei Dynamo einst mit dem Fußballspielen begann. (dco)

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