Lars Lukas Mai hat ein schweres Jahr hinter sich: Nach dem Tod seiner Mutter sitzt die Trauer tief, auch sportlich lief es bei Werder Bremen bisher nicht optimal.
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Lars Lukas Mai hat ein schweres Jahr hinter sich: Nach dem Tod seiner Mutter sitzt die Trauer tief, auch sportlich lief es bei Werder Bremen bisher nicht optimal.

Mai will sportlich wieder angreifen

Wenn die Mutter stirbt: Werder-Spieler Lars Lukas Mai spricht offen über seine schwierige Zeit

Bremen – Lars Lukas Mai ist ein Mensch. Zugegeben, diese Aussage ist an Banalität kaum zu übertreffen. Aber vielleicht steckt in der Einfachheit dieses Satzes mehr elementare Wahrheit als vermutet. Vor allem dann, wenn sie sich zu etwas Großem summiert. Denn Lars Lukas Mai ist auch Profifußballer. Bei Werder Bremen sogar, wo er bislang mehr Tiefen als Höhen erlebte. Darüber hinaus ist der Mann, der eigentlich von allen nur Lasse genannt wird, gerade einmal 21 Jahre alt. Und er hat seine Mutter verloren.

Etwas mehr als ein Jahr ist es jetzt her, dass der Krebs siegte. „Es ist am 22. November 2020 passiert und war wie ein Schock. Erst ein halbes Jahr später habe ich realisiert, dass der wichtigste Teil der Familie einfach weg war“, sagte Lars Lukas Mai jetzt in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung. Geblieben ist eine große Trauer, die bis in die Gegenwart reicht. Und einen jungen Mann belastet, der eigentlich Höchstleistungen für seinen Verein bringen soll und möchte. Doch genau das gelang in der abgelaufenen Hinrunde nicht immer, speziell nach den Spielen des SV Werder Bremen gegen den SC Paderborn (1:4) und SV Sandhausen (2:2) stand Mai nach schwerwiegenden Patzern heftig in der Kritik. Medial geriet er ins Kreuzfeuer, im Internet wurde ausufernd und nicht selten polemisch über sein Können diskutiert, mancherorts gab es wüste Beschimpfungen und üble Beleidigungen.

Werder Bremen: Lars Lukas Mai spricht offen über seine Gefühle - Trainer Ole Werner bekundet „größten Respekt“

Und Lasse Mai fehlte der Rettungsanker, die Geborgenheit der Mama. „Bei Sorgen bin ich immer zu ihr gegangen und sie hat mich getröstet. Sie hat immer die richtigen Worte gefunden. Nach einem schlechten Spiel hat sie mich aufzubauen gewusst und gesagt, dass ich an mich glauben soll“, sagte Mai. „Als ich meine beiden Katastrophen-Spiele hatte, habe ich gemerkt, wie sehr mir ihr Zuspruch gefehlt hat.“ Dazu gesellten sich böse Gedanken an die letzten gemeinsamen Stunden. „Sie ist in unserem Haus friedlich eingeschlafen. Diese Bilder vergisst man nicht“, sagte der Verteidiger. „Ich höre jeden Abend ihren letzten Atemzug. Auch wenn es uns als Familie noch mehr zusammengeschweißt hat – so etwas wünsche ich keinem.“

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Profifußballer derart offen über ihre Gefühle und die Gründe für ihre Leistungsschwankungen sprechen. Zu schnell könnte ihre Emotionalität schließlich als Schwäche in einem vermeintlich beinharten Geschäft ausgelegt werden. „Ich habe größten Respekt davor, welchen Weg er da gewählt hat, so frei zu sprechen“, sagte Werder Bremens Trainer Ole Werner, als er nun in einer Medienrunde darauf angesprochen wurde. „Jeder hat seinen eigenen Weg, mit persönlichen Schicksalsschlägen umzugehen. Der eine klärt die Dinge für sich, der andere wählt Lasses Weg. Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Wichtig ist nur, dass sich die Person damit wohlfühlt.“

Werder Bremen: Spieler können bei Problemen zu Trainer Ole Werner gehen

Bei Werder Bremen wussten sie schon weit vor dem jetzigen Interview, was den U21-Europameister bedrückt. Auch Ole Werner war trotz seiner noch recht kurzen Amtszeit bereits im Bilde. „Es ist schon wichtig, als Trainer zu wissen, was beim Spieler privat los ist“, erklärte der 33-Jährige. „Es wird immer gesagt, das sind Profis, die müssen damit umgehen. Aber auch Profis sind Menschen. Insofern gibt es da viele Themen, die die Leistung, das Wohlbefinden beeinflussen.“

Und so mag die Schwere der Geschichte um Lars Lukas Mai besonders sein, ein Einzelfall ist sie nur bedingt. „Als Trainer erlebt man es häufiger, dass Spieler mit privaten Themen auf einen zukommen“, sagt Ole Werner. „Da muss man dann nach Lösungen suchen. Im Umgang mit Lasse und auch mit anderen Spielern versuche ich, möglichst normal mit ihnen umzugehen – aber auch das Zeichen zu geben, dass man mit diesen Themen zu mir kommen und offen darüber reden kann.“

Werder Bremen: Neue Chance in der Abwehr? Lars Lukas Mai ist bereit: „Jetzt lege ich die Trauer beiseite“

Werders Abwehrspieler will durch seine Offenheit auch den nächsten Schritt bei seiner ganz persönlichen Trauerarbeit machen. Nicht nur am Grab der Mutter, das er regelmäßig besucht und wo er sich nach eigener Aussage oft vorstellt, dass sie noch da sei und mit ihm reden könne. „Aber das ist nicht mehr so. Ich muss jetzt meinen eigenen Weg finden“, sagte er: „Und ich will ihr etwas zurückgeben.“

Am liebsten möchte er das so schnell wie möglich tun. Gern auf dem Platz, gern für den SV Werder Bremen, gern noch in dieser Rückrunde, gern wieder mit der früheren Leichtigkeit. Der Zufall will es, dass nach den neuerlichen Corona-Infektionen von Marco Friedl und Milos Veljkovic vorerst zwei Plätze in der Abwehr frei geworden sind. Lasse Mai schaltet deshalb direkt in den Angriffsmodus. „Trauer braucht ihre Zeit. Aber jetzt lege ich die Trauer beiseite“, kündigte er an. „Es muss weitergehen. Meine Mutter hätte gewollt, dass ich niemals aufgebe. Daraus ziehe ich jetzt meine Kraft.“ Anders, das ist spürbar, wird es nicht gehen. Lars Lukas Mai ist eben auch nur ein Mensch.

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