Lars Stindl von Borussia Mönchengladbach ist in Top-Form - und will jetzt auch gegen Werder Bremen glänzen.
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Lars Stindl von Borussia Mönchengladbach ist in Top-Form - und will jetzt auch gegen Werder Bremen glänzen.

Werder gegen Gladbach am Dienstagabend

Bei Lars Stindl folgt Gala auf Gala - nun will der Gladbacher auch gegen Werder glänzen

Mönchengladbach - In seiner komfortablen Lage müsste er normalerweise nichts und niemanden fürchten. Seine unbeschreibliche Klasse, aktuell dokumentiert durch eine formidable Form, dazu das Momentum, das eindeutig für sein Team spricht – alle Trümpfe in seiner Hand und im Besitz seiner Mannschaft. Doch Lars Stindl reagiert anders als erwartet, als er der „Deichstube“ ein Statement zum Hinrunden-Abschluss im Heimspiel gegen Werder Bremen abgibt.

„Wir wissen, dass es gegen Werder nicht einfach wird“, erklärte der Kapitän von Borussia Mönchengladbach vor dem Spiel gegen den SV Werder Bremen (heute, 18.30 Uhr im DeichStube-Liveticker). Einige werden dies als eine diplomatische Aussage des augenblicklich besten Gladbachers einstufen, die dieser unmittelbar nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart getätigt hat. Doch Lars Stindl, erfahren genug, weil seit gut einem Jahrzehnt in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv, weiß um die Bedeutung der letzten Partie in der ersten Halbserie und um die Schwere der Aufgabe der favorisierten Borussia. „Werder ist immer gut eingestellt“, betont der 32-Jährige die taktische Variabilität des Gegners.

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach: Kann Werder Lars Stindl stoppen?

Und dem seit 2015 am Niederrhein engagierten Techniker mag auch nicht verborgen geblieben sein, dass die Bremer unter Florian Kohfeldt seit langem in der Fremde besser und effektiver spielen als in der einstigen Hochburg Weserstadion, die längst viel von ihrem Schrecken verloren hat. Daran konnte auch der jüngste Heimsieg gegen den FC Augsburg in einer dürftigen Partie nichts ändern. Stindl hat das Resultat realisiert, nimmt indes eher die letzte Leistung der Grün-Weißen in einer Auswärtspartie zum Maßstab. Mit diesem Satz unterstreicht er seine mahnenden Worte: „Werder hat zuletzt auch in Leverkusen gepunktet.“ Zudem erinnert der Gladbach-Regisseur, dem der „kicker“ jüngst bescheinigt hat, in der „Form seines Lebens“ zu agieren, an die letzte Auseinandersetzung mit dem Rivalen aus dem Norden: Im Mai sei es auch „ein schweres und offenes Spiel“ gewesen: „Am Ende ein 0:0.“

Lars Stindl und Werder Bremen– da war doch was? Viele Fans erinnern sich noch an sein Weltklassetor, das er am 15. Oktober 2017 beim 2:0-Erfolg gegen Werder erzielte. Rückblende: 27. Spielminute, Zuspiel auf Thorgan Hazard, Jiri Pavlenka pariert, der Ball kommt zu Stindl, doch dieser steht mit dem Rücken zum Tor, es folgt ein Bauerntrick ausgerechnet gegen Robert Bauer, eine Drehung um 180 Grad. So brachte sich Stindl in Position und krönte die aufsehenerregende Aktion mit einem hübschen Schlenzer ins lange Eck. Der „beste Innenrist der Liga“, wie seine Bewunderer schwärmen, hatte getroffen. Das zweite Tor an diesem Tag für die Westdeutschen erzielte ein früherer Bremer, der inzwischen in England spielende Jannik Vestergaard.

Stindl ist in Speyer geboren, zwischen 2000 und 2010 reifte er beim Karlsruher SC zum Profi, bevor er fünf Jahre bei Hannover 96 seine eindrucksvollen Spuren hinterließ. MIt Werder verbinden ihn vor allem gute Erinnerungen. Unter anderem daher: Seinen ersten Treffer für den aktuellen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach erzielte er am 30. August 2015 beim 1:2 gegen Bremen. Insgesamt liest sich seine persönliche Bilanz gegen Werder positiv: zehn Siege, sechs Remis und nur fünf Niederlagen.

Vor Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach: Florian Kohfeldt voll des Lobes für Lars Stindl

Dieses Konto soll nun noch aufgebessert werden, wobei Lars Stindl, bis 2023 bei der Borussia unter Vertrag, zu einem wesentlichen Erfolgsgaranten werden könnte. Seit Wochen brilliert der Regisseur, den Trainer Marco Rose als seinen „Anführer“ bezeichnet. Werder-Coach Florian Kohfeldt sieht in Stindl einen „richtig, richtig guten Spieler, der selbst in einer top-besetzten Mannschaft wie der Borussia ein Unterschiedsspieler ist.“ Auf jeden Fall ist er ein Mann für das Besondere, der mit seinem Spielverständnis, seinem Blick für die passenden Räume und seinem Vermögen, exakte Pässe in die Tiefe zu spielen, eine Partie entscheiden kann.

So reiht er im zentralen offensiven Mittelfeld eine Gala an die andere. Bestes Beispiel: Glanzleistung beim Sieg gegen den Titelverteidiger Bayern München, als zwei spektakuläre Zuspiele in die Vertikale die Abwehr des Meisters wie eine übende Nachwuchself aussehen ließen und den 3:2-Erfolg einleiteten. Und auch beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Samstag glänzte er mit einem Tor und einem Assist. Florian Kohfeldt hat sich bereits den Kopf zerbrochen, wie Stindl zu stoppen sein könnte. „Schwer“ sei das, sagt er: „Lars Stindl hat unglaublich gute Bewegungen, sein Freilaufverhalten ist exzellent. Wir können ihn nicht in Manndeckung nehmen, denn dann gehen Räume für andere auf. Es geht nur über eine gute Abstimmung und gute Zweikämpfe.“

Wie gut Lars Stindl in Form ist und wie beständig er dabei auftritt, belegen diese Zahlen: Seit Beginn des letzten Jahres wirkte er in 32 Spielen mit, verzeichnete 32 Torbeteiligungen, darunter 17 Tore, nicht mitgerechnet zehn vorletzte Pässe. Imposante Daten, die nur noch von einem Münchner übertroffen werden. Thomas Müller, der auf die gleiche Zahl der Einsätze kommt, war an 32 Treffern der Bayern beteiligt, 13 Tore und 19 Assists.

Ausgang des letzten Kalenderjahres wurden die Rufe nach einem Comeback Müllers in der Nationalelf immer lauter. Zuletzt schwächelte der Weltmeister aus München jedoch, während Stindl immer mehr aufdrehte. Für neutrale Beobachter ist Stindl längst der bessere Müller, eher prädestiniert, von Bundestrainer Joachim Löw in die Nationalelf berufen zu werden. Im Gegensatz zum „Raumdeuter“ Müller ist Stindl, der das letzte seiner elf Länderspiele am 27. März 2018 beim 0:1 gegen Brasilien absolviert hat, ein genialer Kicker, somit mit seinen Qualitäten eine optimale Option gegen tief stehende und kompakte Abwehrformationen.

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl will unbedingt drei Punkte

Ob er noch mal ein Thema bei Jogi Löw im Blick auf die Europameisterschaft wird? Lothar Matthäus hat sich gerade erst genau dafür stark gemacht. In der Neuzeit gilt Lars Stindl, übrigens der Schütze des Siegtores beim 1:0 gegen Chile im Finale des Confed-Cups 2017, als der „verhinderte Nationalspieler“. Kaum ein Kandidat für internationale Spiele hatte so viel Pech zu beklagen, weil schwere Verletzungen ihn immer wieder aus dem Tritt brachten, seine Karriere blockierten. So im April 2018 ein Riss der Syndesmose, der seine Teilnahme an der WM in Russland verhinderte. So im April des folgenden Jahres ein Bruch des Schienbeins, der erneut eine lange schöpferische Pause erzwang.

Von diesen Schicksalsschlägen hat sich der zum „Spieler des Monats Dezember“ in der Liga gewählte Profi inzwischen erholt. Wie erwähnt: In einer so überragenden Verfassung wie im Moment war er selten in seiner beachtenswerten Karriere. Er hofft, dass sich dies fortsetzt. Bei ihm persönlich und noch natürlich auch bei der Borussia-Truppe, über die er dieses Urteil fällt: „Wir sind gut ins neue Jahr gestartet und haben aus drei Spielen sieben Punkte geholt.“ Anders als 2020, als Borussia Mönchengladbach einige Zähler leichtfertig verschenkte, scheint nun wieder die Effektivität zu stimmen, wodurch der Kontakt zur absoluten Spitze hergestellt werden konnte. Trotz allem Respekt vor dem zu beachtenden Außenseiter Werder Bremen hat Stindl daher diesen Wunsch für das Treffen am Dienstag: „Wir wollen die Hinserie unbedingt mit einem Sieg abschließen.“

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