In seinen ersten Monaten bei Werder Bremen war Lee Buchanan der Back-up-Profi für die linke Außenbahn, soll perspektivisch aber eine gewichtigere Rolle spielen.
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In seinen ersten Monaten bei Werder Bremen war Lee Buchanan der Back-up-Profi für die linke Außenbahn, soll perspektivisch aber eine gewichtigere Rolle spielen.

Engländer kommt immer besser zurecht

Gruß durch den Gitterzaun: Noch ist Lee Buchanan ein Herausforderer beim SV Werder Bremen, was sich aber bald ändern könnte

Bremen – Ob es nun explizit als Weihnachtsgruß gedacht war, ließ sich am Dienstagvormittag nicht aufklären. Deutlich wurde allerdings, dass der Mann auf dem Fahrrad Lee Buchanan eine Freude machen wollte. Aus diesem Grund hielt er abrupt direkt vor der Gittertür am Trainingsplatz an – und bedankte sich beim jungen Engländer und dessen Mitspieler Romano Schmid für den furiosen 3:2-Auswärtssieg in Dortmund, den sie mit Werder Bremen Ende August eingefahren hatten.

„Immer, wenn es mir nicht so gut geht, schaue ich mir das Spiel nochmal an“, sagte der Mann gut hörbar, ehe er auch schon weiterradelte und zwei einigermaßen überraschte Werder-Profis zurückließ. Dass Lee Buchanan den lieben Gruß in deutscher Sprache komplett verstanden hat, darf zwar bezweifelt werden. Als eine Art Fazit seiner bisherigen Zeit bei Werder Bremen taugt die kleine Szene aber allemal: Der 21-Jährige, der aus der englischen Gemeinde Mansfield stammt, hat definitiv schon Eindruck hinterlassen während seiner ersten sechs Monate in Deutschland.

Werder Bremen: Bekommt Lee Buchanan in der Rückrunde mehr Einsätze in der Bundesliga?

Das sieht auch Clemens Fritz als Werders Leiter Profifußball und Scouting so. Gegenüber der DeichStube erklärt der 42-Jährige, dass er mit den bisherigen Auftritten des Sommer-Neuzugangs zufrieden ist. Schon während der Vorbereitung habe sich angedeutet, dass Lee Buchanan nach seinem ersten Wechsel ins Ausland nicht viel Anlaufzeit benötigt. „Er hat direkt gut gespielt und den Stil von Ole Werner relativ schnell adaptiert.“ Was wiederum die Grundlage für die bisher neun Saisoneinsätze des Linksverteidigers bildete. Acht Mal davon wurde Buchanan eingewechselt – so auch in Dortmund, wo ihm der ebenso wichtige wie sehenswerte Treffer zum 1:2 gelang, der den Startschuss zur großen Aufholjagd darstellte. In die Anfangsformation schaffte es der Linksfuß zwar erst ein Mal (beim 0:2 in Freiburg), was aber weniger an schlechten Leistungen im Training, sondern vielmehr daran lag, dass Werder Bremens Trainer Werner auf der linken Außenbahn bisher auf den Faktor Erfahrung gesetzt hat. Sprich auf Anthony Jung.

Der 31-Jährige war schon während der Aufstiegssaison eine feste Säule des Teams gewesen und ging dementsprechend mit einem Vorsprung gegenüber Neuzugang Buchanan ins Rennen um den Stammplatz. Zumal der Engländer bei seinem vorherigen Club Derby County in einem 4-4-2-System den klassischen Linksverteidiger gegeben hatte und Werner ihm entsprechend Zeit einräumte, die Rolle des sogenannten Schienenspielers in seinem 3-5-2-System zu verinnerlichen. Das ist Lee Buchanan mittlerweile gelungen, wie von Fritz erwähnt sogar ziemlich zügig. Auch deshalb betont der Ex-Profi des SV Werder Bremen: „Er hat sich gut eingelebt und in die Mannschaft eingebracht. Jetzt ist das erste Halbjahr vorbei, und für ihn ist es wichtig, sich im Training weiterhin zu zeigen. Ich glaube, dass er in der Rückrunde den einen oder anderen Einsatz mehr bekommen wird.“

Werder Bremens Lee Buchanan kann sich offensiv noch steigern, ist taktisch aber „sehr diszipliniert“

Klar ist: Im Vergleich zu Jung stellt Buchanan die deutlich offensivere Alternative auf der linken Außenbahn dar, auch wenn er hier und da noch etwas zögerlich agiert und mitunter so wirkt, als würde es ihm noch am nötigen Zutrauen fehlen. „Er kann ruhig mit noch mehr Überzeugung im letzten Drittel in den Strafraum oder an die Grundlinie gehen und die Flanke schlagen“, hält Fritz fest. Defensiv könne man bei Lee Buchanan derweil „von Schwächen nicht wirklich reden“, taktisch agiere er „sehr diszipliniert“. In Sachen Abstimmung mit den Nebenleuten war bei Buchanans bisherigen Einsätzen für Werder Bremen in einigen Szenen aber schon zu sehen, dass er eben noch nicht Woche für Woche mit der Mannschaft in der Bundesliga auf dem Platz steht.

Während der Winterpause arbeitet der Engländer intensiv daran, dass sich das möglichst bald ändert, was nicht nur fußballerisch gemeint ist. Auch in Sachen Sprachkenntnisse macht er laut Fritz Fortschritte. Ebenso wie der Schotte Oliver Burke und der Däne Jens Stage, die auch erst seit Sommer für Werder Bremen spielen, nimmt Lee Buchanan Deutsch-Unterricht. „Sie sprechen untereinander zwar noch viel Englisch, aber das eine oder andere Wort verstehen sie schon“, berichtet Fritz. Als Buchanan während des Trainings am Dienstag per gefühlvollem Schlenzer in den Winkel traf, lobte Stürmer Marvin Ducksch trotzdem lieber in dessen Muttersprache: „Oh, lovely!“ Buchanan quittierte es mit einem Lächeln – und konnte in dem Moment noch nicht ahnen, dass das größte Lob des Tages erst noch folgen sollte. Am Gitterzaun. Von einem Mann mit Fahrrad. (dco/kni)

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