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Werder-Legende Wynton Rufer hatte einen Herzinfarkt, ist aber auf dem Wege der Besserung.

Werder-Legende spricht über seinen Herzinfarkt

Wynton Rufer im Interview: „Leute, lasst euer Herz checken“

Auckland/Bremen. Anruf bei Wynton Rufer. Die Werder-Legende hatte die vorsichtige Interview-Anfrage per Kurznachricht sofort mit einem „Kein Problem“ beantwortet. Erst am vergangenen Sonntag hatte der 56-Jährige in seiner neuseeländischen Heimat einen Herzinfarkt erlitten und nur mit viel Glück überlebt.

Rufer erzählt, dass er noch etwas länger im Krankenhaus bleiben muss. Es ist Samstagabend in Auckland – und der Ex-Profi mit den Ohren zwar beim Interview mit der DeichStube, aber mit den Augen schon längst wieder beim Fußball.

Herr Rufer, wie geht es Ihnen?

Wynton Rufer: Gut, sehr gut. Kleinen Moment, ich muss schnell noch meinen Laptop anmachen, gleich beginnt das Spiel.

Welches Spiel?

Rufer: Mein Neffe spielt doch bei Phoenix Wellington, zwei Jungs aus meiner Akademie auch. Und heute ist ein wichtiges Spiel in der Australian League gegen die Central Coast Mariners. Wellington kann sich erstmals seit zehn Jahren für die Playoffs qualifizieren. Schade, dass mein Neffe nach der fünften Gelben Karte gesperrt ist.

Klingt nach Ihrem Herzinfarkt schon wieder sehr nach Alltag.

Rufer: Nein, nein, so schnell geht das auch wieder nicht. Ich habe mir hier auch noch eine schwere Erkältung eingefangen, muss deshalb Antibiotika einnehmen und etwas länger im Krankenhaus bleiben. Aber am Sonntag darf ich endlich raus. Das war schon alles ein sehr großer Schock für mich.

„Ich habe wirklich Glück gehabt“

Können Sie sich noch daran erinnern?

Rufer: Ich weiß nur, dass ich mit meinem super Freund Florian Wellmann nach einem Basketballspiel nach Hause wollte, plötzlich bin ich einfach umgekippt. Erst im Krankenhaus bin ich wieder aufgewacht. Ich habe da drei Elektro-Schocks bekommen. Und dann stand ich zwei Tage unter Drogen und habe kaum noch etwas mitbekommen. Ich habe wirklich Glück gehabt, das hätte auch ganz anders ausgehen können. Dann wäre ich jetzt nicht mehr hier. Ich habe mich bei meinem Retter schon persönlich bedankt. Unglaublich, dass er erst vor vier Wochen so einen Kurs gemacht hat, dann quasi um die Ecke kommt und mich am Leben hält. Diesen Kurs sollte jeder machen. Und noch etwas wünsche ich mir.

Was?

Rufer: Leute, lasst euer Herz checken. Man merkt einfach nicht, dass man vielleicht ein Problem hat. Ich war doch fit. Ich würde mich zu den zehn fittesten Über-50-Jährigen in Neuseeland zählen (lacht), trotzdem ist es mir passiert. Zwei Arterien in meinem Herzen waren verstopft. Ich habe zwei Stents bekommen, jetzt ist wieder alles gut.

Müssen Sie sich nicht noch schonen?

Rufer: Doch, doch. Der Arzt hat hier schon im Krankenhaus die Besuchszeiten für mich begrenzt, weil mich so viele sehen wollten. Endlich ist auch mein Bruder weg. Der war auch mal Fußball-Profi, hat aber inzwischen 15 Kilo zu viel drauf. Der trinkt, isst und raucht, aber dem passiert nichts. Und hier macht er einen Witz nach dem anderen, ich habe mich fast totgelacht. Ne, im Ernst: Mein Bruder ist super. Aber was passiert denn da?

Wo?

Rufer: Der gibt echt Elfmeter, das war doch nix. Kleinen Moment, Videobeweis. Okay, den Elfer kann man geben. Dieser Videobeweis ist nicht schlecht, obwohl wir jetzt 0:1 zurückliegen.

Ohne Fußball geht es nicht, oder?

Rufer: Nein, überhaupt nicht. Vielleicht hab ich mir im letzten Jahr doch zu viel zugemutet. Ich war in 13 Ländern, zuletzt im Dezember noch in den USA, mit Heiko Flottmann von Werder. Wir haben uns wieder junge Spieler angeschaut – in Florida, wo wir vor zwei Jahren auch Josh Sargent entdeckt haben. Und dann ist mein Schwiegervater, der in Australien lebt, schwer krank. Da sind wir auch oft hin. Das ist Stress, den man gar nicht so spürt. Ob es daran lag, ich weiß es nicht.

Werden Sie nun kürzertreten?

Rufer: Ich weiß gar nicht, ob ich das kann. In einem Monat möchte ich eigentlich wieder nach Europa. Jetzt ruhe ich mich ein bisschen aus, dann sehen wir weiter. Das gibt es doch nicht, jetzt ist auch noch das 0:2 gefallen. Was macht denn der Torwart da? 0:2 gegen den Tabellenletzten, das ist eine Katastrophe! Ist Werder eigentlich schon zurück aus Südafrika?

„Otto hat natürlich angerufen“

Nein, noch nicht. Die hatten am Freitag noch ein Testspiel.

Rufer: Und?

Nur 2:2 gegen eine B-Elf der Bidvest Wits.

Rufer: Egal, ich war in der Vorbereitung immer schlecht. Ich habe diese Spiele nie gemocht, da konnte man doch eigentlich nichts gewinnen. Werder wird das schon machen in der Rückrunde.

Haben sich eigentlich viele Bremer in den letzten Tagen bei Ihnen gemeldet?

Rufer: Das war wirklich Wahnsinn. Bremen ist einfach meine zweite Heimat. Ich möchte mich auf diesen Weg bei allen bedanken, die an mich gedacht haben. Sorry, aber ich kann wirklich nicht allen antworten. Otto hat natürlich auch angerufen.

Sie meinen Otto Rehhagel.

Rufer: Natürlich. Und Otto hat wie immer mitten in der Nacht angerufen. Dabei erzähle ich ihm seit 30 Jahren, dass bei uns die Uhren anders ticken (lacht). Ach, der Otto ist einfach super! Ich habe mich so gefreut, dass er sich gemeldet hat.

Wie steht’s in Wellington?

Rufer: Immer noch 0:2, gleich ist Halbzeit. Das drehen wir noch, da bin ich mir sicher. Schöne Grüße nach Deutschland. Schreiben Sie bitte: „Kiwi“ ist bald wieder da! Aber es ist schon extrem, wie schnell das alles gehen kann. Bis bald!

Und Rufer sollte tatsächlich Recht behalten, Phoenix Wellington gewinnt die Partie noch mit 3:2.

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