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Klaus-Dieter Fischer (v.l.), Willi Lemke, Ivan Klasnic und Dieter Burdenski: Die Legenden des SV Werder Bremen sind entsetzt über das Debakel gegen Mainz 05, glauben aber weiter an Trainer Florian Kohfeldt.

Werder-Legenden über die Krise

„Bitte nicht voreilig den Trainer wechseln“

Bremen – Klaus-Dieter Fischer macht das jetzt seit gut und gerne 50 Jahren: Sobald es draußen kalt wird, bindet er sich seinen grün-weißen Schal des SV Werder Bremen um den Hals, bevor er das Haus verlässt.

So auch am Mittwoch, am Tag nach der desaströsen 0:5-Pleite von Werder Bremen gegen Mainz 05, als er mit seiner Frau dem Weihnachtsmarkt in der Bremer Innenstadt einen Besuch abstattete – und sich zwischen Glühweinstand und Wurstbude plötzlich einer neuen Situation gegenübersah.

„Ein Mann kam empört auf mich zu und hat gefragt, wie ich so etwas denn noch tragen könne“, berichtet Fischer. Mit seinem Schal habe er aber auch aufmunternde Worte zu hören bekommen und insgesamt ungewöhnlich viele Blicke auf sich gezogen. „Es war zu merken, dass viele Leute erschüttert sind.“ Von Werders Auftritt gegen Mainz, von der allgemeinen sportlichen Lage und den nun trüben Aussichten. Im Gespräch mit der DeichStube haben sich Ehrenpräsident Fischer und andere Werder-Größen zur Situation ihres Lieblingsclubs geäußert.

„Diese drei Niederlagen gegen Paderborn, Bayern und Mainz haben die Werder-Welt erschüttert“, sagt Fischer, der am Dienstagabend im Weserstadion saß und eine Vorstellung „ohne Gegenwehr“ von den Bremern gesehen hatte: „Das hat mich entsetzt.“ So wehr-, kampf- und leidenschaftlos habe er sein Werder Bremen selten gesehen, wenn überhaupt schon einmal. Mit etwas Abstand hatte der 78-Jährige auch Erklärungsansätze für den Absturz in die Abstiegsregion parat.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein und Davy Klaassen „geht die Kraft aus“, sagt Klaus-Dieter Fischer

„Durch die vielen Verletzten müssen andere Spieler immer spielen und sind jetzt müde“, sagt Fischer und nennt exemplarisch die Namen Maximilian Eggestein und Davy Klaassen: „Ihnen geht die Kraft aus.“ Einen Typen wie Max Kruse habe Werder jedenfalls weder auf noch abseits des Platzes ersetzen können, womit der ehemalige Vereinschef direkt beim nächsten Punkt ist: „Man muss konstatieren, dass die Einkaufspolitik nicht funktioniert hat.“ Spieler wie beispielsweise Niclas Füllkrug oder Ömer Toprak, die schon lange Verletzungsgeschichten hinter sich haben, verhältnismäßig günstig zu verpflichten, „war ein Risiko, das leider nicht belohnt wurde.“ Fischer ist dabei natürlich bewusst, dass es wirtschaftliche Zwänge waren, die Werder diesen Weg gehen ließen.

Der Verein ging das Risiko ein und rief – auch dank der neuen, prominenten Namen – das ambitionierte Saisonziel Europa aus. In den Augen von Ex-Torhüter Dieter Burdenski, mit 444 Einsätzen bis heute Werders Rekordspieler, ein Fehler: „Ich habe schon im Sommer gesagt, dass das Ziel für die Mannschaft zu hoch angesetzt ist.“ Während des Mainz-Spiels saß der 69-Jährige im Stadion.

Werder Bremen: Ivan Klasnic erwartet Transfers im Winter

„Das war ein Highlight im negativen Sinne. Ich bin ja schon etwas länger dabei, aber so eine Halbzeit habe ich noch nicht erlebt.“ Und das will durchaus was heißen. Von 1972 bis 1988 stand Burdenski für Grün-Weiß im Tor, im Sommer 1980 gehörte er zur bis dato einzigen Werder-Mannschaft, die in die 2. Bundesliga abstieg. Dass sich Geschichte 40 Jahre später wiederholen könnte, glaubt er indes nicht: „Werder wird mit Sicherheit nicht absteigen. Es wird mindestens drei Mannschaften geben, die unter Werder bleiben werden.“

Das hofft (und glaubt) auch Ivan Klasnic, 39, der das Spiel zwischen seinen Ex-Vereinen Werder und Mainz ebenfalls live vor Ort verfolgt hat. „In den ersten 30 Minuten war nicht klar, ob da bei Werder die A-Jugend oder die Bundesliga-Mannschaft auf dem Platz steht“, sagt er. „So ein Auftritt geht nicht.“ Und trotzdem: Der Double-Sieger von 2004 mahnt zu Geduld und Besonnenheit. „Bitte jetzt nicht voreilig den Trainer wechseln“, betont Klasnic, der den Hebel stattdessen an anderer Stelle ansetzen würde. „Werder muss im Winter ins Risiko gehen und zwei, drei neue Spieler holen. Dann lasst den Kohfeldt arbeiten, und es wird schon werden.“

Werder Bremen: Willi Lemke hat riesengroße Sorgen

Der Trainer steht nicht zur Debatte – so sehen es auch Fischer und Burdenski. Fischer: „Ich habe vollstes Vertrauen in Florian Kohfeldt und auch in unseren Sportchef Frank Baumann. Ganz Werder muss jetzt Schulter an Schulter stehen.“ Burdenski: „Die Situation ist nicht rosig, aber warum sollte es Kohfeldt nicht hinkriegen? Er ist ein lernfähiger Trainer und wird seine Schlüsse ziehen.“

Die große Enttäuschung nach dem Mainz-Spiel muss dafür schnellstmöglich weg. Und dass das durchaus etwas dauern kann, zeigt das Beispiel Willi Lemke (73). Nach seiner Einschätzung zur Lage gefragt, sagte der Ex-Manager nur: „Ich habe dafür noch keine Worte gefunden. Nur so viel: Meine Sorge ist riesengroß.“ (dco)

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