Zwölf Profis: Kein Bundesliga-Club hatte in der abgelaufenen Saison so viele Leihspieler im Umlauf wie Werder Bremen.
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Zwölf Profis: Kein Bundesliga-Club hatte in der abgelaufenen Saison so viele Leihspieler im Umlauf wie der SV Werder Bremen.

Talente mit Bundesliga-Perspektive?

Werder Bremen und die zwölf Leihspieler - so geht es jetzt weiter

Bremen – Zwölf! Kaum ein Bundesliga-Club hatte in der abgelaufenen Saison so viele Leihspieler im Umlauf wie der SV Werder Bremen. Grund genug, mal genauer nachzuschauen, wie sich das „Werder-Dutzend auf Reisen“ so angestellt hat und wie es um dessen Perspektiven bei den Grün-Weißen bestellt ist.

Fix ist bisher eigentlich nur, dass zwei Spieler in diesem Sommer zu Werder Bremen zurückkehren werden: Manuel Mbom (KFC Uerdingen) und Romano Schmid (Wolfsberger AC) stoßen zum Team von Trainer Florian Kohfeldt. Aber wie sieht es bei den anderen zehn Leihspielern aus? Ein Überblick über das Dutzend Bremer Leihspieler:

Romano Schmid (Wolfsberger AC)

Der wohl vielversprechendste Leihspieler des SV Werder Bremen kehrt zurück und darf direkt als Hoffnungsträger gelten. Denn: Der 20-jährige zentrale Mittelfeldmann spielte mit dem Wolfsberger AC eine sehr gute Saison. 33 Pflichtspiele (darunter sechs in der Europa League), drei Tore und elf Assists stehen in seiner Bewerbungsmappe. Bei Werder könnte Romano Schmid sich im Idealfall einen Stammplatz ergattern, mindestens aber für frischen Wind im alteingesessenen Mittelfeld sorgen.

Manuel Mbom (KFC Uerdingen)

Im letzten Sommer galt für das Top-Talent des SV Werder Bremen noch: Zu gut für die Regionalliga und zu schlecht für die Bundesliga. Nach fünf Jahren an der Weser verlieh Werder Jean-Manuel Mbom folgerichtig an Drittligist KFC Uerdingen. In Krefeld überzeugte er sofort, wurde unumstrittener Stammspieler (28 Spiele, ein Tor) und soll nun als Belohnung dauerhaft zum Kader der Profis stoßen.

Martin Harnik (Hamburger SV)

Eigentlich hatten die Verantwortlichen des SV Werder auf einen Aufstieg des Hamburger SV gehofft, denn dann hätte im Fall von Martin Harnik die Kasse geklingelt. Zwei Millionen Euro Ablöse wären fällig geworden. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Auch Harnik hatte zu wenig für einen HSV-Aufstieg geleistet: Nur drei Tore gelangen dem Angreifer in 23 Einsätzen. Nun kehrt der 33-Jährige vorerst zu Werder Bremen zurück, wo sein Vertrag noch bis 2021 läuft. Eine Perspektive dürfte Harnik in Bremen nicht wirklich haben. Das angebliche Interesse des VfB Lübeck, Aufsteiger in die Dritte Liga, entpuppte sich als Luftnummer.

Felix Beijmo (Greuther Fürth)

Das Drei-Millionen-Euro-Missverständnis wurde auch bei seiner halbjährigen Leihe zur SpVgg Greuther Fürth nicht glücklich. Lediglich fünf von 15 möglichen Partien absolvierte der Rechtsverteidiger für die Kleeblätter, davon zwei von Beginn an. Tiefpunkt: Beim Gastspiel in Wiesbaden wurde Felix Beijmo noch vor der Pause leistungsbedingt ausgewechselt. Bei Werder trotz Vertrag bis 2022 ohne Perspektive und weiter ein Verkaufskandidat.

Michael Zetterer (PEC Zwolle)

Musste sich beim PEC Zwolle nach unglücklicher Vorbereitung zunächst mit dem Platz auf der Bank begnügen. Am 14. Spieltag, beim 3:1-Heimsieg gegen Fortuna Sittard, bekam er seine Chance in der Startformation, nutzte sie und gab den Platz zwischen den Pfosten nicht mehr her – bis die Saison wegen des Coronavirus beendet wurde. Michael Zetterer bestritt insgesamt 13 Partien (vier Siege, vier Remis und fünf Niederlagen). Sein Leihvertrag läuft noch ein weiteres Jahr.

Niklas Schmidt (VfL Osnabrück)

25 Spiele, fünf Tore, eine Vorlage: Hinter Niklas Schmidt liegt ein gutes Jahr beim Zweitligisten VfL Osnabrück. Obwohl er im Schlussspurt nur noch als Einwechselspieler zum Zug kam, hatte der 22-jährige seinen Anteil daran, dass die Lila-Weißen den Klassenerhalt schafften. Er wird noch ein weiteres Jahr in Osnabrück bleiben.

Jannes Vollert (Hallescher FC)

Hinter Jannes Vollert liegt eine kräftezehrende Saison. Genau wie sein Stammverein Werder Bremen kämpfte er mit dem Halleschen FC bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg – mit Erfolg. Der 22-Jährige war dabei zumeist der Turm in der Schlacht: 34 Spiele absolvierte der Innenverteidiger für die Hallenser und überzeugte in den allermeisten Fällen. Offenbar so sehr, dass sein Heimatverein Holstein Kiel ein Auge ihn geworfen haben soll. Das Leihgeschäft mit Halle ist allerdings noch auf ein weiteres Jahr ausgelegt.

Thore Jacobsen (1. FC Magdeburg)

Bei Werder Bremen hat es nie mit einem Pflichtspieleinsatz geklappt. Ganz anders in Magdeburg: Dort spielte Thore Jacobsen (23) in der abgelaufenen Spielzeit eine wichtige Rolle und schoss den FCM mit seinem Treffer gegen den FC Ingolstadt sogar zum vorzeitigen Klassenerhalt. Die Magdeburger hätten den gelernten Linksverteidiger (Vertrag bis 2021), der häufig im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kam, liebend gerne länger gehalten. Allerdings steht ein Wechsel zu einem Zweitligisten im Raum – für Werder gäbe es in diesem Fall eine kleine Ablösesumme.

Boubacar Barry (KFC Uerdingen)

Vier Trainer in einer Saison! Für den ehemaligen deutschen U20-Nationalspieler, Boubacar Barry, war die abgelaufene Serie beim Drittligisten KFC Uerdingen mit Sicherheit vieles, aber gewiss nicht langweilig. An der Seite von Werder-Rückkehrer Manuel Mbom kam Barry auf 33 Einsätze - häufig als Startelf-Spieler, gelegentlich von der Bank aus. Wie es für den 24-jährigen Offensiv-Allrounder weitergeht, ist offen. Eine weitere Leihe oder gar ein Verkauf sind nicht ausgeschlossen. Sein Vertrag bei Werder läuft noch bis Sommer 2022.

Jonah Osabutey (Royal Mouscron)

Der 21-jährige Offensivspieler avancierte in seiner ersten Profi-Saison beim belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron gleich mal zum Publikumsliebling und wurde von den Mouscron-Fans nicht zuletzt wegen seiner fünf Tore und vier Assists zum Spieler der Saison gewählt. Jonah Osabuteys Leihvertrag war allerdings auf ein Jahr beschränkt. Ob der Ghanaer jetzt an die Weser zurückkehrt, erneut ausgeliehen oder für eine kolportierte festgeschriebene Ablösesumme von 700000 Euro verkauft wird, ist nicht noch nicht entschieden. Alles scheint möglich.

Ole Käuper (Carl Zeiss Jena)

Hinter Ole Käuper liegt abermals eine schwierige Saison. Mit dem FC Carl Zeiss Jena stieg er in die Regionalliga ab und konnte dabei in den vergangenen Monaten nur tatenlos zusehen. Ende Februar hatte sich der 23-Jährige eine Patellasehnenluxation im linken Knie zugezogen. Davor kam Käuper auf 21 Spiele und drei Tore für den Ostclub. Wie und wo es in Zukunft für Käuper weitergeht, ist offen. Bei Werder Bremen läuft sein Vertrag bis 2021. Eine Zukunft an der Weser dürfte der waschechte Bremer aber nicht haben.

Jan-Niklas Beste (FC Emmen)

Dessen Saison beim niederländischen Erstligisten FC Emmen lässt sich in ungefähr so zusammenfassen: „Äußerst unglücklich“. Der 21-Jährige kam nur auf sechs Einsätze, ehe ihn eine schwere Knieverletzung stoppte. Dennoch hat der Club aus der Eredivisie offenbar Interesse daran, den Linksverteidiger für eine weitere Saison zu halten. Sollten die Bremer Jan-Niklas Beste erneut verleihen wollen, müssten sie vorher allerdings seinen 2021 auslaufenden Vertrag verlängern. (mwi)

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Haben die Grün-Weißen schon einen Nachfolger für Kevin Vogt an der Angel? Der defensive Mittelfeldspieler Patrick Erras könnte vor einem ablösefreien Wechsel vom 1. FC Nürnberg zu Werder Bremen stehen. Endlich: Werder-Neuzugang Johan Mina kommt bald bei Werder Bremen an - aber ist noch lange nicht für die Profis eingeplant.

Zur letzten Meldung vom 29. April 2020:

Nach Manuel Mbom und Romano Schmid: So stehen die Rückkehr-Chancen der anderen Werder-Leihspieler

Manuel Mbom hatte sich extra chic gemacht. Besondere Anlässe erfordern eben besondere Kleidung. Und so tauchte der 20-Jährige kürzlich im blütenweißen, knitterfreien und perfekt sitzenden Oberhemd in der Geschäftsstelle von Werder Bremen auf, wo er wenig später für das obligatorische Vertragsverlängerungs-Foto posieren durfte.

Blick in die Kamera, Stift in der Hand, das neue Arbeitspapier vor ihm auf dem Tisch. Für das aus Göttingen stammende Talent ohne Frage ein großer Moment, denn schließlich hat Manuel Mbom mit seiner Unterschrift endgültig besiegelt, dass es für ihn nach der einjährigen Leihstation beim Drittligisten KFC Uerdingen bei Werder Bremen weitergeht.

Werder Bremens 12 Leihprofis: Kehren nur Romano Schmid und Manuel Mbom zurück?

Bei Werder soll er ab Sommer fester Bestandteil des Profikaders sein. Mit der Hoffnung auf diese Perspektive hatten sich auch die elf anderen Bremer Leihspieler im Vorjahr auf den Weg zu ihren neuen Clubs gemacht – in Erfüllung geht sie außer für Manuel Mbom aber erstmal nur für einen weiteren: Romano Schmid, den Werder nach der Leihe zum Wolfsberger AC nach Bremen holt. Zwei aus Zwölf. Bei den anderen zehn Akteuren sieht es derzeit nicht nach Rückkehr aus. 

Werder Bremen spielt auf Zeit, will in der wegen der Coronavirus-Krise völlig unklaren sportlichen und finanziellen Lage keine weiteren frühen Entscheidungen treffen – und ist nicht von allen Akteuren derart überzeugt wie von Mbom und Schmid. Deshalb schaut sich der Verein auch nach anderen Lösungen um. Am einfachsten dürfte das in den Fällen von Innenverteidiger Jannes Vollert (Hallescher FC), Mittelfeldspieler Niklas Schmidt (VfL Osnabrück) sowie von Torhüter Michael Zetterer (PEC Zwolle) werden, weil die Leihverträge des Trios nicht in diesem, sondern erst im Sommer 2021 auslaufen.

Werder Bremen und die Leihspieler: Verkaufskandidat Thore Jacobsen?

Alle drei waren in ihren Clubs zuletzt Stammkräfte, können mit ihrer Entwicklung also durchaus zufrieden sein. Heißt: Weder für Werder Bremen noch für die Spieler drängt sich der Wunsch nach sofortiger Veränderung auf. Bei den verbleibenden sieben Spielern, die bei Clubs in ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden geparkt sind, müssen demnächst Entscheidungen her, wie und vor allem wo es für sie weitergeht. Nach dem Ablauf ihrer Leihverträge gelten sie ab dem 1. Juli wieder als Werder-Profis. 

Gebraucht werden sie am Osterdeich aber (noch) nicht, was ihnen bereits klar sein dürfte. Auch ein Engagement in der U23 (Regionalliga) würde sportliche wenig Sinn ergeben. So hat Thore Jacobsen seinem Leihclub 1. FC Magdeburg gerade erst signalisiert, sich einen dauerhaften Verbleib vorstellen zu können. „Laut Vertrag stehe ich ab 1. Juli wieder bei Werder im Training. Aber Gespräche mit den Verantwortlichen dort fanden nie wirklich statt. Magdeburg ist auf jeden Fall eine Option für mich“, sagte der 23-Jährige der „Bild“. Gut möglich, dass Werder den Defensivspieler, dessen Vertrag in Bremen noch bis 2021 läuft, ein weiteres Mal verleiht, oder ihn gar verkauft. 

Leihspieler von Werder Bremen: Sonderfall Martin Harnik, Sorgenkind Ole Käuper

Zwei Optionen, die Werder gerade für alle der sieben Spieler prüft. Je nachdem, wie groß die Perspektive des Einzelnen eingeschätzt wird, wird entschieden – und dabei zeichnen sich bereits klare Tendenzen ab. Felix Beijmo (Vertrag bei Werder bis 2022) ist nach Leihstationen bei Malmö FF und Greuther Fürth beispielsweise ein Verkaufskandidat, sollte sich ein passender Abnehmer finden. Ähnliches dürfte für Ole Käuper (Vertrag bis 2021) gelten, der in Aue und Jena mehr durch Eskapaden denn durch sportliche Leistungen aufgefallen war. 

Bei Jonah Osabutey (Royal Excel Mouscron), Boubacar Barry (KFC Uerdingen) und Jan-Niklas Beste (FC Emmen, derzeit am Knie verletzt) könnte hingegen eine abermalige Leihe Sinn ergeben, um bei guter Entwicklung den Zugriff auf die Talente nicht zu verlieren. Ein Sonderfall ist Martin Harnik, der an den HSV verliehen ist. Schafft Werders Rivale den Bundesliga-Aufstieg, muss er Harnik für zwei Millionen Euro kaufen. Falls nicht, kehrt Harnik zurück, aber wohl nur übergangsweise. Denn dass der 32-Jährige einen dritten Frühling in Bremen erlebt, gilt als unwahrscheinlich. (dco)

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