Leonardo Bittencourt von Werder Bremen nimmt im Saison-Endspurt kein Blatt mehr vor der Mund und spricht offen über das Ziel Aufstieg.
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Leonardo Bittencourt von Werder Bremen nimmt im Saison-Endspurt kein Blatt mehr vor der Mund und spricht offen über das Ziel Aufstieg.

Werder-Profi im DeichStube-Interview

Leonardo Bittencourt glaubt fest an Werder-Aufstieg: „Wir wollen jetzt zugreifen“

Bremen – Seit fast drei Jahren trägt Leonardo Bittencourt nun schon das Trikot des SV Werder Bremen. Nach dem Abstieg will der 28-Jährige unbedingt wieder hoch mit den Grün-Weißen. Und vor dem Endspurt nimmt er als erster Werder-Profi auch kein Blatt mehr vor den Mund.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir aufsteigen“, sagt Leonardo Bittencourt im Interview mit der DeichStube, betont aber auch, wie hart dieser Weg noch sein wird. Außerdem spricht der Offensivspezialist des SV Werder Bremen über seine schwierige Saison, die Stimmung in der Kabine und die Entschuldigung seines Ex-Trainers Markus Anfang.

Leonardo Bittencourt, Sie haben die Songs „Ducksch is on fire“ und „Füllkrug is on fire“ für Partys mit der Mannschaft erfunden, wann wird „Leo is on fire“ gesungen?

(lacht) Na ja, die Jungs da vorne haben auch wirklich viel getroffen, da haben sie sich das verdient. So lange wir erfolgreich sind, kann ich da gut mit leben, da brauche ich keinen eigenen Song.

Die Frage hatte durchaus auch einen sportlichen Hintergrund: 17 Einsätze, davon 14 Mal in der Startelf, zwei Tore, zwei, Assists – können Sie als offensiver Spieler mit Ihrer Bilanz zufrieden sein?

Von den Zahlen her ist es nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Aber dafür gibt es auch Gründe. Ich bin leider immer wieder, wenn ich mich nach einer Verletzung in Form gebracht hatte, ausgefallen. Ich habe mich schon ein bisschen durch die Saison geschleppt. Dabei hatte ich eine geile Vorbereitung, ich war richtig fit. Dann kam eine Knieverletzung, die länger gebraucht hat als gedacht. Das hatte ich bei meiner ersten großen Verletzung in Köln auch schon, danach hatte ich immer wieder mit meinem Körper zu kämpfen. Toi, toi, toi - ich hatte erst zwei schwere Verletzungen in meiner Karriere. Für mich ist aber etwas anderes viel wichtiger.

Was?

Die Statistik. Es geht darum, wie viele Spiele die Mannschaft gewonnen hat, wenn ich dabei war.

Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen: Leonardo Bittencourt haderte mit seiner Fitness, jetzt will er den Aufstieg schaffen

Zehn von 17, dazu gab es vier Unentschieden und drei Niederlagen.

Ich glaube, das ist nicht so schlecht. Okay, ich hatte nur vier Torbeteiligungen, aber ich habe keine schlechten Spiele gemacht, sondern meistens ordentliche. Mein Anspruch ist es aber, sehr gute Spiele zu machen. Man muss sich die Statistik auch ganz genau angucken. Ich konnte in dieser Saison erst vor einem Monat mein erstes Spiel über 90 Minuten machen. Da dachte ich: Geil, jetzt kann es losgehen! Und was kam? Eine Corona-Infektion!

Wenn Sie gescored haben, hat Werder übrigens immer gewonnen – ist das der Schlüssel zum Aufstieg?

Ich hätte nichts dagegen (lacht). Jetzt fühle ich mich wieder richtig gut. Es war super, dass Trainer Ole Werner mit mir vor dem Sandhausen-Spiel abgesprochen hat, dass ich nach Corona nur mit 30 Minuten starte. Klar, ich hätte mich auch 60 Minuten durchbeißen können, aber dann hätte ich mich die ganze Woche wieder mit kleineren Sachen rumschlagen müssen. Da gerätst du dann schnell mal in so einen Strudel. Ich hoffe, dass ich jetzt gut durch die Spiele komme und bin guter Dinge, auch in den Statistiken aufzutauchen. Aber ganz ehrlich: Wenn mir in den fünf Spielen nichts gelingt und wir trotzdem alles gewinnen, feiere ich den Aufstieg genauso!

Trotzdem möchten wir noch einmal nachhaken, weil darüber viel diskutiert wird: Sie sind ein erfahrener Bundesligaspieler, Sie haben sogar an die Tür zur Nationalmannschaft geklopft – können Sie verstehen, dass von Ihnen mehr erwartet wird?

Ja, ich habe doch die gleiche Erwartungshaltung. Ich habe es aber die ganze Zeit aus den genannten Gründen nicht geschafft, auf 100 Prozent zu kommen. Und ich weiß: Wenn ich von Beginn an spiele, werde ich bewertet wie einer, der topfit ist. Das ist auch okay. Der Trainer wusste um meine Situation, wollte aber ganz offensichtlich nicht auf meine Erfahrung verzichten, auch nicht auf die Art, wie ich die Jungs pushen kann. Für mein Spiel muss ich bei 100 Prozent sein: Ich bin klein, giftig, bewege mich sehr viel. Wenn das von der Puste nicht so geht, falle ich eben ein bisschen ab. Trotzdem ist es gut, was ich der Mannschaft geben kann.

Wie geht die Mannschaft mit dem Thema Aufstieg in der Kabine um?

Erst mal war das Thema: Wie holen wir den großen Rückstand überhaupt auf? Und dann haben wir gesagt: Spiel für Spiel für Spiel für Spiel. Wir wollten immer näher rankommen, das ist uns gelungen. Jetzt sind wir oben angekommen, haben 53 Punkte – genauso wie Schalke. St. Pauli hat 52, Darmstadt 51 und Nürnberg 49. Und jetzt machen wir genauso weiter: Spiel für Spiel. Wir wissen, wenn wir die fünf Spiele gewinnen, dann steigen wir auf. Und das wollen wir auch. Bei uns sagt jetzt keiner mehr: Schauen wir mal. Wir wollen jetzt zugreifen! Aber das wird ein hartes Stück Arbeit.

Haben Sie das schon mal durchgerechnet?

Nein, das bringt nichts. Deswegen habe ich das noch nie gemacht. Ich kann nur eines sagen: Wenn wir unseren Job machen, dann wird es reichen. Natürlich wäre es schöner, wenn wir schon einen großen Vorsprung hätten und fast durch wären. Aber ich bin ein emotionaler Typ. Die Fans sind endlich wieder da, die Stadien voll. Corona haben wir ein bisschen beiseitegelegt. Da wäre es doch deutlich schöner, es im Endspurt zu schaffen. Ich mag auch diesen Druck auf dem Kessel, für solche Spiele wie am Sonntag gegen Nürnberg kannste mich nachts wecken.

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Werder Bremen: Leonardo Bittencourt will nach dem Aufstieg nicht wechseln, sondern Werder „attraktiver machen“

Wenn Werder nicht aufsteigen sollte, bleiben Sie dann trotzdem?

Die Frage stellt sich mir nicht, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir aufsteigen.

Und bleiben Sie dann?

Ja, ich habe doch noch einen Vertrag hier, fühle mich wohl und mir geht es gut. Warum also nicht? Aber im Fußball weißt du das eh nie. Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht.

Die Frage hat einen besonderen Hintergrund: Sie sind in Ihrer Profi-Karriere nie länger als drei Jahre bei einem Club geblieben, demnach müsste Sie im Sommer gehen.

Das stimmt. Aber da war ich noch jung. Bis jetzt gibt es keinen Grund, den Verein zu verlassen.

Sie sind mit 28 Jahren im besten Fußballer-Alter. Was wollen Sie noch erreichen?

Erst mal unser großes Ziel. Wenn wir aufsteigen, wollen wir Werder Bremen wieder attraktiver machen. Ich möchte gerne wieder erstklassig spielen – und nach oben gibt es keine Grenzen. Mal sehen, was noch so drin ist in meinem Tank.

Zurück zur Gegenwart: Wie geht Trainer Ole Werner im Endspurt der Saison mit der Mannschaft um?

Genauso wie am ersten Tag. Er weiß, wann er die Leine etwas länger lassen kann und wann er sie wieder straffer ziehen muss. Er ist total angenehm und macht einen sehr, sehr guten Job. Er ist nach Siegen und Niederlagen gleich, analysiert das sehr sachlich. Es macht Riesenspaß mit Ole. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, wir machen hier aber nicht jeden Tag Party.

Werder Bremen träumt vom Aufstieg: Leonardo Bittencourt will „alle nass machen“ und „einfach nur feiern“

Für gute Stimmung sorgen vor allem auch Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug mit ihren Toren. Beide fehlten am Donnerstagmorgen beim Training. Was würde ein Ausfall der beiden Topstürmer bedeuten?

Natürlich wäre es nicht schön, gerade in dieser Phase auf sie verzichten zu müssen. Wir haben schon eine gewisse Achse, die wichtig ist. Aber gegen Darmstadt hat man gesehen, dass wir auch mal mehrere Ausfälle verkraften können. Da haben wir gute Jungs. Aber so weit ich weiß, können Ducksch und Füllkrug am Wochenende spielen.

Ganz anderes Thema: Nach seinem Impfpass-Betrug hat Markus Anfang Werder im November verlassen, inzwischen ist er verurteilt worden. Hatten Sie inzwischen mal Kontakt zu ihm?

Nein. Ich denke aber, es geht ihm so weit ganz gut. Er hat sich öffentlich ja auch erklärt und sich entschuldigt. Für uns war das Thema ohnehin schnell erledigt, weil wir sofort wieder spielen mussten.

Markus Anfang hat durch das Herausfallen aus der Testpflicht auch die Mannschaft in Ansteckungsgefahr gebracht. Nehmen Sie seine Entschuldigung an?

Ja, das mache ich. Er weiß selbst, dass das nicht korrekt war. Mit den Konsequenzen muss er jetzt leben. Ich schaue lieber auf uns und freue mich, dass wir die Kurve bekommen haben.

Letzte Frage: Was machen Sie am 15. Mai so gegen 17.25 Uhr?

Was soll denn da passiert sein?

Es ist der letzte Spieltag, alle Partien beginnen ausnahmsweise gleichzeitig um 15.30 Uhr – und so um 17.25 Uhr könnte die Saison vorbei sein.

(lacht) Das weiß ich doch. Mein Wunsch ist es: Ich möchte um 17.28 Uhr alle nass machen, die um mich herum sind, und dann einfach nur feiern. (kni)

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