Leonardo Bittencourt von Werder Bremen im Gespräch mit DeichStube-Reporter Björn Knips.
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Leonardo Bittencourt von Werder Bremen im Gespräch mit DeichStube-Reporter Björn Knips.

Werder-Allrounder im Gespräch

Leo Bittencourt riskiert für Werder seine Gesundheit: „Ich will hierbleiben“ - Interview

Bremen – Wenn Werder Bremen die Klasse hält, dann greift eine Kaufoption für Leonardo Bittencourt. Wenn nicht, muss der 26-Jährige zurück zur TSG 1899 Hoffenheim. Im Interview mit der DeichStube erklärt der Werder-Angreifer, unter anderem was er aus dem Abstieg mit dem 1. FC Köln gelernt hat.

Außerdem verrät Leonardo Bittencourt, warum er nicht an den Hamburger SV denkt und weshalb er mit den Kollegen von Werder Bremen gerne mal ein Gläschen trinken geht.

Leonardo Bittencourt, wie geht es Ihrem Fuß?

Nächste Frage bitte.

So schlimm?

Nein. Aber wenn man nicht aufhört, kann es auch nicht besser werden. Ich hätte eigentlich mal drei, vier Wochen Pause machen müssen, aber das will ich in unserer Situation nicht.

Wie sehr müssen sie auf die Zähne beißen, brauchen Sie Schmerzmittel?

Bei den Spielen schon, im Training muss es ohne gehen, damit ich merke, wie mein Sprunggelenk reagiert. Nach den Spielen brauche ich ein, zwei Tage Pause mehr, um mich zu erholen.

Sie sind von Werder nur ausgeliehen und würden bei einem Abstieg durch Ihre Rückkehr nach Hoffenheim erstklassig bleiben. Warum opfern Sie sich da so auf und riskieren Ihre Gesundheit?

Weil ich hierbleiben möchte und nicht absteigen will. Das will keiner von uns. Egal, was danach für jeden einzelnen kommen könnte. Denn es ist schon so etwas wie ein Versagen, wenn dir das als Fußballer passiert.

Sie sind vor knapp zwei Jahren mit dem 1. FC Köln abgestiegen, was hat das mit Ihnen gemacht?

Das war sehr schwer für mich. Ich hatte in Köln mein Zuhause gefunden – und einen Verein, mit dem ich mich zu 100 Prozent identifiziert habe. Hier geht es mir ähnlich. Wir fühlen uns als Familie sehr wohl. Der Verein hat mich mehr als überrascht. Ich hatte natürlich viel von der Werder-Familie gehört, aber hier spürt man wirklich, wie eng die Leute miteinander verbunden sind. So etwas will ich nicht nochmal verlieren.

Werder Bremen: Leonardo Bittencourt will immer in der ersten Liga spielen“

Damals in Köln hätten Sie auch bleiben können, sind aber weitergezogen.

Das stimmt. Ich bin eben auch sehr ehrgeizig und will immer in der ersten Liga spielen. Und das will ich nächste Saison auch mit Werder weiterhin tun.

Sie spielen sehr leidenschaftlich, kämpfen um jeden Zentimeter und animieren das Publikum. Würden Sie sich da etwas mehr Unterstützung von den Kollegen wünschen?

Man muss der Typ dafür sein. Das kann man nicht von jedem fordern. Vielleicht fehlen da bei uns noch ein, zwar dieser Typen, aber mit Davie Selke ist ja gerade einer dazu gekommen, der das auch sehr gerne macht. Und elf Leos oder Davies auf dem Platz wären wahrscheinlich auch nicht gut (lacht).

Was muss die Mannschaft nun machen?

Noch enger zusammenrücken, weil der negative Druck von außen wächst. Das ist ja auch normal in unserer Situation. Oft sorgt das dafür, dass sich die einzelnen Spieler zurückziehen, sich nur noch mit sich beschäftigen. Das darf nicht passieren. Wir müssen miteinander sprechen, um weiter an uns zu glauben. Es reicht, wenn uns in der Öffentlichkeit schon einige abgeschrieben haben.

Leonardo Bittencourt will mit Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen, um auch in der kommenden Saison an der Weser zu spielen.

Kapitän Niklas Moisander hat angekündigt, dass es in diesen Tagen noch ein Team-Event geben wird. Wie muss man sich so eine Veranstaltung vorstellen?

Unter der Woche geht man gemeinsam etwas essen, trinkt vielleicht ein, zwei Gläser zusammen. Wenn man das am Wochenende nach einem Spiel macht, bin ich schon ein Freund davon, dass es auch mal ein Getränk mehr wird. Dann wird es auch etwas lockerer und man vergisst den ganzen Druck (lacht). Aber wegen der Englischen Woche wird das erstmal nichts.

Wird dann nur über Fußball gesprochen?

Nicht nur, aber sehr viel. Wir sind eben alles Fußballer. Aber es werden auch ganz ernsthaft Dinge angesprochen, wenn einem zum Beispiel etwas nicht passt. Dafür ist das eine gute Gelegenheit.

Wird auch über den Trainer gesprochen?

Klar, so etwas gehört auch dazu.

Leonardo Bittencourt will sich nicht mit einer möglichen Relegation gegen den HSV beschäftigen

Sie haben 2017 in Ihrer Zeit beim 1. FC Köln mal einen flammenden Appell für Peter Stöger gehalten und gesagt, er sei der beste Mensch, den man als Trainer haben könnte. Zwei Monate später wurde er entlassen. Geht es im Abstiegskampf nicht anders?

Freiburg hat schon oft genug bewiesen, dass es anders geht. Aber nur dann, wenn alle im Verein das mittragen. Ob das damals in Köln so war, weiß ich nicht. Die Spieler wollten Peter behalten, aber wir entscheiden das nicht. Wir wissen alle, was wir an Florian Kohfeldt hier haben. Und es gibt einem eine gewisse Ruhe, wenn Frank Baumann als Sportchef sagt, dass Flo bleibt. Wir wollen den Weg gemeinsam gehen und da unten rauskommen.

Was bedeutet diese Ruhe?

Ich habe das schon anders erlebt, und dann weißt du heute nicht, was morgen passiert. Bleibt er oder bleibt er nicht, das macht es schwierig.

Der Kopf spielt im Abstiegskampf eine große Rolle. Ausgerechnet jetzt hat sich Werder von seinem Sportpsychologen Andreas Marlovits getrennt. Haben Sie sich darüber gewundert?

Ja, es kam überraschend. Er hat in der Hinrunde oft mit uns gearbeitet, auch in den Tagen in Leipzig. Aber das darf uns jetzt nicht verrückt machen. Ganz ehrlich: Uns hilft jetzt nicht ein Psychologe oder ein neuer Impuls oder irgendetwas anderes, wir brauchen einfach Punkte! Dafür müssen wir alles beiseite schieben.

Es wird im Norden bereits davon gesprochen, dass es zur Relegation mit dem Hamburger SV kommt. War das auch in der Mannschaft schon ein Thema?

Nein. Natürlich wäre das ein Kracher. Aber wir sind gerade nicht einmal auf dem Relegationsplatz, damit sollten wir uns beschäftigen.

In Bremen wird auch viel darüber geredet, was für Konsequenzen so ein Abstieg hätte, wie viele Arbeitsplätze das kosten und wieviel Geld dann dem Verein, der Stadt, der ganzen Region fehlen würde. Wird den Fußball-Profis damit zu viel Verantwortung aufgeladen?

Ich denke, das ist allen bewusst. Aber als Spieler darfst du dir darüber nicht zu viele Gedanken machen. Die Aufgabe allein ist schon groß genug. Die Gefahr ist, dass du zu sehr verkrampfst. Ansonsten kannst du daran kaputt gehen in diesem Geschäft. Das habe ich aus der Zeit in Köln gelernt. Ich versuche, allen immer zu vermitteln, dass es vor allem für uns als Mannschaft wichtig ist, drin zu bleiben. Dafür muss du deine Kraft einsetzen, dann werden wir das gemeinsam schaffen.

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