Werder-Profi über Gründe

Große Lust trotz Gehaltsverzicht: Leonardo Bittencourt verlängert vorzeitig seinen Vertrag bei Werder Bremen

Bremen – Das kam unerwartet. Sogar für Leonardo Bittencourt selbst. „Tatsächlich wurde ich recht spät informiert, dass da im Hintergrund gearbeitet wird und der Verein Interesse hat, das zu machen.“ Mit „das“ meinte der 28-Jährige seine Vertragsverlängerung. Genau die hat der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen nun nämlich vollführt, am Mittwoch machte der Verein die Einigung offiziell. Und das überraschte auch deshalb, weil Bittencourt eigentlich noch ein bis in den Sommer 2024 datiertes Arbeitspapier besaß. Da bestand also eigentlich keine Eile. Zumindest theoretisch, denn am Ende ging es wie so häufig ums liebe Geld.

Es ist nicht das erste Mal, dass das im Fall von Leonardo Bittencourt so gewesen ist. Als Werder Bremen den Offensivmann im September 2019 auf den allerletzten Drücker der Transferphase von der TSG Hoffenheim auslieh, wurde zwischen beiden Vereinen eine am Saisonverlauf orientierte Kaufpflicht vereinbart. Als die Bremer schließlich die Klasse hielten, wechselten sieben Millionen Euro den Besitzer. Nicht eben wenig für einen Club, dessen Konto nicht das üppigste ist. Doch inzwischen hatte die Corona-Pandemie die angespannte Finanzlage am Osterdeich noch einmal verschlimmert, weshalb die Summe – bei aller sportlichen Wertigkeit – durchaus schmerzte. Bittencourt gehörte seither zudem zu den Topverdienern im Kader, weshalb Werder ein ziemlich gesteigertes Interesse daran hatte, mit einem neuen Vertrag für eine Gehaltsanpassung zu sorgen.

Leonardo Bittencourt verlängert vorzeitig seinen Vertrag bei Werder Bremen - und verzichtet auf Geld

Leonardo Bittencourt vermittelte am Mittwoch vor Werders Heimspiel gegen Hertha BSC (Freitag, 20.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) ziemlich überzeugend den Eindruck, dass ihn das geschrumpfte Einkommen überhaupt nicht stört. So wie es im Sommer auch schon Teamkollege Niclas Füllkrug getan hatte, der ebenfalls einen Vertrag mit niedrigeren Bezügen unterzeichnet hatte. „Über Gehaltsangelegenheiten äußere ich mich nicht gern, das sind Sachen, die intern bleiben“, sagte er zunächst, um dann doch einen Einblick zu gewähren. „Es war eine Gefühls- und keine Zahlen-Entscheidung“, betonte Bittencourt. „Das Geld habe ich nie in den Vordergrund gestellt.“ Nicht jetzt bei Werder Bremen. Und auch nicht früher. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, was wichtig ist. Ich hätte damals mit Köln in der zweiten Liga bleiben und sehr viel Geld verdienen können. Aber ich habe mich für den sportlichen Weg entschieden.“ So folgte er dem Ruf aus Sinsheim, um mit der TSG Hoffenheim in der Champions League spielen zu können. Richtig gut lief es nicht, auch deshalb wurde der Transfer zu Werder überhaupt erst möglich.

Es sind Erfahrungen wie diese, die heute dabei helfen, sich anders zu entscheiden als früher. „Damals habe ich mich für die Karriere und nicht den Menschen Leonardo Bittencourt entschieden“, erinnerte er sich. „Jetzt habe ich mit Werder noch einmal einen Verein, bei dem ich nicht den Gedanken habe, ihn zu verlassen.“ Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Zeit bei Werder Bremen für den Offensivmann nicht immer eine einfache war. Anstelle der erhofften Europapokal-Teilnahme gab es bekanntlich den Abstieg aus der Bundesliga und einen holprigen Start eine Etage tiefer. Darüber hinaus plagte sich Leonardo Bittencourt immer wieder mit Verletzungen herum, die ihm das Erreichen der Bestform erschwerten. In diesem Sommer schien das Tal überwunden, der 28-Jährige zeigte reihenweise starke Leistungen nach dem Wiederaufstieg, wettbewerbsübergreifend traf er in acht Spielen schon drei Mal.

Leonardo Bittencourt über Werder Bremen: „Habe mit Werder einen Verein, bei dem ich nicht den Gedanken habe, ihn zu verlassen“

Der Haken an der Sache: Ohne Verletzung ging es auch dieses Mal nicht. Nach einer Rippenblessur und anschließender Erkältung bastelt Leonardo Bittencourt gerade am Comeback. Gegen Paderborn im DFB-Pokal zeigte er nach seiner Einwechslung direkt, wie wertvoll er ist. Auch wenn er später im Elfmeterschießen zur tragischen Figur wurde. „Ich dachte eigentlich, dass ich es leichter abschütteln kann“, gestand der Profi von Werder Bremen jetzt. Doch so kam es nicht. „Ich lag noch zwei Nächte im Bett und dachte: Wieso schießt du nicht in die andere Ecke?“

Ansonsten geht es persönlich aber wieder aufwärts. Je mehr Einsatzminuten er nun bekommt, davon ist Leonardo Bittencourt überzeugt, desto schneller kehrt auch die Form zurück. Und nicht nur das. Der Deutsch-Brasilianer möchte gern wieder so stark sein wie vor seinem Ausfall. „Es sind die Erfolgserlebnisse, die du brauchst und die werden nur über viel Arbeit kommen“, unterstrich er. „Du wirst Rückschläge haben, indem du vielleicht mal kein gutes Spiel machst oder noch nicht so fit bist. Aber darüber möchte ich gar nicht nachdenken.“ Stattdessen richtet Bittencourt den Fokus auf die guten Dinge. „Ich möchte sofort wieder reinkommen und ein gutes Spiel liefern. Das ist, was in meinem Kopf ist“, sagte der Mittelfeldspieler von Werder Bremen. „Wenn du so positiv reingehst, hilft das immer so ein bisschen.“

Werder Bremens Leonardo Bittencourt: „Komme nicht her, um zu sagen, dass ich jedes Jahr schauen möchte, dass wir die Klasse halten“

Mit dieser Einstellung möchte Leonardo Bittencourt gern auch Werder Bremen in der Tabelle wieder in andere Sphären führen. Zur gegebenen Zeit, versteht sich. „Ich komme nicht her, um zu sagen, dass ich jedes Jahr schauen möchte, dass wir die Klasse halten“, hob der Mittelfeldspieler hervor. „Ich möchte mich Jahr für Jahr verbessern, die Mannschaft möchte das, der Trainer möchte das. Und wenn dir das gelingt, mit der Ruhe, die wir gerade haben. Mit der Bodenständigkeit und der Bescheidenheit, die wir gerade an den Tag legen – dann sind wir auf einem guten Weg, das Ziel auch wieder erreichen zu können. Aber es steckt noch viel Arbeit dahinter und es wird vielleicht auch noch ein bisschen dauern.“ Aber Leonardo Bittencourt ist seit Mittwoch bereit, diesen Weg noch etwas länger mit Werder zu gehen. (mbü)

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Rubriklistenbild: © Imago Images/osnapix/Hirnschal

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