Der späte Ausgleich für den FC Barcelona: Lionel Messi (oranges Trikot) dribbelt sich durch die Abwehr des SV Werder Bremen und trifft im Champions-League-Spiel der Saison 2006/07 zum 1:1 - Clemens Fritz (rechts) kann nicht mehr eingreifen.
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Der späte Ausgleich für den FC Barcelona: Lionel Messi (oranges Trikot) dribbelt sich durch die Abwehr des SV Werder Bremen und trifft im Champions-League-Spiel der Saison 2006/07 zum 1:1 - Clemens Fritz (rechts) kann nicht mehr eingreifen.

In der Champions League 2006

Schon damals Weltklasse: Wie Lionel Messi einst gegen Werder Bremen traf – und seine Kontrahenten schwärmen ließ

Bremen – Am späten Abend des 27. September 2006 war in den Katakomben des Weserstadions irgendwann der Punkt erreicht, der auch heute noch, gute 16 Jahre später, nahezu immer erreicht wird, wenn es um Lionel Messi geht: Es war die Zeit der großen Huldigungen gekommen. Nach einem starken Auftritt in der Gruppenphase der Champions League hatte sich der SV Werder Bremen soeben mit einem 1:1 (1:0) gegen das Starensemble des FC Barcelona begnügen müssen, weil eben Messi, kaum auf dem Platz, in der 89. Minute zum Ausgleich getroffen hatte.

Ein unwiderstehliches Dribbling den Strafraum entlang, Doppelpass mit Deco, dann der überlegte Abschluss – diese Szene war es, die Werder-Torhüter Tim Wiese zum Urteil „einfach Weltklasse“ kommen ließ und wegen der Verteidiger Per Mertesacker haderte: „Das Einfachste wäre gewesen, ihn zu foulen, aber selbst das ist nicht so leicht.“ Dieser 19-jährige Argentinier, dem die Fußballwelt zu Füßen liegen schien, jetzt hatte er also auch Bremen verzückt, so wie er es in den Folgejahren gegen unzählige andere Gegner tun sollte – und bis heute tut. Mit dem WM-Titel könnte Lionel Messi seine großartige Karriere an diesem Sonntag krönen. „Es ist toll zu sehen, wie gut er immer noch drauf ist. Man hat das Gefühl, dass er diesen Pokal unbedingt will“, sagt Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz, der damals, im September 2006, auch auf dem Platz stand – und gerne an das Champions-League-Duell gegen den FC Barcelona und Messi zurückdenkt.

Werder Bremens Clemens Fritz über Argentiniens Superstar Lionel Messi: „Toll zu sehen, wie gut er immer noch drauf ist“

„Die Begeisterung um ihn war ja damals schon groß, auch wenn Barcelona noch ganz andere Stars hatte“, sagt Clemens Fritz und zählt die folgenden Namen auf: Ronaldinho, Iniesta, Xavi. Es war eine Zeit, in der sich Werder Bremen regelmäßig mit den Besten der Besten messen durfte, ein Dauergast in der Champions League war, was im Jahr 2022 fast ein wenig unwirklich klingt. Bereits im September 2005 war Lionel Messi mit dem FC Barcelona erstmals am Osterdeich zu Gast gewesen, damals holte er als Joker den Foulelfmeter heraus, den Ronaldinho zum 2:0-Endstand für die Katalanen verwandelte. In den jeweiligen Rückspielen im Camp Nou kam der Argentinier gegen die Bremer hingegen nicht zum Einsatz. Probleme bereitet hatte er Werder aber auch so schon genug.

„Sein später Ausgleich zum 1:1 tat uns richtig weh“, berichtet Clemens Fritz, dessen SV Werder Bremen 2006 in der sogenannten Todesgruppe mit dem FC Chelsea und dem FC Barcelona zwar beeindruckende zehn Punkte sammelten, aber dennoch als Tabellendritter aus dem Wettbewerb ausschieden. Zwei Zähler mehr hätten sicher zum Weiterkommen gereicht. Den Titel gewann am Ende auch Messis Barcelona nicht, bereits im Achtelfinale war gegen den FC Liverpool Schluss. Was für den Argentinier aus heutiger Sicht aber zu verschmerzen sein dürfte. Erstens, weil er bereits in der Saison 2005/06 Champions-League-Sieger geworden war, und es zweitens auch in den Jahren 2009, 2011 und 2015 noch jeweils wurde. Dazu kommen zehn spanische Meistertitel und sieben spanische Pokalsiege, der Gewinn der Copa América, ein Olympiasieg, eine Meisterschaft in Frankreich sowie die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres – um nur einige Punkte aus Lionel Messis beachtlichem Briefkopf aufzulisten.

Werder Bremen scheiterte in der Champions-League-Saison 2006/07 in der Todesgruppe - auch wegen Lionel Messi

„Er gehört zu den ganz großen Fußballern und hat den Fußball seiner Zeit sicherlich geprägt“, betont Clemens Fritz, der natürlich auch weiß, dass Lionel Messi dieser eine, dieser allergrößte von allen Titeln immer noch fehlt: der WM-Pokal. Am Sonntag will er ihn mit Argentinien im Endspiel gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich einfahren, was das 45-Millionen-Einwohner Land in Südamerika in vielleicht noch nie gesehene Ekstase versetzen – und in Bezug auf Lionel Messi die Frage aufwerfen würde: Was ist eigentlich die Steigerung von unsterblich?

Clemens Fritz jedenfalls, einer von Messis Gegenspielern aus dem September 2006, würde dem Argentinier den großen Triumph gönnen – und glaubt auch daran, dass es am Sonntag im Lusail Iconic Stadium in Katar dazu kommt: „Ich habe schon das Gefühl, dass er seine Karriere krönen wird, auch wenn ich die Franzosen als Mannschaft insgesamt stärker einschätze“, sagt der Ex-Profi von Werder Bremen. (dco)

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