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Für Luca Caldirola scheint wieder die Sonne, denn seine Verletzung ist nicht so schlimm, wie zunächst befürchtet.

Werder-Verteidiger plant ein schnelles Comeback

Luca Caldirola: „Für Europa kämpfe ich auch auf einem Bein“

Bremen - Die Krücken hat er zwar noch dabei, aber eigentlich sind sie überflüssig: Nur eine Woche nach seinem Mittelfußbruch läuft es für Werder-Profi Luca Caldirola schon wieder richtig gut.

Bestens gelaunt kommt der Innenverteidiger zum ersten Interviewtermin nach seiner schweren Verletzung im Frankfurt-Spiel. Der Gips ist ab, der 26-Jährige darf schon mit leichtem Training beginnen und hofft deshalb auf ein zweites Comeback in dieser Saison.

In der Hinrunde war er schon wegen eines Bruchs des Sprunggelenks lange ausgefallen. Caldirola hat noch mehr Pläne. Der Italiener nennt als erster Bremer Spieler die Qualifikation für die Europa League als Ziel. Dabei steht noch gar nicht fest, ob er nächste Saison noch bei Werder ist. Caldirola will seinen auslaufenden Vertrag verlängern, aber nicht nur um ein Jahr.

Herr Caldirola, Sie gehen fast ohne Krücken. Warum geht es plötzlich bei Ihrer Verletzung so schnell?

Luca Caldirola: Ich weiß es auch nicht so genau. Der Mittelfuß war gebrochen, aber nicht so kompliziert.

Sie haben damals selbst geschrieben, die Saison sei für Sie vorbei.

Caldirola: Das war die Prognose. Und normalerweise ist das auch so, du brauchst sechs Wochen. Aber bei mir ist es nach einer Woche richtig gut, der Gips ist schon weg – und nicht erst wie geplant nach zwei Wochen. Deswegen habe ich Hoffnung.

Wie haben Sie sich eigentlich den Fuß gebrochen?

Caldirola: Ich bin kurz nach der Pause gefoult worden, habe einen Schlag bekommen. Aber ich bin aufgestanden und habe weitergespielt. Doch die Schmerzen wurden immer größer, und nach fünf Minuten habe ich beim Laufen immer ein „Klack, klack“ gehört. Da wusste ich, es ist vorbei, ich muss runter.

Haben Sie gedacht, warum ich schon wieder?

Caldirola: Erst gar nicht. Es war zwar derselbe Fuß wie bei meiner letzten Verletzung. Aber es war anders – und ich dachte, es ist nicht so schlimm. Doch dann hat der Doc mich untersucht und gesagt: „Luca, der Fuß ist durch.“ Das konnte ich nicht glauben, ich wollte weinen. Ich hatte in meiner ganzen Karriere keine schweren Verletzungen – und dann so etwas zum zweiten Mal in einer Saison. Ich war doch gerade erst nach sechs Monaten zurück und hatte drei gute Spiele hinter mir.

Haben Sie in dem Moment auch an Ihre Zukunft gedacht, schließlich läuft Ihr Vertrag am Saisonende aus?

Caldirola: Nein. Ich hatte diese drei Spiele nach meiner Verletzung. In denen habe ich gezeigt, was ich kann. Und das nach so einer langen Pause von sechs Monaten. Deswegen habe ich mir keine Sorgen gemacht.

Luca Caldirola: Seine Karriere in Bildern

Seit Juli 2013 steht Luca Caldirola bei Werder unter Vertrag. In der ersten Saison absolvierte er fast alle Spiele über die volle Distanz.
Seit Juli 2013 steht Luca Caldirola bei Werder unter Vertrag. In der ersten Saison absolvierte er fast alle Spiele über die volle Distanz.  © imago
Unter Ex-Coach Viktor Skripnik spielte er dann keine Rolle mehr, war nur noch Ergänzungsspieler.
Unter Ex-Coach Viktor Skripnik spielte er dann keine Rolle mehr, war nur noch Ergänzungsspieler.  © gumzmedia
Die Folge: In der Spielzeit 2015/2016 wechselte er als Leihspieler zu Darmstadt 98...
Die Folge: In der Spielzeit 2015/2016 wechselte er als Leihspieler zu Darmstadt 98...  © imago
...und verpasste dort in 34. Bundesligapartien keine einzige Spielminute.
...und verpasste dort in 34. Bundesligapartien keine einzige Spielminute.  © imago
Luca Caldirola
Angefangen hat seine Karriere bei Inter Mailand. Dort konnte er jedoch nicht Fuß fassen - wurde ständig verliehen.  © imago
Caldirola spielte unter anderem bei den italienischen Clubs Brescia Calcio und AC Cesna, ehe er an die Weser kam.
Caldirola spielte unter anderem bei den italienischen Clubs Brescia Calcio und AC Cesena, ehe er an die Weser kam.  © gumzmedia
Caldirola steckte sich vor der Saison 2016/2017 ein hohes Ziel. Er wollte sich durchbeißen...
Caldirola steckte sich vor der Saison 2016/2017 ein hohes Ziel. Er wollte sich durchbeißen...  © gumzmedia
...und bei Werder der Abwehrchef werden.
...und bei Werder der Abwehrchef werden.  © gumzmedia
Doch bereits am zweiten Spieltag kam es für den Italiener ganz bitter. Bei der 1:2-Pleite gegen Augsburg verletzte er sich kurz vor Abpfiff schwer - Knöchelbruch.
Doch bereits am zweiten Spieltag kam es für den Italiener ganz bitter. Bei der 1:2-Pleite gegen Augsburg verletzte er sich kurz vor Abpfiff schwer - Knöchelbruch.  © gumzmedia
Caldirola kämpfte sich zurück, musste sich aber gedulden. Die Werder-Abwehr war bei seiner Rückkehr bereits eingespielt. Erst durch eine Verletzung von Lamine Sane...
Caldirola kämpfte sich zurück, musste sich aber gedulden. Die Werder-Abwehr war bei seiner Rückkehr bereits eingespielt. Erst durch eine Verletzung von Lamine Sane...  © gumzmedia
Caldirola kämpfte sich zurück, musste sich aber gedulden. Die Werder-Abwehr war bei seiner Rückkehr bereits eingespielt. Erst durch eine Verletzung von Lamine Sane...
Caldirola kämpfte sich zurück, musste sich aber gedulden. Die Werder-Abwehr war bei seiner Rückkehr bereits eingespielt. Erst durch eine Verletzung von Lamine Sane...  © gumzmedia
...bekam Caldirola seine nächste Chance - und machte seine Sache in den Spielen von 26. bis 28. Spieltag gut. Doch dann die nächste Hiobsbotschaft: Gegen Eintracht Frankfurt brach er sich den Mittelfuß. Für ihn das Saisonende.
...bekam Caldirola seine nächste Chance - und machte seine Sache in den Spielen von 26. bis 28. Spieltag gut. Doch dann die nächste Hiobsbotschaft: Gegen Eintracht Frankfurt brach er sich den Mittelfuß. Für ihn das Saisonende.  © gumzmedia
Caldirola war der Pechvogel der Saison 2016/2017. Trotzdem einigte sich Werder mit dem Innenverteidiger auf eine Vertragsverlängerung bis 2019.
Caldirola war der Pechvogel der Saison 2016/2017. Trotzdem einigte sich Werder mit dem Innenverteidiger auf eine Vertragsverlängerung bis 2019.  © gumzmedia
Aber auch in der folgenden Saison 2017/18 saß der Italiener nur auf der Bank. Lediglich in einem Spiel durfte er ran - beim 1:1 in Wolfsburg im September 2017. 
Aber auch in der folgenden Saison 2017/18 saß der Italiener nur auf der Bank. Lediglich in einem Spiel durfte er ran - beim 1:1 in Wolfsburg im September 2017.   © gumzmedia
Nach seinem gescheiterten Wechsel im Sommer 2018 trainiert Caldirola nur noch individuell mit den Athletiktrainern der U23, da er - genau wie Thanos Petsos - nicht mehr am Teamtraining teilnehmen darf. 
Nach seinem gescheiterten Wechsel im Sommer 2018 trainiert Caldirola nur noch individuell mit den Athletiktrainern der U23, da er - genau wie Thanos Petsos - nicht mehr am Teamtraining teilnehmen darf.   © gumzmedia

Sportchef Frank Baumann hat sofort nach Ihrer Verletzung gesagt, dass Werder trotzdem gerne mit Ihnen verlängern will.

Caldirola: Das hat mich sehr gefreut. Wenn du dich zwei Mal so verletzt hast, dann glaubt der eine oder andere Sportdirektor vielleicht nicht mehr so sehr an dich. Hier ist das anders.

Gab es schon Gespräche über eine Vertragsverlängerung?

Caldirola: Mein Berater ist in Kontakt mit Werder. Er wird diese oder nächste Woche kommen.

Wollen Sie denn überhaupt verlängern?

Caldirola: Ja, ich will hierbleiben. Ich fühle mich sehr wohl in Bremen, diese Fans sind toll, das sind die besten in der Bundesliga. Wirklich! Aber im Fußball weißt du nie, was passiert. Vielleicht bleibe ich noch zehn Jahre hier, vielleicht bin ich aber auch nächstes Jahr schon ganz woanders.

Welche Rolle spielt es eigentlich, dass Niklas Moisander und Lamine Sane in der Abwehr gesetzt sind und auch Milos Veljkovic dort hinten eine wichtige Rolle einnimmt?

Caldirola: Natürlich muss man sehen, wie der Verein in Zukunft mit mir plant. Ich bin ja keine 20 mehr, sondern ich werde 27 Jahre alt, deswegen will ich spielen. Das ist doch klar.

Scheuen Sie den Konkurrenzkampf?

Caldirola: Nein. Ich habe schon das Selbstvertrauen und sage, wenn ich fit bin, dann spiele ich hier auch. Aber ich möchte Vertrauen spüren.

Ihr Mitspieler Santiago Garcia hat jüngst ein Angebot zur Vertragsverlängerung um ein Jahr abgelehnt, weil er darin zu wenig Vertrauen des Clubs sieht. Was wünschen Sie sich?

Caldirola: Ein oder zwei Jahre sind wirklich nicht viel. Okay, wenn du 33 bist, dann schon. Aber ich bin 26. Deswegen möchte ich eine Perspektive haben, ich will Vertrauen. Ein Jahr wäre mir zu wenig.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Trainer Alexander Nouri?

Caldirola: Er ist ein guter Trainer. Wir sprechen jeden Tag, er erklärt uns viel – auch seine Entscheidungen. Das finde ich gut. Es ist wichtig, zu wissen, warum man nicht spielt.

So wie bei Ihnen Anfang des Jahres, als sie nach überstandener Verletzung spielen wollten, der Trainer Sie aber nicht in den Kader berief?

Caldirola: Da war ich ein bisschen sauer. Das habe ich dem Trainer auch gesagt. Aber ich konnte es verstehen, ich war so lange nicht dabei. Und der Trainer hatte diese Verletzung selbst mal, wusste also, wie das ist. Er war sogar fast ein Jahr verletzt. Deswegen war er etwas vorsichtig. Aber er hat gesagt, dass meine Chance kommt, und sie ist gekommen.

Wann haben Sie Ihre nächste Chance geplant?

Caldirola: Gegen Köln will ich wieder dabei sein. Oder danach gegen Hoffenheim. Oder spätestens zum Schluss gegen Dortmund. Wer weiß, ob ich nächstes Jahr noch hier bin, deswegen will ich unbedingt noch mal für Werder spielen. Aber vielleicht kriege ich ja auch einen Zehn-Jahres-Vertrag (lacht).

Wollen Sie denn noch so lange spielen?

Caldirola: Warum nicht? Als ich verletzt war, hatte ich viel Freizeit. Da kommt man ins Grübeln, was man ohne Fußball macht. Ohne Fußball geht es bei mir aber nicht. Also will ich so lange wie möglich spielen.

Was ist mit Werder Ihrer Meinung nach in dieser Saison noch möglich?

Caldirola: Wir sind noch nicht durch, aber es sind auch nur zwei Punkte bis Europa. Ich denke, wir können nach oben schauen. Wir haben neun Spiele nicht verloren. In Ingolstadt können wir am Samstag auch gewinnen. Dann kommen die beiden Spiele gegen die direkten Konkurrenten Berlin und Köln. Ich finde, wir haben da eine gute Chance.

Also werden Sie nach überstandener Verletzung in dieser Saison auch noch um die Europa League kämpfen?

Caldirola: Ich komme nur zurück, wenn es noch um etwas geht. Sonst macht es keinen Sinn, etwas zu riskieren. Für Europa kämpfe ich auch auf einem Bein (lacht).

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