Ludovic Magnin, Double-Sieger 2004 mit dem SV Werder Bremen, ist als neuer Trainer des SCR Altach in Österreich vorgestellt worden.
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Ludovic Magnin, Double-Sieger 2004 mit dem SV Werder Bremen, ist als neuer Trainer des SCR Altach in Österreich vorgestellt worden.

Ludovic Magnin im DeichStube-Interview

Ex-Bremer Ludovic Magnin im DeichStube-Interview: „Ich fühle mich nicht als richtiger Meister mit Werder“

Altach - Als „richtiger Meister“ fühle er sich nicht, betont Ludovic Magnin, Mitglied der Mannschaft, die 2004 mit Werder Bremen das Double holte. Der Schweizer, der in jener erfolgreichen Spielzeit oft wegen Verletzungen ausfiel, hat seine Zeit in Bremen aber in bester Erinnerung. So habe ihm auch der Abstieg seines Ex-Clubs enorm wehgetan, gesteht der 42-Jährige im Gespräch mit der DeichStube.

In der vergangenen Woche ist der ehemalige Nationalspieler als Trainer des österreichischen Erstligisten SCR Altach vorgestellt worden. In Vorarlberg will der frühere Außenverteidiger verhindern, was Werder Bremen passiert ist. Die Lage an der Weser schätzt er nach dem Trainerwechsel wieder positiver ein: „Ole Werner hat der Mannschaft Mut eingeimpft.“ Mit Hochachtung spricht er von Frank Baumann, „meinem Kapitän damals“. Ludovic Magnin über den viel kritisierten Geschäftsführer: „Ich finde es bewundernswert, wie Frank sich den Problemen stellt.“

Sie haben sicherlich die Entwicklung bei Ihrem Ex-Club Werder verfolgt. Mit welchen Gefühlen haben Sie das letzte Jahr erlebt?

Mit weinenden Augen habe ich den Abstieg registriert. Es tut schon enorm weh, wenn ein früherer Club, der mir ans Herz gewachsen ist, aus der Bundesliga absteigen muss.

Eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hat. Oder?

Wer ehrlich ist, muss feststellen, dass es seit der Zeit, in der ich in Bremen spielen durfte, ständig bergab gegangen ist. Der Double-Gewinn und die folgenden Jahren in der Champions League waren der absolute Höhepunkt, doch gerade das letzte Jahrzehnt war gekennzeichnet durch einen Abwärtstrend.

Sie haben Ihre Zuneigung zu Werder erwähnt. Obwohl in den dreieinhalb Spielzeiten nicht alles rund lief für Sie, sind Sie mit der Etappe in Ihrer Laufbahn zufrieden?

Leider hatte ich einige Verletzungen, in jenen Phasen konnte ich dadurch nicht so häufig spielen. Doch insgesamt bin ich auf meine Spiele gekommen, konnte in der Königsklasse auflaufen. Es war eine gute Zeit, ich bin zufrieden mit diesem Abschnitt.

Ludovic Magnin fühlt sich „nicht als richtiger Meister“ mit Werder Bremen

Und das Highlight war der Titelgewinn 2004

…Moment mal, ich fühle mich nicht als richtiger Meister mit Werder, weil ich damals wegen meiner Verletzungen zu wenig Einsätze in dieser überragenden Mannschaft hatte. Die Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 2007 hat da schon einen ganz anderen Stellenwert. In Stuttgart war ich unumstritten Stammspieler und einer der Leader.

In Werders Meisterteam, das auch noch den Pokalsieg holte, spielte Frank Baumann eine herausragende Rolle. Nun steht er als Geschäftsführer an der Front eines Zweitligisten, der nach dem Abstieg um die Wiederkehr kämpft. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Frank war damals mein Kapitän, eine vorbildliche Führungsfigur. Es ist schwer und unfair, aus der Ferne der Schweiz sein Wirken im Norden umfassend zu beurteilen. Es scheint nicht alles rosarot gewesen zu sein, doch ich finde es bewundernswert, wie Frank sich den Problemen stellt. Er ist Bremer durch und durch, der sich auch in seiner neuen Funktion die Ruhe und Umsicht bewahrt hat, die er früher auf dem Feld als Spieler verkörpert hat. Ich finde es toll, dass er sich selbst in dieser schweren Zeit stellt und nicht hingeworfen hat.

War die Kritik an seiner Person nach Ihrem Geschmack also zu drastisch und übertrieben?

Insgesamt finde ich, dass in der heutigen Zeit das Negative zu sehr betont wird. Die Welt ist voll von negativen Gedanken und Stimmungen, auch der Fußball. Es ist bedauerlich und unschön, dass viel zu schnell und überstürzt geurteilt und gehandelt wird. Dazu der Drang, dass immer alles perfekt ablaufen muss. Sobald ein wenig Gegenwind aufkommt, sobald die Tendenz nicht ganz stimmt, kommt es viel zu hastig in unserer Branche zu Entlassungen oder Trennungen. Wie beispielsweise auch in der Gesellschaft: Heutzutage sind viele schnell dabei, sich scheiden zu lassen, wenn kleine Problemchen in einer Ehe auftauchen. Ich bin da ein anderer Typ. Seit 2007 bin ich mit meiner Frau verheiratet.

Trauen Sie dem SV Werder Bremen den Wiederaufstieg zu?

Wäre die Frage vor dem Trainerwechsel gekommen, hätte ich mit einem klaren Nein geantwortet. Nun sehe ich es optimistischer. Der Wechsel zu Ole Werner hat viel gebracht, der neue Trainer hat der Mannschaft neuen Mut eingeimpft. Dennoch ist es fraglich, ob Werder den Aufstieg schaffen kann. Weil die Clubs an der Spitze schon einen kleinen Vorsprung haben und stabil auftreten.

Werder Bremen-Ex-Profi Ludovic Magnin soll als Trainer SCR Altach vor dem Abstieg retten

Nach über einem Jahr ohne einen Job sind Sie jetzt beim SCR Altach vorgestellt worden. Als „Mangin“, wie ihr Name irrtümlicherweise geschrieben worden ist. Wie haben Sie diese Panne beim Einstieg empfunden?

Ich fand es lustig, habe darüber gelacht. Mein Gott, es kann passieren.

Der Erstligist in Österreich steht auf dem letzten Platz. Wie sehen Sie die Chancen, den Abstieg zu verhindern?

Es ist sicherlich einiges falsch gelaufen in Altach. Die Lage ist kompliziert, doch nicht hoffnungslos. Sonst hätte ich das Angebot nicht angenommen. In der Mannschaft steckt das Potenzial, die Klasse zu halten. Zudem kommt uns der Modus entgegen: Noch vier Runden, dann spielen die letzten Sechs untereinander aus, wer drin bleibt und wer nicht. Wobei die bisher erzielten Punkte vor dieser Abstiegsrunde halbiert werden.

Vorletzter ist Admira/Wacker aus Wien, betreut von einem alten Bekannten aus Bremen. Andreas Herzog heißt der Rivale. Hatten Sie bei Werder Kontakt zu ihm?

Kurzzeitig. Als ich im Januar 2002 gekommen bin, war Andi noch kurz da. Es war für mich etwas Besonderes, an der Seite dieser Werder-Legende zu spielen, ihn kennenzulernen.

Die neue Biografie über Andreas Herzog ist reich an Werder Bremen-Anekdoten

Träumen Sie davon, mal in der Bundesliga tätig zu sein?

Was heißt träumen? Ein Engagement in Deutschland ist schon reizvoll, auch ein Job in der 2. Liga. Ich halte es so, wie ich es als Spieler getan habe. Ich gehe immer Schritt für Schritt. Von der Pike auf habe ich den Trainerjob gelernt – seit 2012 beim FC Zürich über die Nachwuchsmannschaften bis zum Chefcoach. Nun folgt in Altach meine erste Anstellung im Ausland. Der familiäre Aspekt zeichnet diesen Club aus, was für mich wichtig ist. Ich muss mich wohlfühlen.

Werder Bremen-Ex-Spieler Ludovic Magnin über Thomas Schaaf: „Überragender Mensch“ mit „besonderen Stärken“

Sie haben renommierte Trainer kennengelernt. Wer hat Sie besonders geprägt?

Eigentlich alle, ich habe zu übernehmen versucht, was mir zusagte. Es ist jedoch auch die Kunst, die schlechteren Aspekte auszublenden und anders vorzugehen.

Wie war Thomas Schaaf, der Erfolgstrainer in Bremen?

Ich habe beobachtet, dass er besondere Stärken hat wie beispielsweise Giovanni Trapattoni, mit dem ich in Stuttgart arbeiten durfte, oder Köbi Kuhn, Nationaltrainer der Schweiz. Alle verbindet, dass sie überragende Menschen sind und diese charakterlichen Qualitäten in ihren Job ideal einbringen. Sie hatten ihre speziellen Fähigkeiten in der Menschenführung, verstanden es, eine Gruppe optimal zu leiten.

Und welcher Coach hatte andere Pluspunkte?

Lucien Favre, ein gewiefter Taktiker halt. Ich kann das Bild bestätigen, das sich in der Bundesliga von ihm gebildet hat.

Thema Nummer eins aktuell im Profifußball: Corona und die Folgen. Kurzfristig hat Werder das im Hochrisikogebiet Spanien geplante Trainingslager abgesagt, zumal auch einige Spieler schon infiziert sind. Wie gehen Sie mit den durch die Pandemie entstandenen Problemen um?

Ich verschwende keine Energie mehr auf diese Dinge, weil es nichts bringt. So viele Widersprüche, so viele Änderungen. Ich befolge einfach die ganzen Regelungen und Vorschriften, ohne es zu hinterfragen. Es ist, wie es ist. Jeder Verein hat mit den gleichen Problemen zu tun. Wenn ich nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass es wahrscheinlich richtig war, wie Werder entschieden hat.

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