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Keeper Lukas Hradecky will mit seinem Club Bayer 04 Leverkusen den SV Werder Bremen schlagen, um am Ende der Saison die Champions League zu erreichen. 

Klemm-Brett vor Bayer 04

Leverkusens Hradecky im Interview über Werder: „Schwer, da wieder rauszukommen“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 26. Spieltag geht es um Bayer Leverkusen.

Seit 2018 steht er bei Bayer Leverkusen unter Vertrag: Lukas Hradecky, ein finnischer Torwart slowenischer Abstammung. Der 30-Jährige, der auch zwischen den Pfosten in der Nationalelf steht, zählt zu den besten Keepern in der Bundesliga. Für die Deichstube blickt er voraus auf den Neustart der Liga. Er traut Leverkusen noch die Qualifikation für die Champions League zu und sieht für Werder Bremen gute Chancen im Abstiegskampf: „Da ist vieles möglich!“

Interview mit Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen

Fühlen Sie sich und die Mannschaft gerüstet nach zwei Monaten Zwangspause?

Natürlich hätte die Vorbereitung umfangreicher und intensiver sein können, unter normalen Umständen müsste sie das auch. Aber die Umstände sind nun mal nicht normal, wir hatten nicht viel Zeit. Trotzdem sind wir alle froh, dass es weitergehen kann, wir haben uns bestmöglich dafür präpariert. In diesen zwei Monaten haben wir ja weiter trainiert, zunächst individuell und danach in kleinen Gruppen. Dass das eine oder andere in der Vorbereitung nicht optimal ablaufen konnte, nehmen wir hin. Unter den gegebenen Bedingungen sind wir bereit.

Haben Sie Bedenken vor dem Neustart bezüglich der Gesundheit?

Wir haben viel gesprochen in den vergangenen Wochen, sind von den Ärzten umfangreich informiert worden. Wenn jemand Fragen hatte, vielleicht auch Sorgen, dann konnte er jederzeit Gehör finden. Der Verein hat uns alle mitgenommen, zusätzlich sind wir ja regelmäßig auf das Corona-Virus getestet worden und vor dem Re-Start eine Woche lang in Quarantäne gegangen. Ich habe deswegen keine gesundheitlichen Bedenken. Ich freue mich, dass es jetzt losgeht.

Eine neue Erfahrung sind Partien ohne Zuschauer. Wie bereiten Sie sich auf Geisterspiele vor? 

Indem wir es simulieren, im Stadion trainieren, auch elf gegen elf. Es ist natürlich komisch, ein Fußballspiel ganz ohne Zuschauer fühlt sich seltsam an. Aber ich bin sicher, dass man sich irgendwie daran gewöhnen kann. Es bleibt uns ja zunächst auch gar nichts anderes übrig. Und dann wird es hoffentlich in naher Zukunft wieder anders werden, wenn wir das Virus besiegen.

Wie beurteilen Sie die Lage beim Gegner?

Werder hat sich nach der guten Vorsaison die Dinge sicherlich anders vorgestellt. Sie haben eine gute Mannschaft, aber sind irgendwann in einen negativen Flow geraten. Dann ist es oft schwer, da wieder rauszukommen, obwohl man die Qualität eigentlich hat.

Kann Werder noch den Klassenerhalt schaffen?

Warum nicht?! Es sind noch neun Spieltage [für Werder sogar noch zehn Spiele - d. Red.]. Da ist vieles möglich.

Bayer kämpft noch um die Qualifikation für die Champions League. Sind Sie zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann?

Natürlich bin ich das. Wir sind Fünfter, mit Kontakt zur Spitze und in der Position des Angreifers. Wir wollen die Clubs vor uns unter Druck setzen. Und ich bin sicher, dass es uns gelingen wird.

Wissenswertes vor dem Heimspiel von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett. Mit Lukas Hradecky im Interview,

Spruch von Bayer-Keeper Lukas Hradecky

„Ich habe in der ersten Halbzeit meine Kontaktlinse verloren. Ich habe 20 Minuten bis zur Pause fast nichts gesehen. Versuchen Sie mal, mit einem Auge gegen Bayern zu spielen.“

Torwart Lukas Hradecky nach dem 2:1-Sieg in München

Kurios: Bayer Leverkusen und die Eigentore

Der neueste Witz in Leverkusen geht so: Wie heißt der beste Schütze bei Bayer? Antwort: „Eigentor“. Und dies kam so in der Hinserie. Bis November hatten die Leverkusener in 19 Pflichtspielen von sieben Selbsttoren des Gegners profitiert. Siebenmal ging der Schuss bei den Widersachern der Rheinländer nach hinten los. Letzter Schütze: der Russe Rifat Schemaletdnow beim 2:0 der Leverkusener bei Lokomotive Moskau. „Es ist schon kurios“, kommentiert Julian Baumgartlinger diese Rarität. Um dann mit einem Augenzwinkern anzufügen: „Ich denke, dass wir das erzwingen.“ Die anderen Eigentore: Im Pokal beim 4:1 gegen Aachen, in der Champions League beim 1:2 gegen Lok Moskau durch den deutschen Weltmeister Benedikt Höwedes, in der Bundesliga beim 3:1 gegen Düsseldorf, beim 3:0 gegen Augsburg und beim 2:2 gegen Werder, als kurioserweise der Ex-Leverkusener Ömer Toprak ins falsche Netz traf.

Golden Boy: Kai Havertz auf dem Treppchen

Große Ehre für Bayer Leverkusen und für Kai Havertz: Bei der Wahl zum „Golden Boy“ belegt der Nationalspieler der Rheinländer den dritten Rang. Seit 2003 zeichnet die italienische Sportzeitung Tuttosport so den besten Nachwuchsspieler Europas aus. Vor Havertz landeten bei dieser Ehrung der Portugiese Joao Felix, der im Sommer für die sagenhafte Ablöse von 126 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Atletico Madrid gewechselt ist, und der Dortmunder Jadon Sancho. Bislang hat nur ein Deutscher diese Wahl gewonnen: der Dortmunder Mario Götze im Jahr 2011.

Anker Sven Bender

Als „unseren Anker“ bezeichnet ihn Kollege Julian Baumgartlinger. Als „erfahrenen Hasen“ rühmt ihn Sportdirektor Simon Rolfes. Die Rede ist von Sven Bender, dem Spieler mit dem überdimensionalen Kämpferherzen, der immer mehr seine Wichtigkeit für die Bayer-Elf unterstreicht. So rettete der Bruder des Kapitäns Lars die internationale Saison mit einem Tor beim 2:0 bei Lokomotive Moskau, das den Rheinländern alle Chancen eröffnet. Ein sehenswerter Schlenzer, dem Rudi Völler, der Geschäftsführer und frühere Klassestürmer, dieses Prädikat verlieh: „Lewandowski like!“ Sven Bender, ein herausragender Defensivspezialist, verblüffte somit in seinem 53. Europapokalspiel mit ganz neuen Qualitäten.

Gewinner Moussa Diaby

Einen ganz großen Gewinner hat Bayer nach dieser Hinserie nicht zu melden. Doch einen, der die Fantasie anregt. Moussa Diaby, 20 Jahre jung, von PSG geholt, ein explosiver Flügelstürmer. Lange musste der Franzose auf seinen Startelfeinsatz warten, doch dann am 12. Spieltag begeisterte er mit einer Gala gegen Freiburg. Auch beim überraschenden Sieg bei den Münchner Bayern überzeugte Diaby, von dem noch viel zu erwarten sein wird.

Hinspiel: Werder Bremen überzeugte in Leverkusen

Werder überzeugte am neunten Spieltag in Leverkusen, wo Bayer seit fünf Spieltagen auf einen Sieg gewartet hatte. 2:2 hieß es am Ende in einer Partie, in der Ömer Toprak, der Ex-Leverkusener, zum großen Pechvogel wurde. An alter Wirkungsstätte fälschte der Abwehrspieler einen von Alario verlängerten Demirbay-Freistoß ins eigene Tor zum 0:1 ab. Auf der Gegenseite ähnlich: Dragovic verlieh einem Schuss von Rashica die richtige Richtung zum Ausgleich. Nach der Pause ging Bremen sogar in Führung: Klaassens Ball, von Lars Bender noch berührt, landete im Netz. Alario glich schließlich aus. Glück für Werder, dass Alarios Tor nicht zählte, weil Amiri mit der Hand am Ball gewesen war.

Statistik: Werder Bremens Heimstärke gegen Bayer 04

Zuhause ist Werder Bremen eine Macht, wenn Bayer Leverkusen zu Gast ist. 22 Siege und 17 Remis in 45 Spielen bei nur sechs Niederlagen insgesamt in Meisterschaft und Pokal. Auch in der Liga ein eindeutiges Machtverhältnis: 17 Erfolge, 16 Remis, 6 Niederlagen. Auch insgesamt fällt die Bilanz positiv aus. 91 Spiele bislang absolviert, Werder gewann 35-mal, Leverkusen 24-mal, 32 endete der Vergleich unentschieden.

Letzte Duelle im Weserstadion

Die letzten beiden Spiele zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen endeten mit Erfolgserlebnissen für die Werkself: 6:2 gewann die Bayer-Elf im Oktober 2018, Pizarro und Osako trafen für Werder, Volland, Brandt, Bellarabi, Dragovic und zweimal Havertz für Bayer. Im Mai des Jahres endete die Begegnung torlos.

Vor dem Spiel bei Werder Bremen: Ausfälle bei Bayer Leverkusen

Schmerzlicher Verlust für die Elf von Peter Bosz: Der Toptorjäger (je neun Tore und Assists) und sogleich der beste Vorbereiter fällt bis Saisonende aus. Kevin Volland hat sich einen Riss der Syndesmose im linken Sprunggelenk zugezogen. Die Verletzung erlitt er in der Europa League beim 2:1 gegen Porto nach einem Tritt von Verteidiger Marcano. Mit ihm fehlt den Rheinländern ein Dauerbrenner: nie gefehlt - national und international. Und auch Kapitän Lars Bender muss beim Neustart in Bremen passen. Den Allrounder plagen Fußprobleme.

Winter-Transfers bei Bayer Leverkusen

„Gott sei dank“, sagte Rudi Völler. Ein Stoßseufzer über die beiden Winter-Zugänge. Die Transfers von Palacios und Tapsoba sollten ein Vorgriff auf den Sommer sein, kamen jedoch schon jetzt und haben sich bestens eingefügt. Trainer Peter Bosz hat dadurch mehr Möglichkeiten. Für Bayer-Boss Völler eine gute Entscheidung angesichts der vielen englischen Wochen: „Du brauchst diese Breite im Kader.“

Werder-Gegner Bayer Leverkusen im Form-Check

Bayer spielt eine herausragende Rückrunde. Von den acht Partien gewann der Werksclub sechs, spielte einmal Remis und verlor ein Match – 1:2 in Hoffenheim. Die besten Leistungen zeigte die Truppe beim überzeugenden 4:3-Heimsieg gegen Dortmund und beim souveränen 4:0 gegen Frankfurt. Klasse auch die Vorstellung im Spitzenspiel in Leipzig: Punktgewinn beim 1:1. Der Zwischenstand nach dem 25. Spieltag kann sich sehen lassen: Platz sechs mit 47 Zählern, die Qualifikation für die Europa League bei komfortablen zehn Punkten Vorsprung auf Schalke so gut wie gesichert. Nach oben, zu den Plätzen für die Qualifikation zur Champions League, ist der Abstand geringer: zwei Punkte nur zu Platz vier und Gladbach, drei Zähler hinter Leipzig und vier hinter Dortmund.

Bayer Leverkusens Quarantäne-Trainingslager

Mit 27 Spielern bezog Bayer vor einer Woche sein Quarantäne-Trainingslager im Hotel „Große Ledder“ in Wermelskirchen, eine halbe Autostunde vor der Arena entfernt. Mit dabei waren auch die vier Talente Ayman Azkil (19), Marcel Lotka (18), Flroian Wirtz (17) und Fabian Ruth (18). Die Luxusherberge, ein Unternehmen der Bayer Gastronomie GmbH, hatte den Vorzug bekommen vor dem Hotel am Stadion. Eine Delegation, angeführt vom Pandemie-Beauftragten Mannschaftsarzt Dr. Karl-Heinz Dittmar, hatte zuvor die Eignung überprüft. „Wir wollten raus, den Spielern etwas Abwechslung bieten“, begründete Bayer-Boss Fernando Carro die Wahl.

Risikopatient Peter Bosz hat keine Angst vor Corona

 „Es riecht wieder nach Fußball“, kommentierte Peter Bosz den Re-Start der Liga. Er sei nun 40 Jahre dabei im Profigeschäft, doch Geisterspiele habe er noch nie erlebt, so der Coach weiter. Ängste und Bedenken wegen des Virus hat er bei seinen Akteuren nicht erkannt. Der 56-Jährige, zudem noch Asthmapatient: „Ich gehöre als alter Mann mit meiner Vorerkrankung der Risikogruppe an – und ich habe kein Angst.“

Bayer-Neuzugang Exequiel Palacios

Wieder mal richtete sich der Blick der Bayer-Bosse nach Südamerika: Leverkusen hat den Transfer von Exequiel Palacios, einem argentinischen Nationalspieler, frühzeitig perfekt gemacht. Der Mittelfeldmann von River Plate Buenos Aires (21, vier Länderspiele), noch bis 2021 an den Finalisten der Copa Libertadores gebunden, kostete rund 22 Millionen Euro Ablöse. River Plate erhält zudem eine Weiterverkaufsbeteiligung von zehn Prozent. Die Ablöse war eigentlich auf 15 Millionen Euro festgeschrieben. Renato Corsi, der Agent von Palacios, hatte indes dem Club versprochen, diese Klausel nicht zu aktivieren. River Plate war zum Verkauf gezwungen, da der Verein aufgrund der Inflation in Argentinien dringend liquide Mittel benötigte. Das Talent hatte das Interesse mehrerer Spitzenclubs aus Europa geweckt. Im Frühjahr 2018 zeigte Real Madrid großes Interesse, doch ein Wadenbeinbruch machte einen Strich durch die Rechnung. Als Zinedine Zidane dann Chef wurde, nahmen die Madrilenen Abstand. Zuletzt sollen Lokalrivale Atletico, Inter Mailand und Ajax Amsterdam interessiert gewesen sein. Die Planung von Bayer: Palacios, bisher in drei Spielen zum Einsatz gekommen, könnte die frei werdende Planstelle in der Zentrale besetzen, falls Kai Havertz im Sommer wechselt.

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