Viele Jahre haben sie für Werder gearbeitet, nun mischen sie sich aus Sorge um ihren Verein wieder ein: Willi Lemke, Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller (von links).
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Viele Jahre haben sie für Werder gearbeitet, nun mischen sie sich aus Sorge um ihren Verein wieder ein: Willi Lemke, Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller (von links).

Lemke, Fischer und Müller mischen sich ein

Machtkampf in Bremen: Ex-Bosse wollen Werder Bremen verändern

Bremen – Die Nervosität steigt beim SV Werder Bremen. Das liegt zum einen am bevorstehenden Saisonstart in der 2. Liga in knapp einer Woche, aber noch viel mehr am Machtkampf, der hinter den Kulissen geführt wird.

Dabei geht es nicht nur um den künftigen Aufsichtsrat, der am 5. September bei der Mitgliederversammlung auf vier von sechs Positionen neu gewählt wird, sondern auch um die Zukunft von Hubertus Hess-Grunewald in seiner Doppelfunktion als Vereinspräsident und Geschäftsführer der ausgegliederten Kapitalgesellschaft. Drei Ex-Bosse von Werder Bremen bringen nun Schwung in die Geschichte, sie fordern eine gravierende Satzungsänderung und haben dafür schon viele Unterstützer gewonnen. Ein entsprechender Antrag wurde fristgemäß gestellt und ist nicht aussichtslos.

„Es tut alles sehr weh“, sagt Manfred Müller im Gespräch mit der DeichStube. 21 Jahre lang hat er in leitender Funktion für Werder Bremen gearbeitet – zuletzt als Geschäftsführer Marketing und Management, eher er Ende 2009 altersbedingt ausschied. Danach hielt er sich mit öffentlichen Äußerungen über Werder ganz bewusst zurück. Anders zum Beispiel als sein Vorgänger Willi Lemke oder sein Ex-Geschäftsführer-Kollege Klaus-Dieter Fischer, mit denen er sich jetzt zusammen getan hat. Müller führte lieber im Hintergrund Gespräche, stand als Ratgeber zur Verfügung oder agierte als Vermittler. Doch nun ist er in die Offensive gegangen, hat den Antrag zur Satzungsänderung zwar mit Fischer und Lemke erarbeitet, aber allein unterschrieben. „Einer musste es machen. Man darf nicht nur reden, man muss auch was tun. Und wir sind nicht allein, wir haben schon über 30 Personen, die uns unterstützen – und es werden jeden Tag mehr“, behauptet der 77-Jährige und fügt noch erklärend an: „Bei Werder geht einfach zu viel durcheinander, da wurde es Zeit zu handeln. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wenn Strukturen nicht gut sind.“

Eine echte Kontrolle bei Werder Bremen ist gar nicht möglich

Damit meint Müller die Besonderheit, dass der Verein als hundertprozentiger Anteilseigner der ausgegliederten Kapitalgesellschaft sowohl im Aufsichtsrat als auch in der Geschäftsführung vertreten ist. „Das geht eigentlich nicht“, sagt Müller. Diese Struktur sei einst gewählt worden, um die Vereinsmitglieder überhaupt vom Plan der nicht unumstrittenen Ausgliederung zu überzeugen. Eine echte Kontrolle sei damit aber gar nicht möglich, die einzelnen Gremien viel zu sehr miteinander verflochten, so Müller: „Der Vereinspräsident ist in seiner Rolle als Geschäftsführer gefangen, er würde sich doch nie gegen seine eigenen Geschäftsführer-Kollegen stellen.“

Aktuell sind das Klaus Filbry und Frank Baumann. Aus Sicht von Müller habe zudem der bald aus dem Amt scheidende Aufsichtsratschef Marco Bode zu eng mit der Geschäftsführung zusammengearbeitet, sogar für sie gesprochen und damit seine Kontrollfunktion nicht mehr gewahrt. Da könne der Verein künftig stärker eingreifen – und das vor allem in Person des Präsidenten, der nach einer Satzungsänderung nicht mehr in die Geschäftsführung, sondern in den Aufsichtsrat von Werder Bremen entsendet werden soll, wie bereits schon zwei andere Vereinsvertreter (Axel Plaat und Marco Fuchs).

Eine Satzungskommission des Vereins hat sich mit dem Thema bereits vor einigen Jahren beschäftigt und empfohlen, diese besondere Konstellation immer wieder neu zu überprüfen. Dabei geht es auch um die Einhaltung von Compliance-Regeln und ein Good Governance, also eine gute Unternehmensführung. Der FC Bayern München gilt da als Vorbild, in der AG ist der Verein nur im Kontrollgremium vertreten. Der aktuelle Werder-Aufsichtsrat sieht nach Informationen der DeichStube ebenfalls Bedarf für strukturelle Veränderungen. Dazu gab es gerade erst im Trainingslager im Zillertal intensive Gespräche – auch mit Hess-Grunewald.

Werder Bremen-Machtkampf: Bis 2022 ist Hubertus Hess-Grunewald als Präsident gewählt

Für den 60-Jährigen steht viel auf dem Spiel, vor allem finanziell. Als Geschäftsführer erhält er ein geschätztes Jahresgehalt von 250.000 Euro, auch deshalb hat der Rechtsanwalt vor rund sieben Jahren seine Kanzlei aufgegeben. Aufsichtsräte bekommen nur eine Aufwandsentschädigung, der Präsident übrigens auch, weil sonst die Gemeinnützigkeit des Vereins in Gefahr wäre. Es wird bereits an Lösungen gebastelt, die Hess-Grunewald finanziell nicht wesentlich schlechter stellen sollen als jetzt. Bis 2022 ist er als Präsident gewählt und so lange auch Geschäftsführer des SV Werder Bremen – eigentlich. Denn es gibt Bestrebungen, ihn davon zu überzeugen, den Strukturwandel selbst früher einzuleiten.

Da kommt vor allem auch Fischer ins Spiel, der mit der Arbeit seines Nachfolgers überhaupt nicht einverstanden ist. Der 80-Jährige liegt mit Hess-Grunewald schon lange über Kreuz, weil dieser ihn als Ehrenpräsident nicht an Präsidiumssitzungen teilnehmen ließ. Außerdem gilt Hess-Grunewald innerhalb der Geschäftsführung als ziemlich entmachtet, hat nur noch wenige wirklich wichtige Aufgaben. Viel wird ihm angeblich von Tarek Brauer abgenommen. Der Jurist ist zum Mitglied der Geschäftsleitung aufgestiegen und wird bereits als Nachfolger von Hess-Grunewald als Geschäftsführer gehandelt. Doch Hess-Grunewald zögert dem Vernehmen nach noch und weiß dabei das Präsidium des Vereins hinter sich, das seine Arbeit durchaus schätzt. Außerdem will der Verein die direkte Einflussaufnahme auf das operative Geschäft durch einen eigenen Geschäftsführer nicht einfach so aufgeben. Ein echter Machtkampf eben.

Werder Bremen-Machtkampf Am 5. September findet die Mitgliederversammlung statt

Die Wochen bis zur Mitgliederversammlung von Werder Bremen versprechen Hochspannung. Dafür sorgt auch der Wahlausschuss, der die Kandidaten für die Wahl bestimmt und sich so gar nicht in die Karten gucken lässt – nicht einmal innerhalb des Vereins. Dem Vorsitzenden Peter Eilers wäre es am liebsten, wenn die Kandidaten erst am Tag der Wahl bekannt würden. Doch dagegen regt sich großer Widerstand. So oder so wird es wohl eine Mammutsitzung, möglicherweise sogar eine Doppel-Veranstaltung. Wenn die Wirtschaftsprüfer die Bilanz der Kapitalgesellschaft zum vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 noch rechtzeitig durchgearbeitet bekommen, soll am 5. September nicht nur die im vergangenen November ausgefallene Mitgliederversammlung 2020 stattfinden, sondern auch die für 2021. (kni) Update (23. August 2021, 15.30 Uhr): Die Liste steht! Das sind die sieben Kandidaten für den Werder-Aufsichtsrat!

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