Mainz-05-Profi Daniel Brosinski, hier im Duell mit Maxi Eggestein, wittert seine Chance, weil Werder Bremen im Abstiegskampf Körner lässt.
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Mainz-05-Profi Daniel Brosinski, hier im Duell mit Maxi Eggestein, wittert seine Chance, weil Werder Bremen im Abstiegskampf Körner lässt.

Vor Werder gegen Mainz

Mainz-Profi Daniel Brosinski im Interview: „Werder ist nach unten gerutscht, das ist unsere Chance“

Mainz – Seit sechs Jahren spielt Daniel Brosinski nun schon für den 1. FSV Mainz 05 und trifft dabei am Samstag schon zum 13. Mal auf den SV Werder Bremen. Vier Siege, drei Unentschieden und fünf Niederlagen lautet seine Bilanz gegen die Bremer. Vor dem Spiel sprach die DeichStube mit dem 32-jährigen Außenverteidiger über den schlechten Start der Mainzer, den Gegner Werder und den Ex-Bremer Levin Öztunali.

Mainz hat einen Punkt aus Berlin entführt. Wie bewerten Sie das torlose Remis bei der Hertha, Daniel Brosinski? Ein Hoffnungsschimmer im Abstiegskampf?

Der Punktgewinn gibt uns zusätzliches Selbstvertrauen im Abstiegskampf. Nach zwei erfolglosen Spielen zuvor macht er uns neuen Mut. Es ist eine gute Grundlage, um noch bis Weihnachten in der Liga gegen Bremen und auch im Pokal weiter erfolgreich zu sein.

Nach dem katastrophalen Saisonstart mit sechs Niederlagen hat Mainz Zähler gegen Schalke und Hoffenheim geholt sowie für ein Ausrufezeichen beim Sieg in Freiburg gesetzt. Wieso kam es nach dieser kleinen Serie wieder zu einem Rückschlag?

In den drei ungeschlagenen Partien haben wir gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Leider konnten wir das nicht in Bielefeld und gegen Köln fortsetzen. Deshalb ist nun der Erfolg bei Hertha BSC Berlin umso wertvoller.

Die Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten haben besonders geschmerzt. Wie sehen Sie aktuell die Lage im Tabellenkeller?

Es wird sich offenbar noch länger hinziehen, bis sich Mannschaften entscheidend absetzen können. Wir müssen schauen, dass wir nun unsere Punkte holen und den Kontakt nach oben herstellen. Nach dem schlechten Beginn sind wir gefordert, auch im neuen Jahr bei den vier restlichen Spielen der Hinserie den Abstand nicht zu großen werden zu lassen. Dann könnten wir die Hinrunde noch einigermaßen abschließen.

Mainz 05 kann mit einem Sieg gegen Werder Bremen die Abstiegssorgen der Bremer vergrößern

Daher ist das Spiel gegen Werder Bremen enorm wichtig. Mainz 05 könnte die Lage bei dem Rivalen verschärfen.

Werder hat auch seit einiger Zeit nicht dreifach gepunktet, ist nach unten gerutscht. Darin liegt unsere Chance. Wir treten auf jeden Fall voller Selbstvertrauen an und wollen den zweiten Dreier in dieser Spielzeit einfahren. Er würde uns gut tun.

Was erwarten Sie für ein Match? Mit welcher Herangehensweise wird 05 operieren?

Wir sollten so vorgehen, wie zuletzt praktiziert: Hinten sicher und kompakt stehen und vorne mehr bewegen. Solange wir dreifach punkten, ist mir alles recht, auch ein dreckiges 1:0.

Zuletzt lahmte das Offensivspiel. In den Spielberichten über die Nullnummer in Berlin wurde erwähnt, dass es binnen der 90 Minuten keinen einzigen Torschuss gegeben hat. Ist diese Beobachtung überzogen?

Es gab schon einige torgefährliche Szenen. Ich denke, dass wir sogar die besseren Möglichkeiten hatten. Die größte Chance auf jeden Fall, als Leandro Barreiro Pech hatte und die Latte getroffen hat. Doch positiv war vor allem dies: Wir haben endlich mal wieder zu null gespielt. Das baut auf.

Ist die Beobachtung richtig, dass sich die meisten Bundesligisten schwer tun, was das Offensivspiel anbelangt?

Viele Teams bevorzugen eine geordnete Defensive und ein sicheres Aufbauspiel. Die Aktionen nach vorn ergeben sich zumeist aus langen Bällen. So haben es Bielefeld und Köln zuletzt gegen uns gemacht. Ich glaube, dass auch andere Bundesligisten Probleme mit dem Angriffsspiel haben, weil einfach die Frische fehlt. Gladbach und Frankfurt sind für mich zwei Beispiele in dieser Beziehung. Alle haben mit der hohen Belastung in Pandemie-Zeiten zu kämpfen.

Sind „kleinere Vereine“ wie Mainz mit nicht so breit aufgestellten Kadern besonders betroffen?

Unser Team ist gut gerüstet, es ist in diesem Jahr weitgehend zusammengeblieben. Das sehe ich als großen Vorteil.

Ist es richtig, dass Sie und ein erfahrener Kollege wie Stefan Bell sich dafür eingesetzt haben, dass keine so große Fluktuation stattfindet?

Ich habe keine Forderungen gestellt, das steht mir nicht zu. Es hat Vorteile, wenn ein Team über einen längeren Zeitraum zusammenspielt. Andererseits ist es die Philosophie des Clubs, Spieler zu holen, die dann später mit Gewinn verkauft werden konnten. Das hat sich auch bewährt.

Mainz 05-Profi Daniel Brosinski: Werder Bremens Festhalten an Florian Kohfeldt „hat sich bezahlt gemacht“

Welchen Effekt hatte der Trainerwechsel von Achim Beierlorzer zu Jan-Moritz Lichte?

Es hat ein bisschen gedauert, bis dieser sprichwörtliche Ruck durch die Mannschaft gegangen ist - genau genommen drei Begegnungen. Es geht halt nicht immer von heute auf morgen, auch ein neuer Trainer muss sich immer erst in die neue Situation einfinden. Doch dann hat sich die positive Wirkung auch in Form von Ergebnissen eingestellt. Die Mannschaft hat die Ideen des neuen Trainers gut angenommen. Die Umstellung auf die Fünferkette hat sich bezahlt gemacht. Insgesamt treten wir nun weitaus gefestigter auf. Ein guter Anfang ist gemacht.

Ist es ein neuer Trend in der Liga, dass Assistenten zu Chefs befördert werden?

Ich weiß nicht, ob es ein Trend ist oder wird. Allgemein besitzt auch jeder Co-Trainer die nötige Lizenz, hat von der Ausbildung her das Zeug dazu, eine Mannschaft als Chef zu führen und seine Daseinsberechtigung. Bei uns klappt es gut. Jan-Moritz kommt bei den Spielern gut an und besitzt das Vertrauen der Führung um Rouven Schröder.

Wie erleben Sie Lichtes Gegenspieler, Werder-Coach Florian Kohfeldt?

Es ist schwer, aus der Ferne ein Urteil zu fällen. Was ich feststellen kann: Die Bremer sind von seinen Fähigkeiten überzeugt. Auch als es in der letzten Spielzeit nicht so lief, haben sie an ihm festgehalten, was sich für sie bezahlt gemacht hat.

Eine Boulevardzeitung hat zuletzt über die Mainzer Elf getitelt: „Untrainierbar!“ Ein zu hartes Urteil?

Ich möchte Schlagzeilen grundsätzlich nicht kommentieren. Es ist für uns auch nicht entscheidend, was in den Zeitungen steht. Wichtig ist vielmehr, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, dass wir bei uns bleiben und an uns glauben.

Momentan ist Levin Öztunali, der Ex-Bremer im 05-Team, noch verletzt. Er wird am Samstag fehlen. Welche Rolle spielt Öztunali im Aufgebot?

Er wird wohl erst im neuen Jahr wieder spielen können. Ich hoffe, dass er bald zurückkommt. Als er von Jan-Moritz nach der Systemumstellung auf der rechten defensiven Außenbahn gebracht wurde, hat er seine Sache ganz gut gemacht. Es ist nicht so einfach, als gelernter Offensivakteur in dieser neuen Rolle anzukommen. Doch Levin hat es geschafft, uns mit seiner Schnelligkeit da sehr geholfen und solide Leistungen abgeliefert.

(Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Mainz 05 aussehen. Und: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Mainz 05 live im TV und im Live-Stream.)

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