Mainz 05-Sportchef Rouven Schröder wartete seinem Kollegen Frank Baumann vom SV Werder Bremen mit einem kuriosen Vorschlag auf.
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Mainz 05-Sportchef Rouven Schröder wartete seinem Kollegen Frank Baumann vom SV Werder Bremen mit einem kuriosen Vorschlag auf.

Sportvorstand Rouven Schröder warnt vor Ex-Club

Mainz 05 bietet Werder Bremen für Abstiegskrimi scherzhaft einen Heimrechttausch an

Mainz – Von Frank Hellmann. Wenn der SV Werder Bremen am Samstag seine letzte Chance im Abstiegskampf nutzen will, dann möchte das beim FSV Mainz 05 ausgerechnet ein Ex-Bremer verhindern: Sportvorstand Rouven Schröder, der früher als Kaderplaner für Werder gearbeitet hat, strebt mit seinem Club den vorzeitigen Klassenerhalt an – und berichtet scherzhaft von einem kuriosen Vorschlag an seinen Bremer Kollegen Frank Baumann.

Am Tag danach versagte Silke Bannick vollends die Stimme. Was nicht gerade hilfreich war, weil die Medienbeauftragte beim FSV Mainz 05 eine Video-Gesprächsrunde mit Sportvorstand Rouven Schröder moderieren wollte, die nach dem 2:0-Sensationscoup bei Borussia Dortmund kurzfristig anberaumt war. Ihre laute Anfeuerung am Vorabend beim BVB sei „bis nach Bremen“ zu hören gewesen, teilte sie spaßeshalber mit. Schröder lenkte derweil mit der gebotenen Ernsthaftigkeit auf das nächste Entscheidungsspiel über: Wenn der SV Werder Bremen in der verwaisten Arena am Mainzer Europakreisel vorstellig wird (Samstag 15.30 Uhr), erwartet Schröder „90 harte Minuten“, denn: „Für Werder Bremen geht es um alles.“

Dem einstigen Kaderplaner des SV Werder Bremen, der zwischen 2014 und 2016 unter dem Manager Thomas Eichin einen schwierigen Konsolidierungskurs mitgestaltete, will den Dreier in Dortmund schnell abgehakt wissen. „Es wäre fatal, den Sieg zu glorifizieren.“ Gleichwohl: Die Rheinhessen haben sechs Punkte mehr und die um acht Treffer bessere Tordifferenz gegenüber den Hanseaten. Genau wie vor zwei Jahren diente der schlappe BVB als Aufbauhelfer. Mainz 05 lief fast neun Kilometer mehr. Jungspund Jonathan Burkardt (33.) und Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta (49./Foulelfmeter) brachten den Befreiungsschlag an.

Werder Bremen gegen Mainz 05: „Wir dürfen uns jetzt nicht blenden lassen“

„Entscheidend ist jetzt einfach, dass wir die Birne einschalten. Wir dürfen uns nicht blenden lassen“, sagte Rouven Schröder. Er fordert von dem noch unsteten Team nach dem Gesellenstück gleich noch die Meisterprüfung ein: „Wir haben den klaren Auftrag, noch einmal diese Leistung abzurufen. Unser Ziel muss sein, den Klassenerhalt gegen Werder Bremen in Mainz zu feiern.“ Der selbst ernannte Karnevalsverein will daheim ein „Humba, Humba, Täterä!“ auf das zwölfte Jahr ununterbrochen in der Bundesliga anstimmen, auch wenn die Fans aus dem Q-Block fehlen.

Dem Gegner machte der 44-Jährige, der mit Werder-Torwarttrainer Christian Vander (beide kennen sich aus ihrer Zeit beim VfL Bochum) Kontakt hat, auf Nachfrage der DeichStube reichlich Komplimente: „Werder Bremen hat unter dem höchsten Druck seine besten Spiele gemacht. In Freiburg, gegen Paderborn. Auch gegen Bayern war ein hervorragendes Heimspiel, ein 1:1 wäre absolut verdient gewesen.“ Zudem ist ja auch Mainz in Corona-Zeiten von einer chronischen Heimschwäche geplagt und hat gegen Leipzig (0:5), Hoffenheim (0:1) und Augsburg (0:1) verloren. Schröder: „Ich habe mit Frank Baumann telefoniert. Wir spielen in Bremen!“ War aber nur ein Scherz.

Werder Bremen: Eine weitere Heimniederlage würde bei Mainz 05 wieder alles ins Wanken bringen

Eine weitere Heimniederlage gegen Werder Bremen würde in Mainz wieder alles ins Wanken bringen, denn das letzte Spiel findet bei Bayer Leverkusen statt. So viel Druck braucht niemand in einem Club, der den letzten Abstieg 2007 erlebte, als noch ein gewisser Jürgen Klopp das Sagen hatte. Als die Mainzer Kultfigur nicht sofort wieder aufstieg, versammelten sich im Jahr darauf 15 000 Menschen auf dem Gutenbergplatz zur tränenreichen Verabschiedung. Nur an solchen Momenten bekommt der Standort Mainz bundesweite Aufmerksamkeit, was einen Macher wie Rouven Schröder immer ein bisschen stört.

Einerseits. Andererseits werkelt der gebürtige Sauerländer gerne im Verborgen. Schröder mag als Spieler nicht so talentiert wie sein Gegenüber Frank Baumann gewesen sein, aber als Manager ist er weniger zögerlich. Als der im eigenen Verein entwickelte Fußballlehrer Sandro Schwarz Niederlage an Niederlage reihte, zog Schröder die Reißleine und holte den ihm aus Fürther Zeiten gut bekannten Achim Beierlorzer, der gerade beim 1. FC Köln gefeuert worden war. Sollte Mainz 05 der Klassenerhalt gelingen – und Werder Bremen mit dem Festhalten an Florian Kohfeldt absteigen – hätte Schröder viel richtig gemacht. Und zugleich die Zweifel an seiner Kaderzusammenzustellung gekontert.

Werder Bremen gegen Mainz 05: Ex-Kapitän Stefan Bell kritisiert Mainzer Weg

Während Frank Baumann viele bekannte, durchaus ältere Bundesligaspieler nach Bremen lockte, lotste Rouven Schröder lieber unbekannte Franzosen, Spanier oder Niederländer nach Mainz. Kritik kam ausgerechnet vom ehemaligen Kapitän Stefan Bell, der in einem SWR-Podcast sagte: „Ich würde mir mehr Spieler wünschen, die lange in Mainz bleiben. Wie früher. Die Fluktuation schadet der Mannschaft, der Hierarchie, der Spielweise, und macht es für die Fans ein Stück weit schwerer, sich zu identifizieren.“ Schröder wollte auf seinen Ansatz nicht weiter eingehen. „Jeder hat seine eigene Philosophie. Du machst nicht immer 100 Prozent alles richtig. Die Betrachtung ist gefühlt oberflächlich und vielschichtig.“ Eine tiefere Analyse könne man gerne nach Saisonschluss angehen.

Vorerst geht es darum, sich am 33. Spieltag durchzusetzen. Mit allen Mitteln. Natürlich hat Rouven Schröder mitbekommen, dass die Bremer bei den Geisterspielen eine Menge Radau auf den Rängen machen. Doch nachahmen müsse man das Hämmern mit dem Hammer auf einen Medizinkoffer nicht: „Wir werden keinen Trommelkurs belegen.“ Er könne versichern: Der verletzte Keeper Robin Zentner und die anderen 05er-Reservisten hätten sich in Dortmund die Seele aus dem Leib geschrien. Und dann war da ja noch die heisere Pressesprecherin, die am Tag danach kaum ein Wort herausbrachte.

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