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Ein neuer Trend? Marco Bode kam mit dem Jubiläumstrikot unter dem Sakko zum letzten Heimspiel ins Weserstadion. Glück hat es nicht gebracht, Werder verlor im Pokal gegen die Bayern, der Aufsichtsratschef glaubt aber weiter an Europa.

Werder-Aufsichtsratschef macht aber nicht alles von Europa abhängig

Bode im Interview: „Das Team muss es zu Ende bringen“

Bremen – Der Mann kennt sich aus mit dem Europapokal: 70 Mal war Marco Bode für Werder international im Einsatz und gehörte 1992 zur Mannschaft, die den Pokal der Pokalsieger nach Bremen holte. Längst ist der 49-Jährige Aufsichtsratschef des Bundesligisten und hofft auf eine baldige Rückkehr des Clubs nach Europa.

Wie wichtig das für Werder wäre, was er dabei von der Mannschaft erwartet und wie er die Zukunft von Max Kruse sieht, verrät Bode im Interview mit der DeichStube.

Verfolgt das Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund bei uns im Liveticker!

Herr Bode, wann haben Sie das letzte Europapokalspiel im Weserstadion gesehen?

Ich kann es gar nicht genau sagen. Es muss in der Saison 2010/11 gewesen sein.

Richtig, es war am 7. Dezember 2010, und es gab einen 3:0-Sieg in der Champions League gegen Inter Mailand.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich wirklich da war, aber ich gehe davon aus. Es wird auf jeden Fall mal wieder Zeit, dass wir hier solche Spiele erleben dürfen.

Wann wird das sein?

Vielleicht schon in der nächsten Saison. Wir geben unser Ziel trotz der Rückschläge in München und Düsseldorf nicht auf. Es ist schwer bei den kommenden Gegnern und bei der Tabellenkonstellation, aber nicht unmöglich. Allerdings geht es in den letzten drei Spielen nicht nur um Europa.

Worum noch?

Wir wollen mit einem guten Gefühl aus der Saison gehen. Außerdem haben wir und speziell Frank Baumann und Florian Kohfeldt hart daran gearbeitet, einen Mentalitätswechsel hinzubekommen. Das ist uns geglückt, die Mannschaft glaubt mehr an sich, die Ziele sind höher, wir wollen jedes Spiel gewinnen. Das muss auch gegen Dortmund, Hoffenheim und Leipzig zu spüren sein.

Haben Sie Sorge, dass eine nach vielen Jahren im Abstiegskampf eigentlich gute Saison von der Öffentlichkeit am Ende doch noch eher schlecht gesehen wird, weil der große Traum von Europa geplatzt ist?

Sorgen mache ich mir nicht. Aber es ist schon wichtig, das Niveau hochzuhalten. Das Team muss das jetzt auch zu Ende bringen. Das erwarte ich einfach, bin da aber auch sehr optimistisch. Wenn wir 50 plus x Punkte erreichen, dann war das definitiv eine sehr gute Saison und es hätte in der Vergangenheit fast immer für Europa gereicht. Diesmal dürfte es knapp werden. Aber wir müssen einfach alle daran glauben – auch unsere Fans. Wir brauchen die Hilfe des Weserstadions.

Was gefällt Ihnen an dieser Werder-Mannschaft am meisten?

Der Teamspirit. Von der Körpersprache her war durchaus mal zu sehen, dass es während der Spiele untereinander auch Kritik gab. So muss das sein. Aber dann wurde weiter gekämpft und nach den Spielen war es kein Thema mehr. Außerdem wirkt die Mannschaft sehr lernfähig, sie will und kann die Ideen des Trainers umsetzen. Wir sind dadurch viel variabler geworden. Taktische Umstellungen während des Spiels sind überhaupt kein Problem und ergeben auch Sinn. Die Spieler haben drei, vier Varianten im Kopf, und das ist ein Kennzeichen des modernen Fußballs.

Wie wichtig wäre für Werder die Rückkehr nach Europa?

Es ist ganz schwer, eine Entwicklung wirklich zu planen. Unsere Tabellenplätze der letzten Jahre waren am Ende gar nicht so schlecht. Aber es fühlte sich anders an als jetzt. Wir haben einen Schritt vorwärts gemacht. Deshalb wäre es schön, wenn es sich auch auszahlen würde. Wenn nicht, dann kämpfen wir eben nächstes Jahr erneut darum. Die Bedingungen wären ähnlich. Wenn uns der Sprung nach Europa gelingt, müssen wir schauen, ob wir uns noch stärker aufstellen müssen. Es wäre auf jeden Fall eine tolle Chance, den nächsten Schritt in die richtige Richtung zu machen.

Die Europa League ist auch finanziell sehr interessant. Wie sehr würde dieses  Geld fehlen, wenn es nicht klappt?

Es würde hier nichts auseinanderbrechen. Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren finanziell stabilisiert und werden auch weiter mutig in die Mannschaft investieren.

Max Kruse zögert noch, seinen Vertrag zu verlängern. Werden Sie versuchen, ihn zu überreden?

Überreden macht wenig Sinn. Ich bin weiter zuversichtlich, dass Max bleibt. Er weiß, wie ich denke. Seine direkten Bezugspersonen sind aber eher Florian Kohfeldt und Frank Baumann.

Sie sind fast Ihr ganzes Leben bei Werder. Können Sie sich an Ihr erstes internationales Spiel erinnern?

Das war, glaube ich, in Norwegen – und ich habe getroffen, zwei Mal sogar, oder?

Stimmt! 3:1-Sieg in Lilleström im Uefa-Pokal. Was macht Europapokalspiele so besonders?

Na ja, ich habe damals sofort den Spitznamen „Gullit von der Weser“ bekommen. Die Aufmerksamkeit ist einfach eine andere als in der Bundesliga. Man gehört zu einem besonderen Kreis. Außerdem hast du andere Gegner – mal sind es exotische, mal richtig namhafte. Das sind ganz neue Herausforderungen. Abendspiele im Weserstadion sind ohnehin kaum zu toppen, wie wir ja gerade erst gegen die Bayern im Pokal feststellen konnten. Es lohnt sich also, alles dafür geben.

Ihr Tipp für das BVB-Spiel?

Wir gewinnen 2:1.

Zur Person

Mehr SV Werder geht fast nicht: Bode hat für die Grün-Weißen 379 Mal in der Bundesliga, 43 Mal im DFB-Pokal und 70 Mal international gespielt – und dabei 135 Tore erzielt, 23 davon in den verschiedenen europäischen Wettbewerben. 2002 hat der Stürmer seine Karriere nach der WM 2002 beendet. Seit 2012 gehört er zum Aufsichtsrat von Werder, seit 2014 führt er das Gremium an.

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