„Tradition schießt keine Tore – Werder Bremen und die Herausforderungen des modernen Fußballs“ ist das neue Buch von Marco Bode.
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„Tradition schießt keine Tore – Werder Bremen und die Herausforderungen des modernen Fußballs“ ist das neue Buch von Marco Bode.

Buch-Rezension

„Tradition schießt keine Tore“: Marco Bodes Buch über Werder Bremen liefert einen spannenden Überblick, aber wenige Geheimnisse

Bremen – Es ist die Nacht vor dem Abstieg des SV Werder Bremen, als der damalige Aufsichtsratschef Marco Bode am 22. Mai 2021 um 0.05 Uhr eine Textnachricht an seinen Freund Dietrich Schulze-Marmeling schreibt: „Die Zeit ist einfach verrückt geworden: Gestern wurden wir von unseren Sicherheitsleuten gebrieft, und die Polizei will bei unseren Privatwohnungen Streife fahren! Ich glaube, in Bremen würde nix passieren, aber allein die Vorstellung!“

Werder Bremen verliert gegen Mönchengladbach mit 2:4 und steigt ab. Draußen kommt es zwar zu Tumulten, aber niemand zu Schaden. Die Wucht des Fußballs und seiner Fans hat dennoch ein neues Beispiel – ein negatives. Ein Positives kommt ein Jahr später mit dem direkten Wiederaufstieg und einer feiernden Masse dazu. Da ist das Buch von Marco Bode und Dietrich Schulze-Marmeling mit dem Titel „Tradition schießt keine Tore schon gedruckt. Ab Montag ist es erhältlich. Die DeichStube hat nicht nur schon besagte Textnachricht im Prolog gelesen, sondern alle 272 Seiten. Eine Rezension!

Bis zum vergangenen Herbst war Marco Bode noch der vielleicht mächtigste Mann beim SV Werder Bremen, dann trat er als Vorsitzender des Aufsichtsrats zurück. Als Folge des Abstiegs. Dass Bode nun ein Buch veröffentlicht, das sich den Problemen von Traditionsvereinen im Allgemeinen und seines SV Werder im Speziellen widmet, wird gewiss nicht allen schmecken. Doch eines vorweg: Der Ehrenspielführer, der als Profi mit Werder fast alle möglichen Titel holte, liefert weder eine Abrechnung ab noch verrät er große Geheimnisse. Der 52-Jährige will sich auch nicht rechtfertigen, wie er im Buch betont. Im Prinzip ist es eine Dokumentation der Lage in Fußball-Deutschland mit den Grün-Weißen in der Hauptrolle und eine Beschreibung eines Verantwortlichen, wie schwierig und unvorhersehbar dieses Geschäft sein kann. Gemeinsam mit dem erfahrenen Autor Dietrich Schulze-Marmeling ermöglicht Bode dem Leser einen interessanten und auch unterhaltsamen Blick auf den Profi-Fußball. Wenngleich man sich an der einen oder andere Stelle gerade in Bezug auf Werder schon mehr Tiefe und Offenheit gewünscht hätte.

Werder Bremen: Marco Bode-Buch „Tradition schießt keine Tore“ über Fluch und Segen von Traditionsvereinen

Zum Beispiel an dieser Stelle: „Wie für Traditionsclubs üblich, mischten auch die ,Ehemaligen' mit und kritisierten insbesondere ihre jeweiligen Nachfolger“, heißt es in dem Buch bezogen auf den Abstiegskampf der vergangenen Jahre. Namen werden nicht genannt, dafür deutliche Worte gewählt: „Die Wahrheit ist: In ihre Amtszeiten fielen großartige Meisterschaften, Pokalsiege und Teilnahmen an der Champions League, aber auch Abstiegskämpfe, Fehlbesetzungen auf der Trainerposition, Fehleinkäufe von Spielern und finanzielle Probleme. Das geht fast jedem Club so.“

Die Erfolge der Vergangenheit seien Fluch und Segen zugleich für die Traditionsvereine. Das Interesse ist riesig, die Erwartungshaltung allerdings auch. Nur kann die immer seltener befriedigt werden, weil die finanzielle Überlegenheit der enteilten Bayern und Dortmunder immer größer wird – genauso wie die Zahl der Werksclubs, zu denen inzwischen neben Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg auch RB Leipzig und 1899 Hoffenheim gehören. Das liege vor allem an der Verteilung der TV-Gelder. Zahlen und Vergleiche belegen dies sehr anschaulich. „Tradition schießt keine Tore“, stellen die Autoren schließlich fest – und nicht nur das: „Werder kann nicht mehr Deutscher Meister werden.“ Das gelte auch für viele andere Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt, den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart, den Hamburger SV und einige mehr. „Die Besten vom Rest können um Europa mitspielen. Diejenigen, die Fehler machen oder viel Pech haben, spielen schnell gegen den Abstieg“, heißt es in dem Buch. Und Werder Bremen ist da als Absteiger das beste Beispiel.

„Tradition schießt keine Tore“: Marco Bode-Buch über Werder Bremens schleichenden Absturz, Transfers und Max Kruses Gehalt

Dort schaut Marco Bode natürlich ganz genau hin. Der Blick in die Vereinsgeschichte ist kurz, seine eigene Profi-Karriere spielt keine große Rolle. Es geht mehr um den schleichenden Absturz nach den goldenen Champions-League-Jahren – also ab 2010. „Zwischen 1999 und 2008 hatte vieles, fast alles geklappt. Danach ging vieles daneben“, wird die Ära Klaus Allofs, dem damaligen Sportvorstand, beschrieben. Ein ungewöhnlich deutlicher Vorwurf, aber das Buch beschäftigt sich quasi auch strafmildernd ausführlich damit, wie Transfers überhaupt getätigt und später öffentlich bewertet werden. Letzteres sei selten fair, da würden sich Meinungen schnell gravierend ändern, weil ein Spieler plötzlich doch mal abgeliefert habe. Gleiches gelte für den Umgang mit Trainern. Da halten Bode und Schulze-Marmeling der Fußball-Welt gekonnt den Spiegel vor. Wie auch beim Thema Finanzen. „Vielen Fans ist eine Verschuldung viel einfacher zu vermitteln als eine Sanierung der Finanzen. So lange wie die Ergebnisse stimmen, interessiert der Zustand der Finanzen nicht.“

Ums Geld geht es auch bei Max Kruse und dessen Abschied 2019. Und da gibt es dann doch mal die von vielen Lesern erhofften Hintergrundinformationen von Marco Bode: „Hätte man Kruses Gehalt weiter erhöht, hätte er also einen ganz eigenen ,Gehaltskorridor' bekommen, wäre das bei seinen Mitspielern nicht gut angekommen. Zudem hätten dann einige Leistungsträger ebenfalls eine Gehaltserhöhung gefordert, um die Kluft zwischen sich und Kruse etwas zu verkleinern. Unterm Strich wäre das für den Verein nicht finanzierbar gewesen.“ An anderer Stelle wird dann noch verraten, dass Heidenheims Dauercoach Frank Schmidt mal auf Werders „Shortlist“ stand und die einstigen Co-Trainer Torsten Frings und Florian Kohfeldt sich nach dem geschafften Klassenerhalt 2016 nicht mehr ganz so grün waren. Auch eine 2018 mal kurz angedachte Zusammenarbeit mit der Fußball-Akademie „Right to Dream“ (R2D), die inzwischen Clubs wie den dänischen Erstligisten FC Nordsjælland übernommen hat, war so bislang noch nicht bekannt.

„Tradition schießt keine Tore – Werder Bremen und die Herausforderungen des modernen Fußballs“: Marco Bode hat Zukunfts-Ideen

Der Blick geht aber auch nach vorne. Marco Bode und Dietrich Schulze-Marmeling könnten sich durchaus eine Bundesliga ohne Bayern und Dortmund vorstellen, die dann in einer Super League spielen. In Sachen Werder Bremen träumen sie von einem „Campus 4“ auf dem Gelände der Galopprennbahn, wo im September 2030 40 junge Sportler und Sportlerinnen im Alter von 15 bis 20 Jahren aus acht verschiedenen Sportarten leben sollen. Dort möge dann auch ein 4.000 Zuschauer fassendes Stadion für Werders Fußball-Frauen stehen und alle Vereine einen Ort der Begegnung haben. An die großen Erfolge der Vergangenheit würden die Profi-Fußballer zwar nicht mehr anknüpfen, aber trotzdem wäre alles gut. Ein typischer Bode, der stets positiv denkt und voller Ideen ist. Das hat er nun in einem Buch gebündelt, das sehr lesenswert ist, wenn denn auch die Erwartungshaltung stimmt.

Das Buch „Tradition schießt keine Tore – Werder Bremen und die Herausforderungen des modernen Fußballs“ ist im Verlag „Die Werkstatt“ erschienen und kostet 19,90 Euro. (kni)

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