Marco Friedl will sich in der Innenverteidigung des SV Werder Bremen festsetzen. Cheftrainer Florian Kohfeldt redet dem Österreicher allerdings ins Gewissen.
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Marco Friedl will sich in der Innenverteidigung des SV Werder Bremen einen Stammplatz erkämpfen. Cheftrainer Florian Kohfeldt redet dem Österreicher allerdings ins Gewissen.

Werder-Coach nimmt Verteidiger in die Pflicht

Friedl freut sich über die „0“ bei Werder Bremen, Coach Kohfeldt redet dem Neu-Innenverteidiger aber ins Gewissen

Lohne/Bremen – Marco Friedl war mit sich und der Welt sehr zufrieden. Gegen den FC Groningen hatte er in Abwesenheit der erfahrenen Kräfte Ömer Toprak und Niklas Moisander die Abwehr des SV Werder Bremen dirigiert, und wie sich an dem Ergebnis ablesen lässt, funktionierte das ganz ausgezeichnet.

4:0 (4:0) gewonnen – das konnte sich sehen lassen, meinte Marco Friedl: „Viele Tempoaktionen nach vorne, und hinten haben wir sicher gestanden.“ Wobei der zweite Teil seiner Aussage für ihn der wichtigere war. Unter seiner Regie war Werder Bremen ohne Gegentor geblieben. Da kam es etwas überraschend, dass Trainer Florian Kohfeldt den 22-Jährigen nur kurz lobte, ihn dann aber mit ziemlich ungeschönten Worten in die Pflicht nahm.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt nimmt Marco Friedl in die Pflicht

„So, wie er heute gespielt hat, muss die Normalität sein“, betonte Kohfeldt und sagte damit nichts anderes, als dass der auf die Innenverteidiger-Position gerückte Österreicher in dieser Normalität noch nicht angekommen ist. Kohfeldt erinnerte mit finsterer Miene an das Testspiel gegen Austria Lustenau fünf Tage zuvor, das Werder Bremen zwar 4:2 gewonnen hatte, in dem die Mannschaft dennoch nicht geglänzt hatte. Vornehm gesagt auch Marco Friedl nicht. Unvornehm gesagt, habe er „ein richtiges Scheißspiel“ gemacht, meinte Kohfeldt, der seltsam erzürnt wirkte bei dem Thema.

Was aber wohl daran liegt, dass er aus Friedl jetzt das machen will, was er schon immer in ihm gesehen hat: einen bundesliga-tauglichen Innenverteidiger. Und nicht mehr den Notnagel auf der linken Abwehrseite. „Er muss diesen Sprung jetzt schaffen“, sagte der Coach und forderte mehr Groningen und weniger Lustenau von Friedl. Spannung, Konzentration, Ansprache – das alles war am Samstag in Lohne gegeben, das alles müsse Friedl jedoch konstant abrufen. „Er muss einfach wissen, dass er dranbleiben muss. Dann ist er auf dem Weg zu einem guten Innenverteidiger in der Bundesliga. Das zu schaffen, traue ich ihm zu“, so Florian Kohfeldt.

Marco Friedl verpasst die Generalprobe des SV Werder Bremen gegen Hannover 96

Marco Friedl ist auf der linken Innenverteidigerposition der Herausforderer und designierte Nachfolger von Kapitän Niklas Moisander, der in vier Wochen 35 Jahre alt wird und in seine letzte Saison bei Werder Bremen geht. Ihn jetzt schon zu verdrängen oder in einem Jahr zu beerben, ist der Plan und das Ziel. Friedl sagte, dass er nicht mehr weg will aus der Innenverteidigung, „dort sieht mich der Verein, dort sehe ich mich auch selbst, dort fühle ich mich wohl. Das ist meine Position, auf der ich in Zukunft Spiele machen werde.“ Vorausgesetzt er ruft fortan die Leistung ab, die er am Samstag gezeigt hat.

Auf die Entscheidung, wer im DFB-Pokalspiel beim FC Carl Zeiss Jena am 12. September, dem ersten Ernstfall der Saison, in den Bremer Innenverteidigung erste Wahl sein wird, kann Marco Friedl jetzt aber keinen Einfluss mehr nehmen. Er reist zur österreichischen U21-Auswahl, verpasst deshalb die Generalprobe des SV Werder Bremen am Samstag gegen Hannover 96. Sicherlich nicht optimal, doch Friedl will auch kein großes Thema draus machen: „Ich freue mich jetzt auf die Nationalmannschaft, lege für zwei Spiele den Fokus auf diese Aufgabe - und dann wieder darauf, mit Werder einen guten Saisonstart zu haben.“ (csa)

Zur letzten Meldung vom 27. August 2020:

Moisander ist bei Werder Bremen zurück auf dem Platz, das Duell der Generationen mit Friedl kann beginnen

Der Kampf hat ein paar Wochen in der Warteschleife gesteckt, doch nun geht es los: Niklas Moisander muss den Angriff von Marco Friedl auf den Stammplatz in der Innenverteidigung des SV Werder Bremen abwehren.

In der ersten Phase der Saisonvorbereitung hatte der Kapitän wegen einer Wadenverletzung noch tatenlos mit ansehen müssen, wie sich Marco Friedl in der Innenverteidigung des SV Werder Bremen verdient gemacht hat – speziell im Trainingslager im Zillertal. Schon war die Rede von einer bevorstehenden Wachablösung. Doch die Sache ist noch längst nicht entschieden, sagt Trainer Florian Kohfeldt

Klar, Niklas Moisander ist nicht mehr der Jüngste. Er ist sogar der Älteste im Bremer Kader. In einem Monat feiert er seinen 35. Geburtstag – deshalb könnte man meinen, dass bei Werder Bremen folgender Plan umgesetzt wird: Moisander rückt ins zweite Glied, Friedl in die Stammelf. Dafür war der Österreicher schließlich vor einem Jahr für drei Millionen Euro verpflichtet worden. Doch es gibt keinen Ablöseautomatismus, erklärt Kohfeldt: „Marco hat ein gutes Trainingslager gespielt, trotzdem ist Niklas ein gestandener Spieler über Jahre. An ihm muss Marco erstmal vorbei.“

Werder Bremen: Marco Friedl muss sich strecken, um Niklas Moisander zu verdrängen

Womit wir wieder beim Kampf wären. Denn Niklas Moisander hat die Zuschauerrolle abgelegt, ist wieder auf den Platz zurückgekehrt, um im Duell mit Friedl selbst Pluspunkte zu sammeln. Beim 4:2 gegen Austria Lustenau kam er zum Abschluss der Zillertaltage zu seinem ersten Testspieleinsatz in der laufenden Vorbereitung, und auch wenn es nur 19 Minuten gegen einen österreichischen Zweitligisten waren, wollte Kohfeldt doch deutliche Signale wahrgenommen haben.

„Es ist schön, zu sehen , wie Niklas wiedergekommen ist, welche Präsenz er gleich gezeigt hat“, sagte er. Aus den Worten ist die große Wertschätzung des Coaches für den erfahrenen Finnen herauszulesen. Marco Friedl, fast 13 Jahre jünger als Moisander, wird sich also strecken müssen, um den Routinier tatsächlich verdrängen zu können. (csa)

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