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Werder-Verteidiger Marco Freidl im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Daniel Cottäus.

Verteidiger von Werder Bremen

Marco Friedl im Interview: „Ich kann rundum zufrieden sein“

Im 23. Pflichtspiel für Werder Bremen hat es geklappt: Marco Friedl (21) ist gegen Borussia Dortmund sein erstes Bundesliga-Tor gelungen.

Wo sein Trikot danach abgeblieben ist, was er über norddeutsches Essen und den Musikgeschmack von Mitspieler Davy Klaassen denkt, hat der Österreicher im Gespräch mit der DeichStube verraten.

Tor-Premiere gegen Dortmund – was hat Sie das eigentlich gekostet? Mussten Sie der Mannschaft einen ausgeben?

Bisher noch nicht. Es gibt da bei uns auch keine spezielle Regelung, aber vielleicht muss ich beim nächsten Mannschaftsabend mal eine Runde zahlen. Für mich war das Tor natürlich etwas ganz Besonderes. Umso schöner, dass es nicht irgendein Tor war, sondern eines, das der Mannschaft geholfen hat.

Sie haben mal verraten, dass Sie nach Ihrem Champions-League-Debüt vor Rührung weinen mussten. War die Tor-Premiere ähnlich emotional für Sie?

Nein, nicht ganz. Das Tor freut mich, es war ein sehr schöner Moment, aber ich denke jetzt nicht: Das war ein Meilenstein, den ich unbedingt erreichen musste. Ich bin ja Verteidiger, da ist das Toreschießen nicht unbedingt das höchste Prinzip.

Uns hat nach dem Spiel ein glücklicher Leser geschrieben, dass er Ihr Trikot im Dortmunder Kabinentrakt von Ihnen geschenkt bekommen habe. Warum haben Sie das gute Stück nicht behalten?

(lacht) Doch, das habe ich! Ich habe es mitgenommen. Unser Zeugwart hat es mir am Sonntag frisch gewaschen auf meinen Platz gelegt. Das Shirt, das ich verschenkt habe, war das aus der ersten Halbzeit, also nicht das, das ich bei meinem Tor getragen habe. Das hat jetzt meine Mama. Ich bin am Sonntag nach Hause geflogen und habe es mitgenommen. Mein Opa wollte es auch haben, aber sie hat es nicht wieder hergegeben, weil sie sich so sehr gefreut hat.

Bei der Antwort klingt durch, dass Sie ein echter Familienmensch sind...

Ja, auf jeden Fall. Der Rückhalt meiner Familie ist für mich extrem wichtig. Ohne meine Eltern hätte ich heute nicht das erreicht, was ich erreicht habe. Sie haben mich früher fünfmal in der Woche aus Österreich zum Training nach München gefahren – 100 Kilometer pro Strecke! Da haben sie sehr viel Freizeit für mich geopfert. Dafür bin ich sehr dankbar. Wann immer es geht, fliege ich nach Hause. Und bei unseren Heimspielen kommen meine Eltern nach Bremen.

Marco Friedl will mit Werder Bremen nach Europa 

Im Sommer haben Sie sich dazu entschieden, fest von Bayern München zu Werder zu wechseln. In den ersten sechs Saisonspielen standen Sie immer in der Startelf. Der Schritt scheint sich für Sie jetzt schon gelohnt zu haben.

Wenn ich auf meine persönliche Situation schaue, kann ich momentan nur rundum zufrieden sein. Für mich ist wichtig, dass ich spiele. Dass es von der Spielzeit her bisher so gelaufen ist, hätte ich vor der Saison selber nicht gedacht.

Sind Sie neben Christian Groß der große Profiteur der Verletztenmisere?

Wenn sich Spieler verletzen, die gesetzt waren, dann gehen für andere eben Türen auf. Das ist einfach so. Natürlich freut es mich nicht, wenn bei uns so viele Spieler ausfallen, aber ich habe mir vorgenommen, das als Chance zu nutzen. Ich möchte meine Leistung bringen, damit ich auch noch auf dem Platz stehe, wenn alle Kollegen wieder da sind. Ich will mit Werder Bremen etwas Großes erreichen und europäisch spielen.

Aus Österreich nach München war – geografisch gesehen – ein vergleichbar kleiner Schritt, von München nach Bremen dann ein ziemlich großer. Woran haben Sie sich im Norden noch nicht gewöhnt?

An das Essen! Oder anders gesagt: Ich vermisse das Essen aus der Heimat. Die Mama macht sehr gute Käsespätzle, auch Wiener Schnitzel und Kaiserschmarren.

Fischbrötchen sind nichts für Sie?

Ich habe schon mal eins probiert, das wird aber sicherlich nicht mein absoluter Favorit. Kürzlich habe ich gehört, dass Grünkohl hier auch ein sehr großes Thema sein soll.

Absolut! Sehr zu empfehlen, die Saison steht vor der Tür.

Na schau’n wir mal.

Sie haben in einem Interview mal verraten, dass Sie Ihrer Mutter versprochen haben, Kochen zu lernen. Reicht es noch nicht für selbstgemachte Käsespätzle?

Auf keinen Fall. Davon bin ich noch genauso weit entfernt wie vor einem Jahr.

Adi Hütter lehnte Trainerstelle bei Werder Bremen ab

Am Sonntag treffen Sie in der Bundesliga nun auf ein kleines Stückchen Heimat: Frankfurts Trainer Adi Hütter stammt ebenfalls aus Österreich. Hatten Sie mal Berührungspunkte mit ihm?

Nein, bisher habe ich ihn nicht persönlich kennengelernt. Ich finde aber, dass er in Frankfurt sehr gute Arbeit macht. Im Sommer hat er viele wichtige Spieler verloren, und trotzdem spielt seine Mannschaft tollen Fußball. Es wird ein schwieriges Spiel für uns.

Vor zwei Jahren hat Adi Hütter die Trainerstelle bei Werder Bremen abgelehnt, wodurch der Weg für Florian Kohfeldt frei wurde. Ist so etwas vor dem Duell ein Thema bei den Spielern?

Ich habe auch gelesen, dass er hier hätte unterschreiben können. Er hat sich damals gegen Bremen entschieden und einen anderen Weg eingeschlagen. Das ist okay. Am Ende ist es ja für beide Seiten gut gelaufen.

Österreichische Trainer haben eine lange Tradition in der Bundesliga. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum sie in Deutschland oftmals gut funktionieren?

In Österreich gibt es viele talentierte Trainer, die Sachen erreichen, die ihnen in Deutschland nicht unbedingt zugetraut worden waren. Mich freut es, dass immer mehr Trainer herkommen. Es zeigt, dass die Arbeit in Österreich immer besser wird. Zuletzt war das unter anderem am 4:0-Sieg von Wolfsberg gegen Gladbach zu sehen.

Ein Spiel, in dem ihr Landsmann Romano Schmid, den Werder nach Wolfsberg verliehen hat, besonders geglänzt hat.

Ja, total. Es ist schön, dass er zum Spielen kommt und zeigen kann, was er drauf hat. Er ist ein sehr guter Fußballer, der das Ziel hat, irgendwann in Bremen zu spielen.

Sie sind da schon einen Schritt weiter. Sehen Sie sich eigentlich noch als Herausforderer?

Das ist schwer zu sagen. Der Ludde (Ludwig Augustinsson, Anm. d. Red.) ist verletzt. Ich probiere einfach, meine Leistung zu bringen und bekomme großes Vertrauen vom Trainer geschenkt. Es macht gerade sehr viel Spaß. Wie es dann ausschaut, wenn der Ludde wieder da ist, will ich jetzt gar nicht sagen. Das werden wir dann sehen.

Sie gelten als großer Musikliebhaber. Haben Sie den Job als Kabinen-DJ schon übernommen?

(lacht) Nein, noch nicht. Musik ist für mich zwar ein wichtiger Bestandteil im Leben, aber die Musik vor dem Spiel macht bei uns immer der Davy (Klaassen, Anm. d. Red.). Zum Glück kann man bei ihm Wünsche abgeben, denn seine holländische Musik ist nicht unbedingt mein Fall. (dco)

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„Transfermarkt.de“ hat vier Spielern von Werder Bremen ein Marktwert-Update verpasst – Josh Sargent ist der große Gewinner. Fredi Bobic, der Manager von Eintracht Frankfurt zeigt Begeisterung für Kohfeldts Art und Arbeit. Aber der Ex-Profi übte auch Kritik am Verhalten des Bremer Coaches – verbunden mit einem gutgemeinten Rat. Das Lazarett lichtet sich: Ömer Toprak ist zurück bei Werder Bremen und bekommt gegen Frankfurt eine Art Einsatzgarantie. Am Samstagnachmittag trifft Werder Bremen auf Hertha BSC – Werder-Coach Florian Kohfeldt schaut bei Ante Covic und Hertha gerne zu und lobt die Entwicklung in den letzten Spielen.

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