Wechsel kein Thema - Verteidiger jetzt ein Leader

Heimlich, still und torgefährlich: Marco Friedl hat sich beinahe unbemerkt zum Werder-Leistungsträger entwickelt

Bremen – Normalerweise kann er sich fast blind auf ihn verlassen. Gewinnt mit ihm Zweikämpfe, spielt Pässe und schießt neuerdings sogar Tore. Doch kürzlich, in Paderborn, da brachte Marco Friedl sein linker Fuß jede Menge Ärger ein. „Klar war ich nach dem Spiel sauer auf mich selbst“, sagt der 23-Jährige, der während Werder Bremens 4:3-Auswärtssieg die Wiederholung eines vom Gegner bereits verschossenen Foulelfmeters verursacht hatte, weil er bei der Ausführung mit dem linken Fuß unerlaubterweise im Halbkreis vor dem Strafraum gestanden hatte.

Die kurzfristige Folge? Das 1:0 für den SC Paderborn. Die langfristige? Absolut zu vernachlässigen, denn „zum Glück haben wir das Spiel ja trotzdem gewonnen“, sagt Friedl, ehe er mit einem Lächeln im Gesicht verspricht: „Noch mal wird mir das nicht passieren.“ Und damit war zu diesem Thema während der Medienrunde des SV Werder Bremen am Mittwoch auch wirklich alles gesagt, schließlich gab es noch andere Dinge zu besprechen – hatte Marco Friedl in den vergangenen Wochen doch auch für reichlich positive, sportliche Schlagzeilen gesorgt.

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Als linker Part der Dreierkette ist der Innenverteidiger in der Startelf des SV Werder Bremen absolut gesetzt und verpasste seit Ende November keine einzige Sekunde auf dem Platz – eine Entscheidung des Cheftrainers Ole Werner, die Marco Friedl mit guten Leistungen und Statistiken bestätigt. Mit einer Quote von 61,40 Prozent ist er der drittbeste Zweikämpfer im Team, mit bisher drei Saisontoren zudem der torgefährlichste Bremer Abwehrspieler.

Werder Bremen: Marco Friedl wird immer offensivstärker - „Hoffe, dass noch ein paar Tore dazukommen“

„Ich habe schon das Gefühl, dass mein Stellenwert in der Mannschaft gestiegen ist“, sagt Friedl, der seit nunmehr genau vier Jahren für Werder Bremen aufläuft. Die ersten anderthalb davon noch als Leihspieler des FC Bayern München, ehe er im Sommer 2019 fest an den Osterdeich wechselte und dort die Rolle des Nachwuchstalents längst verlassen hat. Mittlerweile ist es Friedl, der seine Vorderleute auf dem Platz dirigiert, dem im Training schon mal der Kragen platzt – und der als Ansprechpartner für die noch unerfahrenen Talente im Kader zur Verfügung steht. „In jedem Jahr, das ich jetzt hier bin, sind jüngere Spieler dazugekommen. Ich bin hingegen erfahrener geworden. Vor dieser Saison habe ich mir vorgenommen, noch mehr voranzugehen“, betont Marco Friedl, der Werder allerdings – auch das gehört zur Geschichte seiner Serie 2021/2022 – im Sommer am liebsten verlassen hätte.

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Letztlich platzte der Wechsel zu Union Berlin trotz eines Streiks des Spielers, der die Arbeit in Bremen danach aber voll konzentriert wieder aufnahm – und sich direkt im ersten Heimspiel nach den Querelen um seine Person mit einem Tor gegen Heidenheim zurückmeldete. Seitdem sind zwei weitere Treffer gefolgt. Noch nie hat Marco Friedl in einer Saison öfter für Werder Bremen getroffen. „Ich habe einfach versucht, mich mehr in der Offensive einzuschalten und vorne für Gefahr zu sorgen“, beschreibt der Österreicher seinen neuen Vorwärtsdrang, an dem er bei allen Pflichten in der Defensive („Das bleibt natürlich meine Hauptaufgabe“) spürbar Gefallen gefunden hat: „Ich hoffe schon, dass noch ein paar Tore dazukommen.“

Werder Bremen-Transfers: Marco Friedl denkt nicht an einen Wechsel - sondern an den Aufstieg

Bei Werder Bremen hat dagegen ganz sicher niemand etwas einzuwenden, weil Friedl diese Tore (zumindest bis Sommer) für die Bremer zu schießen gedenkt. Angesprochen auf einen möglichen Wechsel in der noch bis zum 31. Januar laufenden Winter-Transferperiode sagt der Abwehrspieler: „Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Ich bin froh, dass ich hier bin, und habe mit der Mannschaft sowie auch persönlich Ziele, die ich erreichen will.“ Konkreter wurde Marco Friedl in diesem Punkt nicht. Das Wort „Aufstieg“ schwebte aber dennoch, wenn auch unausgesprochen, über diesen Sätzen.

Zurück in die Bundesliga, auf die große Bühne – dahin möchte Friedl mit Werder Bremen. Was dann tatsächlich nach der Saison passiert? Offen. Es dürfte aber zumindest ziemlich unwahrscheinlich sein, dass sich der 23-Jährige ein weiteres Jahr in der 2. Liga vorstellen kann. Immerhin würde er liebend gerne wieder enger ans österreichische A-Nationalteam heranrücken, bei dem er zuletzt keine Rolle mehr gespielt hatte. Zu Teamchef Franco Foda gibt es aktuell keinen Kontakt.

Werder Bremen: Marco Friedl „happy“ über den Aufschwung und den Teamgeist

„Es geht darum, erstmal im Verein Leistungen zu bringen. Nur darüber kommst du in die Nationalmannschaft“, sagt Marco Friedl, der sich bei der Umsetzung dieses Plans auch von seiner zweiten Corona-Infektion Anfang Januar nicht ausbremsen ließ. „Ich habe überhaupt nichts gespürt, das war beim ersten Mal anders“, berichtet Friedl, der sich Ende Dezember während eines Weihnachtsurlaubs in Dubai infiziert, aufgrund der Winterpause aber keine Partie verpasst hatte.

Am Stellenwert des Innenverteidigers beim SV Werder Bremen änderte sich also nichts, Marco Friedl war mittendrin während des Traumstarts ins Jahr 2022 mit Siegen gegen Düsseldorf und Paderborn – und saugt die gute Stimmung innerhalb des Teams gerade förmlich auf. „Jeder ist happy darüber, wie es im Moment läuft. Wir sind als Team voll und ganz zusammengewachsen“, sagt Friedl, der Trainer Werner einen großen Anteil daran zuschreibt: „Seine ruhige und gelassene Art tut uns gut. Er lässt uns viel Raum, gibt auf dem Platz aber sehr konkrete Anweisungen.“ Davon habe das Team in Paderborn zwar nicht alle umsetzen können, am Ende reichte es dennoch zum fünften Sieg in Serie, nach dem ein Jubelfoto in der Kabine entstand, auf dem Friedl mit um die Wette strahlt. An seinen linken Fuß im Halbkreis vorm Strafraum wird er schon in dem Moment nicht mehr gedacht haben. (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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