Matthias Hönerbach, ehemaliger Co-Trainer des SV Werder Bremen und Ex-Profi des 1. FC Köln, glaubt an ein ausgeglichenes Duell seiner Ex-Clubs.
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Matthias Hönerbach, ehemaliger Co-Trainer des SV Werder Bremen und Ex-Profi des 1. FC Köln, glaubt an ein ausgeglichenes Duell seiner Ex-Clubs.

Klemm-Brett vor 1. FC Köln

Ex-Bremer Hönerbach vor Saisonfinale gegen Köln: „Werder sollte keinen leichten Gang erwarten“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 34. Spieltag geht es um den 1. FC Köln - mit einem Kurz-Interview mit Matthias Hönerbach.

Matthias Hönerbach fungierte als Assistent unter Thomas Schaaf in der erfolgreichen Ära des SV Werder Bremen von 2005 bis 2013, kurzzeitig sogar als Interimscoach nach der Schaaf-Beurlaubung. Der 58-Jährige, der für den 1. FC Köln 184 Bundesligaspiele bestritt und bis 1995 als Profi aktiv war, eröffnete im letzten Jahr ein Lotto-Tabak-Presse-Geschäft in der Kölner City.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln im Live-Ticker der DeichStube.

Interview mit Matthias Hönerbach, Ex-Profi des 1. FC Köln und Ex-Co-Trainer bei Werder Bremen

Ist der Abstiegskampf in Ihrem „Büdchen“, wie Sie Ihr neues Geschäft nennen, momentan Thema, Herr Hönerbach?

Natürlich, bei den Fußballfans, die mich und meinen Werdegang kennen sowieso. Die Kunden sprechen mich auf Werder an und wollen meine Einschätzung wissen.

Wie lautet die? Darf Bremen von Köln, wo sie Ihre erfolgreichste Zeit als Spieler erlebt haben, insofern Schützenhilfe erwarten, als für die Kölner alles gelaufen ist?

Es kommt auf die Einstellung der Kölner Spieler an. Auch wenn sie es zum Schluss nicht mehr so gezeigt haben, halte ich die Kölner Elf für sehr charakterstark. Ich denke, Horst Heldt und Markus Gisdol werden noch entsprechende Worte finden. Werder sollte keinen leichten Gang erwarten.

War es richtig, an Florian Kohfeldt festzuhalten?

Die Diskussion entbrennt nun, völlig klar. Es gibt immer zwei Meinungen. Die einen sagen, ein Trainerwechsel wäre besser gewesen, Werder hätte diese letzte Chance nutzen müssen. Die anderen sind der Meinung, auch mit einem neuen Coach wäre es nicht besser gelaufen. Am Ende ist man immer schlauer. Ich sage immer: Abends um 20 Uhr ist man schlauer als morgens um 8 Uhr. Es wird sich zeigen, welche Seite schließlich Recht behält.

Wissenswertes vor dem Heimspiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett. Mit Mathias Hönerbach im Interview.

Spruch von FC Köln-Trainer Markus Gisdol

„Du fährst zwischen Hotel und Trainingszentrum hin und her und siehst die Leute draußen auf der Straße laufen oder sogar im Eiscafé sitzen. Da siehst du, welche Opfer du bringst.“

Trainer Markus Gisdol mit einem gleichermaßen belächelten und stark kritisierten Kommentar zu den Corona-Maßnahmen. 

Lesetipp: So verfolgen Ex-Stars wie  Zlatko Junuzovic das Abstiegskampf-Endspiel des SV Werder Bremen!

Werder Bremen und dem 1. FC Köln: So lief das Hinspiel

Im letzten Spiel der Hinserie konnte Werder nicht die Wende herbeiführen. Niederlage nach davor zwei Schlappen mit elf Gegentoren. Köln schaffte den dritten Sieg in Folge und rückte zur Halbzeit über den Strich im Tabellenkeller. Bremen nahm zur Halbzeit mit nur 14 Punkten den 17. Rang ein. Die Abstiegsgefahr kurz vor Weihnachten war nach diesem nicht erfolgreichen Ausflug ins Rheinland schon greifbar.

Cordoba hatte das Tor des Tages erzielt für eine Kölner Elf, die vor der Pause dominierte und zeitweise 85 Prozent Ballbesitz hatte. Werder rotierte: Friedl für Lang, Bargfrede für Sahin, Goller für den gelbgesperrten Bittencourt. Kohfeldt bot mit Bargfrede und Klaassen eine Doppelsechs auf und beschränkte sich anfangs nur aufs Verteidigen. Erst nach dem Wechsel wurde Werder offensiver, kam indes nicht mehr zum Ausgleich. Rashica traf nur die Latte. Außerdem wurde ein Osako-Tor nicht anerkannt, weil Vorlagengeber Pizarro zuvor im Abseits gestanden hatte.

Werder Bremen gegen den 1. FC Köln: Der Marktwert-Vergleich!

Der Marktwert des Werder-Aufgebots wird als höher eingeschätzt als der des 1. FC Köln. Laut „transfermarkt.de“ wird der Kader von Werder Bremen mit einem Wert von 133,75 Millionen Euro beziffert – Köln indes nur mit 92,05 Mio. Weitere Vergleichszahlen: 17 Legionäre bei Werder, neun bei Köln; sechs A-Nationalspieler in Bremen, vier in Köln. Das Durchschnittsalter liegt in etwa gleich: 26,9 Jahre bei Werder, 26,1 bei Köln.

Werder Bremen gegen 1. FC Köln: Die Statistik 

Fast ausgeglichen ist die Bilanz zwischen den beiden Clubs: 35 Siege für Köln, 34 für Bremen in der Liga bei 24 Remis. Im DFB-Pokal hat Werder die Nase vorn: drei Siege, nur eine Niederlage. Die Heimbilanz in der Meisterschaft spricht für die Norddeutschen: 28 Erfolge, nur sieben Niederlagen, elf Unentschieden.

Daniel Bornauw - der Gewinner beim 1. FC Köln

Als Nobody gekommen, als Stammspieler und Führungsspieler nun anerkannt nach nur einem halben Jahr. Ein schneller Aufstieg des Defensivspielers vom RSC Anderlecht. Erst hat Daniel Bornauw, 20 Jahre jung und recht talentiert, den Spanier Jorge Meré verdrängt. Inzwischen zählt er zur festen Größe im Team des Neulings. Was ihn darüber hinaus noch wertvoll macht: Bornauw ist sehr torgefährlich – bislang drei Tore markiert.

Letzte Spiele im Weserstadion

Von den letzten 15 Spielen konnten die Kölner nur eins im Weserstadion gewinnen. Am 24. Oktober 2014 siegten die Gäste mit 1:0. Das Tor markierte damals ein alter Bekannter: Anthony Ujah in der 59. Spielminute.

Hoher Werder-Sieg gegen Köln im Jahr 2006

In der Neuzeit erzielte Werder 2006 den höchsten Sieg gegen den Kontrahenten vom Rhein: 6:0 im Mai 2006 am 33. Spieltag. Drei Spieler steuerten jeweils zwei Tore bei: Miroslav Klose, Ivan Klasnic und Tim Borowski, der heutige Assistent von Chef Florian Kohfeldt. Schiedsrichter dieser Begegnung im ausverkauftem Weserstadion war der damals am Anfang seiner Laufbahn stehende Manuel Gräfe.

Auf und ab beim 1. FC Köln

So ändern sich die Zeiten. Im November wurde der 1. FC Köln als Lachnummer der Liga verspottet und galt als Abstiegskandidat Nummer eins. Dann folgte ein veritables Zwischenhoch, das die Rheinländer in gesicherte Gefilde der Tabelle katapultierte. Bis zum Re-Start der Liga konnten sich die Kölner bei optimalen Verlauf sogar ausrechnen, noch in den Kampf um die internationalen Plätze eingreifen zu können. Doch das Wellental hielt an: ein Auf und Ab am Rhein. Für Geschäftsführer Horst Heldt ein durchaus nachvollziehbarer Verlauf der Spielzeit: „Wir haben immer gesagt, dass wir den Klassenverbleib wollen. Das wäre eine unfassbare Leistung.“ So antwortete Heldt denjenigen, die seiner Meinung nach dem FC das Thema Europa „reinsingen“ wollten: „Ich wundere mich da ein bisschen über die Wahrnehmung.“

Werder Bremen-Gegner: Riesenkader beim 1. FC Köln

Stand heute weist das Aufgebot eine voluminöse Größe auf: 35 Profis stehen auf dem Gehaltszettel, allein zehn Leihspieler kehren nach Saisonende zurück. Auf Geschäftsführer Heldt und Frank Aehlig, den Leiter der Lizenzspielerabteilung, kommt eine Menge Arbeit zu. Die zurückkehrenden Leihspieler besitzen teilweise langfristige und zudem lukrative Verträge. Der aufgeblähte Kader muss also ausgedünnt werden, um handlungsfähig zu sein. So wird es Neueinkäufe nur geben können, wenn zuvor einige andere Akteure abgegeben werden. Ein Beispiel: Ein Spieler wie Mark Uth, aus Schalke ausgeliehen, soll fester Bestandteil des Aufgebots werden, wäre aber nur finanzierbar, wenn Torjäger Jhon Cordoba oder Abwehrrecke Sebastian Bornauw veräußert würde.

Konkurrenzkampf

Im Endspurt ergibt sich ein erbitterter Kampf um die Stammplätze. „Noch mal richtig Vollgas“, umschreibt Geschäftsführer Horst Heldt den neuen Konkurrenzkampf. „Das ist auch gut so, das brauchen wir.“ Und das kam so: Sebastian Bornauw und Dominick Drexler waren gesperrt, Anthony Modeste und Holger Höger überzeugten als Einwechselspieler. Vor allem Torjäger Modeste trumpfte als erfolgreicher Joker auf. Eine neue Option für Markus Gisdol: Doppelspitze mit Modeste und Cordoba. Im Abwehrzentrum meldete sich Rafael Czichos nach Verletzung zurück, so dass in diesem Mannschaftsteil ein heißes Duell mit Bornauw, bislang unumstritten, und Toni Leistner zu erwarten ist. Und Marco Höger, der Vize-Kapitän, bietet sich als Alternative für den angeschlagenen Ellyes Skhiri an.

Poker um Jhon Cordoba

Sein Vertrag läuft im Sommer 2021 aus. Dann könnte Jhon Cordoba, 2017 für eine Ablöse von 17 Millionen Euro aus Mainz geholt, ablösefrei Köln verlassen. Seit Wochen bemühen sich die Kölner, den Top-Torjäger längerfristig zu binden. Doch der Kolumbianer hat sich mit seinen Treffern selbst ins Schaufenster gestellt und ist begehrt. Köln muss warten. „Wir sind im Austausch“, berichtet Geschäftsführer Heldt über die Gespräche. „Doch es gibt viele Fragezeichen.“ Ein Poker, der dauert und noch dauern kann, geschuldet der Gesamtsituation in Corona-Zeiten.

Der 1. FC Köln und die katastrophale Pandemie-Bilanz

Die Bilanz nach dem Re-Start der Liga fällt erschreckend aus. Die nackten Zahlen nach der Fortsetzung der wegen der Pandemie unterbrochenen Saison: vier Punkte für den 1. FC Köln. Nur Schalke mit zwei gewonnenen Zählern und Absteiger Paderborn, der auch vier Punkte holte, aber das schlechtere Torverhältnis aufweist, schnitten noch schlechter ab. „Die Corona-Pause hat uns zerlegt“, meint Trainer Gisdol. „Ich glaube, dass uns das mehr gekostet hat als jeder anderen Mannschaft.“

Der Coach führte die Geißböcke vom letzten Tabellenplatz auf Rang zehn. Zwischen dem 15, und 25. Spieltag sammelten nur Meister Bayern und Vize Dortmund mehr Punkte als die Kölner. Der neuerliche Absturz, der erst mit dem Remis gegen Frankfurt (Torschütze: Kainz mit verwandeltem Elfmeter) beendet worden ist und zu einem glücklichem Ende des gesicherten Klassenerhalts geführt hat, ist indes kein Anlass für Manager Horst Heldt, den Trainer kritisch zu hinterfragen: „Ihn nur ansatzweise infrage zu stellen ist absolut töricht.“

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