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Das ist das Leben ohne Fußball: Matthias Hönerbach, der frühere Co-Trainer bei Werder Bremen, in seinem „Büdchen“ hinter dem Verkaufstresen.

Werders Ex-Co-Trainer ist jetzt Kiosk-Besitzer

Hönerbachs neues Leben: Früher Schaaf-Assistent, jetzt im „Büdchen“

Köln/Bremen – Von Hans-Günter Klemm. „Lotto-Toto“ - für viele Fußballstars, die sich in den Ruhestand verabschiedeten, waren dies die Zauberworte. Jedenfalls in den 70er-Jahren, als viele Profis nach dem Ende ihrer Karriere eine Annahmestelle für die Glücksspiele bekamen, um weiter beschäftigt zu sein und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Matthias Hönerbach hat diesen Klassiker der Berufswahl im 21. Jahrhundert wieder aufleben lassen.

„Mattes“, wie der ehemalige Schaaf-Assistent und Co-Trainer bei Werder Bremen seit jeher gerufen wird, hat sich ein „Büdchen“ zugelegt. „Lotto-Tabak-Presse“ lautet der Schriftzug, der über der Tür des kleinen Ladens in seiner Heimatstadt Köln steht. Vom Fußballschaffenden zum Kleinunternehmer – Hönerbachs neues Standbein vor der Pension.

Matthias Hönerbach: Laden am Eigelstein in Köln

„Es ist mein neuer Job, bei dem ich viel Spaß habe. Ich schätze es, viel mit Menschen in Kontakt zu kommen“, erzählt der 57-Jährige, der sich längst innerlich aus dem Fußballgeschäft verabschiedet hat. Der Tipp für das neue Business kam vom Bruder seiner Frau, der seinen Schwager gut kennt und meinte, das wäre das Richtige für den lebenslustigen Rheinländer. Hönerbach erkundigte sich und fand ein entsprechendes Objekt.

Die Vorbesitzer wollten verkaufen. Also griff der frühere Abwehrspieler, der für den 1. FC Köln (184 Spiele) und den 1. FC Saarbrücken (103 Spiele) aktiv gewesen ist, im Oktober des letzten Jahres zu. „Man muss sein Leben irgendwie weiter finanzieren“, betont der gelernte Kaufmann und berichtet, dass alles gut angelaufen ist bei seinem Umstieg. Der Laden am Eigelstein, nicht weit entfernt vom Zentrum der Domstadt, läuft. Drei Mitarbeiterinnen beschäftigt der prominente Besitzer. Er selbst steht häufig, meist an fünf Tagen, hinter der Verkaufstheke.

Acht Jahre lang war Matthias Hönerbach bei Werder der Assistent von Thomas Schaaf.

Matthias Hönerbach: Acht Jahre Co-Trainer von Thomas Schaaf bei Werder Bremen

Eine neue Aufgabe für Hönerbach, der fast ein Jahrzehnt an der Seite des legendären Werder-Trainers Thomas Schaaf gearbeitet hat. „Ich bin dankbar dafür, dass ich im Team von Thomas sein durfte“, sagt er rückblickend und nennt es die „Schaaf-Combo“. Acht Jahre in Bremen, ein Jahr in Frankfurt und dann als nicht gerade krönender Abschluss vier Monate bei Hannover 96. „Ein Experiment“, so bezeichnet er das Abenteuer bei den Niedersachsen, das krachend scheiterte. Kein Vergleich mit der Ära bei Werder: „Es war eine grandiose Zeit, die ich dort erleben durfte. Wir hatten sportlichen Erfolg und ich konnte viele tolle Menschen kennenlernen.“

Vor drei Jahren endete die Trainer-Laufbahn von Hönerbach. Chef Schaaf orientierte sich anders, der „Co“ versuchte es ebenfalls. Hönerbach, der früher als Cheftrainer die Amateure des 1. FC Köln ein Jahr und Viktoria Köln über sieben Spielzeiten betreut hatte, schaute sich um, wollte wieder Fuß fassen als erster Mann bei einem Club. Es gab Anfragen, wie er berichtet. Es gab Gespräche, doch ohne Erfolg. So hat er für sich beschlossen, das Metier zu wechseln.

Matthias Hönerbach: Rückkehr als Trainer unwahrscheinlich

Ob eine Rückkehr auf den Trainerstuhl jetzt noch vorstellbar und möglich ist? Hönerbach antwortet mit einem ausweichenden „Man soll nie nie sagen.“ Anhören würde er es sich schon, wenn ein Angebot käme. Doch sollte dies nicht der Fall sein, was wahrscheinlich ist, nachdem er nun schon drei Jahre aus dem Geschäft ist, so wäre er auch nicht böse. Seine Zukunft bis zum Eintritt ins Rentenalter sieht der eisenharte Verteidiger von einst in seinem Lotto-Büdchen im Kölner Veedel.

Dort spielt Fußball häufig noch die Hauptrolle in den Gesprächen mit den Kunden: „Hier sind alle fußballverrückt.“ Und bei Hönerbach damit gut aufgehoben. „Ein kleines Schwätzchen halten“, dies schätze er, wie er sagt. Thema neben den Lokalmatadoren aus Kölle ist dabei der Aufschwung des SV Werder Bremen, wobei Hönerbach immer noch als Experte gelten darf: „Die Entwicklung dort ist sehr, sehr positiv.“

Ein anderer Ex-Werder-Coach hat derweil einen neuen Job gefunden: Viktor Skripnik kehrt nach 23 Jahren in die Heimat zurück.

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