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Immer mehr im Jubel-Modus: Max Kruse spielt seit Monaten richtig stark auf.

Kapitän auf Rekordjagd - und Baumann wünscht sich Planungssicherheit

Kruse jetzt sogar besser als Rehhagel

Bremen – Es soll ja Menschen geben, die in der 13 eine Unglückszahl sehen. Max Kruse ist das offenbar schnuppe, der Werder-Profi verwandelte beim 4:2-Sieg gegen den FC Schalke auch seinen 13. Elfmeter in der Bundesliga sicher.

Damit hat er nun auch einen gewissen Otto Rehhagel übertroffen, der in seiner Spielerkarriere zwölf Mal eiskalt geblieben war. Nur Hans-Joachim Abel (16) und Ludwig Nolden (15) – aus Zeiten, als die Bundesliga in Schwarz-Weiß über viele Fernseher flimmerte – stehen in der Liste der „100-Prozenter“ noch vor ihm. Kruse kann sie einholen, wenn er denn in der Bundesliga bleibt. Nach dieser Saison läuft sein Vertrag bei Werder aus – und so langsam erwartet der Club eine Entscheidung vom 30-Jährigen.

„Natürlich können wir verstehen, dass sich Max gut überlegen will, wie er die Weichen für seine Zukunft stellt“, sagt Frank Baumann, aber der Werder-Sportchef betont im Gespräch mit der DeichStube auch: „Wir können nicht ewig warten, denn wir wollen unsere Planungen voranbringen, dabei ist Max ein ganz wichtiger Bestandteil.“ Baumann will das keineswegs als Ultimatum verstanden wissen. Und damit die Berichterstattung auf keinen Fall in diese Richtung abdriftet, nennt er auch kein Datum, also keine Deadline. Aber es ist davon auszugehen, dass Werder spätestens am Saisonschluss Mitte/Ende Mai Klarheit haben möchte: Verlängert Kruse oder muss ein Ersatz her?

Schon gesehen? Max Kruses Bundesliga-Elfmeter in der Fotostrecke:

Fotostrecke: Max Kruses Elfmeter-Serie

Nummer 1: Kruses erster Streich war am 20. September 2013 im Gladbach-Trikot gegen Eintracht Braunschweigs Marjan Petkovic. Am Ende gab es einen 4:1-Sieg.
Nummer 1: Kruses erster Streich war am 20. September 2013 im Gladbach-Trikot gegen Eintracht Braunschweigs Marjan Petkovic. Am Ende gab es einen 4:1-Sieg.  © imago
Nummer 2: Danach verlud er Dortmunds Roman Weidenfeller am 5. Oktober 2013 und brachte seine „Fohlen“ mit der 1:0-Führung auf die Siegerstraße (2:0).
Nummer 2: Danach verlud er Dortmunds Roman Weidenfeller am 5. Oktober 2013 und brachte seine „Fohlen“ mit der 1:0-Führung auf die Siegerstraße (2:0).  © imago
Nummer 3: Als Nächstes musste Ralf Fährmann dran glauben. Beim 2:1-Erfolg am 7. Dezember 2013 lies er dem Schalker Schlussmann keine Chance.
Nummer 3: Als Nächstes musste Ralf Fährmann dran glauben. Beim 2:1-Erfolg am 7. Dezember 2013 lies er dem Schalker Schlussmann keine Chance.  © imago
Nummer 4: Auch am 5. April 2014 zeigte Kruse keine Gnade. Diesmal konnte Raphael Schäfer vom 1. FC Nürnberg nur dem Ball hinterhergucken. Obendrauf gab es eine 0:2-Niederlage gegen Kruse und Co.
Nummer 4: Auch am 5. April 2014 zeigte Kruse keine Gnade. Diesmal konnte Raphael Schäfer vom 1. FC Nürnberg nur dem Ball hinterhergucken. Obendrauf gab es eine 0:2-Niederlage gegen Kruse und Co.  © imago
Nummer 5: Werder konnte sich selbst am 17. Dezember 2014 vom eiskalten Kruse überzeugen. Nach dem Schäfer kommt der Wolf. Werders Schlussmann konnte den Elfer nicht halten, so setzte es eine deftige 1:4-Niederlage.
Nummer 5: Werder konnte sich selbst am 17. Dezember 2014 vom eiskalten Kruse überzeugen. Nach dem Schäfer kommt der Wolf. Werders Schlussmann konnte den Elfer nicht halten, so setzte es eine deftige 1:4-Niederlage.  © imago
Nummer 6: Aber nicht immer bringen Kruses Elfmeter den Sieg. Gegen Augsburgs Alexander Manninger traf er zwar, konnte aber nicht die 1:2-Niederlage am 20. Dezember 2014 verhindern.
Nummer 6: Aber nicht immer bringen Kruses Elfmeter den Sieg. Gegen Augsburgs Alexander Manninger traf er zwar, konnte aber nicht die 1:2-Niederlage am 20. Dezember 2014 verhindern.  © imago
Nummer 7: Hier schaut Oliver Baumann im Trikot von Hoffenheim noch konzentriert, kann aber wenige Sekunden später nur dem Ball hinterhergucken. 4:1 heißt es am 4. April 2015 für Elfer-Monster Kruse und seine Gladbacher.
Nummer 7: Hier schaut Oliver Baumann im Trikot von Hoffenheim noch konzentriert, kann aber wenige Sekunden später nur dem Ball hinterhergucken. 4:1 heißt es am 4. April 2015 für Elfer-Monster Kruse und seine Gladbacher.  © imago
Nummer 8: Kruses erster Elfer für Werder. Am 5. Februar 2017 steht Marwin Hitz im Kasten, aber das ist Kruse egal. Er trifft. Trotzdem verliert Bremen 2:3.
Nummer 8: Kruses erster Elfer für Werder. Am 5. Februar 2017 steht Marwin Hitz im Kasten, aber das ist Kruse egal. Er trifft. Trotzdem verliert Bremen 2:3.  © imago
Nummer 9: Einen knappen Monat später, am 4. März 2017, klappt es auch wieder mit dem Doppelpack - Elfer verwandeln und gewinnen. Daniel Heuer Fernandes ist auf dem Weg ins falsche Eck und Kruse zum nächsten Elfer-Treffer. Werder gewinnt am Ende 2:0 gegen Darmstadt 98.
Nummer 9: Einen knappen Monat später, am 4. März 2017, klappt es auch wieder mit dem Doppelpack - Elfer verwandeln und gewinnen. Daniel Heuer Fernandes ist auf dem Weg ins falsche Eck und Kruse zum nächsten Elfer-Treffer. Werder gewinnt am Ende 2:0 gegen Darmstadt 98.  © imago
Nummer 10: Kruse und Fährmann im Duell, zwei alte Bekannte mit dem altbekannten Ergebnis. Kruse netzt, Fährmann kann nur gucken. Werder gewinnt mit 3:0 gegen Schalke 04 am 4. April 2017.
Nummer 10: Kruse und Fährmann im Duell, zwei alte Bekannte mit dem altbekannten Ergebnis. Kruse netzt, Fährmann kann nur gucken. Werder gewinnt mit 3:0 gegen Schalke 04 am 4. April 2017.  © imago
Nummer 11: Torwart Martin Hansen vom FC Ingolstadt versucht alles, kann den Einschlag aber nicht verhindern. In einem torreichen Spiel am 22. April 2017 gewinnen Werder und Kruse mit 4:2.
Nummer 11: Torwart Martin Hansen vom FC Ingolstadt versucht alles, kann den Einschlag aber nicht verhindern. In einem torreichen Spiel am 22. April 2017 gewinnen Werder und Kruse mit 4:2.  © imago
Nummer 12: Kapitän Kruse übernimmt die Verantwortung und erhöht am 25. September 2018 auf 3:1 gegen Hertha BSC. Thomas Kraft hat das Nachsehen. Kruses zwölfter Streich vom Punkt. Damit zieht er übrigens mit Otto Rehhagel gleich.
Nummer 12: Kapitän Kruse übernimmt die Verantwortung und erhöht am 25. September 2018 auf 3:1 gegen Hertha BSC. Thomas Kraft hat das Nachsehen. Kruses zwölfter Streich vom Punkt. Damit zieht er übrigens mit Otto Rehhagel gleich.  © imago
Nummer 13: Erst holt Kruse den Strafstoß heraus, dann trifft er gegen Torwart Alexander Nübel zum zwischenzeitlichen 2:1 beim 4:2-Sieg gegen den FC Schalke 04 am 8. März 2019.
Nummer 13: Erst holt Kruse den Strafstoß heraus, dann trifft er gegen Torwart Alexander Nübel zum zwischenzeitlichen 2:1 beim 4:2-Sieg gegen den FC Schalke 04 am 8. März 2019.  © gumzmedia

Max Kruse seit Wochen in Topform

Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit Kruse erwartet Baumann übrigens nicht. Bei Finanzen und Laufzeit werde sicherlich eine Einigung erzielt, es gehe allein darum, ob der Ex-Nationalspieler bleiben möchte. Denn in der aktuellen Verfassung will Werder den Kapitän sehr gerne behalten. Diese Einschätzung galt nicht immer. In der Vorbereitung und zu Beginn der Hinrunde hatte Kruse die Bremer auf eine harte Probe gestellt. Denn er war nicht gerade optimal vorbereitet aus dem Urlaub zurückgekehrt. Trainer Florian Kohfeldt machte ihn trotzdem zum Kapitän, setzte darauf, dass Kruse – wie in der Vergangenheit auch – schnell in die Spur finden würde. Doch es dauerte.

Inzwischen ist das alles Geschichte, Kruse seit Wochen, eher sogar schon seit Monaten, fast immer in Topform. Nach dem Schalke-Spiel geriet Matthias Sammer als Eurosport-Experte regelrecht ins Schwärmen: „Max ist gut drauf. Die Bälle zwischen Mittelfeld und Angriff zu schleppen, immer anspielbar zu sein und dabei für den Gegner kaum zu greifen zu sein, weil er läuferisch sehr aktiv ist – das ist bemerkenswert.“

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Max Kruse verwandelt einen Strafstoß gegen Schalke 04 - es war sein 13. Bundesliga-Elfmeter-Treffer im 13. Versuch.

Seit dem 1. Dezember hat Kruse in 13 Spielen vier Tore erzielt und war an fünf weiteren beteiligt. Aber nicht nur das: Der 30-Jährige ist auch in schwierigen Spielphasen präsent. „Er geht als Kapitän immer vorweg“, lobt Baumann: „Man merkt einfach, dass Max etwas erreichen will.“ Das habe den Angreifer schon immer ausgezeichnet, findet Baumann. Dazu passe auch sehr gut das Thema Elfmeter. „Max trainiert das.“

Aber Kruse mache das auf eine besondere Weise, nicht mit zehn Elfmetern am Stück, sondern: „Regelmäßig schießt Max am Ende des Trainings noch einen Elfmeter, im Spiel hat er ja auch nur diesen einen Versuch.“ Neulich ging so ein Versuch im Training tatsächlich „an den Pfosten“, wie Davy Klaassen fast petzend nach dem Schalke-Spiel – angesprochen auf Kruse – verriet. „Aber den Nachschuss hat Max natürlich reingemacht“, fügte Klaassen schnell noch schmunzelnd an: „Wir vertrauen ihm total.“

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Kohfeldts Lob für Kruse: „Überragend von A bis Z“

Das gilt natürlich auch für Kohfeldt. „Das war überragend – von A bis Z, offensiv wie defensiv“, lobte der Coach nach der Partie seinen Kapitän, der das erste Tor vorbereitet, das zweite selbst erzielt und das dritte eingeleitet hatte. „Aber einen kleinen Makel habe ich“, hob Kohfeldt noch hervor: „Er muss das Tor zum 4:1 machen.“ Diese Chance ließ sich Kruse aber kurz vor seiner Auswechslung entgehen. Letztlich blieb es ohne Folgen – und Kruse konnte ein ganz besonderes Wochenende genießen.

Auf Einladung des FC St. Pauli schaute er sich am Sonntag das Hamburger Stadtderby gegen den HSV an. Schließlich gehört er der legendären Pauli-Mannschaft an, die 2011 erstmals nach 1977 mal wieder gegen den HSV gewinnen konnte. „Das ist hier schon eine besondere Stimmung“, schwärmte Kruse bei Sky – und antwortete auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr vorstellen könne: „Damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt. Ich bin voll auf Werder fokussiert, aber sag niemals nie.“ Allerdings sollte Kruse bedenken: Für St. Pauli hat er nur einen Elfmeter verwandelt – und das in der Zweiten Liga.

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