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Max Lorenz, Legende des SV Werder Bremen, hofft, dass die Bundesliga bald wieder spielt.

80-Jähriger über die Coronavirus-Krise

Werder-Legende Lorenz im Interview: „Ich würde auf mein Geld verzichten“

Bremen – Max Lorenz hat schon immer deutlich gesagt, was er denkt. So macht es die Legende des SV Werder Bremen auch in der Coronavirus-Krise. Im Gespräch mit der DeichStube gibt der 80-Jährige zu, dass ihn die aktuelle Situation sehr traurig macht.

Über eine Fortsetzung der Bundesliga würde sich Werders Deutscher Meister von 1965 als Abwechslung im Fernsehen sehr freuen, wenn es denn medizinisch vertretbar wäre. Dabei richtet der Ex-Nationalspieler einen deutlichen Appell an die Fans, bringt einen totalen Gehaltsverzicht der Profis in Gespräch und erzählt von Telefonaten mit seinem guten Freund Uwe Seeler, der Legende des Hamburger SV.

Herr Lorenz, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?

Gut, ich bin zufrieden – zumindest gesundheitlich. Ansonsten ist das gerade alles nicht so schön und macht mich ziemlich traurig. Das ist ja fast schlimmer als der Krieg – und den wollten wir nie wieder haben.

Als 80-Jähriger gehören Sie zu den Risikopatienten, machen Sie sich Sorgen?

Ich bin kein Angsthase. Aber wenn ich dann in der Zeitung lese, dass wieder Bewohner eines Altersheims gestorben sind, dann macht mich das sehr betroffen. Hoffentlich gibt es Menschen, die dieses Problem irgendwie in den Griff bekommen. So kann es doch nicht weitergehen.

Wie sehr müssen Sie sich einschränken?

Ich bin in meinem Alter natürlich stark gefährdet und passe deshalb gut auf mich auf. Meine tolle Familie unterstützt mich da sehr. Ich gehe immer noch gerne an die frische Luft, leider kann ich nirgends mehr einkehren, um ein Gläschen Bier zu trinken. Das fehlt mir schon sehr. Mir tun auch die ganzen Gastwirte leid, die nicht öffnen dürfen. Aber wir müssen nun mal alle vernünftig sein – auch beim Fußball, worauf Sie jetzt bestimmt zu sprechen kommen, oder?

Genau! Der Ball soll schon bald in der Bundesliga wieder rollen, wie finden Sie das?

So richtig steige ich da schon gar nicht mehr durch, obwohl ich wirklich viel lese. Mal heißt es so, dann so.

Werder Bremen: Max Lorenz hofft wieder auf Bundesliga-Spiele

Jetzt soll wahrscheinlich Mitte Mai gestartet werden. Wäre es vertretbar, dass der Fußball beginnt, obwohl viele Schüler noch zu Hause bleiben müssen und zahlreiche Geschäfte weiter geschlossen haben?

Die Gesundheit der Menschen geht absolut vor und steht natürlich über dem Fußball. Aber ich kann nicht entscheiden, was wann Sinn macht. Das machen die Experten. Denen vertraue ich. Die haben es allerdings gerade sehr, sehr schwer.

Würden Sie sich wünschen, dass die Saison mit Geisterspielen fortgesetzt wird?

Ich würde mich vor allem riesig freuen, mal wieder unsere Spieler zu erleben. Die hat man ja völlig aus den Augen verloren. Ihr schreibt zwar jeden Tag ganz nett über die Jungs, aber ich möchte sie auch mal wieder spielen sehen.

Das würde allerdings nur am Fernsehen gehen.

Egal, ich würde auf meiner Couch mitfiebern. Ich kann dieses ganze Fernseh-Programm nicht mehr sehen, immer die gleiche Soße. Ich brauche mal wieder Fußball, es muss endlich losgehen (lacht).

Die Sache hat nur einen Haken: Dann müssten Sie wieder zittern, ob Ihr SV Werder in der Klasse bleibt.

Das stimmt leider. Aber ich vertraue da mal unserem Sportchef Frank Baumann. Er hat gesagt, dass wir die Qualität haben, da unten rauszukommen, also schaffen wir das auch. Obwohl es gewiss nicht einfach wird.

Die Legende des SV Werder Bremen und die Legende des HSV: Max Lorenz (l.) und Uwe Seeler sind gute Freunde und tauschen sich auch in der Coronavirus-Krise regelmäßig aus.

Werder Bremen: Legende Max Lorenz appelliert an die Fans

Es ist allerdings fraglich, ob in Bremen überhaupt gespielt werden kann. Möglicherweise werden Geisterspiele nicht genehmigt, weil nicht auszuschließen ist, dass sich Fans vor dem Stadion versammeln. Was halten Sie davon?

Das kann ich überhaupt nicht verstehen, da muss ich jetzt mal dazwischenhauen. Was soll das? Die Fans lieben doch unseren Verein – und wir brauchen jetzt diese Spiele und kein Theater. Was wäre unser Leben ohne Sport und Fußball? Das dürfen wir uns nicht kaputtmachen. Wenn gespielt werden darf, sollten das alle respektieren und das nicht gefährden. Da appelliere ich wirklich an alle Fans.

Die Verantwortlichen der Vereine betonen immer wieder, dass es ums Überleben der Clubs geht. Die Profis verdienen aber trotz eines Gehaltsverzichts immer noch sehr gut – passt das zusammen?

Das muss jeder für sich entscheiden. Aber wer mich kennt, der weiß: Ich würde jetzt auf mein Gehalt verzichten, um meinem Verein zu helfen. Wenn es einem gut geht, muss man auch etwas abgeben. Und die Fußballer sind gewiss nicht die Ärmsten. Damit meine ich nicht, dass sie zu viel Geld verdienen. Um Gottes willen, bitte nicht falsch verstehen. Das haben sich die heutigen Spieler alles verdient, es ist eben so viel Geld in dem Geschäft im Umlauf. Und so eine Karriere kann auch mal schnell vorbei sein. Aber das ist jetzt eine Ausnahmesituation. Ich denke, das wissen alle bei Werder. Wir haben da gute Leute, die entsprechend handeln werden.

Sie haben viele Freunde in der Fußball-Branche, mit wem haben Sie aktuell am meisten Kontakt?

Natürlich mit meinem sehr guten Freund Uwe Seeler. Wir telefonieren alle paar Tage. Uwe ist zwar eigentlich ganz gerne zu Hause, aber auch nicht wie jetzt jeden Tag. Ich habe ihn neulich gefragt: „Dicker, was machst du so?“ Und er meinte nur: „Hör’ bloß auf. Ich trinke den ganzen Tag nur Kaffee und esse Kuchen.“ (lacht) Uwe kann auch gar nicht unters Volk gehen, der müsste doch an jeder Ecke Autogramme schreiben. Und am Ende hat noch einer diese blöde Krankheit, daran will ich gar nicht denken. Wir hoffen doch, dass wir alle gesund bleiben. (kni)

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