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Immer gut drauf und einen lustigen Spruch auf den Lippen: Max Lorenz, Ex-Spieler von Werder Bremen, feiert am Montag seinen 80. Geburtstag. 

Ehemaliger Werder-Spieler über seine Karriere, Uwe Seeler und das Älterwerden

Max Lorenz im DeichStube-Interview: „Ich hatte eine geile Zeit“

Bremen – Als es ihm vor zehn Monaten nach seiner schweren Herz-Operation gar nicht gut ging, da half Max Lorenz vor allem ein Ziel: „Ich will unbedingt meinen 80. Geburtstag feiern – mit allen Freunden, ein richtig großes Fest.“ Der Traum wird am Montag wahr.

DerSV Werder Bremen organisiert für einen der wichtigsten Spieler in der Vereinsgeschichte einen Empfang im Weserstadion mit über 180 geladenen Gästen. Lorenz gehörte nicht nur zu legendären ersten Bremer Meisterelf (1965), sondern war auch danach ein Gesicht des Vereins – ein lachendes vor allem. Lorenz’ positive Art ist einfach ansteckend. So wird der Interview-Termin mit dem Ex-Profi zu einer unterhaltsamen Stunde, in der sich Max Lorenz aber auch nicht scheut, über eine dunkle Seite in seiner Karriere als Fußballer zu sprechen.

Max Lorenz, wie geht es Ihnen so kurz vor dem 80. Geburtstag?

Prima. Ich fühle mich wirklich gut. Manchmal vergesse ich zwar mal was, aber die Ärzte haben gesagt, das sei nach dieser schweren Herz-Operation normal und würde sich noch weiter bessern. Ich lag schließlich 21 Tage lang im Koma. Das war schon alles nicht so schön, aber jetzt bin ich ja wieder da.

Waren Sie am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf auf Ihrem Stammplatz im Weserstadion?

Nein, das ist mir mit so vielen Menschen noch etwas zu viel. Außerdem muss ich mich doch auf meine große Geburtstagsfeier am Montag vorbereiten. Ich bin Werder sehr, sehr dankbar, dass sie das für mich machen. Das ist eine große Ehre für mich. Dabei habe ich den Club doch mal verlassen – und das auch noch wegen Kohle. Da bin ich ganz ehrlich.

Werder Bremen: Bundesliga-Skandal von 1971 kostete Max Lorenz die Karriere

1969 war das, als Sie zu Eintracht Braunschweig gewechselt sind.

Mir ist das auch nicht leicht gefallen. Aber das Angebot konnte ich nicht ausschlagen. Dank Günter Mast und seinem Jägermeister haben wir Profis dort wirklich sehr gut verdient. Und wir hatten damals nicht so viel Geld wie die Spieler heute. Inzwischen ist das fast unanständig, was die Jungs kriegen. Ich würde es an ihrer Stelle aber auch nehmen (lacht).

In Braunschweig war Ihre Karriere abrupt beendet, Sie wurden im Zuge des großen Bundesliga-Skandals 1971 für zwei Jahre gesperrt. Schmerzt das noch immer?

Ein bisschen schon. Wir hätten das nicht machen dürfen, aber wir haben uns damals nichts dabei gedacht.

Ihnen und Ihren Teamkollegen wurde Geld geboten, um am letzten Spieltag Rot-Weiß Oberhausen zu besiegen, damit Bielefeld nicht absteigt.

Wir haben aber nur unentschieden gespielt. Trotzdem ist die Arminia drin geblieben. Ich habe mich dann von einem Streifenwagen vom Stadion zum Flughafen bringen lassen und dort den Mittelsmann überzeugt, uns allen trotzdem ein bisschen Urlaubsgeld zu geben. Das hat er auch gemacht, und die Polizisten haben mich nichts ahnend zurückgebracht. Wir kannten uns ja alle gut in Braunschweig.

Die Sache flog dann auf, weil Arminia Bielefeld eigene Spiele gekauft hatte und Kickers Offenbach deshalb abgestiegen ist.

Ich habe damals für unsere Geschichte die Verantwortung übernommen. Eineinhalb Jahre später wurde ich begnadigt, die Fußball-Karriere war trotzdem vorbei. Aber ich hatte großes Glück.

Warum?

Weil Adi Dassler, der Adidas-Gründer, zu mir gehalten hat. Wir kannten uns aus der Nationalmannschaft, die er ausgestattet hat. Trotz meiner Sperre hat er mich als Repräsentant zu Adidas geholt. Das war klasse. Da habe ich vor allem mit Uwe Seeler viel erlebt.

Werder Bremen: Max Lorenz und Uwe Seeler verbindet noch heute enge Freundschaft

Warum Uwe Seeler?

Wie haben gemeinsam für Adidas gearbeitet, sind zu den Sportgeschäften gefahren. Wir hatten jede Menge Spaß im Auto, aber wir waren auch erfolgreich. Der Uwe ist ein super Freund von mir, wir haben immer noch ganz viel Kontakt.

Aber Seeler hat doch beim großen Werder-Rivalen Hamburger SV gespielt.

Diese Nordderbys waren die schönsten Spiele, da ging es ordentlich zur Sache. Klar, der Fußball heute ist vielleicht athletischer, aber früher ging es viel mehr auf die Knochen. Auch Uwe war auf dem Platz manchmal ein Sauhund, aber ansonsten ein feiner Kerl.

Wären Sie eigentlich lieber heute Fußball-Profi als damals?

Nein. Ich hatte doch eine geile Zeit, bin als Hemelinger Junge bei Werder gelandet und war bei zwei Weltmeisterschaften. Ich weiß noch, wie alles anfing: Ich war 19 Jahre alt. Werder wollte mich, ich durfte aber noch keinen Vertrag unterschreiben, das ging damals erst mit 21. Mein Vater war nicht so begeistert, dass ich Fußballer werden wollte, hat auf Platt geschimpft. Es hat dann doch geklappt. Ich durfte mit unglaublichen Menschen wie zum Beispiel Willi Schröder oder Pico Schütz zusammenspielen. Wir sind 1961 Pokalsieger geworden, dann 1965 zum ersten Mal Deutscher Meister. Wir hatten so viel Spaß.

Damals durften sich die Spieler neben dem Platz auch noch mehr erlauben, oder?

Wir waren schon Profis und haben auch so gelebt. Also meistens. Montags oder dienstags gab es so eine Kneipe am Osterdeich, da sind wir gerne mal mit fünf sechs Spielern nach dem Training hin und haben uns ein paar Bierchen gegönnt. Samstags waren wir aber wieder fit (lacht).

Max Lorenz absolvierte in seiner Karriere 255 Partien für Werder Bremen, in denen er 21 Tore erzielte. 1965 gewann er mit den Grün-Weißen die Deutsche Meisterschaft.

Sie galten immer auch als Spaßvogel. Was haben Sie gemacht?

Den einen oder anderen Scherz hatte ich schon auf Lager. Das gehört doch dazu. So war ich immer, das mache ich noch heute. Ich bin wie ich bin.

Wie sieht ein Max-Lorenz-Tag heute aus?

Ich muss immer irgendetwas machen, sonst werde ich wirklich alt. Das geht ganz schnell, wenn man nur zu Hause sitzt. Also bin ich sehr viel unterwegs, kümmere mich zum Beispiel als Trainer um die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, freue mich über Einladungen zu Gesprächsrunden oder treffe mich mit Freunden.

Werden Sie auf der Straße noch angesprochen?

Täglich. Ich habe immer Autogrammkarten dabei, schnacke gerne mit den Menschen. Ich bekomme auch noch viele Briefe. Da schicken mir Leute manchmal Bilder von mir, die ich selbst nicht kenne. Das ist toll. Die schicke ich dann unterschrieben zurück. Es ist schön, dass ich nicht vergessen werde.

Machen Sie noch Sport?

Dazu bin ich viel zu faul. Mir wurde mal ein Ergometer geschenkt, der steht irgendwo bei mir in der Ecke. Ich fahre schon gerne Rad, aber nur ganz entspannt.

Werder Bremen: Max Lorenz von Verantwortlichen bei Werder begeistert

Wie gefällt Ihnen der aktuelle SV Werder Bremen?

Sehr gut. Wir haben mit Marco Bode und Frank Baumann wirklich zwei intelligente und sympathische Leute an der Spitze. Hubertus Hess-Grunewald war ja als Präsident am Anfang etwas umstritten. Ich finde aber, er macht das richtig gut. Klaus Filbry als Geschäftsführer übrigens auch. Ihn kenne ich noch von Adidas.

Und was halten Sie von Florian Kohfeldt?

Sehr viel. Was er sagt, hat immer Hand und Fuß. Die Mannschaft spielt unter ihm wieder tollen Fußball und ist erfolgreich. Leider habe ich ihn noch nicht persönlich kennengelernt. Ich hoffe, das kommt bald.

Was trauen Sie Werder in dieser Saison zu?

Einiges. Ich habe den Eindruck, dass es eine echte Mannschaft ist, die zusammen hält. So waren wir damals auch erfolgreich. Max Kruse meinte ja, woanders glücklicher zu werden. Aber wir haben ja Yuya Osako, der ist eleganter, schneller und schlanker als Max (lacht). Ich glaube, es wird auch ohne Max gehen. Ich bin jedenfalls optimistisch.

Was machen Sie, wenn der große Rummel nach dem 80. Geburtstag vorbei ist?

Urlaub (lacht). Ich fahre erst ein paar Tage an die Ostsee und dann treffe ich mich mit Uwe Seeler. Das wird wie immer richtig gut. 

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