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Im bevorzugten 4-3-3-System von Florian Kohfeldt bekleiden Eggestein und Klaassen die beiden Achterpositionen und geben somit den Takt vor.

Wie Maxi Eggestein und Davy Klaassen für Balance in Werders Spiel sorgen

Strategen in der Schaltzentrale

Bremen – Es war ein Geniestreich, ein Tor, das so eigentlich gar nicht fallen kann, aber dennoch gefallen ist – und Werder-Trainer Florian Kohfeldt auch zwei Tage später noch schwärmen ließ. „Es war perfekt gemacht, weil es die pure Absicht war, weil er es genau so machen wollte“, sagt der 36-Jährige und meint damit Davy Klaassens enorm cleveren Treffer zum 2:0-Endstand im Pokalspiel auf Schalke.

Ein Tor, das allein ob seiner Schönheit viel Aufmerksamkeit bekam, aber noch aus einem anderen Grund: Weil Klaassen im Werder-Trikot eben noch nicht viele Momente dieser Art geliefert hat. Vor dem Auswärtsspiel in Gladbach (Sonntag, 18.00 Uhr) hat Kohfeldt nun erklärt, warum das für ihn überhaupt kein Problem ist – und was Maximilian Eggestein damit zu tun hat.

Im bevorzugten 4-3-3-System des Trainers bekleiden Klaassen und Eggestein die beiden Achterpositionen, agieren also im Zentrum und geben somit den Takt vor. Uneigennützig, wie Kohfeldt betont: „Sie haben gemeinsam, dass sie nicht immer selbst im kompletten Fokus stehen, weil es ihr erstes Bestreben ist, nicht selber zu glänzen, sondern die Mannschaft glänzen zu lassen.“ 

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Eggestein und Klaassen wirken so, als würden sie seit vielen Jahren auf dem Platz stehen

Schuften fürs Kollektiv, für den Erfolg aller – das verkörpern Werders Achter in erster Linie, und das können sie derzeit nur auf einem so hohen Level tun, weil ihr Zusammenspiel untereinander beachtlich gut funktioniert. Anders ausgedrückt: Eggestein und Klaassen wirken so, als würden sie seit vielen Jahren und nicht erst seit Sommer 2018 nebeneinander auf dem Platz stehen.

Kohfeldt weiß das natürlich – und er weiß es zu schätzen, fordert es von dem Duo aber auch immer wieder ein. „Ich erwarte, dass sie die Balance im Spiel halten, dass sie nicht blind nachgehen, sondern darauf achten, wo der Partner und wie die Absicherung im Gegenpressing ist“, erklärt der Coach – und hebt hervor: „Wenn sie das nicht machen, passieren uns in der Regel schlechte Dinge.“ Klaassen und Eggestein müssen sich während eines Spiels deswegen immer wieder abstimmen, ein Gleichgewicht herstellen, damit nicht plötzlich beide zu offensiv denken oder nur auf Absicherung setzen.

Immer wieder richten sich die Achter aneinander aus, mal im kurzen Gespräch, meist genügt aber ein Blick. Und dann machen sie Meter, sogar deutlich mehr als die meisten ihrer Kollegen in der gesamten Liga. Während Eggestein mit 324,44 Kilometern nach 27 Spieltagen hinter Joshua Kimmich (FC Bayern/324,90) Platz zwei im Laufleistungsranking belegt, rangiert Klaassen (313,35) hinter seinem Teamkollegen Ludwig Augustinsson (320,15) auf Rang vier.

Auch mit einer anderen Zahl können Werders Achter überzeugen: Insgesamt 16 Scorerpunkte hat das Duo in der Bundesliga bisher gemeinsam auf dem Konto. Bei allem Einsatz für die Mannschaft können sie also durchaus auch selbst Glanzpunkte setzen. Wie Klaassen jüngst im Pokal auf Schalke. Oder wie Eggestein, der zuletzt im Januar beim 2:2 gegen Frankfurt traf und im März in den Ligaspielen gegen Wolfsburg (1:1), Schalke (4:2) und Leverkusen (3:1) jeweils als Vorlagengeber auffiel. 

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Torgefährliche Achter für Werder „eine große Waffe“

„Es ist für uns eine große Waffe, dass wir zwei Achter haben, die sehr torgefährlich werden können“, weiß Kohfeldt, der deshalb sehr gut damit leben kann, dass Rekordtransfer Klaassen (kam für 13,5 Millionen Euro aus Everton) nicht der Mittelfeld-Torjäger ist, als den ihn viele erwartet hatten. Zumindest noch nicht.

„Ich glaube schon, dass man von ihm in Zukunft noch mehr solcher Aktionen wie gegen Schalke erwarten kann“, sagt Kohfeldt – und, womit wir wieder beim Thema Fokus angekommen wären: „Auf Dauer wird Davy den Fokus bekommen, den er verdient, weil er für uns eine ganz tragende Säule ist.“

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