Maximilian Eggestein von Werder Bremen stellte sich im Interview den Fragen von DeichStube-Reporter Daniel Cottäus.
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Maximilian Eggestein von Werder Bremen stellte sich im Interview den Fragen von DeichStube-Reporter Daniel Cottäus.

Profi über Erwartungen, Kritik und Transfers

Maximilian Eggestein im DeichStube-Interview: „Ich wurde zu extrem bewertet“

Bremen – Er sollte Werder Bremen als Leistungsträger in Richtung Europa führen, aber wie die gesamte Bremer Mannschaft läuft auch Maximilian Eggestein den eigenen Ansprüchen bisher hinterher.

Im Interview mit der DeichStube hat der 23-jährige Maximilian Eggestein erklärt, warum er seine Leistungen zum Teil ungerecht bewertet findet, wie er mittlerweile auf die nicht abreißenden Verletzungsmeldungen reagiert und wie es sich anfühlt, ohne Trainer auf dem Trainingsplatz zu stehen.

Das Spiel in Düsseldorf gewonnen, doch kurz vor Schluss Kevin Vogt und Niklas Moisander verloren. Herr Eggestein, glauben Sie eigentlich noch daran, dass bei Werder in dieser Saison mal irgendetwas reibungslos klappt?

Ja, denn wir dürfen auf keinen Fall in die Situation kommen, in der wir uns sagen: Es läuft ja sowieso alles gegen uns. In Selbstmitleid zu verfallen, hilft nicht weiter. Wir wissen natürlich, dass noch einiges auf uns zukommen wird. Aber gerade dann müssen wir diesen Dingen trotzen, und das haben wir in Düsseldorf getan. Wir haben das Spiel ja gewonnen. Wenn wir richtig mit den Rückschlägen umgehen, schweißen sie uns nur noch enger zusammen.

Besagte Rückschläge ziehen sich schon durch die komplette Saison. Der aktuellste Fall ist die abermalige Verletzung von Ludwig Augustinsson. Wie reagieren Sie inzwischen auf solche Nachrichten?

Manchmal habe ich ein bitteres Schmunzeln auf den Lippen, weil ich denke: Das kann doch nicht schon wieder sein! Für Ludde ist es einfach bitter, dass es ihn wieder erwischt hat, auch wenn es jetzt nichts Dramatisches ist. Am Ende müssen wir es einfach so annehmen.

Medial, aber auch vereinsintern, gibt es längst ein großes Rätselraten, weil die Häufung von Muskelverletzungen bei Werder kaum noch zu erklären ist. Wie sehr verunsichert Sie als Profi so ein Thema?

Natürlich beschäftigt uns das alle, weil es schon viele Verletzungen in dieser Saison sind. Bei mir ist es aber nicht so, dass ich zum Training komme und Sorge habe, dass ich mich verletzen könnte. Ich versuche, so gut es geht, auf mich zu achten, genügend zu schlafen, gut zu essen und solche Sachen. Ich habe auch das Gefühl, dass sich der Verein sehr stark mit dem Thema auseinandersetzt und versucht, Lösungen zu finden. Ich bin zwar kein Experte in diesem Bereich, fühle mich aber gut vorbereitet und habe keine Angst.

Ihr Vertrauen in die medizinische Abteilung des Vereins ist also nach wie vor groß?

Ja. Ich sehe, wie intensiv sich die Leute hier mit der Sache auseinandersetzen. Deswegen glaube ich daran, dass wir entsprechende Lösungen finden werden.

Sportlich ist der Start in die Rückrunde mit dem 1:0 in Düsseldorf geglückt. Wie ist es, nach langer Zeit mal wieder mit einem Sieg im Rücken in die Trainingswoche zu starten?

Gut! Wir haben dieses Gefühl sehr lange nicht mehr gehabt und hatten es bitter nötig. Allen ist die Erleichterung anzumerken. Trotzdem wissen wir, dass es nur ein Sieg war und dass es jetzt weitergehen muss. Jetzt haben wir ein Heimspiel gegen Hoffenheim, dann geht es in den kommenden Wochen gegen Augsburg und Union Berlin, also gegen Mannschaften, die auch unten mit drin stehen. Das sind Spiele, in denen wir punkten müssen.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein möchte Abstiegsfinale wie gegen Frankfurt „nicht nochmal erleben“

Siege in den Duellen gegen direkte Rivalen im Abstiegskampf könnten die Lage relativ schnell entspannen. Trauen Sie ihrer Mannschaft zu, sich schnell aus dem Tabellenkeller zu befreien?

Wir haben alle die Hoffnung, dass es so kommt. Ich habe das Abstiegsfinale damals gegen Frankfurt mitgemacht und möchte so etwas nicht nochmal erleben. Dafür tun wir alles. Wir sind aber auch darauf eingestellt, dass es wieder bis zum Ende gehen kann. Im Abstiegskampf passieren manchmal Sachen, mit denen man nicht rechnen kann. Das haben wir gerade erst in der Nachspielzeit in Düsseldorf gesehen.

In den sozialen Medien stellen einige Werder-Fans inzwischen alles infrage, der Ton der Kritik ist – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich rau geworden. Wie gehen Sie damit um?

Ich bekomme das natürlich an der einen oder anderen Stelle mit, halte es aber so, dass ich diese Kommentare nicht lese. Natürlich kann man Kritik äußern, auch an einzelnen Spielern. Das gehört dazu. Wir wissen ja auch, dass wir eine schlechte Hinrunde gespielt haben. Ich würde mir aber wünschen, dass auch die Kritiker alles Mögliche versuchen, um uns in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Diese Unterstützung spüre ich zum Beispiel bei uns im Stadion, und das ist für mich das Wichtigste.

Welche Aussage trifft in Ihren Augen eher zu? 1) Werder ist eigentlich besser, als es der Tabellenplatz aussagt, nur eben unten reingerutscht. Oder 2) In diesem Jahr gehört die Mannschaft einfach zu den fünf schwächsten Teams der Liga.

Vom Kader her haben wir meiner Meinung nach die stärkste Mannschaft, die es hier in den letzten Jahren gab. Es gehören aber auch noch andere Faktoren dazu als das Leistungsvermögen der Einzelspieler. Wir hatten in der Hinrunde Spiele, die wirklich in Ordnung waren. Ich denke da an das 2:2 in Dortmund oder das 2:2 in Frankfurt. Zum Jahresende sind wir aber brutal eingebrochen, was uns bis heute nachhängt.

Zu den verheißungsvollen Einzelspielern zählen Sie selbst auch. Mit welchem Adjektiv würden Sie ihre Hinrunde beschreiben?

(überlegt lange) Wirklich nur ein Wort? Dann sage ich: verbesserungswürdig.

An welche Punkte denken Sie da?

Ich habe in der Winterpause ein, zwei gefunden, werde das aber weiterhin mit mir selber ausmachen. Öffentlich darüber zu sprechen, ist immer schwierig, weil es einem in zwei, drei Monaten wieder um die Ohren fliegen kann.

Nach der starken Vorsaison sind Sie mit einem ganzen Rucksack voll mit öffentlicher Erwartung in die laufende Serie gestartet. Wie schwer ist es, gute Leistungen zu bestätigen?

Ich bin mit meiner Hinrunde natürlich auch nicht zufrieden, aber finde, dass meine Leistungen teilweise zu extrem bewertet wurden. Das ging schon im Sommer bei der U21-EM los. Da hieß es: Der Eggestein wirkt ja nicht mehr so frisch. Dabei habe ich eine ganz andere Position gespielt. Der Faktor floss in die Bewertung aber gar nicht mit ein. Man muss schon das große Ganze sehen.

Maximilian Eggestein weiß, dass die Hinrunde bei Werder Bremen auch für ihn persönlich nicht gut gelaufen ist. Für die zweite Saisonhälfte hat er sich viel vorgenommen.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein befürwortet weitere Transfers

Empfinden Sie die gewachsenen Erwartungen als Last?

Ich nehme sie auf jeden Fall wahr. Als Last würde ich sie aber nicht bezeichnen, weil es ja auch mein eigener Anspruch ist, die letzte Saison zu bestätigen. Ich möchte in der Rückrunde wieder besser spielen und habe auch kein Problem damit, das von mir selbst einzufordern.

In Düsseldorf wirkte Ihre Mannschaft defensiv stabiler als zuletzt. Dafür ging im Spiel nach vorne nicht allzu viel. Ist das das neue Werder-Gesicht?

Unser Plan ist auf jeden Fall, dass wir defensiv besser stehen wollen, als es in der Hinrunde der Fall war. Und wenn man auf eine Sache, die man vorher nicht so gut gemacht hat, mehr Wert legt, verliert man vielleicht an anderer Stelle ein bisschen. In der Hinrunde sind wir ein, zwei Mal ins offene Messer gelaufen. Das wollen wir jetzt vermeiden. An unserer Grundherangehensweise wollen wir aber nichts ändern. Wir wollen immer noch nach vorne spielen.

Sportchef Frank Baumann sucht derzeit nach einem neuen Angreifer. Wie dringend braucht die Mannschaft Verstärkung für die Offensive?

Spieler, die uns weiterhelfen, sind immer willkommen. Uns fehlt in Niclas Füllkrug jemand, der vorne einfach ein anderes Element reinbringt. Wenn ein Spieler auf dem Markt ist, der hilft und den wir bekommen können – warum nicht?

Ein Angreifer, der schon da ist, spielt nicht: Ihr Bruder Johannes, der seine Unzufriedenheit darüber schon geäußert hat. Wie bewerten Sie seine Lage?

Er hat das selber schon richtig gesagt und hat betont, dass er trotzdem weitermachen und nicht den Kopf hängen lassen wird. Seine Zeit wird wieder kommen.

Kommen wir zum Abschluss nochmal kurz aufs Thema Rückschläge und Widerstände. Was haben Sie gedacht, als Sie von der Verletzung Ihres Trainers gehört haben?

Er musste ja selber darüber lachen, auch wenn die Geschichte als solche natürlich nicht schön ist. Sie steht einfach beispielhaft für das ganze Thema.

Wegen einer Entzündung im Fuß fehlt Florian Kohfeldt seit einer Woche im Training. Wie laufen die Einheiten ohne ihn ab?

Unsere Co-Trainer fangen das echt super auf, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Analysen. Klar hat ein Cheftrainer nochmal eine ganz andere Autorität, das ist ja normal. Aber auch ohne ihn läuft es normal weiter und keiner glaubt, dass er jetzt plötzlich aus der Reihe tanzen kann. (dco)

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