Maximilian Eggestein trifft erstmals in seiner Karriere auf Werder Bremen - im DeichStube-Interview spricht der SC Freiburg-Star unter anderem über seinen Ex-Club.
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Maximilian Eggestein trifft erstmals in seiner Karriere auf Werder Bremen - im DeichStube-Interview spricht der SC Freiburg-Star unter anderem über seinen Ex-Club.

Ex-Werder-Profi im DeichStube-Gespräch

„Boah, das ist echt gemein“: Freiburgs Maxi Eggestein im DeichStube-Interview vor seinem ersten Duell mit Werder

Freiburg – Er galt mal als der künftige Kapitän des SV Werder Bremen, doch der Abstieg beendete 2021 das Fußball-Märchen des Maximilian Eggestein an der Weser. Der Mittelfeldspieler wechselte zum SC Freiburg – nach zehn Jahren in Bremen.

Als 14-Jähriger war er aus Hannover ins Werder-Internat gezogen. Genauso wie kurz darauf auch sein Bruder Johannes (jetzt FC St. Pauli). Beide wurden in Bremen Profis. 156 Mal spielte Maximilian Eggestein für Werder Bremen in der Bundesliga. Er war ein Musterprofi, der in Liga eins bleiben wollte – und Werder brauchte seine Ablösesumme (fünf Millionen Euro plus Bonuszahlungen), um zu überleben. Eine Win-Win-Situation, denn Eggestein wurde beim SC Freiburg schnell zu einer festen Größe, spielt in dieser Saison in der Europa League. Im Interview mit der DeichStube spricht der 25-Jährige über sein erstes Duell mit Werder am Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) und hat bei den drei fiesen Fragen zum Schluss jede Menge Spaß.

Viele Werder-Fans nutzen das Spiel in Freiburg auch zu einem Kurzurlaub in der Region. Was würden Sie denen als Ex-Bremer und Neu-Freiburger als Ausflugstipps geben?

Da gibt es viele Dinge. Man kann sehr gut ins Umland gehen – zum Beispiel ins Schauinsland, also in die Berge rein. In der Altstadt von Freiburg ist es auch sehr schön, da bin ich sehr gerne. Direkt bei mir um die Ecke gibt es ein, zwei schönes Cafés – mit einem schönen Ausblick auf das Umland. Mit den Bergen haben wir es in Norddeutschland ja nicht so.

Wie gut schwätzen Sie schon Alemannisch?

(lacht) Ein paar Wörter kann ich tatsächlich, aber noch habe ich mir mein Hochdeutsch beibehalten.

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein über Freiburg-Trainer Christian Streich: „Komme mit seinem Dialekt ganz gut klar“

Gab es schon viele Momente, in denen Sie Ihren Trainer Christian Streich nicht so gut verstanden haben?

Zum Glück noch keinen. Ich komme mit seinem Dialekt eigentlich ganz gut klar.

Bei Werder war der junge, fast immer gut gelaunte Florian Kohfeldt Ihr Trainer, in Freiburg haben Sie in Christian Streich nun einen etwas älteren, eher kauzigen Coach – wie groß war die Umstellung?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Das ist wirklich eine gute Frage. Von der Spielidee und der Herangehensweise ähneln sich die beiden, deswegen sehe ich da gar nicht so einen großen Unterschied für mich als Spieler.

Hat Ihnen das einfacher gemacht, in Freiburg schnell Fuß zu fassen, was nicht allen Neuzugängen vergönnt ist?

Ja, absolut! Auch die Vereine ähneln sich sehr. Beide sind familiär, vertreten klare Werte und haben die gleiche Fußball-Idee.

Maximilian Eggestein über den SC Freiburg und Werder Bremen: „Die Vereine ähneln sich sehr - beide sind familiär“

Welche?

An erster Stelle steht bei uns immer die Kompaktheit – und zwar in beide Richtungen. Wir wollen immer die Grundtugenden auf den Platz bringen und dabei immer besser sein als die Gegner. Und dann wollen wir mit dem Ball Lösungen finden. Auch Standards sind sehr wichtig. Da sind wir extrem gut und holen uns darüber viele Punkte.

Wie hat sich Ihre Rolle auf dem Platz im Vergleich zu Werder verändert?

In Bremen war ich erst Achter, dann oft alleiniger Sechser. Wir haben selten mit einer klaren Doppel-Sechs gespielt, das machen wir hier fast immer. Die Rolle passt sehr gut zu mir, ich fühle mich da wohl.

Sie galten als einer der Lieblingsspieler von Florian Kohfeldt, wie ist Ihr Kontakt heute zu ihm?

Ich habe ihn gerade erst noch gesehen, beim Abschiedsspiel von Claudio Pizarro. Er brennt darauf, wieder einen neuen Job, eine neue Herausforderung zu finden. Ich hoffe für ihn, dass das klappt.

Bei Ihrem Bundesliga-Debüt 2014 hieß Ihr Trainer allerdings Viktor Skripnik, der inzwischen in seiner ukrainischen Heimat als Coach des Erstligisten Vorskla Poltava arbeitet – mitten im Krieg. Verfolgen Sie das?

Natürlich! Ich habe zwar keinen direkten Kontakt zu Viktor, habe mich aber informiert – auch schon zu Beginn des Krieges, als unklar war, wie es ihm geht.

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein: „Ich bin habe viel von Viktor Skripnik mitgenommen“

Bleibt ein Debüt-Trainer immer ein besonderer für einen Profi?

Für mich schon! Ich bin Viktor nicht nur dankbar, dass er mir mein Bundesliga-Debüt ermöglicht hat. Er war schon in der U17 zwei Jahre lang mein Trainer und dann auch noch ein Jahr in der U23. Ich habe viel von ihm mitgenommen. Wie er über den Fußball denkt, das ähnelt mir sehr. Er hat mir viele Tipps gegeben. Die menschliche Seite war bei ihm sehr ausgeprägt. Das war eine extrem schöne Zeit mit ihm.

Früher hat Werder die großen Clubs in Deutschland und Europa geärgert, jetzt macht es der SC Freiburg. Wie gelingt das?

Durch kontinuierlich gute Arbeit. Hier wird versucht, Schritt für Schritt zu gehen – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Hier wird nicht der dritte vor dem zweiten Schritt gemacht. Man sieht, dass dieser Verein sehr gesund gewachsen ist und wirtschaftlich gut dasteht. Der sportliche Erfolg ist das Resultat davon. Es spricht einfach für sich, dass die Verantwortlichen inklusive Trainer hier schon sehr lange zusammenarbeiten.

In Freiburg soll noch mehr Ruhe herrschen als an anderen Bundesliga-Standorten, sogar als in Bremen – stimmt das?

Am Ende meiner Zeit in Bremen war schon viel Unruhe im Verein, was nach dem Abstieg nicht überrascht. Hier wird sehr auf Ruhe geachtet. Im sportlichen Erfolg ist das aber sicher auch etwas einfacher.

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein über Europa League-Auftritte mit dem SC Freiburg: „Das sind tolle Erlebnisse“

Wie stecken Sie die Doppelbelastung mit den Spielen in der Europa League weg?

Wir haben wirklich fast nur Englische Wochen, da wird schon ein bisschen rotiert. Da kommt uns unser guter Kader entgegen. Es ist schon eine andere Belastung, da achtest du noch einen Tick mehr auf Schlaf und Regeneration. Aber viel wichtiger ist, dass es unheimlich viel Spaß macht, international zu spielen. Das sind tolle Erlebnisse!

In der Liga gab es gegen die Bayern mit dem 0:5 einen herben Dämpfer. Bleibt der Sportclub trotzdem oben dabei?

Ja klar! Wir wollen schon da anknüpfen, wo wir vor Bayern waren, und zeigen, dass das ein Ausrutscher war. Durch die extreme Belastung wird es in den nächsten Wochen sicher nicht einfacher. Wir müssen versuchen, auch am Ende einer Woche noch diesen einen Schritt mehr zu machen als der Gegner. Das ist uns gegen Bayern nicht gelungen. Wir waren nicht richtig da. Das müssen wir ändern. Denn es kann schnell auch in die andere Richtung gehen, das wissen wir.

Werder stand auch sehr weit oben, musste dann gegen Mainz auch einen Rückschlag einstecken. Wie stark schätzen Sie Ihren Ex-Club ein?

Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass Werder eine sehr solide Saison spielen kann. Das haben sie auch gezeigt. Werder macht es wirklich gut. Man sieht eine klare Spielidee, mit dem Ball sind sie sehr mutig – gerade für einen Aufsteiger.

Sie haben bis zu Ihrem Wechsel im August 2021 noch drei Mal für Werder in der 2. Liga gespielt und sogar ein Tor erzielt. Wie groß ist Ihr Anteil am Aufstieg?

(lacht) Den würde ich nicht als besonders hoch einschätzen. Das war damals alles ziemlich chaotisch, man wusste nicht genau, wie es weitergeht und wer am nächsten Tag noch da ist.

SC-Freiburg-Star Maximilian Eggestein über den Bundesliga-Aufstieg von Werder Bremen: „Habe mich für die Jungs gefreut“

Als Sie dann im Mai 2022 die Aufstiegsfeier gesehen haben, dachten Sie da nicht: „Mensch, auf dem Truck wäre ich jetzt auch gerne dabei“?

Nein, ich habe mich einfach für die Jungs gefreut. Ich hatte die ganze Saison zu vielen Spielern noch Kontakt. Da habe ich mitbekommen, wie sie in der Saison gelitten haben. Dass sie dann am letzten Spieltag im eigenen Stadion aufgestiegen sind, etwas Schöneres konnte es doch gar nicht geben.

Sie waren zehn Jahre bei Werder, was bedeutet Ihnen der Club?

Es ist schwierig, das in wenigen Worten zu beschreiben. Ich bin mit 14 zu diesem Verein gekommen und habe dort wirklich alles erlebt – Höhen und Tiefen. Deswegen werde ich immer eine große Verbundenheit zu Werder haben.

So seht Ihr das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem SC Freiburg live im TV und im Livestream!

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein hat noch Kontakt zu Marco Friedl, Christian Groß, Ilia Gruev und Leo Bittencourt

Zu wem haben Sie noch Kontakt?

Mit Marco Friedl am meisten, aber auch mit Christian Groß, Ilia Gruev oder Leonardo Bittencourt.

Haben Sie überhaupt mal gegen Werder gespielt? In der frühen Jugend vielleicht mal?

Ich glaube nicht. Mit dem TSV Havelse war ich mal auf einem Turnier, bei dem auch Werder war. Aber wir haben nicht gegeneinander gespielt.

Zum Schluss noch drei etwas gemeine Fragen, okay?

Sorry, ich muss jetzt los (lacht).

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein: Niclas Füllkrug hätte eine WM-Nominierung „auf jeden Fall“ verdient

Nummer eins: Wenn Sie Bundestrainer wären, würden Sie dann Ihren Teamkollegen Nils Petersen oder Niclas Füllkrug als echten Mittelstürmer mit zur WM nehmen?

Boah, das ist echt gemein: Beide natürlich!

Das geht nicht!

Ich habe es geahnt. Aber dann kann ich die Frage nicht beantworten, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

Hätte es Füllkrug denn verdient?

Auf jeden Fall, ich würde mich auch für ihn freuen. Er hängt sich immer voll rein, trifft, bereitet Tore vor. Solche Typen wie ihn und Nils gibt es im deutschen Fußball nicht mehr so viele.

Ex-Werder-Bremen-Profi Maximilian Eggestein über DeichStuben-Kolumnist Nils Petersen: „Wir flachsen gerne über seine Kolumne“

Nummer zwei: Hat sich Nils Petersen als Ex-Bremer und vor allem auch als DeichStuben-Kolumnist ordentlich um Sie gekümmert?

Ja, absolut. Auch wenn ich ihm gerne einen reindrücken würde, da kann ich nichts Negatives sagen. Aber vielleicht könnte ich ja seine Kolumne übernehmen (lacht). Nein, nein, wir flachsen nur gerne über seine Kolumne. Wir kannten uns noch ein bisschen aus unserer Bremer Zeit, damals war ich allerdings noch ein bisschen jung. Das passt jetzt echt gut. Gemeinsam mit unserem Co-Trainer Florian Bruns sind wir eine kleine Bremer Gruppe.

Nummer drei: Was machen Sie, wenn Ihnen ausgerechnet gegen Werder Ihr erstes Saisontor gelingt?

Dann werde ich mich zurückhalten, das habe ich für mich schon so festgelegt. Das gehört sich einfach so. Es wäre für mich auch unpassend. Natürlich würde ich mich über mein Tor freuen, alles andere wäre gelogen. Aber große Jubelstürme wird es von mir nicht geben. (kni) So dürfte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen den SC Freiburg aussehen!

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