Florian Kohfeldt wünscht sich eine andere Körpersprache

Maxi Eggestein soll bei Werder Bremen bleiben, aber geht das auch?

Bremen – Es ist kein Geheimnis, dass der SV Werder Bremen im Sommer Spieler verkaufen muss. Die Transfereinnahmen werden dringend benötigt, um das Finanzloch zu stopfen, das vor allem durch die Corona-Pandemie entstanden ist. Milot Rashica gilt als Verkaufskandidat Nummer eins, weil der Stürmer schon vor einem Jahr weg wollte. Außerdem ist er laut „transfermarkt.de“ mit zwölf Millionen Euro der wertvollste Spieler im Werder-Kader. Direkt dahinter folgt Maximilian Eggestein mit elf Millionen. Geld das Werder gut gebrauchen könnte, aber offenbar nicht mit Eggestein einnehmen will. Der 24-Jährige soll als Säule des Mittelfelds bleiben. Aber will er das auch?

„Das wird man sehen. Ich habe mir noch keine Gedanken über die neue Saison gemacht“, sagte Maximilian Eggestein unlängst im Podcast „Die NDR 2 Bundesligashow“. Sportchef Frank Baumann hat dagegen schon eine klare Meinung, wie es mit Eggestein weitergehen soll. Als Leistungsträger gehöre der Mittelfeldmann zu den Spielern, „die wir natürlich sehr, sehr ungern verlieren würden“, erklärte Baumann auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg und wurde dann noch deutlicher: „Ich würde mich sehr freuen, wenn Maxi auch nächste Saison noch bei uns spielen würde.“ Auf den sonst üblichen Hinweis, dass kein Werder-Profi unverkäuflich sei, verzichtete der Sportchef. Ob bewusst oder unbewusst, blieb offen.

Eggestein ist in jedem Fall eine besondere Personalie bei Werder Bremen. Er trägt schon seit fast zehn Jahren Grün-Weiß. Und sein Vertrag läuft im Gegensatz zu Verkaufskandidaten wie Milot Rashica, Jiri Pavlenka oder auch Ludwig Augustinsson nicht in einem Jahr aus, sondern erst 2023. Es besteht also kein Druck, dass der Spieler den Club in einem Jahr ablösefrei verlassen könnte und deshalb in diesem Sommer ein Transfer erfolgen muss, um Kasse zu machen.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein steht beim Trainer hoch im Kurs - aber es gibt auch kritische Töne

Außerdem ist der Zeitpunkt für einen Verkauf von Maximilian Eggestein alles andere als günstig. Vor zwei Jahren lag sein Marktwert noch bei 30 Millionen Euro. Bundestrainer Joachim Löw hatte ihn zur Nationalmannschaft geholt. Auch ohne Einsatz galt Eggestein danach als deutscher Hoffnungsträger im Mittelfeld. Sogar Borussia Dortmund soll an einer Verpflichtung interessiert gewesen sein. Doch Eggestein blieb in Bremen und erlebte mit Werder eine Katastrophen-Saison, die er auch für sich persönlich gar nicht schönreden will: „In meiner persönlichen Entwicklung war das sicher eine Delle.“

Bei Trainer Florian Kohfeldt stand und steht Eggestein aber weiterhin hoch im Kurs, verpasste bis zu seiner Auswechslung am vergangenen Samstag gegen den FC Bayern München keine Minute – weder in der Bundesliga noch im Pokal. Gefeiert wird er dafür in der Öffentlichkeit allerdings nicht, im Gegenteil: Es gibt viele kritische Töne und nicht selten schlechte Noten – auch in der DeichStube. Eggestein drücke dem Spiel zu selten seinen Stempel auf, so der Vorwurf. Er schwimme mehr mit als voran, passe sich dem Niveau zu schnell an, anstatt es selbst zu heben. Nach 148 Bundesliga-Spielen wird mehr von ihm erwartet.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein wird nicht genug gewürdigt, findet Florian Kohfeldt

Genau darin sieht Kohfeldt auch das Problem. „Der gleiche Spieler mit den gleichen Leistungen, der aber vor der Saison verpflichtet worden wäre, würde ganz viele positive Bewertungen bekommen“, behauptet der Coach. Er habe unlängst mit seinem Freiburger Kollegen Christian Streich genau über dieses Thema gesprochen. Beim Sportclub heißt der Maximilian Eggestein übrigens Nicolas Höfler. „Wir waren uns einig, dass gerade solche Spielertypen, die schon sehr lange in einem Verein sind, manchmal kritischer gesehen oder ihre Leistungen nicht mehr so gewürdigt werden“, berichtet Kohfeldt.

Dabei würde sich zum Beispiel ein Maximilian Eggestein immer in den Dienst der Mannschaft stellen, nie klagen, wenn er nicht auf seiner besten Position zum Einsatz kommt, und auch konstant abliefern. „Er spielt nur selten unter einem gewissen Niveau“, betont Kohfeldt und verweist zugleich darauf, dass Eggestein in dieser Bundesliga-Saison auch zwei Treffer erzielt und vier vorbereitet hat. Zum Vergleich: In seiner Topsaison 2018/19 brachte es der Mittelfeldspieler auf fünf Tore und fünf Assists.

Werder Bremen: Maximilian Eggestein soll auch mal forscher auftreten und „sagen, dass er gut ist“

Neun Spiele hat Eggestein nun noch Zeit, an diese Werte heranzukommen. Helfen könnten dabei auch mal ganz besondere Spiele. „Er hat in dieser Saison noch nicht diese Über-Ausreißer nach oben gehabt“, merkt Kohfeldt an. Der Coach nimmt einen seiner wichtigsten Spieler, der immerhin auch dritter Kapitän ist, nicht nur in Schutz, sondern auch in die Pflicht, fordert den nächsten Schritt: „Maxi ist einer, der braucht nicht die großen Lorbeeren von außen. Aber er kann ruhig mal aufzeigen – sowohl im Pressegespräch als auch über seine Körpersprache, dass er ein absoluter Führungsspieler bei Werder ist. Er kann auch mal sagen, dass er gut ist.“

Interessant wird auch, was andere Clubs sagen. Vor einem Jahr wurde Maximilian Eggestein schon mal mit dem nächsten Gegner, dem VfL Wolfsburg, in Verbindung gebracht. Auch aktuell soll es Interessenten aus dem In- und Ausland geben, aber nichts Konkretes. Es sieht danach aus, als sollte Eggestein mindestens noch ein Jahr bleiben. Er könnte sogar der neue Kapitän werden, denn Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie verlassen den Club. Die Frage ist nur: Will Eggestein das – und kann sich Werder Bremen das auch leisten? (kni) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg live im TV und im Live-Stream - und das ist die mögliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg am 26. Spieltag.

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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