Das Heft „Mehr als ein Spiel“ von Oliver Wurm erinnert an die magische Nacht von Werder Bremen gegen Dynamo Berlin.
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Das Heft „Mehr als ein Spiel“ von Oliver Wurm erinnert an die magische Nacht von Werder Bremen gegen Dynamo Berlin.

Heftreihe von Oliver Wurm

Magazin „Mehr als ein Spiel“ erinnert an Werders magische Nacht gegen Dynamo Berlin 

Bremen – Fünf, vielleicht auch sechs kleine Schritte Anlauf, so lässt es sich heute, 32 Jahre danach, mit etwas Mühe an den alten Fernsehbildern abzählen – und Günter Hermann lieferte den unumstößlichen Beweis dafür, dass an diesem Abend, 11. Oktober 1988, einfach alles für Werder Bremen möglich war.

Aus etwa 20 Metern Torentfernung hatte der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen in der 55. Minute volley das 2:0 gegen den BFC Dynamo Berlin erzielt, ein Tor wie ein Donnerschlag, das seine Mannschaft endgültig in einen Rauschzustand befördern sollte. „Jetzt kann ich hier für nichts mehr garantieren“, japste ZDF-Kommentator Günter-Peter Ploog in sein Mikrofon. Nach dem Spiel sagte er, von Euphorie erschöpft: „Ich kann nur jeden bedauern, der hier aus Bremen und Umgebung heute Abend nicht ins Weserstadion gekommen ist zu diesem herrlichen Fußballabend, der hat wirklich etwas versäumt.“

Historisches versäumt, wie inzwischen längst klar ist. Nach der 0:3-Hinspielniederlage in Berlin zog Werder Bremen dank eines furiosen 5:0-Rückspielerfolgs in die zweite Runde des Europapokals der Landesmeister ein. Ein Spiel, das seitdem als eines der Wunder von der Weser in der Vereins- und Fußballgeschichte steht – und das heute, im Oktober 2020, urplötzlich wieder greif- und erfahrbar wird. Weil es für den Journalisten, Medienmacher und Printliebhaber Oliver Wurm „Mehr als ein Spiel“ ist.

Werder Bremen: „Mehr als ein Spiel“ von Oliver Wurm bietet beeindruckend neue Blickwinkel auf das Spiel

108 Seiten stark ist sie, die dritte Ausgabe der gleichnamigen Heftreihe, die sich ausschließlich mit diesem einen Spiel, seiner Vorgeschichte, seiner Dramatik, seinen Randnotizen und Folgen beschäftigt. Es ist, um das gleich vorweg zu nehmen, ein Heft geworden, das es tatsächlich schafft, für beeindruckend neue Blickwinkel auf das deutsch-deutsche Fußballduell zu sorgen, das vielen doch längst als auserzählt galt. Oder haben Sie noch im Kopf, dass Otto Rehhagels Freudentänzchen kurz nach dem Schlusspfiff zum heißen Tanz wurde, der dem Bremer Trainer mächtig Ärger einbrachte? Oder dass Werders heutiger Stadionsprecher Arnd Zeigler damals als junger Radioreporter von Uli Borowka niedergestreckt wurde? Nein? Sehen Sie.

Natürlich kommen auch die Helden zu Wort – Riedle, Reck, Votava, Kutzop, Hermann, Borowka –, die sich an die magische Nacht von einst erinnern, die nicht nur sportlich, sondern auch politisch von großer Bedeutung war. „Ein Dokument des Wahnsinns“ heißt die Zeile in der Heftmitte. Es folgt: Die Stasi-Akte zum Hinspiel als Aufklapp-Poster. Die kalte Sprache des Überwachungsstaates, im Heft ist sie bewusst so gut wie unleserlich abgebildet. Der Schönheit der Sprache hingegen gehört das große Finale: Auf der letzten Seite widmet der Poetrie-Slammer Nils Straatman dem 5:0 sein Gedicht „Von der Weser“, das kein Fan des SV Werder Bremen ungerührt lesen wird und das samt passendem Video bereits zum Youtube-Hit geworden ist. Auch wenn es sich „Die Männer vom Platz“, denen Reporter Lucas Vogelsang einen Text im Heft widmet, ganz sicher nicht ansehen werden.

Werder Bremen: „Mehr als ein Spiel“ von Oliver Wurm jetzt erhältlich

Die Idee, sich für „Mehr als ein Spiel“ noch einmal gemeinsam das Rückspiel anzuschauen, hatten die Berliner Herren, Dynamo-Fans von einst, abgelehnt. Stattdessen lieber nochmal das Hinspiel, 6. September 1988, 3:0 gegen Werder Bremen im Jahn-Sportpark, das könne man machen. Und irgendwie war ja auch das mehr als ein Spiel. Weil es die magische Nacht aus Bremen, die 35 Tage später folgen sollte, erst möglich gemacht hat. (dco)

Das Heft „Mehr als ein Spiel“ liegt seit dem 1. Oktober am Kiosk und ist im Internet erhältlich unter www.fussballgold.de. Es kostet sieben Euro.

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