Michael Zetterer spricht im DeichStube-Interview über das Torwart-Duell mit Jiri Pavlenka beim SV Werder Bremen.
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Michael Zetterer spricht im DeichStube-Interview über das Torwart-Duell mit Jiri Pavlenka beim SV Werder Bremen.

Werder-Entscheidung um Platz als Nummer 1 naht

Werder-Torhüter Michael Zetterer im DeichStube-Interview: „Wenn es nach mir gehen würde, wäre die Sache klar“

Bremen – Bereits seit 2015 steht Michael Zetterer bei Werder Bremen unter Vertrag – und näher dran an seinem großen Ziel war er dabei noch nie: In dieser Woche fällt die Entscheidung, ob der 25-Jährige oder doch sein Kontrahent Jiri Pavlenka den Status der Nummer 1 bei Werder bekommt.

Mit der DeichStube hat Michael Zetterer darüber gesprochen, warum er es seiner Ansicht nach verdient hat zu spielen – und weshalb er nicht gern mit Oliver Kahn tauschen würde.

Herr Zetterer, in den vergangenen beiden Partien haben Sie kein einziges Gegentor kassiert. Gönnen Sie sich nach Zu-null-Spielen etwas Besonderes?

Also ein bestimmtes Ritual habe ich nicht, aber natürlich ist es immer schön für einen Torwart, wenn er kein Gegentor kassiert. Es ist ja meine Hauptaufgabe, hinten den Kasten sauber zu halten. Wenn wir gewinnen, und mir das auch noch gelungen ist, macht es die Sache noch etwas schöner. Außerdem war es sehr wichtig, dass wir nach dem Paderborn-Spiel (Werder verlor 1:4, Anm. d. Red.) als gesamte Mannschaft gezeigt haben, dass wir auch zu null spielen können.

Sie haben bisher einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlassen. Fällt Ihnen ein Grund ein, warum Trainer Markus Anfang jetzt den Torhüter wechseln sollte?

Nein, da fällt mir persönlich nichts ein. Aber es ist ja auch klar, dass das mein Standpunkt ist. Ich möchte gerne im Tor bleiben. Pavlas (Zetterers Kontrahent Jiri Pavlenka, Anm. d. Red.) ist jetzt wieder fit und im Rhythmus, sodass eine Entscheidung gefällt werden muss, und das ist Aufgabe des Trainers. Wenn es nach mir gehen würde, wäre die Sache aber klar.

Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Pavlenka?

Zu sagen, dass wir Kumpels sind, wäre wahrscheinlich etwas zu viel, aber wir pflegen einen sehr respektvollen und guten Umgang miteinander. Ich lege großen Wert darauf, dass wir im Torwartteam eine gute Connection haben. Das ist einfach wichtig fürs Training, denn wir arbeiten total eng zusammen.

Der Keeper, der in Ingolstadt in der Startelf steht, dürfte auch für den Rest der Saison Werders Nummer 1 sein. Heißt: Ihr Höhenflug könnte schon bald enden. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Relativ locker, genauso, wie ich es während der Vorbereitung auch schon angegangen bin. Ich weiß, dass ich meine Hausaufgaben gemacht und meine Leistungen gebracht habe. Ich glaube, dass ich dadurch viele Pluspunkte sammeln konnte. Wie das Trainerteam am Ende entscheidet, liegt jetzt nicht mehr in meiner Hand. Deswegen wahrscheinlich auch meine Lockerheit, denn ich weiß, dass ich bis zu dem Punkt, an dem wir jetzt stehen, alles getan habe, was ich konnte.

Am Ende dürfte die Entscheidung des Trainers auch eine Frage der Fußball-Philosophie sein. Sie gelten als mitspielender Torhüter, der sich stets ins Spiel einbinden lässt, Pavlenka ist hingegen erfahren und für seine starken Reflexe bekannt…

Man kann Pavlas und mich nicht eins zu eins miteinander vergleichen, weil wir sehr unterschiedliche Torwarttypen sind. Ich glaube, dass mir die Art und Weise, wie wir in der 2. Liga fußballerisch auftreten wollen, etwas in die Karten spielt. Wir sind jetzt in vielen Spielen der Favorit und müssen mit dem Ball mehr machen, als es in den Vorjahren in der Bundesliga der Fall war. Das passt gut zu mir. Ich möchte aber nicht nur auf das Fußballerische reduziert werden, denn ich denke, dass ich auch auf der Linie ein sehr guter Torwart bin. In den bisherigen Spielen konnte ich das noch nicht so sehr zeigen, weil wir nur sehr wenige Chancen zugelassen haben.

Michael Zetterer will die Nummer 1 bei Werder Bremen bleiben: „Denke, dass ich mir das verdient habe“

Wie hart würde es Sie treffen, sollten Sie in Ingolstadt auf der Bank Platz nehmen müssen?

Mir haben die Spiele bisher viel Spaß gemacht, und ich fühle mich sehr wohl. Dadurch, dass Pavlas den Verein nicht verlassen hat, ist es zum Konkurrenzkampf zwischen uns gekommen, und ich sehe es generell als großes Kompliment, dass ich die Chance bekommen habe und offen mit ihm konkurrieren darf. Er ist schließlich ein gestandener Bundesliga-Torwart. Wie hart der Rückschlag für mich wäre? Damit beschäftige ich mich nicht. Ich möchte weiterspielen und denke, dass ich mir das auch verdient habe.

Ihr Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Welchen Einfluss auf Ihre sportliche Zukunft hat die Entscheidung in dieser Woche?

Für mich ist die sportliche Perspektive sehr wichtig. Ich habe jetzt Blut geleckt. Es bringt mir ja nichts, wenn ich hier die nächsten fünf, sechs Jahre auf der Bank sitzen würde. Die lange Zeit, die ich jetzt schon bei Werder bin, zeigt aber auch, was mir der Verein bedeutet. In den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder dazu entschieden, dass ich bleiben möchte. Wenn ich die Chance bekomme und Werders Nummer 1 sein darf, würde ich es gerne auch in den nächsten Jahren so machen.

Würden Sie sagen, einen besseren Zetterer als jetzt gab es noch nie? Haben Sie pünktlich zur Entscheidung Ihre Bestform erreicht?

Nein, das glaube ich nicht. Es stimmt, dass ich gerade in einer sehr guten Verfassung bin und mich sehr wohl fühle. Ich habe in jedem Spiel eine sehr ordentliche Leistung abgerufen, aber ich bin gleichzeitig auch mein größter Kritiker und weiß, dass es noch besser geht. Am Peak bin ich noch lange nicht, aber auf einem guten Weg dahin.

Wie sehr haben Ihnen die zwei Jahre bei PEC Zwolle geholfen?

Die waren enorm wichtig. Nach einer langen Verletzung auf diesem Niveau spielen zu können, war sehr wertvoll. Zusätzlich war es eine coole Erfahrung, eine Zeitlang im Ausland zu leben und eine andere Sprache zu lernen.

Wo haben Sie sich sportlich in den Niederlanden verbessert?

Zwolle steht sehr für einen fußballerischen Ansatz. Ähnlich wie Werder in der Bundesliga waren wir in der Eredivisie regelmäßig Außenseiter gegen große Mannschaften. Wir waren der Underdog und haben viele Chancen gegen uns bekommen. Da konnte ich zeigen, was ich auf der Linie kann. Es war ein guter Mix für mich. Ich konnte mich sowohl fußballerisch als auch auf der Linie weiterentwickeln.

Gab es mal die Idee, in den Niederlanden zu bleiben?

Nein. Für mich war immer klar, dass ich zurückkommen und bei Werder die Nummer 1 werden will. Das war und ist mein großes Ziel.

Werder Bremen: Torwart Michael Zetterer schränkt die Schiene am Handgelenk nicht mehr ein

Sie wurden seit 2016 mehrfach am Handgelenk operiert und spielen mit einer Neoprenschiene. Wie fühlt sich das an?

Gut. Am Anfang war es noch ungewohnt, aber mittlerweile schränkt es mich überhaupt nicht mehr ein. Es ist eine sehr sichere Variante, um dafür zu sorgen, dass in dem Bereich nichts mehr passieren kann. Anfangs war die Schiene auch hilfreich für den Kopf, weil man sich schon Gedanken macht, ob das Handgelenk die Belastung aushält. Jetzt denke ich nicht mehr darüber nach.

Haben Sie denn noch Schmerzen?

In dem Rahmen, in dem das Handgelenk schmerzfrei sein kann, ist es das. Und das reicht mir (lacht).

Oliver Kahn hat gerade in einem Interview gesagt, dass das Torwartsein für ihn immer darin bestanden habe, den Kampf gegen den inneren Schweinehund zu gewinnen. Hat er recht?

Für die Zeit, in der er aktiv war, kann ich seine Aussage nachvollziehen, weil die Trainingsmethodik damals eine ganz andere war als heute. Für mich gilt sein Satz aktuell aber nicht. Mir macht das Training in den allermeisten Fällen Spaß. Wenn ich mir alte Trainingsvideos von Oliver Kahn anschaue, weiß ich aber auch nicht, ob ich da jeden Tag mit einem Lächeln in die Kabine gekommen wäre (lacht).

Schauen Sie zu Kahn auf?

Als ich als Kind Torwart wurde, war er auf jeden Fall ein Vorbild für mich. Ich fand es immer sehr beeindruckend, welche Emotionen er auf dem Platz gezeigt und wie er gewirkt hat. Davon kann ich mir ganz viel abschauen. Das Torwartspiel hat sich inzwischen aber sehr verändert. Wenn ich heute nach Vorbildern suche, lande ich eher bei Marc-André ter Stegen. Als mitspielender Torwart ist er in Barcelona überragend.

Können Sie auch von Jiri Pavlenka etwas lernen?

Natürlich! Meine Ansicht ist, dass man sich von jedem Torwart immer etwas abschauen kann. Das ist auch keine Frage des Alters oder der Erfahrung.

Herr Zetterer, letzte Frage! Stehen Sie am Samstag wieder im Tor?

Ich hoffe es sehr und habe auch ein sehr gutes Bauchgefühl. Es ist eine leistungsorientierte Entscheidung, in die viele Faktoren mit einfließen, bei denen ich Pluspunkte gesammelt habe. (dco)

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