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Im Weserstadion ist Sebastian Mielitz aufgewachsen, wurde dort zum Bundesliga-Profi - aktuell spielt der Torwart in Dänemark.

Ex-Werder-Keeper zu Besuch in Bremen

Für Mielitz machte Kohfeldt den Mathelehrer

Bremen - Als das Gespräch auf das Thema Florian Kohfeldt kommt, muss Werders Ex-Keeper Sebastian Mielitz schmunzeln. „Flo hat mir damals Nachhilfe in Mathe gegeben“, erinnert er sich. Jetzt ist besagter „Flo“ bekanntlich Cheftrainer beim SV Werder und Mielitz Torwart in Dänemark.

Bei einer Stippvisite am Weserstadion trifft er sich mit der DeichStube und erzählt mehr als nur die Anekdote von der Mathe-Nachhilfe. Es geht um Schabernack während seiner Internatszeit, aber auch um sein aktuelles Glück in Dänemark – und eine mögliche Zukunft in Deutschland.

Die Fans von SönderjyskE waren sich einig, sie wählten Mielitz zu ihrem Spieler der Saison. „Das hat mich schon stolz gemacht“, gesteht der 28-Jährige: „Ich wollte in Dänemark zu alter Stärke zurückfinden, das habe ich geschafft.“ Nicht nur das, der Keeper ist davon überzeugt, „dass ich zwei, drei Schritte nach vorne gemacht habe“. Er lobt dabei vor allem die gute Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Kaj Stefansen. Die Zahlen belegen das: In 36 Ligaspielen hielt Mielitz seinen Kasten elf Mal sauber und kassierte nur 47 Tore. Das ist nicht viel für ein Team aus der unteren Tabellenhälfte. Gerade im Bereich Strafraumbehherrschung habe er sich gesteigert, findet Mielitz: „In Dänemark wirst du als Torwart viel mehr angegangen und von den Schiedsrichtern weniger geschützt. Aber da habe ich mich durchgeboxt.“

Die Fans von SönderjyskE wählten Sebastian Mielitz zum Spieler der Saison.

Vor einem Jahr hatte es noch ganz anders ausgesehen, beim Zweitligisten Greuther Fürth stand Mielitz ganz weit hinten auf dem Abstellgleis. Er wollte nur noch weg und wagte den Schritt in die dänische Liga. So ganz verließ der Vater eines dreijährigen Sohnes Deutschland dann aber doch nicht. Mielitz lebt mit der Familie in Glücksburg, zehn Kilometer von Flensburg entfernt, 70 von seinem Arbeitsplatz bei SönderjyskE. „An die Pendelei musste ich mich auch erst gewöhnen, aber so geht es doch vielen Arbeitnehmern“, will sich Mielitz nicht beklagen. Das Leben in Dänemark sei gut, „das Softeis ist Weltklasse“. Mielitz lacht. Es geht ihm richtig gut.

Vorwurf absichtlich verloren zu haben

Verarbeitet ist auch eine unschöne Geschichte am Ende der regulären Saison. Da wurde SönderjyskE vorgeworfen, am letzten Spieltag absichtlich gegen Tabellenführer FC Midtjylland verloren zu haben, um bessere Karten im Abstiegskampf zu haben. Ein kurioses Spielsystem der dänischen Liga sorgte tatsächlich dafür, dass sich die Ausgangslage für den Mielitz-Club durch die 1:2-Pleite entscheidend verbessert hatte. „Das war keine schöne Geschichte für uns“, erinnert sich der deutsche Keeper. Die Spieler seien vom Verband verhört worden, „dabei hatten wir uns nichts vorzuwerfen“. So lautete auch das Ergebnis der Untersuchungen.

Am Ende belegte SönderjyskE Platz acht, durfte zuvor sogar noch in den Playoffs für die Europa-League-Plätze mitspielen, verlor aber in der vorletzten Runde. „Schade, aber die Saison war insgesamt sehr gut“, urteilt Mielitz. Seine starken Leistungen wurden vom Verein prompt belohnt, der ohnehin schon bis 2019 datierte Vertrag um eine Saison per Option verlängert. Ob er auch wirklich so lange in Dänemark spielen wird, lässt Mielitz offen.

„Natürlich habe ich noch Ambitionen. Es haben bereits Vereine aus der Zweiten und Dritten Liga in Deutschland bei meinem Berater angefragt. Aber bis jetzt war kein passendes Angebot dabei, um mich ernsthaft mit einem Wechsel zu beschäftigen“, sagt der 28-Jährige, der vom Bremer Unternehmer Michael Hoffmann und von Ex-Profi Stefan Effenberg beraten wird. Eine Rückkehr nach Deutschland sei für ihn immer eine Überlegung wert. Da könnte auch Werder ins Spiel kommen, schließlich hat Sportchef Frank Baumann angekündigt, möglicherweise eine neue Nummer zwei hinter Jiri Pavlenka zu verpflichten. „Als Torwart in meinem Alter will man natürlich spielen“, erklärt Mielitz, lässt sich aber eine Hintertür offen: „Werder wird immer mein Herzensverein bleiben. Ich sage niemals nie.“

Von 2007 bis 2014 stand Mielitz 62 Mal zwischen den Pfosten der Werder-Profis.

Eine Rückkehr hätte ja auch einen besonderen Reiz. Mielitz war 2005 als damals 16-Jähriger ins Werder-Internat direkt im Weserstadion eingezogen. „Dort haben wir nachts schon mal eine Runde gekickt“, erinnert sich der Keeper mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Auch das direkt angrenzende Stadionbad habe den einen oder anderen inoffiziellen Besuch bekommen. „Das war wirklich eine schöne Zeit.“ Und natürlich ist Mielitz extrem stolz, dass er es bis ins Bundesliga-Tor der Bremer geschafft und auf 62 Einsätze gebracht hat. „Das nimmt mir keiner mehr.“

„Florian hat mich durchs Abi gebracht“

Dafür nahm ihm der damalige Coach Robin Dutt im Januar 2014 den Stammplatz, stellte Raphael Wolf ins Tor. Im Sommer musste Mielitz dann ganz gehen, bekam keinen neuen Vertrag. Doch er schaut weiterhin mit einem Lächeln Richtung Weserstadion. Weil die Mutter seiner Frau in Hude (Landkreis Oldenburg) wohnt, ist er häufiger mal in der Region. Zu Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede und Co-Trainer Tim Borowski hat er noch Kontakt. Und wenn er Chefcoach Kohfeldt im Fernsehen sieht, muss er immer an Mathe denken. „Florian hat mich durchs Abi gebracht“, ist er seinem Nachhilfelehrer und einstigen Torwartkollegen in der U23 immer noch dankbar. Bezahlen musste er ihn übrigens nicht, „das hat alles Werder geregelt“.

Natürlich sei der Werdegang des heute 35-jährigen Kohfeldt schon etwas überraschend, „aber das hat er sich verdient. ,Flo’ kann Inhalte einfach sehr gut vermitteln“.

2014 verabschiedeten die Bremer Fans Sebastian Mielitz im Weserstadion. Er bekam keinen neuen Vertrag bei Werder.

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