Milos Veljkovic traf sich vor dem Auswärtsspiel des SV Werder Bremen beim 1. FC Nürnberg zum Interview mit der DeichStube.
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Milos Veljkovic traf sich vor dem Auswärtsspiel des SV Werder Bremen beim 1. FC Nürnberg zum Interview mit der DeichStube.

Verteidiger des SV Werder im DeichStube-Interview

„Dann werden die Punkte kommen“: Milos Veljkovic glaubt an Werder Bremen und hat einen Impf-Wunsch

Bremen – Seit fast sechs Jahren ist Milos Veljkovic nun schon ohne Unterbrechung bei den Profis des SV Werder Bremen, so lange wie kein anderer Spieler im Kader. Vielleicht auch deshalb fallen im Interview mit der DeichStube Worte wie „große Ehre“. Der 26-Jährige spricht vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg über die Besonderheiten der 2. Liga, über das Ziel Wiederaufstieg und seine WM-Chance mit Serbien. Dazu äußert er noch einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn sich jeder impfen lassen würde.“

Milos Veljkovic, ein Drittel der Saison ist gespielt, wie fühlt sich die 2. Liga denn nun wirklich an?

Wir wussten, dass wir in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen müssen. Genau so fühlt es sich auch an. Eigentlich ist es wie in der Bundesliga: Erreichst du nicht dein Maximum, dann wirst du bestraft.

Aber es heißt doch immer, die 2. Liga sei so speziell. Wie macht sich das bemerkbar?

Es wird noch aggressiver gespielt, es gibt mehr Zweikämpfe, jeder schmeißt sich voll rein. Da ist es in der Bundesliga schon ein bisschen sauberer. Da guckt der Stürmer, in welche Aktion er wirklich reingeht, in der 2. Liga geht er überall rein. Und in dieser verrückten Liga kann wirklich jeder jeden schlagen.

Spüren Sie, dass der große SV Werder bei den kleineren Clubs als Favorit angesehen wird, der unbedingt geärgert werden soll?

Ein bisschen schon. Es sind immer alle besonders motiviert – auch die Fans. Wir wissen, dass wir oft der Favorit sind, können das aber gut einschätzen. Wir müssen trotzdem immer ans Limit kommen, das sind alles keine Selbstläufer.

Wie in den vergangenen Wochen ja auch zu sehen war. In den letzten sechs Spielen gab es nur einen Sieg, Werder ist nur Tabellenzehnter. Was muss die Mannschaft besser machen?

Natürlich bin ich nicht zufrieden, Zehnter zu sein – vor allem nicht mit einem Verein wie Werder. Wir waren auch mit dem 1:1 gegen St. Pauli nicht zufrieden, aber wir haben unsere Leistung gesteigert. Wenn wir das Woche für Woche bringen, dann werden die Punkte kommen.

(Verfolgt das Zweitliga-Duell des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg im Live-Ticker der DeichStube!)

Milos Veljkovic im Interview: „Natürlich muss ein Verein wie Werder Bremen an den Wiederaufstieg denken“

Dürfen die Fans noch vom direkten Wiederaufstieg träumen?

Das hängt von uns ab. Sorry, es ist eine Phrase, aber wir denken wirklich nur von Spiel zu Spiel. Natürlich muss ein Verein wie Werder an den Wiederaufstieg denken. Aber wir haben auch einen Umbruch und viele junge Spieler, die noch keine große Erfahrung haben. Denen helfen wir. Sie machen das gut und werden von Woche zu Woche besser. Das braucht halt einfach seine Zeit.

Wirklich sprechen möchte über den Wiederaufstieg bei Werder niemand. Braucht man als Leistungssportler nicht hohe Ziele, um erfolgreich zu sein?

Ja, schon. Diese Mentalität braucht man, die habe ich persönlich auch, andere Spieler genauso. Aber wir müssen es Woche für Woche zeigen. Es hilft dir nichts, nur darüber zu reden.

Nach dem Darmstadt-Spiel gab es in der Kabine Zoff zwischen Ihrem Teamkollegen Niclas Füllkrug und seinem Vorgesetzten Clemens Fritz. Wie wirkt sich so etwas auf die Mannschaft aus?

Ich glaube, Reibungen innerhalb eines Teams sind auch mal gut. Den speziellen Fall haben wir intern geklärt, Clemens war da ganz souverän. Und ,Fülle’ hat danach noch bessere Leistungen gezeigt. Es ist also alles okay. 

Wie ist es nach dem großen Umbruch um den Teamgeist bestellt?

Wir finden uns, der Teamgeist entwickelt sich. Wir sind da auf einem guten Weg. Wegen Corona ist das nicht immer so einfach gewesen, gemeinsam etwas zu unternehmen. Aber wir helfen gerade den neuen Spielern, die Stadt kennenzulernen und sich einzugewöhnen.

Werder Bremen-Profi Milos Veljkovic über Torhüter Jiri Pavlenka: „Man weiß, was man an ihm hat“

Welche Rolle spielt der neue Trainer Markus Anfang?

Eine sehr wichtige. Jeder Trainer bringt seine eigene Philosophie, seine eigene Mentalität mit. Das sieht man auch in den Spielen. Wir können verschiedene Systeme spielen, verschiedene Styles. Daran arbeiten wir viel im Training.

Welche Mentalität meinen Sie?

Aggressiv gegen den Ball und in den Zweikämpfen präsent zu sein. Gegen St. Pauli hat man gesehen, dass wir auf dem Vorderfuß waren, wir haben also nach vorne verteidigt. Das ist wichtig. Genauso, wie den Ball auch mal ruhig zu machen und unser Spiel durchzubringen.

Gegen St. Pauli wurde zum ersten Mal in dieser Saison mit einer Dreier-Abwehrkette begonnen. Wie gefällt Ihnen das als Innenverteidiger?

Das ist nichts Neues für mich, in der Nationalmannschaft machen wir das jetzt auch. Es ist gut, beide Systeme zu können und auch im Spiel zu switchen. Da sind wir auf einem guten Weg.

Hinter Ihnen stand zum ersten Mal in dieser Saison Jiri Pavlenka im Tor, weil der Trainer auf eine größere Erfahrung hoffte. Wie sehr hat das der Mannschaft geholfen?

,Pavlas’ ist ein wirklich sehr erfahrener Torwart, man weiß, was man an ihm hat. Es war nicht einfach für ihn, nach so langer Zeit wieder im Tor zu stehen. Aber er hat das ganz souverän gemacht.

Werder Bremen-Profi Milos Veljkovic vor WM-Quali-Endspiel gegen Portugal: „In Serbien reden die Leute seit Wochen darüber“

Michael Zetterer musste dafür auf die Bank und war davon wenig begeistert. Wie geht man damit als Team um?

Er ist ein super Junge, hat super Leistungen gezeigt. Aber das gehört im Profi-Geschäft dazu. Da sind wir als Mannschaft stark genug und helfen uns untereinander. Deshalb gibt es da keine großen Probleme.

Für Sie persönlich läuft es gar nicht so schlecht. Sie sind Stammspieler und haben zuletzt sogar drei Mal die Kapitänsbinde getragen. Gegen St. Pauli hat dann Niclas Füllkrug die Mannschaft aufs Feld geführt. Warum?

Das ist im Mannschaftsrat so geregelt. Ömer Toprak ist unser Kapitän. Dann kommen Leo Bittencourt, Niclas Füllkrug, Christian Groß und ich. Für mich war es eine große Ehre, für so einen Verein die Binde zu tragen.

Ist so eine besondere Rolle auch für Ihre Zukunft in der serbischen Nationalmannschaft wichtig, gerade wenn man nur noch in der 2. Liga spielt?

Natürlich! Das wurde in Serbien schon wahrgenommen. Meine Teamkollegen, aber auch die Verantwortlichen haben mir gratuliert. Das freut einen natürlich.

Blicken Sie schon ein bisschen auf den 14. November, wenn in der WM-Quali das Gruppen-Endspiel gegen Portugal steigt?

In Serbien reden die Leute schon seit Wochen über dieses Endspiel. Natürlich ist eine gewisse Vorfreude da. Aber leider muss ich auch hier sagen: Es zählt immer nur das nächste Spiel. Und in Nürnberg kommt genug Arbeit auf uns zu.

Werder Bremen-Profi Milos Veljkovic zur Impf-Debatte: „Es wäre schön, wenn sich jeder impfen lassen würde“

Gestatten Sie uns trotzdem noch kurz einen Blick in die Zukunft: Würden Sie eigentlich in einem Jahr als Werder-Profi zur WM nach Katar reisen?

Das weiß ich nicht. Es ist schon klar, worauf Sie hinaus wollen. Aber das ist kein Thema für mich aktuell. Um diese Sache kümmert sich mein Berater und bespricht alles mit dem Verein.

Es geht um Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag – Werder würde gerne verlängern. Sie auch?

Momentan beschäftige ich mich nur mit Werder und dem Fußball, alles andere macht mein Berater – und dann werden wir sehen.

Schon im vergangenen Sommer war eigentlich mit einem Wechsel von Ihnen gerechnet worden. Wie passt als Nationalspieler nach 129 Bundesligapartien eigentlich die 2. Liga in Ihre sportliche Planung?

Das ist für mich überhaupt kein Problem. Natürlich will man immer das höchste Level erreichen. Aber ich bin ein Spieler, der sich alles selbst hart erarbeitet hat. Deswegen werde ich immer Gas geben. Wir sind privilegiert, dieses Spiel zu spielen – und das auch noch hier bei Werder. Das ist eine große Ehre für mich.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema: Bayern-Profi Joshua Kimmich hat erklärt, dass er sich noch nicht impfen lassen möchte. Das hat für große Diskussionen gesorgt. Sie selbst waren geimpft und haben sich dann infiziert. Würden Sie sich wünschen, dass nicht nur für die Zuschauer wie in vielen Stadien die 2G-Regel gilt, sondern auch für die Spieler?

Es wäre schön, wenn sich jeder impfen lassen würde, aber das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe mich leider kurz vor meiner zweiten Impfung infiziert. Zum Glück hatte ich nur ein bisschen Schüttelfrost und Fieber, was vielleicht auch an der ersten Impfung lag. Ich kenne andere Spieler, bei denen es durchaus schlimmer war. (kni) Lest auch: So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg aussehen!
 

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