Werder-Profi hat WM-Aus verdaut

Werder-Verteidiger Milos Veljkovic: „Ich fühle mich so fit wie noch nie“

Bremen – Für große Sprüche ist Milos Veljkovic nun wahrlich nicht bekannt. Da ist es schon bemerkenswert, wenn der Profi des SV Werder Bremen in einer Medienrunde sagt: „Ich fühle mich so fit wie nie.“ Die WM-Teilnahme mit Serbien hat dem 27-Jährigen trotz des frühen Ausscheidens in der Gruppenphase offenbar gutgetan – auch der lange Urlaub danach, den er auf ganz spezielle Weise genutzt hat: in einem kleinen serbischen Dorf, in einer Kältekammer in Basel und bei der Familie in Zürich. Im Trainingslager in Murcia musste Veljkovic zuletzt krankheitsbedingt eine kleine Zwangspause einlegen. Die habe ihm aber nicht geschadet, sagt er, er könne wieder Vollgas geben. Und das ist ihm am wichtigsten, auch im achten Jahr bei Werder bleibt der Innenverteidiger seiner eher zurückhaltenden Art treu.

„Ich verändere doch jetzt nicht mehr meine Mentalität“, sagt Milos Veljkovic und fügt mit einem leichten Schmunzeln an: „Es hört sich vielleicht langweilig an. Aber ich schaue nur von Spiel zu Spiel. Das ist meine Einstellung. Der Verein weiß, was er an mir hat, und ich weiß, was ich am Verein habe. Deswegen klappt es auch so gut.“ Seit Jahren gehört der gebürtige Schweizer mit serbischen Wurzeln zum Stammpersonal des SV Werder Bremen, wenngleich das immer mal wieder öffentlich infrage gestellt wird. Doch wenn Veljkovic fit ist, dann hat er fast immer auch von Beginn an gespielt. Inzwischen gilt das sogar für die Nationalmannschaft, was Veljkovic selbst ein wenig überrascht hat. „Es war schon komisch, dass ich ausgerechnet in unserer Zeit in der 2. Liga dort Stammspieler geworden bin.“ Seine zweite WM-Teilnahme nach Russland vor vier Jahren sei eine „Riesenehre“ für ihn gewesen: „Ich bin sehr stolz, dass ich alle Spiele machen durfte – und das auch noch von Anfang an.“

Werder Bremens Milos Veljkovic lässt sich von kritischer Berichterstattung nicht beeinflussen

Im Fokus stand der Verteidiger von Werder Bremen vor allem in der ersten Partie gegen Brasilien, als er mitansehen musste, wie sein Gegenspieler Richarlison „ein Weltklasse-Tor“ (Milos Veljkovic) erzielte. „Ich habe die Flanke nicht sehen, nicht lesen können, weil sie aus dem Fußgelenk mit Außenrist gespielt wurde. Aber ich hätte näher dran sein können“, lautet seine Analyse. Aber deswegen hadert er nicht. Das habe er sich abgewöhnt. Genauso wie das Lesen von Medienberichten. Deswegen seien die kritischen Berichte über seine Auftritte bei den Spielen gegen Kamerun und die Schweiz an ihm vorbeigegangen – also fast. „Ich war nach der WM bei meiner Familie in Serbien in einem kleinen Dorf, da wird man natürlich auf einiges angesprochen und bekommt schon was mit.“ Aber ansonsten habe er dort vor allem die Ruhe und die Natur genossen, um wirklich mal abschalten zu können. Da wäre auch das Handy mal nicht so wichtig gewesen. „Aber nicht aus, das geht nicht“, fügt er auf Nachfrage noch lachend an.

Danach ging es in die Schweiz, wo er aufgewachsen ist. Erst nach Basel – und dort auch in eine Kältekammer. „Die ist wirklich kalt, da bleibt einem die Luft weg“, berichtet Milos Veljkovic über seine Erfahrungen bei minus 110 Grad. Die Eistonne im Weserstadion, die alle paar Tage von den Profis des SV Werder Bremen genutzt werde, sei nichts dagegen. „Beides ist aber sehr gut für die Regeneration. Mir gefällt die Eiskammer allerdings noch etwas besser.“ Wer weiß, vielleicht kann er die Werder-Verantwortlichen ja von einer Anschaffung überzeugen.

Milos Veljkovic über die Rückrunde mit Werder Bremen: „Wir müssen Gas geben und dürfen keinen Schritt weniger machen“

Von Basel ging es weiter nach Zürich – wieder zur Familie und zu Freunden. Das ist ihm wichtig. Die Zeit habe er genossen, dann aber auch den Fußball vermisst. Deswegen sei es gut, dass es für ihn und Werder Bremen endlich wieder losgeht. Die WM ist abgehakt, das frühe Aus verdaut. „Andere große Nationen waren gar nicht erst dabei und Deutschland ist auch früh ausgeschieden. Wir haben eine gute Mannschaft und uns gut verstanden. Es haben Kleinigkeiten entschieden.“ Das ist es vor allem, was er von dieser WM mitnimmt. Es komme auf jeden Moment an. „Du musst in jeder Sekunde voll konzentriert sein.“ Und er möchte dabei keinen Unterschied machen, „ob ich bei der WM spiele oder im Pokal gegen einen Drittligisten“. Wie schon vor vier Jahren wirkt Milos Veljkovic nach seiner Rückkehr von der WM noch etwas reifer. „Man wächst da schon als Persönlichkeit“, sagt er und verrät sein einfaches Motto: „Ich will besser werden und bodenständig bleiben.“ Dafür arbeite er jeden Tag.

Konkrete Ziele setzt sich Milos Veljkovic dabei nicht, er mag auch nicht sagen, was er mit Werder Bremen noch erreichen will. „Ich weiß, das klingt langweilig“, wiederholt er noch mal: „Aber ich schaue nur von Spiel zu Spiel.“ Das aber ziemlich fokussiert, wie er betont und dabei einen Appell an seine Kollegen richtet: „Wir müssen Gas geben und dürfen keinen Schritt weniger machen.“ (kni)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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