Mirko Votava ist eine echte Legende des SV Werder Bremen. Als Spieler gewann er zahlreiche Titel, später arbeitete er lange als Scout. Jetzt ist er in den Ruhestand gegangen.
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Mirko Votava ist eine echte Legende des SV Werder Bremen. Als Spieler gewann er zahlreiche Titel, später arbeitete er lange als Scout. Jetzt ist er in den Ruhestand gegangen.

Werder-Urgestein im Ruhestand

Abschied einer Werder-Legende: Die bewegte Karriere von Mirko Votava - eine Würdigung

Bremen – Viel hat nicht gefehlt, dann wären Mirko Votava und Thomas Wolter verhaftet worden. Auf einem staubigen Highway, Anfang der 1990er Jahre, mitten in Florida. „Dabei habe ich einfach nur ein bisschen Gas gegeben“, erinnert sich Votava, der zuvor gemeinsam mit seinem Freund und Mitspieler Wolter sowie den Familien der beiden Profis von Werder Bremen in Disneyland gewesen war – und nun plötzlich großen Ärger mit der amerikanischen Polizei hatte. Wegen überhöhter Geschwindigkeit hatten die Beamten den Wagen gestoppt, hatten die Insassen per Lautsprecher zum langsamen Aussteigen aufgefordert – und Votava dann vor die Wahl gestellt: 150 Dollar Strafgeld, jetzt und hier, oder mitkommen aufs Revier. „Und was sagt Mirko!?“, blickt Wolter lachend zurück. „Das bezahle ich nicht!“ Nur mit Engelszungen habe er seinen Freund umstimmen können, die Fahrt ging weiter, die Sache gut aus. Es ist eine von unzähligen Anekdoten, die sich aus der bewegten Profikarriere von Mirko Votava erzählen lassen. Kürzlich, im Alter von 66 Jahren, wurde die Werder-Legende vom Verein offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Eine Würdigung.

Es ist ganz gleich, mit wem man im Werder-Umfeld über Mirko Votava spricht – die Beschreibungen des Ex-Profis ähneln sich doch sehr. Worte wie „zuverlässig“, „Vorbild“, „Musterprofi“ und, natürlich, „Schnauzer“ tauchen immer wieder auf. Seinen üppigen Oberlippenbart, ein Markenzeichen, hatte Votava während seiner kompletten Karriere getragen, und er trägt ihn bis heute. „Wir haben es mehrfach probiert, aber es war einfach nicht zu machen, dass er ihn abrasiert“, schmunzelt Votavas alter Weggefährte Thomas Schaaf, der einst nicht nur auf eine ähnliche Gesichtsbehaarung setzte, sondern an der Seite von Votava Titel über Titel für Werder Bremen gewann. „Mirko war ein Kapitän, wie man ihn sich vorstellt, ihm war keine Mühe zu groß“, betont Schaaf. Oliver Reck, Werders ehemaliger Torhüter, mit dem Votava in seiner Laufbahn die meisten Spiele gemeinsam absolviert hat (355), ergänzt: „Den Kerl muss man einfach mögen. Als Fußballer, aber vor allem natürlich auch als Mensch.“

Diese Kombination war es im Jahr 1985 vermutlich auch, die Otto Rehhagel an seinen alten Schützling denken ließ. Wenig später holte er ihn an die Weser. Bei Borussia Dortmund hatte der damalige Trainer von Werder Bremen zuvor schon mit Votava zusammengearbeitet, was nicht immer reibungslos lief. „Vor der Abfahrt ins Trainingslager saß ich als junger Spieler schon im Bus, als Otto kam und mich wieder rausgeworfen hat“, erinnert sich Votava. „Was machst du hier!? Du bist gar nicht im Kader“, habe der Trainer zu ihm gesagt. Mirko Votava: „Da bin ich eben wieder ausgestiegen. Ab dem Zeitpunkt hatte mich der Ehrgeiz aber so richtig gepackt.“ Was sich schon bald auszahlen sollte.

Werder Bremen: Ex-Präsident Willi Lemke lobt Mirko Votava - „Er war ein tadelloser Profi“

Nach acht Jahren beim BVB wechselte Mirko Votava 1982 für die damalige Rekordablösesumme von 1,2 Millionen D-Mark zu Atlético Madrid nach Spanien, wo er fortan das defensive Mittelfeld umgrub. Bis heute gehört er Atléticos Legenden-Elf an, wird regelmäßig nach Madrid eingeladen. Kein Wunder: Schließlich hatte er 1985, kurz vor seinem Wechsel nach Bremen, mit den „Rojiblancos“ den spanischen Pokal gewonnen. Im Finale setzte sich das Team gegen den Stadtrivalen Real Madrid durch. Mit Werder Bremen war zu diesem Zeitpunkt längst alles klar. „Es waren sehr angenehme und unkomplizierte Verhandlungen“, blickt Willi Lemke zurück, der sich als damaliger Werder-Manager mit Votava und dessen Ehefrau Gisela im Parkhotel getroffen und den Wechsel perfekt gemacht hatte. Lemke: „Ich habe immer sehr gerne mit Mirko zusammengearbeitet. Er war ein tadelloser Profi.“ Und ein enorm erfolgreicher.

Insgesamt fünf große Titel holte er in seinen elf Bremer Jahren, darunter 1992 den Europapokal der Pokalsieger – nach dem EM-Sieg mit der deutschen Nationalmannschaft 1980 war es Votavas zweiter Triumph auf internationaler Ebene. 1996 verabschiedete sich der unermüdliche Kämpfer im stolzen Alter von 40 Jahren dann in Richtung VfB Oldenburg, für den er eine halbe Saison lang spielte, ehe er als Trainer übernahm. Es folgten Stationen beim SV Meppen und Union Berlin, zwischenzeitlich ein Engagement als Scout bei Werder Bremen. 2004 kehrte Mirko Votava dauerhaft zu den Grün-Weißen zurück, führte die U 19 zu drei Deutschen Meisterschaften und arbeitete schließlich als Scout bis zum Ruhestand.

Werder-Bremen-Legende Mirko Votava: „Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Karriere“

„Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Karriere“, sagt Mirko Votava, der inzwischen drei Enkelkinder hat und sich auf die Zeit im Ruhestand freut: „Tage ganz ohne Termine und Stress sind zwar neu für mich, aber sehr schön.“ Als Kind war der gebürtige Prager mit seiner Familie einst aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland geflohen, dann nach Australien ausgewandert, um schließlich doch in Deutschland heimisch zu werden. Wohin ihn sein Weg als talentierter Fußballer überall führen sollte, konnte Mirko Votava damals freilich nicht ahnen. Nach Dortmund. Nach Madrid. Nach Bremen.

„Mirko ist sich immer treu geblieben“, betont Thomas Wolter, „er ist immer vorangegangen und wusste, was ihm wichtig ist.“ Eigenschaften, die den Grundstein für so manch große Karriere gelegt haben – und die Mirko Votava nur einmal fast zum Verhängnis geworden wären: Auf einem staubigen Highway, Anfang der 1990er Jahre, mitten in Florida. (dco)

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