Von 2002 bis 2004 war Mirko Votava Cheftrainer des 1. FC Union Berlin. „Eine schwere Zeit“, sagt der heute 64-Jährige, der zwischen 1985 und 1996 für den SV Werder Bremen spielte.
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Von 2002 bis 2004 war Mirko Votava Cheftrainer des 1. FC Union Berlin. „Eine schwere Zeit“, sagt der heute 64-Jährige, der zwischen 1985 und 1996 für den SV Werder Bremen spielte.

Union-Trainer von 2002 bis 2004

„Eine schwere Zeit“: Werder-Legende Mirko Votava über das Abenteuer an der Alten Försterei

Bremen/Berlin – Im Schrank von Mirko Votava gibt es ein Kleidungsstück, das bis heute eine Art Stammplatz hat. Das in all den Jahren nie aussortiert wurde, auch wenn es von seinem Besitzer gar nicht angezogen wird. Es handelt sich dabei um ein Fußballtrikot, aber – und jetzt kommt die überraschende Wendung der Geschichte – mit Werder Bremen hat es nichts zu tun.

481 Pflichtspiele hat Mirko Votava zwischen 1985 und 1996 für den SVW bestritten. Er wurde zweimal Meister, zweimal Pokalsieger und gewann mit Werder Bremen den einzigen Europapokal der Vereinsgeschichte, „aber die Shirts aus dieser Zeit sind längst alle weg“, sagt er, „verschenkt“. Dieses eine hingegen: immer noch da. Es ist ein Trikot von Union Berlin, frühe 2000er Jahre. Auf dem Rücken die Nummer 2 und darunter der Name: Steffen Baumgart.

„Ich habe es bis heute aufgehoben, weil es mich an meine Zeit in Berlin erinnert“, sagt Votava im Telefongespräch mit der DeichStube, ehe er gedanklich 18 Jahre zurückreist, in den November 2002 – als Werders kommender Gegner in der Bundesliga offiziell bekannt gab: „Mirko Votava neuer Cheftrainer beim 1. FC Union Berlin“. Eineinhalb Jahre lang sollte die Bremer Vereinslegende in der Folge als Coach an der Alten Försterei fungieren, ehe im März 2004 die Entlassung folgte – nach hartem Abstiegskampf in der 2. Bundesliga, zermürbenden Grabenkämpfen mit Vereinsführung und Presse sowie unzähligen Spaziergängen zum Training. Aber immer der Reihe nach.

Werder Bremen: Für Ex-Profi Mirko Votava war die Zeit bei Union Berlin eine schwere Zeit

„Es war eine schwere Zeit“, beginnt Mirko Votava seinen Rückblick, der ihn schnell zum Namen Heiner Bertram führt, denn mit einem Anruf von Unions damaligem Präsidenten ging das Kapitel Köpenick für den Ex-Profi los. Votava hatte sich nach Ende seiner aktiven Laufbahn als Trainer des VfB Oldenburg und des SV Meppen einen Namen gemacht und war urplötzlich ins Blickfeld des Zweitligisten Union geraten. Die Berliner hatten sich Anfang Oktober 2002 nach einer 0:7-Klatsche beim 1. FC Köln von Trainer Georgi Wassilew getrennt. Der Bulgare hatte einige Wochen zuvor angekündigt, seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Als er sich dann nach dem 0:7 zu einem Kurzurlaub nach Zypern verabschiedete, beendete Union die Zusammenarbeit selbst. Gut drei Wochen später übernahm Votava die Mannschaft auf dem zwölften Platz.

„Der Verein hatte sehr große Vorstellungen“, erinnert sich der heute 64-Jährige, der sich schnell mit zwei Problemen konfrontiert sah. Erstens ließ die finanzielle Lage Unions nur wenig Spielraum für einen Umbau des Teams nach seinen eigenen Vorstellungen. Und zweitens: Bei der Berliner Presse hatte er – anders als Vorgänger Wassilew – einen schweren Stand. Der entlassene Coach hatte Union 1999 zum Aufstieg in die 2. Liga, 2001 ins Finale des DFB-Pokals und damit sogar bis in den UEFA-Cup geführt. Daran musste sich Votava messen lassen. „Ich hatte auch im Verein nur wenig Unterstützung“, blickt er zurück, nennt in Co-Trainer Klaus Thomforde und Kapitän Steffen Baumgart aber „zwei enge Vertraute“.

Werder Bremen-Legende: Mirko Votava hat zu Union Berlin keinen Kontakt mehr

Votava nahm sich eine Wohnung nur 500 Meter von der Alten Försterei entfernt, genoss fortan die täglichen Spaziergänge zum Training – und beendete die Saison 2002/2003 mit Union als respektabler Neunter. Als das Team in der neuen Serie aber wieder in den Abstiegskampf rutscht, ist im März 2004 Schluss für den Coach: Nach einem 1:3 in Regensburg wird Mirko Votava entlassen.

Heute hat er keinen großen Kontakt mehr zu Union, sagt aber: „Von der Entwicklung des Vereins bin ich beeindruckt. Ich gönne Union den Erfolg.“ Wenn das Spiel des SV Werder Bremen gegen Union Berlin am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen wird, gilt dieser Satz für 90 Minuten aber nicht. Mit seiner Tochter und dem Schwiegersohn hat sich Votava zum gemeinsamen Fußballschauen verabredet. Das Baumgart-Trikot wird er dabei ziemlich sicher im Schrank liegen lassen. (dco) Und: So könnte die Werder-Aufstellung gegen Union Berlin aussehen.

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