Jungprofi Jean-Manuel Mbom musste gegen Bayer Leverkusen die Rolle als Sechser bei Werder Bremen einnehmen. Er ist eine Lösung von vielen in dieser Saison.
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Jungprofi Jean-Manuel Mbom musste gegen Bayer Leverkusen die Rolle als Sechser bei Werder Bremen einnehmen. Er ist eine Lösung von vielen in dieser Saison.

Werders Dauerprobleme im defensiven Mittelfeld

Das riskante Spiel des SV Werder Bremen auf der Sechser-Position - mehr Improvisation als echte Lösungen

Bremen – Die Position ist richtig wichtig. Und es sagt viel darüber aus, dass beim SV Werder Bremen ein Bundesliga-Newcomer wie Jean-Manuel Mbom die Rolle des zentralen Sechsers einnimmt oder besser gesagt: einnehmen muss. So geschehen beim stark erkämpften 1:1 in Leverkusen.

Keine Frage, der 20-Jährige hat es ordentlich gemacht. Mehr allerdings auch nicht. Er ist nicht das Mega-Talent auf dieser Position. Sondern nur eine Lösung von vielen in dieser Saison – und das für ein Problem, das bei Werder Bremen nicht neu ist. Es fehlt schon länger ein prägender Sechser, der das Spiel besser macht. Und dabei wird es auch bleiben, Neuzugänge im Winter sind nach Informationen der DeichStube aus wirtschaftlichen Gründen absolut tabu. Der Klassenerhalt muss mit dem aktuellen Personal geschafft werden.

Werder Bremen: Loch im Mittelfeld nach dem Weggang von Davy Klaassen

Kurzer Rückblick: Im Sommer verließen gleich drei namhafte Sechser den Club. Kevin Vogt kehrte nach seiner Leihe zur TSG 1899 Hoffenheim zurück, eine feste Verpflichtung ließ sich aus finanziellen Gründen nicht realisieren. Die Verträge mit Philipp Bargfrede und Nuri Sahin wurden zudem aus Leistungsgründen nicht verlängert. Neben Patrick Erras, der ablösefrei vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg kam, sollte eigentlich noch ein weiterer Sechser verpflichtet werden.

Doch lange Zeit passierte nichts. In Coronazeiten fehlte das Geld, und Milot Rashica konnte nicht verkauft werden. Dafür dann aber Davy Klaassen. Ausgerechnet einer, der auf der Sechs spielen kann. Doch Werder Bremen brauchte die Millionen aus Amsterdam zum Überleben und wagte es nicht, einen Teil davon in eine Ausleihe von Marko Grujic (FC Liverpool) zu investieren. Es wäre ein perfekter Ersatz für Klaassen gewesen, doch der Aufsichtsrat legte sein Veto ein.

Werder Bremen: Patrick Erras spielt nicht - Wer war für seine Verpflichtung verantwortlich?

Trainer Florian Kohfeldt muss seither im defensiven Mittelfeld noch mehr improvisieren und vertraute dabei zuletzt oft auf Christian Groß. Den Spätberufenen, der erst mit 31 Jahren sein erstes Bundesligaspiel absolviert hat. Wunderdinge konnten von ihm ebenso wenig erwartet werden wie von Kevin Möhwald nach dessen fast einjährigen Verletzungspause. Außerdem hatte Möhwald bis zu dieser Saison auch erst acht Mal bei einem Bundesliga-Spiel in der Startelf gestanden.

Aber da ist ja auch noch Patrick Erras, der Neuzugang. Okay, ein Zweiligaspieler – allerdings mit ein bisschen Bundesliga-Erfahrung (19 Partien, 13 Mal Startelf) aus der Saison 2018/19. Doch Kohfeldt wird mit dem 1,96-Meter-Mann bislang nicht warm, verzichtete nach einer schwachen ersten Halbzeit im Pokal in Jena fast gänzlich auf Erras. Und das trotz großer Not auf der Position des Sechsers. Da stellt sich schon die Frage: Wer ist für die Verpflichtung dieses Spielers eigentlich verantwortlich?

Werder Bremen: Maximilian Eggestein als alleiniger Sechser noch überfordert

Als Lösung für die Sechs muss immer wieder auch Maximilian Eggestein herhalten. Klar, der 24-Jährige kann dort spielen, wirkt dort aber immer etwas unglücklich. Er ist eigentlich ein Achter oder zumindest ein offensiverer Sechser – gerne mit einem erfahrenen Mann an seiner Seite. So, wie es Klaassen war. Oder früher Vogt, Bargfrede oder Sahin. Eggestein ist mit der Verantwortung, jetzt selbst der alleinige Taktgeber und Antreiber zu sein, noch überfordert.

Ein Jean-Manuel Mbom auf der Sechs wird ihm da auch nicht helfen. Die Besetzung des Mittelfelds wird ein Dauerthema bleiben, ein Vabanquespiel, Werder erreicht dort in Gänze kaum Bundesliga-Niveau. Das ist wahrlich kein Vorwurf an einen Spieler wie Mbom. „Der Junge macht seine Sache gut“, lobt ihn Abwehrchef Ömer Toprak, sagt aber auch: „Wir dürfen nicht vergessen, dass er letztes Jahr noch Dritte Liga gespielt hat.“ Beim KFC Uerdingen war das. Nach einem Jahr Ausleihe soll Mbom nun zum Bundesliga-Spieler reifen, jetzt ist er schon ein fester Bestandteil des Teams, hat zwölf von 15 Partien absolviert – neun davon in der Startelf. So ist das beim SV Werder Bremen in der Saison 2020/21.

Werder Bremen: Jean-Manuel Mbom legt gute Entwicklung hin, aber Manches „muss noch kommen“

Kohfeldt lobt ausdrücklich die Entwicklung des 20-Jährigen – vor allem auch dessen Einsatzbereitschaft und diesen Willen, alles so schnell wie möglich zu lernen. Doch der Coach möchte Mbom auch nicht überhöhen, sondern gibt zugleich eine ganz sachliche Bewertung ab, die vielsagend ist: „,Manu’ macht keinen Fehler. Er leitet von da aber auch noch nichts ein. Ich würde ihn noch nicht als spielenden Sechser bezeichnen. Sondern er bringt das Element des robusten Zweikämpfers ein. Das andere muss noch kommen.“

Geduld ist also gefragt – was auf dieser neuralgischen Position bei Werder Bremen fast schon Tradition hat. Oft musste auf Philipp Bargfrede gewartet werden. Der eigentlich perfekte Mann für diesen Posten war leider viel zu oft verletzt, nun reicht es nur noch für die U23 in der Regionaliga. Nuri Sahin hatte schon so viel auf dem Profi-Tacho, dass der Ex-Star den Bremern nicht mehr wirklich helfen konnte. Immerhin war Kevin Vogt eine gute Lösung, aber eben nur auf Zeit. Er war vor fast genau einem Jahr geholt worden – nicht nur als Sechser, sondern auch als Mentalitätsspieler, um mit Werder noch den Klassenerhalt zu schaffen. Am Ende blieben die Grün-Weißen tatsächlich drin. Diesmal muss es ohne einen Typen wie Vogt klappen. (kni)

Zur letzten Meldung vom 4. Januar 2021:

Dilemma im Mittelfeld des SV Werder Bremen: Keine Kreativität, keine Kraft und kein Geld für Transfers

Bremen – Dass das Mittelfeld die große Problemzone von Werder Bremen werden würde, war spätestens mit dem unkompensiert gebliebenen Verkauf Davy Klaassens klar. Das Ausmaß der Schwierigkeiten, in denen die Mannschaft steckt, zeigte sich beim 0:2 gegen Union Berlin sicherlich nicht zum ersten Mal, aber in dem Spiel am bislang deutlichsten. Zwei unterschiedliche Ausrichtungen brachten ein und dasselbe Ergebnis: nichts!

Hoffnung auf schnelle Hilfe für das Mittelfeld gibt es kaum, Sportchef Frank Baumann sieht auf dem gerade wieder eröffneten Transfermarkt allenfalls eine Mini-Chance für Werder Bremen, und auch ein alter Bekannter kommt nicht infrage.

Gegen Union Berlin war es so: Die Aufstellung verriet die Absicht. Werder-Trainer Florian Kohfeldt beorderte drei Akteure in die Startelf, die grundsätzlich als Spielmacher angesehen werden können, weil ihre im Profil verankerte Hauptposition das zentrale offensive Mittelfeld ist. Werder Bremen wollte also die spielerische Linie verfolgen, gewissermaßen den Kohfeldt-Stil. Das Problem war aber, dass sich weder Yuya Osako noch Leonardo Bittencourt oder Romano Schmid als tatsächliche „Macher“ erwiesen. Niemand von ihnen gestaltete die Partie, die auch deshalb völlig gegen Werder lief. Der spielerische Ansatz des Trainers – er scheiterte.

Werder Bremen: Mangelnde Kreativität oder fehlende Wucht? Kollektive Ratlosigkeit! Transfer als Lösung?

Das vollständige Dilemma offenbarte sich aber erst, als Kohfeldt die Linie änderte und in Jean-Manuel Mbom und Davie Selke mehr physische Power für Mittelfeld und Angriff brachte. Jetzt sollte es wuchtiger werden, brachialer. Doch auch das nutzte nichts, und Werder Bremen hatte gegen das simple, aber konsequente Spiel des 1. FC Union Berlin kein Mittel. Business as usual, denn verzweifelte Versuche, irgendwie in den Bereich einer Torchance zu kommen, hat man von Werder in der laufenden Saison schon unzählige gesehen.

Die einen schreiben das dem nicht zu leugnenden Mangel an Kreativität zu, die anderen rätseln, ob das wirklich der Kern des Problems ist. Wie Sportchef Frank Baumann. Bei Radio Bremen sagte er: „Ich weiß nicht, ob es am kreativen Kopf liegt. Union ist ein ganz gutes Beispiel, wie es auch ohne kreative Köpfe geht. Union hat es uns vorgemacht. Das ist einfacher Fußball.“ Werders Fußball war auch einfach – einfach zu verteidigen.

Woher Besserung kommen soll? Vielleicht aus dem eigenen Team, wenn durch die Rückkehr von Niclas Füllkrug und Davie Selke Anspielstationen im Sturm entstehen, die den Mittelfeldspielern das Leben erleichtern. Oder Mbom und Schmid, die 20-Jährigen mit dem Zukunftspotenzial, machen plötzlich und ganz schnell riesige Sprünge nach vorn. Doch das ist mehr Wunschdenken als eine tatsächlich erwartbare Entwicklung. Auf frischen Input vom Transfermarkt zu setzen, verbietet sich dagegen aus den bekannten finanziellen Gründen. Frank Baumann sagt im Gespräch mit der DeichStube zunächst, was er immer sagt: „Wir müssen eher Spieler abgeben. Dabei muss der Preis stimmen, und wir müssen es sportlich verkraften können, sodass wir keinen Ersatz holen müssen.“ Es sind Aussagen, die möglicherweise maßgeschneidert sind für Yuya Osako.

Transfers: Werder Bremen-Notkauf bei Verkauf von Spieler X? Philipp Bargfrede ist nach wie vor kein Thema

Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Verkauf von Spieler X genug Ertrag bringt, um doch über einen Neuzugang, über einen echten Problemlöser, nachzudenken. Doch wer sollte der Goldesel sein im Team? Aktuell gibt es da niemanden. Frank Baumann bespricht deshalb ein theoretisches Modell, wenn er sagt: „Wenn wir Ersatz holen müssten, müsste es sportlich passen.“

Ziemlich sicher wird es aber mit den vorhandenen Bordmitteln weitergehen – und zu diesen gehört im weiteren Sinne auch Philipp Bargfrede, das im Sommer ausgemusterte und dann doch für die U23 zurückgeholte Bremer Ur-Gestein. Er steht – oder besser: stand – für einfachen, konsequenten und aus dem defensiven Mittelfeld heraus vorgetragenen Fußball. Dass der 31-Jährige noch mal eine Renaissance in der Bundesliga erleben wird, ist bei Werder Bremen aber nach wie vor nicht angedacht. Hätten die Bremer dem im Laufe seiner Karriere von Verletzung schwer gebeutelten Bargfrede eine weitere Saison in der Bundesliga zugetraut, hätten sie ihn im Sommer nicht in die Vertragslosigkeit ziehen lassen. Die Gründe damals haben weiter Bestand. Eine Rückkehr ist nach Informationen der DeichStube deshalb ausgeschlossen. (csa)

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