Große Enttäuschung bei Lee Buchanan, Niklas Stark und Co.: Werder Bremen hat gegen Mainz 05 verloren.
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Große Enttäuschung bei Lee Buchanan, Niklas Stark und Co.: Werder Bremen hat gegen Mainz 05 verloren.

Rückschlag nach der Euphorie

In die Enge getrieben: Werder Bremen lässt gegen Mainz Genauigkeit sowie Tempo vermissen - und braucht nun eine schnelle Reaktion

Bremen – Kurz nach einem Bundesliga-Spiel – insbesondere nach einem verlorenen – gibt es gern mal diesen einen Moment, in dem ein wenig an der Wahrheit vorbeigeredet wird. Da ist das wenig Schöne plötzlich doch gar nicht mehr so schlimm. Marco Friedl hätte es sich also einfach machen und die Leistung seines SV Werder Bremen relativieren können. Doch darauf hatte der Kapitän der Bremer nach der frustrierenden 0:2-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 überhaupt keine Lust. Und deshalb stellte er hinterher unmissverständlich fest: „Wir haben verdient verloren, weil wir das Spiel über die 90 Minuten hergeschenkt haben. Das muss man so offen und ehrlich sagen.“

In der Tat war es so, dass dem Aufsteiger mit fortlaufender Dauer immer mehr die Qualität verloren ging. Vor allem die Kreativität und die Präzision. Kurz nach dem Anpfiff sah das noch komplett anders aus. Die Profis des SV Werder Bremen wirbelten über den Rasen, nach nicht einmal einer Minute hätte Marvin Ducksch eigentlich schon freistehend die Führung erzielen müssen. Tat er aber nicht. Stattdessen vergab die Heimmannschaft in der ersten halben Stunde noch ein paar weitere gute Gelegenheiten – und wurde dafür mit dem Mainzer Führungstreffer von Marcus Ingvartsen bestraft (36.).

Werder Bremen mit ganz schwacher zweiter Hälfte gegen Mainz 05 - Ole Werner: „Können nicht zufrieden sein“

Es war ein Tor, das Wirkung zeigte. Plötzlich war Werders spielerische Linie weg, insgesamt agierte das Team nun viel zu statisch. Selbst die Halbzeitpause brachte nicht die erhoffte Neuordnung, stattdessen zeigte die Elf von Trainer Ole Werner eine ganz schwache zweite Hälfte. Das 0:2 durch Jae-Sung Lee (66.) zog den Gastgebern dann endgültig den Stecker. „Wir haben in der ersten Halbzeit viele Sachen vernünftig gemacht. Was gefehlt hat, ist die Effektivität“, meinte der Chefcoach später. „Mit unserer Leistung der zweiten Halbzeit können wir aber nicht zufrieden sein.“ Denn wo Werder Bremen in den Vorwochen immer noch eine zündende Idee parat hatte, fiel dieses Mal gegen Mainz 05 fast gar nichts mehr ein.

Auch deshalb, weil sich der Gegner weit zurückgezogen hatte und auf seine Konterstärke verließ. „Mainz hat nach dem 0:1 auf einer anderen Höhe agiert, stand bestimmt nochmal 10, 15 Meter tiefer“, hatte Ole Werner beobachtet. „Die Räume sind zwar weiterhin die gleichen, aber viel kleiner, sodass du noch viel genauer sein musst, um Tempo reinzubekommen.“ Doch genau das gelang Werder Bremen überhaupt nicht. „Weil wir mit so wenig Tempo und Durchschlagskraft gespielt haben, haben wir dem Gegner eine komfortable Position gegeben. Dann brauchst du Momente, in denen du dich durchsetzt. Dafür haben wir zu selten gesorgt“, urteilte Werner.

Werder Bremen: Parallelen zwischen Niederlagen gegen FC Augsburg und Mainz 05

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben sich die Bremer im eigenen Stadion schon einmal richtig schwergetan: beim 0:1 gegen den FC Augsburg. Und auch vorher schon gab es Beispiele, die gezeigt haben, dass Werder Bremen immer dann besser aussieht, wenn es Platz auf dem Rasen gibt. „Es gibt bestimmt Parallelen“, gestand Abwehrspieler Niklas Stark. „Das müssen wir jetzt analysieren und dabei sehr ehrlich mit uns selbst sein, aber nicht negativ gegen uns selbst. Wir müssen es als Lernprozess betrachten. Solche Spiele gehören dazu.“ Ole Werner vermied einen Eins-zu-eins-Vergleich zwischen den Partien gegen den FCA und den FSV Mainz 05. „Augsburg ist hier auf einer anderen Höhe angelaufen. Es war schon ein anderes Spiel“, hob er hervor. „Das, was gegen Augsburg schlecht war, haben wir jetzt in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht, was zweite Bälle und das Verteidigen im Rücken angeht. Man kann es schwer miteinander vergleichen. Augsburg hatte viel klarere Möglichkeiten als Mainz sie hatte.“

Und doch stand am Ende in beiden Fällen eine Niederlage für Werder Bremen. Auch weil der sonst so zuverlässige Sturm dieses Mal enttäuschte. Dabei hatten die Gäste personell ordentlich improvisieren müssen, in Dominik Kohr wurde in der Innenverteidigung sogar erstmals ein Akteur aufgeboten, der eigentlich im Mittelfeld zu finden ist. Doch selbst diese Not-Lösung half Marvin Ducksch oder Niclas Füllkrug nicht. Ihr Trainer wollte den schwächeren Auftritt des Duo aber nicht überbewerten. „Ich kann eigentlich das Gleiche sagen, was ich auch sage, wenn die beiden gelobt werden: Es ist immer eine Frage der gesamten Mannschaft“, erklärte der 34-Jährige. „Es sind immer alle daran beteiligt, dass man so spielt, dass die Stürmer in eine gute Position kommen. Wir haben es insgesamt viel zu selten geschafft, den Gegner mal so in Bewegung zu bringen, dass mal Räume entstehen können. Auch im Strafraum haben wir es nicht geschafft, uns durchzusetzen.“

Niederlage gegen Mainz 05: Werder Bremen „war klar, dass es auch Rückschläge geben wird“

Die Folge ist ein Dämpfer mitten hinein in die leichte Euphorie, die zuletzt rund um den Osterdeich eingesetzt hatte – zumindest öffentlich. Intern hatte der Fuß ohnehin auf der Bremse gestanden. Und das tat er auch jetzt. „Es wäre vermessen, wenn wir als Aufsteiger davon ausgehen würden, dass immer alles rund läuft“, sagte Clemens Fritz, Werder Bremens Leiter Profifußball, im Gespräch mit der DeichStube. „Uns allen war klar, dass es auch Rückschläge geben wird. Damit müssen und werden wir umgehen.“ Marco Friedl ärgerte die verpasste Gelegenheit, sich in der Tabelle noch weiter nach oben zu schieben dennoch. „Wenn du die Chance hast, dich oben festzusetzen, willst du das natürlich machen“, meinte er. „Wir wollen jede Chance auf Punkte nutzen, damit wir unser Ziel erreichen können. Das Schöne ist, dass wir jetzt nicht viel Zeit haben, sondern unter der Woche schon wieder spielen.“

Am Mittwoch ist Werder Bremen erneut gefordert. Dieses Mal nicht in der Bundesliga, sondern in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Zweitligisten SC Paderborn (18 Uhr). Da fällt die obligatorische Analyse des gerade Erlebten automatisch ein wenig kürzer aus. Ob das ein Vorteil ist? Niklas Stark weiß es auch nicht so genau. „Das wird sich zeigen“, sagte er lächelnd. „Wenn wir gewinnen, ja. Wenn wir verlieren, nein. Die Antwort gebe ich nach dem Spiel, okay?“ (mbü) Auch interessant: So sehen Fans das DFB-Pokal-Spiel Werder Bremen gegen SC Paderborn live im TV und Live-Stream!

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