Der Sieg gegen Schalke 04 zeigte, dass Werder Bremen jetzt auch Spiele gewinnen kann, in denen die Spieler zwischenzeitlich große Probleme mit dem Gegner und sich selbst haben.
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Der Sieg gegen Schalke 04 zeigte, dass Werder Bremen jetzt auch Spiele gewinnen kann, in denen die Spieler zwischenzeitlich große Probleme mit dem Gegner und sich selbst haben.

Werder-Erfolg trotz Problemen

Selbstkritische Sieger: Werder feiert 2:1-Erfolg gegen Schalke 04, ist mit sich aber keineswegs zufrieden

Bremen – Die selbstkritische Anmerkung, im Heimspiel gegen Schalke 04 nicht gerade die beste Leistung gezeigt zu haben – sie war am Samstagabend felsenfester Bestandteil in beinahe jedem Statement eines Profis von Werder Bremen.

Mittelfeldspieler Ilia Gruev hielt etwa fest, „dass es nicht unser überzeugendster Auftritt war“, während Kapitän Marco Friedl offen einräumte: „Es war glücklich für uns, nicht früh in Rückstand geraten zu sein.“ Mitchell Weiser wiederum sprach von einer „schweren Aufgabe“ gegen ein gutes Schalker Team und hatte dabei eines mit seinen Mitspielern Gruev und Friedl gemeinsam: Auch er wirkte bei seiner Analyse alles andere als unzufrieden. Das lag in erster Linie natürlich daran, dass Werder Bremen das Aufsteiger-Duell am Ende mit 2:1 (1:0) für sich entschieden hatte, was in der Bundesliga-Tabelle drei weitere wertvolle Punkte brachte – und darüber hinaus durchaus als nächster Entwicklungsschritt der Mannschaft beschrieben werden darf.

Werder Bremen gewinnt gegen Schalke 04 - trotz großer Probleme mit dem Gegner und sich selbst

Warum? Nun ja, es ist schließlich noch gar nicht so lange her, dass die Bremer nach Heimspielen, von denen sie sich im Vorfeld sehr viel versprochen hatten, als Verlierer vom Platz zurückkamen. Stichwort Augsburg, Stichwort Mainz, als die Leistungen ähnlich wie nun gegen Schalke 04 keinesfalls durchgehend überzeugend waren. „Wir haben versucht, aus diesen Spielen zu lernen“, berichtete Weiser – und hielt fest: „Die Energie war heute wieder eine ganz andere.“ Schon in der Vorwoche beim 1:0-Erfolg gegen Hertha BSC hatten die Spieler von Werder Bremen gezeigt, dass sie auch Partien gewinnen können, in denen sie zwischenzeitlich große Probleme mit dem Gegner und sich selbst haben. Nachdem das gegen Schalke zum zweiten Mal in Serie gelungen war, betonte Friedl: „Deshalb ein Lob an die Mannschaft, weil wir es nicht gut gemacht, das Spiel aber trotzdem über die Runden gebracht haben.“

Positiv gedeutet lässt sich anhand solcher Auftritte sagen, dass Werder Bremen in der Bundesliga inzwischen ziemlich clever agiert, dabei auch hartnäckigere Widerstände aushalten und – etwas Glück immer mit eingepreist – auch selbst entscheidend zuschlagen kann. Wie Niclas Füllkrug (30.) und Marvin Ducksch (76.) gegen den FC Schalke 04, dessen Anschlusstreffer von Dominick Drexler (89.) am Ende zu spät kam. Immer darauf verlassen dürfen und wollen sich die Bremer aber nicht.

Werder Bremen-Trainer Ole Werner findet Punkte-Ausbeute „top“, aber übt nach Sieg gegen Schalke 04 auch Kritik

„Ich weiß nicht, ob es allzu oft funktioniert, um ehrlich zu sein“, sagte Cheftrainer Ole Werner: „Ich habe ja schon vor dem Spiel gesagt, dass wir immer am Limit spielen müssen, um dauerhaft und konstant punkten zu können.“ Heißt: Künftig dürfen es für den Coach gerne wieder ein paar Fehler und Unsicherheiten weniger sein – ein Gesicht, das Werder Bremen in der laufenden Saison auch schon gezeigt hat. „Die Jungs haben in dieser Saison bisher sehr oft am Limit gespielt, deshalb haben sie die Punkte gesammelt, die wir jetzt haben“, sagte Werner, der die 21 Zähler nach 13 Spieltagen als „top“ einstufte, aber auch hervorhob, „dass diese Punktzahl nicht reichen wird, um am Ende unsere eigenen Ziele zu erreichen“. Deswegen auch die kritischen Worte nach dem Sieg gegen Schalke 04: „Wir haben in vielen Phasen nicht das gespielt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Dass ganz ähnliche Einschätzungen direkt nach der Partie auch aus der Mannschaft selbst kamen, dürfte Werner gefreut haben – schließlich hilft dem 34-Jährigen die Reflexionsfähigkeit seiner Spieler bei einer durchaus paradoxen Aufgabe, die sich ihm im Arbeitsalltag stellt.

Werner selbst sieht sich bei Werder Bremen bekanntlich als eine Art Entwicklungshelfer eines Kaders, in dem viel Potenzial steckt. „Für uns geht es darum, in unserer Entwicklung weiterzumachen und uns dabei nicht nur an Ergebnissen zu orientieren, sondern vor allem auch an Leistungen“, sagt der Trainer, der deshalb regelmäßig nach Siegen kritisiert oder nach Niederlagen lobt. Dass er Letzteres bisher deutlich seltener machen musste, spricht für die gute Arbeit, die aktuell am Osterdeich geleistet wird – und die nach dem sechsten Saisonsieg gegen Schalke für einen kuriosen Moment sorgte. Während die eingangs erwähnten Gruev, Friedl und Weiser nach dem Spiel gegenüber den Journalisten auf eigene Fehler hinwiesen, sangen die Werder-Fans in der Ostkurve ausgelassen ein Lied. Eine Zeile darin lautete: „Wir werden Deutscher Meister sein!“ (dco)

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