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Niklas Moisander (l.) und Lamine Sane (r.) werfen sich ins Duell mit den Leizigern Bernardo (2.v.r.) und Lukas Klostermann. Insgesamt war es zwischen Werder und den „Bullen“ ein Duell auf Augenhöhe – das die Bremer allerdings verloren.

Werder optimistisch in den Hinrunden-Endspurt

Abgeblitzt, aber nicht entmutigt

Leipzig/Bremen - Trotz der Pleite gegen RB Leipzig glaubt Werder Bremen an viele Punkte im schwierigen Hinrunden-Endspurt.

Vermutlich kennen die meisten diese Situation, haben sie selbst irgendwann irgendwie erlebt. Die Situation geht so: Am Wochenende auf einer Party gewesen, hübsch gemacht, gefeiert, geflirtet, alles gegeben – doch am Ende wieder keine(n) abgekriegt. Für Werder Bremen war die 0:2-Niederlage bei RB Leipzig am Samstag so eine Party. Die Mannschaft hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, aber trotzdem verloren. Dass sie dennoch nicht vollends frustriert nach Hause fuhr, lag daran, dass ihr der Erfolg zumindest zugezwinkert hatte. Das macht Mut für die nächsten Partys – pardon: Spiele.

Viermal muss Werder bis zur Winterpause noch in der Liga ran. Das Programm, das die Bremer dabei erwartet, ist äußerst kontraststark. Heimspiele gegen Gegner wie den VfB Stuttgart und Mainz 05 stehen Auswärtsspiele gegen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gegenüber. Zweimal vermeintlicher Liga-Durchschnitt, zweimal vermeintliche Liga-Spitze – was da möglich ist? Nimmt man die Erfahrungen der letzten beiden Partien mit dem 4:0-Heimsieg gegen Hannover 96 und dem 0:2 in Leipzig zur Grundlage, dann könnte die Rechnung so aussehen: Zwei Heimsiege – und ansonsten gucken, was geht. Ob das reicht, um sich bis Weihnachten von einem Abstiegsplatz abzusetzen?

Abstand zu rettenden Plätzen angewachsen

Die Lage hat sich durch die Siege des SC Freiburg und des Hamburger SV wieder zugespitzt für die Bremer, der Abstand zu den rettenden Plätzen ist angewachsen. Weitere Ausrutscher im eigenen Stadion darf es folglich nicht geben. „Die Heimspiele sind sehr, sehr wichtig“, betont Sportchef Frank Baumann, was ohnehin jeder weiß. Aber nur auf die Aufgaben im Weserstadion zu hoffen, wäre eben falsch und zu klein gedacht.

„Wir können auch auswärts den einen oder anderen überraschenden Punkt holen“, meint der 42-Jährige und empfiehlt, die Leistung aus Leipzig als Vorlage für die Aufgaben in Dortmund und Leverkusen zu nehmen: „Wir haben es den Leipzigern definitiv sehr, sehr schwer gemacht und haben auch bei eigenem Ballbesitz Lösungen gefunden. Das war ein gutes Beispiel dafür, dass auch in den kommenden Auswärtsspielen etwas möglich sein sollte“, so Baumann: Nachsatz: „Wie wir spielen, wie wir auftreten, mit welchem Plan wir in ein Spiel gehen – das war wieder sehr gut.“

Einzelkritik: Bartels ohne Glück, Pavlenka ohne Chance

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Saisonbilanz vor dem Anpfiff: 80,3 Prozent gehaltene Schüsse – bester Wert der Liga. Aber als Naby Keita 20 Meter vor dem Tor zum Abschluss kam und den Ball via Innenpfosten ins Netz schickte, war Werder-Schlussmann Pavlenka absolut chancenlos. Ebenso beim 0:2. Bei Schüssen von Demme, Kampl und Bernardo aber auf dem Posten. Note 3  © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Behauptete sich gut gegen die starke Leipziger Offensive, gewann einige wichtige Zweikämpfe. Note 3  © nordphot o
Lamine Sane
Lamine Sane (bis 79.): In den zuvor zwei Spielen unter seiner Regie hatte Coach Kohfeldt auf den Innenverteidiger und Stammspieler verzichtet. Jetzt spülte die Rückkehr zur Dreier- beziehungsweise Fünferkette Sane wieder in die Startelf und ins Abwehrzentrum. Dem Senegalesen unterliefen zunächst ein paar ungenaue Abspiele. Schlussendlich war es eine ordentliche Vorstellung. Auffällig allerdings: Sane bestritt nur vier Zweikämpfe – deutlich weniger als seine Nebenleute Moisander (8) und Veljkovic (9). Note 3  © imago
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Nach dem 4:0 gegen Hannover hatte er sich noch verliebt in die Viererkette gezeigt („Das funktioniert besser“), nun war es doch wieder eine andere Abwehrformation, in der er für Sicherheit sorgen sollte. Moisander, in Vertretung von Junuzovic als Kapitän aufgelaufen, hatte ordentlich zu tun, erst in der Schlussphase schlichen sich Fehler ein, als er sich austricksen ließ. Note 3  © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Spielte den Rechtsverteidiger mit der Lizenz zu gefährlichen Vorstößen. Aber Gebre Selassie war keine Bereicherung für das Bremer Spiel, trat kaum in Erscheinung. Note 4  © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Linker Läufer, optional Außenverteidiger – diese Mischrolle mag der Schwede nicht so gerne. Ähnlich spielte er dann auch. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Seine Eckbälle und Flanken, von denen es einige gab, erreichten die Mitspieler nicht. Lediglich eine Freistoßhereingabe beschwor Gefahr herauf – durch ein Beinahe-Eigentor von Leipzigs starkem Innenverteidiger Upamecano. Note 3,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 66.): Ihm muss eine Portion Mitschuld am 0:1 zugewiesen werden. Der Routinier verlor an der Mittellinie den Ball, ging selbigem aber nicht nach, sondern blieb stehen. Das ist nicht Bargfrede-like. Als Sechser ansonsten durchaus positiv auffällig. Aber der eine Fehler verdunkelt die Bilanz. Dass er nicht durchspielt, ist mittlerweile Gewohnheit. Note 3,5 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Wenn sich Werder defensiv formierte, spielte er oft auf einer Höhe mit Bargfrede und Delaney, Eggestein durfte sich aber auch nach vorne wagen und gab den ersten Bremer Torschuss ab – der blieb jedoch ungefährlich und landete am Außennetz (14.). Eggestein war mit 13,44 zurückgelegten Kilometern und 103 intensiven Läufen erneut der lauffreudigste Bremer. Note 3  © Gumz
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Die kurze Fehlerkette vor dem 0:1 fing bei Bargfrede an und endete bei Delaney. Ein Stockfehler des Dänen geriet zur Vorlage für Leipzigs Torschützen Keita. Bitter für Delaney, der weite Wege ging und über den viel lief. Seinen Pass auf Kruse hätte der Torjäger an jedem anderen Tag wohl mit dem Ausgleich veredelt (49.). Ohne den einen Patzer hätte es nichts zu meckern gegeben. Note 3  © nordphoto
Fin Bartels
Fin Bartels: Mangelnden Mut oder gar Einsatz konnte man ihm nicht vorwerfen. Bartels war emsig, fleißig, probierte viel. Das verlangte die Position auch, denn er pendelte zwischen Mittelfeld und Angriff. Sein Fallrückzieher muss noch als artistische, aber glücklose Aktion eingestuft werden. Bei der zweiten dicken Chance hätte Bartels jedoch präziser abschließen müssen. So blieb viel Fleiß, aber kein Preis. Note 3,5  © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: Es war nicht der Kruse aus dem Hannover-Spiel. Der Leipzig-Kruse hatte wenige Aktionen – und wenn er doch in Erscheinung trat, versprang ihm der Ball (49.) oder er schloss schwach ab (72.). Das kann er deutlich besser. Note 4,5  © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (66.): Bemühte sich, aber die zündende Idee hatte auch er nicht. Note -  © Gumz
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (ab 79.): Auch er setzte keine Impulse mehr. Note - © nordphoto

Allein es fehlten die Tore. Und das war der einzige wirklich erkennbare Unterschied zu RB Leipzig, dem Champions-League-Teilnehmer. Max Kruse und Fin Bartels ließen beste Chancen für Bremen liegen, Naby Keita (34.) und Bernardo (87.) trafen für die „Bullen“. Deshalb fiel Werder auf Rang 17 zurück und rückte Leipzig auf zwei vor.

Die Distanz in der Tabelle könnte also größer kaum sein, auf dem Platz war davon aber nichts zu erkennen. „Wir waren nah dran. Treffen wir im richtigen Moment, können wir einen Punkt holen oder sogar gewinnen“, fasste Verteidiger Niklas Moisander die Partie zusammen. Dass mit dem Sieg war vielleicht ein bisschen zu weit gegriffen, die Niederlage war aber in der Tat nicht unabwendbar gewesen. „Es war ein unverdienter Sieg für Leipzig“, behauptete gar Max Kruse.

Kohfeldt: „Mit diesem Mut noch viele Punkte holen“

Doch mit derartigem Lamentieren wollte sich bei Werder niemand wirklich aufhalten. Gut gespielt, nix geholt – was dennoch aus dem Spiel rauszuholen war, versuchte Coach Florian Kohfeldt zu finden. Er stieß auf den Mut und den Willen seiner Mannschaft, auf die insgesamt positive Entwicklung. „Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Mut noch viele Punkte holen werden“, sagte er.

Muss ja auch. Der Ist-Zustand von acht Punkten nach 13 Partien ist die Realität, die nicht auszublenden ist. Die auch nicht ausgeblendet werden soll – jedenfalls nicht von Kohfeldt: „Wir gucken darauf mit der Gewissheit, dass wir bis Saisonende noch viele Spiele haben, in denen wir dafür sorgen können, dass die Tabelle irgendwann wieder anders aussieht.“

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