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Theodor Gebre Selassie und Co. konnten sich noch so artistisch einsetzen, am Ende bekamen die Stuttgarter Punkte.

Unterschiedliche Gründe für Niederlage in Stuttgart

Der Teufel steckt im Detail

Stuttgart - Viel sagen wollte er zunächst nicht, aber im Grunde reichte dieses eine Wort ja auch vollkommen aus: „Geschafft!“. Gleich dreimal nacheinander wiederholte es Mario Gomez, als er im Bauch des Stuttgarter Stadions frisch geduscht an den wartenden Journalisten vorbeieilte.

Die Haare noch nicht wieder in Form gebracht, die Füße mehr auf als in den Schuhen, dazu ein Grinsen von Ohr zu Ohr – es war die personifizierte Leichtigkeit, die sich da auf den Weg zum Ausgang machte. Kein Wunder, schließlich hatte dieser Gomez soeben mit seinem VfB Stuttgart den Klassenerhalt in der Bundesliga perfekt gemacht, vorzeitig. 2:0 (1:0) gegen Werder Bremen. Da kann man schon mal wirken, wie ein Schüler auf dem Weg in die Sommerferien. Jerome Gondorf blickte kurz über seine rechte Schulter, ciao Mario, dann ging sie weiter: seine Erklärung dafür, warum Werder in Sachen Klassenerhalt noch mindestens eine weitere Woche nachsitzen muss.

„Wir hatten unheimlichen Druck auf unseren Schultern“, begann der 29-Jährige, meinte damit aber nicht speziell das Spiel in Stuttgart, sondern vielmehr die tristen Wochen, als Werder noch so richtig um den Ligaverbleib zittern musste. Mitte Februar, die Bremer hatten gerade mit 0:1 in Freiburg verloren und standen – wie so oft in den vergangenen Jahren – mal wieder am Scheideweg.

Werder hat noch sieben Punkte Vorsprung auf Rang 16

Es folgten beeindruckende fünf Spiele ohne Niederlage, die dafür gesorgt haben, dass sich die Mannschaft dieses 0:2 von Stuttgart im Saisonendspurt leisten kann, ohne sofort wieder zittern zu müssen. Sieben Punkte Vorsprung sind es noch immer auf den Relegationsplatz. Heißt: Selbst bei einer Heimpleite gegen Dortmund könnte Werder am nächsten Spieltag durch sein.

Das ist mehr als komfortabel, das ist der Lohn für den starken März – es führt aber offenbar dazu, dass inzwischen die letzten paar Prozent im Bremer Spiel fehlen. „Vielleicht ist es jetzt einfach so, dass ein kleiner Abfall der Spannung da ist“, sagte Gondorf – und schob direkt hinterher: „Menschlich ist das nachvollziehbar.“ Ist es, keine Frage. Aber Trainer Florian Kohfeldt stellt es vor eine besondere Herausforderung.

Fotostrecke: 0:2 - Werder verliert in Stuttgart

Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © gumzmedia
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © dpa
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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © nordphoto
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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © dpa
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart.
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart. © gumzmedia

Mehrfach hatte der 35-Jährige in den vergangenen Wochen betont, wie wichtig es sei, die Spannung, die Gier nach Siegen bis zum letzten Spieltag aufrecht zu erhalten. Duktus: Selbst wenn es sportlich keinen großen Unterschied macht, ob die Saison auf Tabellenplatz zehn oder nur auf 14 endet – gefühlsmäßig tut es das sehr wohl, weil man die Eindrücke der letzten Spiele während der Sommerpause nicht einfach so löschen kann.

Da passte es irgendwie überhaupt nicht ins Bild, dass Werder in Stuttgart vor allem in den grundlegenden Dingen des Fußballs enttäuschte: Zweikampfverhalten, Entschlossenheit, Konzentration. „In der ersten Halbzeit haben wir zu langsam und behäbig gespielt“, sagte Gondorf. Schon beim 1:2 in Hannover hatten die Bremer gegen einen körperlich sehr präsenten Gegner nicht ausreichend dagegengehalten.

Coach Kohfeldt: „Wir waren voll da“

Kohfeldt wollte die beiden Spiele aber nicht miteinander vergleichen. „Ich bin immer sauer, wenn wir verlieren, bin heute aber nicht in der Stimmung wie in Hannover“, sagte der Trainer. Mentalität, Spielidee, Einsatz – all das hatte dem Coach „gut gefallen. Wir waren voll da. Es waren eher die kleinen Dinge, die nicht gepasst haben.

Ich sehe dieses Spiel als ein Plädoyer für die Details, dafür, dass jeder Ballkontakt wichtig ist.“ Der Trainer klang dabei etwas wie ein Lehrer, der von seinen Schülern, obwohl bereits alle Klausuren geschrieben sind, trotzdem weiterhin die volle Aufmerksamkeit fordert.

Detailarbeit, Abläufe einstudieren – das ist mühsam, das kann nerven. „Vielleicht sagt man manchmal: Boah, jetzt schon wieder sowas. Im Spiel heute haben wir aber gesehen, warum man es immer wieder tun muss“, betonte Kohfeldt, der seiner Mannschaft auch in der Woche vor Dortmund keine Ruhe lassen wird. „Ich werde mich auch vor dem BVB-Spiel hinstellen und sagen, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen wollen.“

Gelingt das, dürfte sie am Sonntag auch im Bremer Weserstadion zu spüren sein: diese ansteckende Leichtigkeit, mit der Gomez in Stuttgart aus dem Stadion geschwebt ist.

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