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Werder-Trainer Florian Kohfeldt ist derzeit in aller Munde - nicht zuletzt aufgrund seiner Auszeichnung zum Trainer des Jahres.

Trainer des Jahres 2018

Ist Kohfeldt auf Dauer überhaupt zu halten?

Bremen – Die Auszeichnung hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Der DFB beherrschte am Donnerstagabend im Netz und am Freitagmorgen in den Zeitungen die Schlagzeilen im deutschen Sport – und das mit einem positiven Thema. So wünscht sich das der Verband in insgesamt nicht ganz einfachen Zeiten. Da kommt so ein Sympathieträger wie Florian Kohfeldt gerade recht.

Ihn zum Trainer des Jahres gemacht zu haben, war eine mehr als nachvollziehbare Wahl – und eine clevere dazu. Denn der Coach des SV Werder ist gerade ganz besonders angesagt in Deutschland. Und deshalb wirkt dieser Abend auch auf Bremen, fast zwangsläufig stellt sich die Frage: Wie lange kann Werder Florian Kohfeldt eigentlich noch halten? 

Kohfeldt fordert Fokus auf Mainz: „Sonst gibt es Ärger mit mir“

Kohfeldt selbst wollte diese und andere Fragen am Freitag nicht mehr beantworten. Er bat um Verständnis: „Ich will mich jetzt voll auf das Spiel konzentrieren.“ Am Samstag kommt der FSV Mainz ins Weserstadion. Drei Punkte sollen her, damit der Traum von Europa weiter lebt. 

Von diesem Weg möchte sich Kohfeldt durch nichts abbringen lassen. Er hat das gerade erst am Donnerstagmorgen auch öffentlich von allen Beteiligten gefordert. Dabei ging es um die anstehenden Vertragsverlängerungen der Brüder Eggestein. Zu viel Raum dürften diese Themen nicht einnehmen, mahnte der Coach und drohte dem eigenen Personal und den Medien: „Sonst gibt es Ärger mit mir.“

Erhielt am Donnerstagabend die Auszeichnung zum Trainer des Jahres 2018: Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Er selbst musste bei dieser Fokussierung auf den Sport allerdings noch einen Umweg nehmen – über Köln. Dorthin hatte der DFB zur Trainergala geladen. Da durfte Kohfeldt als Preisträger natürlich nicht fehlen. Und schweigen konnte er dort auch nicht. Ein Trainer des Jahres stellt sich natürlich den Medien. Die wollten selbstverständlich wissen, wie es mit ihm persönlich weitergeht. Bleibt er dauerhaft bei Werder? Kohfeldt blieb ganz cool und bezeichnete sein Engagement in Bremen als „Traumjob, da möchte ich auch noch bleiben“.

Fast genau vor einem Jahr war sein Vertrag langfristig verlängert worden – um drei Jahre. Frank Baumann hatte ausnahmsweise die Laufzeit genannt, das macht der Sportchef sonst nie. Doch Baumann wollte nicht nur großes Vertrauen in den noch jungen Coach, der erst wenige Monate auf der Kommandobrücke stand, ausdrücken, sondern auch ein Signal an die Konkurrenz senden – nach dem Motto: Keine Chance, der gehört uns!

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Kohfeldt steht für ambitionierten und attraktiven Fußball

Eine Entscheidung mit viel Weitsicht. Denn mit Kohfeldt läuft’s. Werder hat nicht nur mutig Europa als Ziel ausgegeben, sondern auch die nötigen Punkte gesammelt, um der Euro-Zone ganz nah zu sein. Dazu wird attraktiver Fußball geboten. Werder macht Spaß. Aber damit nicht genug: Kohfeldt entwickelt Mannschaft und Spieler weiter. 

Bessermacher werden solche Trainer dann schnell genannt. Beim 36-Jährigen gibt es allerdings zahlreiche Beispiele. Maximilian Eggestein wurde unter ihm Nationalspieler, dessen Bruder Johannes schaffte in der Bundesliga den Durchbruch. Josh Sargent durfte auch schon ran und den Ruf des Riesentalents mit Toren bestätigen. Dazu wird Max Kruse in seiner neuen Rolle als Kapitän immer wertvoller, er spielt eine überragende Rückrunde.

In den Lobeshymnen von DFB-Präsident Reinhard Grindel und DFB-Direktor Oliver Bierhoff wurden explizit diese Entwicklungen genannt und Kohfeldt zugesprochen. „Ich bin mir sicher, dass seine Trainerkarriere in der Bundesliga gerade erst begonnen hat“, meinte Grindel und heizte damit ungewollt ein wenig die Spekulationen an. 

Bleibt so ein besonderer Trainer wie Kohfeldt wirklich ewig bei nur einem Club, auch wenn es sein Heimat-, sogar sein Herzensverein ist? Schon zuletzt wurde Kohfeldt immer mal wieder mit anderen Clubs in Verbindung gebracht – mit Dortmund, Schalke, Mönchengladbach, Leipzig und sogar dem FC Bayern. Das waren keine großen Geschichten in den Medien, eher Spielereien oder Gerüchte, die sich nicht verifizieren ließen.

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Kohfeldt hat denselben Berater wie Jürgen Klopp

Abgesehen vom FC Schalke, der im Moment ohnehin nicht sonderlich attraktiv für einen erfolgreichen Trainer ist, sind alle Jobs bei den Topclubs in Deutschland in guten und sicheren Händen. Noch. Nur ein Wechsel in München, Dortmund oder Gladbach kann das große Karussel in Schwung bringen Bei der Suche nach Nachfolgern wird Kohfeldt dann als Trainer des Jahres zwangsläufig eine Rolle spielen. Die Zeiten, in denen er etwas verborgen in Bremen arbeiten konnte, sind nun endgültig vorbei.

Kohfeldt ist der neue Julian Nagelsmann, der im Sommer den Schritt vom letztlich doch eher kleinen 1899 Hoffenheim zum finanzstarken und extrem ambitionierten Club in Leipzig wagt. Interessant dabei: Der schon als Wundertrainer gefeierte Nagelsmann blieb trotz bester Angebote dreieinhalb Jahre in Hoffenheim. Das deutet auf einen klaren Plan hin. Sein Berater heißt übrigens Marc Kosicke, der sich auch um die Zukunft von Jürgen Klopp (FC Liverpool) kümmert – und von Florian Kohfeldt. Da passiert nicht wirklich etwas zufällig.

Kohfeldt und Co.: Die Trainer des Jahres - Fotostrecke

Trainer des Jahres 2009: Horst Hrubesch.
Trainer des Jahres 2009: Horst Hrubesch. © imago
Trainer des Jahres 2010: Hermann Gerland.
Trainer des Jahres 2010: Hermann Gerland. © imago
Trainer des Jahres 2011: Thomas Tuchel.
Trainer des Jahres 2011: Thomas Tuchel. © imago images
Trainer des Jahres 2012: Christian Streich.
Trainer des Jahres 2012: Christian Streich. © imago
Trainer des Jahres 2013: Norbert Elgert.
Trainer des Jahres 2013: Norbert Elgert. © imago
Trainerin des Jahres 2014: Maren Meinert.
Trainerin des Jahres 2014: Maren Meinert. © imago
Trainer des Jahres 2015: Markus Kauczinski.
Trainer des Jahres 2015: Markus Kauczinski. © imago
Trainer des Jahres 2016: Julian Nagelsmann.
Trainer des Jahres 2016: Julian Nagelsmann. © imago
Trainer des Jahres 2017: Hannes Wolf.
Trainer des Jahres 2017: Hannes Wolf. © imago
Trainer des Jahres 2018: Florian Kohfeldt (r., mit DFB-Präsident Reinhard Grindel)
Trainer des Jahres 2018: Florian Kohfeldt (r., mit DFB-Präsident Reinhard Grindel) © dpa

Welchen Plan Kohfeldt genau verfolgt, das weiß nur er selbst. Bei seiner Vertragsverlängerung hatte er versprochen, seinen bis 2021 laufenden Kontrakt definitiv erfüllen zu wollen, falls Werder ihn lasse. „Meine Aussage steht. Vielleicht ist sie ein wenig ungewöhnlich, aber daran lasse ich mich auch messen“, betonte er im vergangenen Herbst noch einmal. Es würde nicht verwundern, wenn sich Baumann längst um eine vorzeitige Vertragsverlängerung bemüht. Im Stillen. 

Um seinen Coach ist es schon laut genug. Der hat keine Probleme, sich geschickt im Rampenlicht zu bewegen und zu äußern, nimmt sich dabei aber selbst nicht zu wichtig. Auch nicht nach der Preisverleihung. „Gut“ sei der Abend in Köln gewesen, ließ er noch kurz wissen. Dann war das Gespräch beendet – und Kohfeldt wieder mit der Vorbereitung auf den FSV Mainz 05 beschäftigt.

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Ein anderes Gerücht hat Frank Baumann nun unmissverständlich ins Reich der Fabeln verwiesen: Mario Götze wechselt nicht vom BVB zu Werder Bremen. Erneuter Schock für die Grün-Weißen: Bei der 2:3-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim musste Ömer Toprak von Werder Bremen verletzt ausgewechselt werden. Es besteht Verdacht auf einen Muskelfaserriss. Ein Südkoreaner für die Defensive von Werder Bremen – Kyu-hyun Park durfte am Mittwoch erstmals mit der Mannschaft trainieren. In Niklas Moisander fällt der neunte Spieler bei Werder Bremen aus – Florian Kohfeldt hat trotzdem Spaß an dem Verletzungs-Fiasko.

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