Seinen Vertrag bei der AS Monaco hat Naldo aufgelöst, seine Karriere will der Ex-Profi des SV Werder Bremen aber auch im Alter von 37 Jahren weiter fortsetzen.
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Seinen Vertrag bei der AS Monaco hat Naldo aufgelöst, seine Karriere will der Ex-Profi des SV Werder Bremen aber auch im Alter von 37 Jahren weiter fortsetzen.

Naldo sieht kein schnelles Ende des Bremer Zitterns

Ex-Werder-Profi Naldo im Interview: „Jedes Spiel ist jetzt ein Finale“

Bremen/Monte Carlo – 37 Jahre ist Naldo mittlerweile alt, vor drei Wochen hat der Innenverteidiger und Ex-Profi des SV Werder Bremen seinen Vertrag bei der AS Monaco aufgelöst.

Doch wer daraus schließt, dass die Profi-Karriere des gebürtigen Brasilianers und eingebürgerten Deutschen nun beendet ist, der irrt gewaltig. „Ich bin bereit noch mal anzugreifen“, sagt der Verteidiger im Interview mit der DeichStube.

Naldo, vor einem Jahr zum dritten Mal Vater geworden, befindet sich aktuell aber im Schwebezustand zwischen Profi- und Familienleben. Dabei hat er auch viel Zeit, das Geschehen bei seinem Ex-Club Werder Bremen zu verfolgen. Für die Grün-Weißen, für die Naldo zwischen 2005 und 2011 254 Pflichtspiele bestritt, gebe es im Abstiegskampf mittlerweile „nur noch Endspiele“, erklärt Naldo und prophezeit ein Zittern bis zum Schluss: „Wer zu diesem Zeitpunkt noch im Keller steht, bleibt auch bis zum Saisonende unten dabei.“

Vor 13 Monaten sind Sie von Schalke 04 zur AS Monaco gewechselt, haben nun aber Ihren Vertrag aufgelöst. Ein Blick auf Ihre Einsatzstatistik lässt den Grund schon erahnen: Bei Ihnen steht die Null. Sie standen in der laufenden Saison nur dreimal im Kader.

Ich habe deutlich gespürt, dass ich hier keine Rolle mehr spiele. Dabei war ich immer bereit zu helfen. Das weiß jeder. Aber ich habe einfach keine Chance mehr bekommen.

Wie ist es, nach einer langen erfolgreichen Karriere so ins sportliche Abseits gestellt zu werden?

Es tut nicht weh, und ich bin auch nicht traurig. Der Fußball ist so, solche Momente gehören dazu. Aber natürlich habe ich eine andere Meinung als die sportlich Verantwortlichen. Ich denke, ich hätte der Mannschaft noch helfen können, will jetzt aber auch keine Diskussionen mehr anzetteln.

Wer hat die Trennung vorgeschlagen – Sie oder der Club?

Ich habe das so gewollt. Am Ende war die Entscheidung für beide Seiten klar, und ich denke, beide Seiten sind jetzt auch erleichtert.

In Ihrer Vita stehen 506 Pflichtspieleinsätze für Werder Bremen, den VfL Wolfsburg, Schalke 04 und die AS Monaco – reicht das oder geht es noch weiter?

Es geht weiter. Ich fühle mich noch gut. Klar, mit 37 Jahren gucken viele und sagen: ,Hey, Naldo ist am Karriereende angekommen.’ Aber ich bin bereit zu zeigen, dass ich noch spielen kann. Aber nur, wenn sich eine wirklich interessante Aufgabe bietet. Ich schaue mich um und trainiere solange alleine. Ich bin vertragslos und kann deshalb auch nach Ende der Transferfrist überall unterschreiben.

Definiere interessant!

Interessant ist, wenn eine Mannschaft einen erfahrenen Verteidiger braucht – einen, der nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine helfen kann. Es geht mir dabei nicht um Geld, wirklich nicht. Ein paar Anfragen gab es auch schon, doch es war nichts dabei, was infrage gekommen wäre.

Haben Sie sich eine Frist gesetzt, wie lange sie gucken und warten wollen?

Nein, ich weiß es einfach noch nicht. Das Gute ist: Ich habe keinen Druck und keinen Stress. Wenn noch mal ein reizvolles Angebot kommt, ist es gut. Wenn nicht, dann ziehe ich eben einen Schlussstrich unter meine Karriere. Das wäre auch kein Problem.

Die meisten anderen Spieler in Ihrem Alter legen längst die Füße hoch.

Ich habe aber immer noch Lust, Fußball zu spielen. Ich habe auch so viele Freunde, die mir sagen: ,Naldo, du kannst nicht aufhören, du musst noch weitermachen, du bist noch fit genug.’ Ich höre dabei natürlich auf meinen Körper. Wenn der mir sagen würde, es ist vorbei, dann ist halt Ende. Aber bis jetzt habe ich nicht das Gefühl. Ich bin bereit, nochmal anzugreifen.

Würden Sie sich die Bundesliga noch zutrauen?

Ja, aber es gab und gibt keine Anfragen oder Angebote aus der Bundesliga. Natürlich würde ich gerne nochmal zurückkehren – auch nach Bremen. Ich würde Werder gerne helfen. Aber ehrlich: Das ist kein Thema.

Wären Sie auch bereit für ein Abenteuer in China, einer arabischen Liga oder in den USA?

Da spielt meine Familie eine ganz zentrale Rolle. Ich habe zu meiner Frau gesagt: ,Du musst entscheiden, ob ich im Fußball nochmal etwas erleben darf oder nicht.’ Sie hat gesagt: ,Ja, warte ab, was kommt.’

Und während Sie warten?

Genießen wir zusammen ein anderes Leben als in den zurückliegenden Jahren. Ich bin jetzt den ganzen Tag zu Hause, bringe unsere beiden älteren Kinder zur Schule, hole sie wieder ab und habe viel Zeit für unser kleines Baby. Diese Situation ist neu und sehr, sehr schön. Die Kinder mögen es, sind sehr glücklich. Und mir tut es auch gut. Wenn meine Frau aber sagt, das Angebot ist interessant, ich kann es annehmen, dann mache ich das. Wenn nicht, bleibe ich zu Hause. Es gibt bei uns auch keinen Stress, obwohl ich den ganzen Tag zu Hause bin (lacht).

Wie sehr verfolgen Sie von Monaco aus das Bundesliga-Geschehen und speziell die Entwicklung bei Werder Bremen?

Intensiv. Ich kann alle Spiele sehen, habe auch den Bremer Pokalerfolg gegen Dortmund live verfolgt. Aber auch bei Wolfsburg und Schalke, meinen anderen Ex-Clubs, schaue ich genau hin.

Wie bewerten Sie die Bremer Lage im Abstiegskampf?

Die Situation ist wirklich schwierig. Das Team muss jetzt angreifen, gegen Union Berlin wartet ein ganz, ganz wichtiges Spiel. Werder braucht schnell Punkte.

Der Sieg über Dortmund hat eben diese Punkte nicht geliefert.

Stimmt, aber der Sieg bringt neuen Schwung, er bringt neues Selbstvertrauen und er bringt ein bisschen Ruhe für Trainer Florian Kohfeldt. Ich halte ihn für einen super Trainer, von dem noch viele junge Spieler profitieren werden. Er hat eine klare Philosophie und folgt der auch. Das ist für eine Mannschaft enorm wichtig, weil es Orientierung gibt. Aber wie jeder Trainer muss auch Kohfeldt eine schwierige Zeit durchleben – und diese Zeit ist jetzt. Ich wünsche ihm aber, dass nun die Punkte kommen, die die Ruhe und Sicherheit zurückbringen.

Glauben Sie noch daran, dass sich Werder schnell aus dem Abstiegskampf befreien kann?

Das ist schwer. Wer zu diesem Zeitpunkt noch im Tabellenkeller steckt, bleibt auch bis zum Saisonende unten dabei. Es ist doch so: Du gewinnst heute, verlierst morgen aber wieder und kommst nicht entscheidend voran. Um dich wirklich zu befreien, brauchst du schon eine stabile Siegesserie. Aber für Werder gilt jetzt sowieso erstmal nur eins: der Sieg über Union Berlin. Niemand darf jetzt noch denken, dass man morgen nachholen kann, was heute nicht geklappt hat. Für Werder ist jetzt jede Partie ein Finale, es gibt nur noch Endspiele. So muss die Mannschaft auch in die Begegnungen gehen. Gegen Dortmund hat sie es gemacht, gegen Union hoffentlich wieder. (csa)

Von 2005 bis 2011 spielte Naldo für den SV Werder Bremen.

Zur Person

Naldo, vollständiger Name Ronaldo Aparecido Rodrigues, wechselte 2005 vom brasilianischen Club Juventude zu Werder Bremen. 2007 gewann er mit Brasilien die Copa America, obwohl er insgesamt nur viermal für sein Geburtsland auflief. 2009 gewann er mit Werder und 2015 mit dem VfL Wolfsburg den DFB-Pokal. Dazwischen lag ein Knorpelschaden im Knie, der beinahe das Karriereende bedeutet hätte. Nach sieben Jahren in Bremen und vier Spielzeiten in Wolfsburg folgte noch ein zweieinhalb Jahre dauerndes Engagement bei Schalke 04. Nach 358 Bundesligaspielen wechselte er im Januar 2019 zur AS Monaco in die französische Ligue 1, wo er nur sieben Mal zum Einsatz kam, ehe er vor drei Wochen seinen bis zum Saisonende datierten Vertrag vorzeitig auflöste. Update 30. September 2020: Naldo wird Co-Trainer bei Schalke 04.

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