Andreas Herzog: Früher Profi beim SV Werder Bremen, heute Trainer In Österreich.
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Andreas Herzog: Früher Profi beim SV Werder Bremen, heute Trainer In Österreich.

Biographie über Ex-Werder-Profi Andreas Herzog

Auf den Spuren des Zauberers: Eine neue Biografie über Andreas Herzog ist reich an Werder-Anekdoten, doch manchmal fehlt die Magie - eine Rezension

Bremen - Wenn Andreas Herzog am Ball war, dann hatte das mitunter etwas Magisches. Mit einer einzigen Aktion, einem winzigen Geniestreich konnte er Spiele entscheiden. In Bremen hat er das unzählige Male getan, wodurch er gepaart mit seiner unnachahmlichen Art beim SV Werder Bremen in den 1990er Jahren schnell zum Publikumsliebling avancierte. Und auch in seiner österreichischen Heimat ist das „Herzerl“ noch immer eine Legende, weshalb es nicht verwundert, dass kürzlich unter dem Titel „Andreas Herzog – Mit Herz und Schmäh“ eine Biografie über den einstigen Mittelfeldspieler erschienen ist.

Karin Helle und Claus-Peter Niem haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem inzwischen 53-Jährigen eine 341 Seiten umfassende Bühne zu bereiten. Bereits im Vorwort kürt das Duo ihn zum „Meister der Anekdoten“ – und schnell wird klar, dass sie damit keinesfalls übertrieben haben. Doch der Reihe nach. In den ersten 30 Kapiteln werden die bisherigen Lebensstationen Andreas Herzogs gewürdigt, der Weg vom talentierten Jungkicker zum erfolgreichen Profi und späteren Trainer nachgezeichnet. Dabei greifen die Autoren nicht nur auf einzelne kurze Aussagen ihres Protagonisten zurück, sondern schenken ihm angenehm viel Raum, um Situationen zu erklären, Erinnerungen zu formulieren. Werder-Fans von mögen vor allem nach den Geschichten aus Herzogs Bremer Zeit gieren, die dann auch einen großen Platz einnehmen und sich genüsslich aufsaugen lassen. Selbstverständlich wird die Wichtigkeit Otto Rehhagels für den Reifeprozess des Österreichers thematisiert, dazu gibt es mal mehr, mal weniger illustre Einblicke in das Innenleben der damaligen Mannschaften des SV Werder Bremen.

Werder Bremen-Ex-Profi Andreas Herzog über Rostock-Einwechslung: „Das war der schönste Moment in meiner Karriere“

Das Problem mit den Anekdoten: Gewisse Details verblassen mit der Zeit, Geschichten verselbstständigen sich, es schleichen sich Ungenauigkeiten ein. Da mögen sie im ersten Moment noch so perfekt klingen. Andreas Herzog lässt in diesem Buch jedenfalls keinen Zweifel daran, dass er sich an den 13. Februar 1998 noch ganz genau erinnert. Es war der Tag, an dem eine viermonatige Auszeit aufgrund einer fast schon berüchtigten Zehen-Operation zu Ende gegangen war. Ein Eingriff, der übrigens – wie fast schon inflationär in verschiedenen Kapiteln erwähnt wird –, dafür gesorgt hat, dass die große Zehe noch heute in unnatürlichem Winkel absteht. „Dann bin i reingekommen gegen Hansa Rostock, und das ganze Weserstadion hat mich gefeiert. Das war der schönste Moment in meiner Karriere. Das Stadion hat von der ersten Minute an gesungen. I bin 30 Minuten mit der Gänsehaut dagesessen“, verrät Herzog. Worte, die bei vielen Fans, die damals dabei waren, sofort berauschende Bilder im Kopf entstehen lassen.

Dabei hat Hansa Rostock an diesem Freitagabend gar nicht bei Werder Bremen gespielt. Der Gegner hieß vielmehr MSV Duisburg. Das mag nur eine Kleinigkeit sein – aber es ist zumindest eine ärgerliche. Gerade dann, wenn sie dank unzähliger Datenbanken schnell überprüft hätte werden können, auch noch an mehreren Stellen im Buch auftaucht und Teil einer Biografie ist, die den Wert von Anekdoten derart in den Vordergrund rückt. Das weckt schnell den Eindruck, dass es auf die Exaktheit nicht so ankommt, so lange der Hauptakteur, Andreas Herzog, ins Plaudern kommen darf.

Werder Bremen: Neue Biografie über Ex-Spieler Andreas Herzog besticht durch Anekdoten

Dabei ist Letzteres zweifelsfrei die ganz große Stärke dieses Werkes. Den Autoren gelingt es, die österreichische Mundart von Andreas Herzog derart gut zu Papier zu bringen, dass es wirkt, als sitze man tatsächlich Auge in Auge mit dem einstigen Profi des SV Werder Bremen zusammen und lausche genüsslich einem Schwank nach dem anderen. Und so ist es nur konsequent, dem Star dafür einen Großteil des Buches zu überlassen. Satte 103 Anekdoten bilden das Prunkstück der Biografie – stellvertretend für die Anzahl an Länderspielen, die der Rekordinternationaler der Alpenrepublik absolviert hat. Nicht alle bieten dabei viel Neues oder enden sonderlich pointiert. Andere hätte man sogar komplett weglassen können, weil sie im ersten Teil des Buches schon ausführlich behandelt und zitiert wurden. Das schmälert den Lesegenuss deutlich, denn eigentlich müsste ein Mensch, der derart viel als Profi und später auch als Trainer erlebt hat, doch noch mehr zu bieten haben und nicht auf Dopplungen angewiesen sein.

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Werder Bremen: Neue Biografie über Andreas Herzog wirkt „mitunter doch sehr dick aufgetragen“

Doch dass sich früh aus dem reichhaltigen Zitate-Fundus bedient wird, hat einen elementaren Grund: den Aufbau des Mythos Andreas Herzog. Zumindest machen die beiden Verfasser von der ersten Seite an keinen Hehl aus ihrer Faszination für die Hauptfigur. Sowohl menschlich als auch sportlich. Das muss in der Literatur nicht zwingend schädlich sein und ist ohnehin ein Trend, der sich in vielen Biografien finden lässt. Aber zumindest in diesem Fall wirkt es mitunter doch sehr dick aufgetragen. Über die fußballerischen Qualitäten des „Alpenmaradonas“ gibt es keine zwei Meinungen, ganz so göttlich, wie ihn die Autoren teilweise erscheinen lassen, ist dann aber auch der Werder Bremens Meisterspieler von 1993 nicht.

Das gilt ganz besonders für die Passagen, in denen es um die Trainerkarriere von Andreas Herzog geht. Dort bedienen sich Karin Helle und Claus-Peter Niem munter allerlei Vokabeln des Motivationscoach-Handbuches und begründen damit das Meistern kniffliger Situationen derart huldigend, als hätte der Österreicher bereits auf den bedeutendsten Trainerbänken der Branche gesessen und sei nahezu frei von Fehlern. Dabei hat Andreas Herzog diese Übertreibungen gar nicht nötig. Seine Karriere spricht für sich selbst. Nicht nur bei Werder Bremen haben ihn deshalb viele Fans geliebt. Tun es womöglich noch immer. Weil das, was er tat, manchmal magisch war. Oder wie es der legendäre Ernst Happel in einem für Andreas Herzog zentralen Satz einst formulierte: „Jetzt zeig ihnen, wie gut du bist, Zauberer.“ (mbü)

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