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Fans von Werder Bremen in Aktion: Die Bremer Ultras werfen Werder wegen der Namensänderung des Weserstadions Doppelmoral vor.

Frust bei Werder-Fans wegen Verkauf des Stadion-Namens

Name des Weserstadions verkauft: Ultras schlagen Alarm - So reagiert Werder Bremen

Bremen – Noch ist der Vertrag mit dem möglichen neuen Stadion-Namensgeber nicht unterschrieben – und ginge es nach dem Willen von sieben Bremer Fan-Gruppen, dann würde der Kontrakt zwischen dem SV Werder Bremen und der Wohninvest Holding GmbH auch im Papierkorb landen - die Ultras schlagen Alarm!

Update vom 3. Juni 2019: Jetzt hat Werder Bremen auf die Vorwürfe der Bremer Ultras wegen der Namensänderung des Weserstadions reagiert. „Die Ultra-Gruppierungen haben uns ihre Gedanken ebenfalls mitgeteilt. Wir sind mit unserer aktiven Fanszene in einem regelmäßigen Austausch“, erklärte Werders Mediendirektor Michael Rudolph auf Nachfrage der DeichStube. „Wir haben sie in den vergangenen Tagen über den Stand der Gespräche unterrichtet und werden diesen Dialog auch weiterhin auf dem direkten Wege fortsetzen.“ Eine dezidierte Stellungnahme zu den Kritikpunkten der Ultras im Einzelnen gibt es bislang aber nicht.

Zur Originalmeldung vom 3. Juni 2019:

In einer gemeinsam verfassten und an alle Fans von Werder Bremen gerichteten Mail fordern die Fan-Gruppen die Geschäftsführung auf, „genauestens zu überlegen, ob es nicht auch andere Lösungen geben kann". Denn die geplante Änderung des Stadion-Namens von „Weserstadion" zu „Wohninvest Weserstadion" kommt bei den Ultra-Gruppen wie erwartet nicht gut an. Überdies werfen sie dem SV Werder Bremen bei der Auswahl des Partners eine „Doppelmoral" sowie „Scheinheiligkeit" vor und beklagen im Auswahlprozess ein „intransparentes und unehrliches Handeln" der Geschäftsführung gegenüber dem Fanbeirat. Jetzt planen Werder-Fans eine Demo gegen den Verkauf der Namensrechte am Weserstadion.

Werder Bremen: Verkauf des Stadion-Namens sorgt für Unmut bei vielen Fans

Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass  Werder Bremen die Rechte am Stadion-Namen für zehn Jahre an das Immobilienunternehmen aus Fellbach in Baden-Württemberg verkaufen wird und dafür insgesamt 30 Millionen Euro erhält. Damit schließt der Club ein seit einem Jahr bestehendes Finanzloch in der von ihm und der Stadt Bremen in Kooperation betriebenen Bremer Weserstadion GmbH (BWS). Im vergangenen Jahr war der fehlende Betrag zum Teil mit Einnahmen aus dem Spielbetrieb ausgeglichen worden.

Werder Bremen: Ultras beklagen Wohninvest-Geschäftsmodell

Der Kernpunkt der Ultras-Kritik ist nicht der Verkauf der Namensrechte an sich, sondern das Geschäftsmodell der Firma Wohninvest und die angebliche Doppelmoral der Werder-Führung. Die Ultras holen gegen Immobilienunternehmen generell die große Keule raus, zeichnen das Bild von Geschäftemachern, die alleinerziehende Mütter mit zwei Kindern vor die Tür setzen, um den gut verdienenden Bankier einziehen zu lassen. Auch Wohninvest beteilige sich „maßgeblich am sozioökonomischen Strukturwandel von Stadtteilen", schreiben die Ultras. Obwohl dafür keine Belege genannt werden, passe Wohninvest nicht in das einst von der Werder-Führung formulierte Anforderungsprofil eines möglichen Stadionpartners. Eine Aussage von Geschäftsführer und Sportchef Frank Baumann, wonach ein Namensgeber des Stadions „zu unserer Philosophie passen" müsse und Geld bei der Auswahl „nicht die entscheidende Rolle" spiele, sehen die Ultras durch den bevorstehenden Vertragsabschluss ad absurdum geführt. 

„Wenn also künftig der Name ,Wohninvest' das Weserstadion ziert, dann wird der SV Werder Bremen an seine Scheinheiligkeit, stets die eigenen Werte dem Geld vorzuziehen, erinnert", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Letzten Endes hat die soziale Verantwortung des Vereins bei diesem Deal das Nachsehen und mal wieder stellt ein Sponsoring-Vertrag die Doppelmoral der Geschäftsführung unter Beweis." Die Wohninvest Holding GmbH wird außerdem ein „zwielichtiger Sponsor" genannt. Stadionsprecher Arnd Zeigler betrachtet den verkauf des Stadion-Namens von Werder Bremen indes sehr differenziert. 

Ultras von Werder Bremen fühlen sich übergangen

Auch wenn es erwartbar war, dass der SV Werder Bremen für den Verkauf der Namensrechte Protest ernten wird, ist das Schreiben der Ultras nicht als grundsätzliche Kritik an der Erschließung dieser Einnahmequelle zu sehen. Der Wettbewerb fordere diese Maßnahmen, der Verkauf sei nur „ein logischer Schritt", erklären selbst die sieben Fan-Gruppen. Aber: Die Ultras, gemeinsam mit dem Dachverband Bremer Fan-Clubs im Fanbeirat vertreten, fühlen sich im Auswahlprozess des neuen Partners übergangen. Anders als von Werder Bremen angeblich zugesichert, sei der Beirat nicht über die Wahl von Wohninvest informiert worden, sondern habe von dem bevorstehenden Vertragsabschluss erst aus den Medien erfahren. „Der Verein glänzte gegenüber seinen Fans vor allem durch intransparentes und unehrliches Handeln", schreiben die Ultra-Gruppen deshalb.

Am Ende des Fan-Briefs werden die Gruppen Caillera Ultras, Infamous Youth, UltrA-Team Bremen, L'Intesa Verde, Ultra Boys, Wanderers Bremen und HB Crew als gemeinsame Autoren aufgeführt. Die Mail enthält im Betreff die klaren Botschaften „Stadion-Namen erhalten" und „Scheiß Wohninvest". Der SV Werder Bremen hat sich bislang zu der angestrebten Partnerschaft mit Wohninvest und dem Verkauf der Stadion-Namensrechte nicht geäußert.

Unterdessen bastelt Sportchef Frank Baumann bereits am Kader für die neue Saison. So soll Marko Grujic vm FC Liverpool ein Thema bei Werder Bremen sein.

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