Ivan Klasnic (re.) und sein Rechtsanwalt Dr. Matthias Teichner.
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Ivan Klasnic (re.) und sein Rechtsanwalt Dr. Matthias Teichner.

Zehn Jahre und kein Ende in Sicht

Neuer Sachverständiger statt Vergleich: Klasnic-Prozess geht weiter

Bremen -  Der Klasnic-Prozess nimmt einfach kein Ende. Am Donnerstagvormittag wurde vor dem Oberlandesgericht Bremen ein Beschluss verkündet, wonach ein neuer medizinischer Sachverständiger angehört werden soll.

Das Gericht bestellte laut „Radio Bremen“ Dr. Andreas Aust, Mannschaftsarzt des SC Freiburg sowie wie Dr. Dimanski Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin (Orthopädie), als eben diesen Sachverständigen. Zur Vorlage des neuen Gutachtens wurde eine Frist bis zum 31. Mai 2019 gesetzt. Bis dahin sind in dem Verfahren zwischen dem mehrfach nierentransplantierten Ex-Werder-Profi Ivan Klasnic und dem ehemaligen Bremer Teamarzt Dr. Götz Dimanski sowie weiteren Ärzten keine Entwicklungen zu erwarten. Der Prozess, der sich schon seit mehr als zehn Jahren hinzieht, wird also noch eine ganze Weile weitergehen – mindestens bis Ende 2019, vermutlich aber noch deutlich länger.

Prozess dauert schon zehn Jahre

Nach der Verhandlung im Berufungsverfahren vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Bremen im September hatte Richter Peter Lüttringhaus den streitenden Parteien einen Vergleich vorgeschlagen. Drei Millionen Euro für Klasnic – das war die Idee gewesen. Doch Klasnic (38) hatte noch im Gerichtssaal abgelehnt. „Jetzt dauert der Prozess schon zehn Jahre, dann kann er auch 15 Jahre dauern, das ist mir egal“, hatte der Double-Sieger gesagt.

Klasnic wirft Dr. Dimanski sowie der Internistin Dr. Manju Guha vor, seine schwere Nierenerkrankung ignoriert und nicht behandelt zu haben. In erster Instanz war ihm vom Landgericht Bremen ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro sowie der grundsätzliche Anspruch auf Erstattung entgangener Einnahmen sowie aller entstandenen und noch entstehenden Kosten, die im Zusammenhang mit seiner Niereninsuffizienz stehen, zugesprochen worden. Doch das Verfahren ging in die nächste Instanz.

Dort hielt es Richter Lüttringhaus nach der ersten, sechs Stunden dauernden Verhandlung, „für dringend geboten, darüber nachzudenken, sich zu verständigen“. Auch das hat nicht geklappt.

Dass nun ein Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin seine Meinung zu Verhalten und möglichen Fehlern der beklagten Ärzte abgeben soll, geht in die Richtung von Dr. Götz Dimanski. Es gilt zu klären, ob er als Orthopäde die internistischen Befunde sichten, erkennen, verstehen, prüfen und weitere Schritte hätte einleiten müssen.

Ivan Klasnic: Seine Karriere in Bildern

Ivan Klasnic
Ivan Klasnic spielte ab 1992 beim FC Sankt Pauli in der Jugend, fünf Jahre später lief er in der Zweiten Liga für die Profis auf. Nach 99 Pflichtspielen für die Hamburger und 28 Toren wechselte er im Sommer 2001 zu Werder.  © imago
Der Mittelstürmer brauchte etwas Anlaufzeit bei den Bremern, schlug dann zur Saison 2003/04 voll ein. Sein legendärstes Tor ist vermutlich das 1:0 gegen Bayern München.
Der Mittelstürmer brauchte etwas Anlaufzeit bei den Bremern, schlug dann zur Saison 2003/04 voll ein. Sein legendärstes Tor ist vermutlich das 1:0 gegen Bayern München. © imago
Werder gewann 3:0 und sicherte sich die Meisterschaft. Hier feiert der Kroate schon einmal vorab mit einer Meisterschafts-Pappschale.
Werder gewann 3:0 und sicherte sich die Meisterschaft. Hier feiert der Kroate schon einmal vorab mit einer Meisterschafts-Pappschale. © imago
Auch im Pokalfinale traf Ivan Klasnic - zum Doublesieg!
Auch im Pokalfinale traf Ivan Klasnic - zum Doublesieg! © imago
In den folgenden Jahren blieb der Stürmer Werder treu und trug mit seinen Toren dazu bei, dass Werder regelmäßig in der Champions League spielte. Was keiner wusste: Klasnic litt schon damals an Niereninsuffizienz, die zu lange unbehandelt blieb.
In den folgenden Jahren blieb der Stürmer Werder treu und trug mit seinen Toren dazu bei, dass Werder regelmäßig in der Champions League spielte. Was keiner wusste: Klasnic litt schon damals an Niereninsuffizienz, die zu lange unbehandelt blieb. © imago
Im März 2007 wurde Klasnic eine Niere transplantiert, im November feierte er sein Comeback bei Werder. Er war der erste Fußball-Profi mit einer Spenderniere. 
Im März 2007 wurde Klasnic eine Niere transplantiert, im November feierte er sein Comeback bei Werder. Er war der erste Fußball-Profi mit einer Spenderniere.  © imago
Ivan Klasnic
Und Klasnics Karriere war mit neuer Niere noch lange nicht am Ende. Zur Saison 2008/09 wechselte er zum französischen FC Nantes. Ein Jahr später wurde er an die Bolton Wanderers verliehen. © imago
Ivan Klasnic
Nach Ende der Leihe verpflichteten die Engländer ihn 2010 fest. Der Verein stieg zwei Jahre später ab, Klasnic verließ Bolton nachdem er in insgesamt 94 Pflichtspielen 24 Tore erzielt hatte.  © imago
Ivan Klasnic
Zwei Monate später folgte Klasnics Comeback in der Bundesliga: Mainz 05 verpflichtete den Stürmer im September 2012. Er absolvierte aber nur 3 Ligaspiele und beendete seine Karriere am Ende der Saison.  © imago
Für Kroatien nahm Klasnic an der WM 2006 und der EM 2008 teil. 
Für Kroatien nahm Klasnic an der WM 2006 und der EM 2008 teil.  © imago
In 41 Länderspielen traf er zwölf Mal, sein letzter Einsatz war in der EM-Qualifikation 2011. 
In 41 Länderspielen traf er zwölf Mal, sein letzter Einsatz war in der EM-Qualifikation 2011.  © imago

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