Die Zeit des Nationalsozialismus ist das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte – nun ist ein Buch erschienen, welches die Rolle des Vereins Werder Bremen von 1933 bis 1945 zeigt.
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Die Zeit des Nationalsozialismus ist das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte – nun ist ein Buch erschienen, welches die Rolle des Vereins Werder Bremen von 1933 bis 1945 zeigt.

Buch-Rezension

Gegen das Vergessen: Ein neues Buch erinnert an Werders jüdische Vereinsmitglieder – und entlastet Alfred Ries endgültig

Bremen – Die Flutlichtmasten brannten bereits, der Anpfiff war nicht mehr weit entfernt, da tummelten sich auch am Samstagabend wieder etliche Fans des SV Werder Bremen auf dem Platz vor der Westseite des Weserstadions. Ein Bier mit den Freunden, die Bratwurst mit dem Sohn – letzte Erledigungen eben, bevor es gleich rein-, bevor das wichtige Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 losgeht. Werder in der Gegenwart. Im Hier und Jetzt. Und doch an einem Ort, der wie kaum ein zweiter an die Geschichte des Vereins erinnert.

Seit 2018 ist der Platz an der Westseite des Weserstadions nach Werder Bremens ehemaligem jüdischen Präsidenten Alfred Ries benannt. Nach einem Mann, der während des Nationalsozialismus von den Nazis verfolgt wurde. Der sich jahrelang mit einem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert sah – und der in der breiten Öffentlichkeit heute weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Knapp 55 Jahre nach Ries’ Tod im August 1967 ändert sich das nun grundlegend, was eine der zentralen Leistungen des Sammelbandes „Werder im Nationalsozialismus – Lebensgeschichten jüdischer Vereinsmitglieder“ ist, der vor wenigen Tagen im Bielefelder Verlag „Die Werkstatt“ erschienen ist.

Buch: „Werder Bremen im Nationalsozialismus“ sollte „in keiner Werder-Bibliothek fehlen“

Auf insgesamt 320 Seiten zeichnet das siebenköpfige Autorenteam darin die Schicksale von sieben jüdischen Werder-Mitgliedern nach, denen während der Zeit des NS-Regimes großes Unheil zustieß. Die verfolgt, deportiert, im schlimmsten Fall gar ermordet wurden. Herausgekommen ist dabei ein Buch – um diesen Punkt gleich zu Beginn der inhaltlichen Besprechung zu setzen –, das in keiner Werder-Bibliothek fehlen sollte, mit dem sich die Beschäftigung mehr als nur lohnt. Weil es aufrüttelt und aufklärt, sich trotz streng wissenschaftlicher Herangehensweise sehr gut liest und darüber hinaus die erste Publikation überhaupt ist, die die Rolle des SV Werder Bremen während des Nationalsozialismus umfangreich und gebündelt aufarbeitet.

Das Bild, das dabei entsteht? Es zeigt Werder Bremen als einen bürgerlichen Sportverein, der sich ab 1933 in erstaunlich vorauseilendem Gehorsam widerstandslos der NSDAP als neuem Machthaber fügte. „Man begrüßte nicht nur den politischen Rahmen sportlicher Veranstaltungen, sondern ließ sich bewusst und teils auf eigene Initiative hin für nationalsozialistische Propaganda instrumentalisieren“, schreibt Historiker Lukas Bracht im einleitenden Essay, das einen kurzen Abriss der Vereinsgeschichte zwischen 1933 und 1945 liefert.

Neues Buch: „Werder Bremen im Nationalsozialismus - Lebensgeschichten jüdischer Vereinsmitglieder“

Nachdem der historische Rahmen, innerhalb dessen sich das Buch bewegt, gesetzt ist, geht es an die Lebensläufe und Schicksale der jüdischen Werderaner, wobei Präsident Ries, dem gleich drei der insgesamt neun Aufsätze gewidmet sind, schwerpunktmäßig behandelt wird. Im Text „Agent Alfred Ries“, verfasst von der Historikerin Sabine Pamperrien, liegt dann auch das größte historische Ergebnis des Werkes: Ries wird vom Vorwurf, insgeheim mit den Nazis zusammengearbeitet zu haben, freigesprochen. Über viele Jahre hinweg hatten sich Gerüchte und Vermutungen gehalten, der Präsident des SV Werder Bremen könnte ein Kollaborateur gewesen sein. Zuletzt waren entsprechende Thesen 2017 in einem wissenschaftlichen Aufsatz sowie 2020 in einem TV-Beitrag befeuert worden.

Pamperrien widerlegt diese Darstellungen nun mithilfe von „umfassenden, neuen Quellen“, wie sie kürzlich während der offiziellen Buchvorstellung im Weserstadion sagte – und kommt zu dem Schluss, dass Alfred Ries kein Täter, sondern ein Opfer war.
Die anderen Lebensläufe – von Hugo Grünberg, Leo Weinstein, Theodor Eggert, Hansi Wolff und den Brüdern Rosenthal – werden ähnlich tiefgehend behandelt und sorgen beim Lesen ebenso für eine Mischung aus Schrecken, Bewunderung und Fassungslosigkeit. Das BuchWerder im Nationalsozialismus“ leistet auch hier einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen und trägt dazu bei, dass all diese Namen in Erinnerung bleiben. (dco)

„Werder im Nationalsozialismus – Lebensgeschichten jüdischer Vereinsmitglieder“, Verlag „Die Werkstatt“, 320 Seiten, 29,90 Euro

Weiter mit der letzten Meldung:

Neues Buch: „Werder Bremen im Nationalsozialismus - Lebensgeschichten jüdischer Vereinsmitglieder“

Bremen – Die Zeit des Nationalsozialismus ist ohne Frage das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte – nun ist ein Buch erschienen, das die Rolle des SV Werder Bremen zwischen 1933 und 1945 beleuchtet. Unter dem Titel „Werder im Nationalsozialismus – Lebensgeschichten jüdischer Vereinsmitglieder“ hat es sich ein siebenköpfiges Autorenteam zur Aufgabe gemacht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Werder in der Nazizeit zusammenzutragen und einzuordnen.

Den Schwerpunkt der insgesamt neun Aufsätze bilden nach einem Rückblick auf die frühe Vereinsgeschichte die Schicksale von jüdischen Werderanern, deren Namen somit vor dem Vergessen geschützt werden sollen. Offiziell vorgestellt wird das Buch, das im Verlag „Die Werkstatt“ erschienen ist und 29,90 Euro kostet, am Donnerstagabend (17. März) ab 19.30 Uhr im Weserstadion (VIP-Bereich Ost).

Neues Buch „Werder im Nationalsozialismus“ wird im Weserstadion vorgestellt

Nach der Präsentation durch die Publizistin Dr. Sabine Pamperrien diskutieren Werder Bremens Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald, Prof. Tamar Rapoport (Hebrew University of Jerusalem und Humboldt Universität Berlin), Thomas Hafke (Initiator) und Dr. Marcus Meyer (Landeszentrale für politische Bildung) mit Journalist Ralf Lorenzen über die Bedeutung der Erinnerung im Sport. (dco) Lest auch: Marco Bode schreibt ein Buch über den Abstieg des SV Werder Bremen!

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